Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 25 (2.7.1914)
- Date
- 1914-07-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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V^l VI iUM ' .. VVllMn»w1%n ieite s. Nr. 25. Attische v,tt»sti««e" i » ► 5 1 war er ein «cüHt VerL^rK jüdischer Lehren: Zn einem KricgSbefehle lvandkc er sich,ans HeLt mit einem Spruch aus dem Talmud,' upd aus .stoiistanklnäpet herlangte er einen jüdischen Kalender,' um die^ jüdischen Feste pünktlich halten zu können. Er schwankte mich zwischen den Unitarier», dem judaisierenden Eössi und dein Judentum. 1624 wurde er aus dem Gefängnis frei gelassen, durfte aber Szenterzsebct, fortan seinen einzigen Besitz, nicht mehr verlassen. Auch seine Frau starb. In seinem Falle, der dem Hiobs gleicht, suchte er Trost im Alten Testament. Aber auch ein anderer Umstand drängte ihn zum Judentum. Während seiner Gesaugcnschaft besiedelte der Fürst die entvölkerten Gebiete mit türkischen, spaniolisch sprechenden Juden, die vornehmer waren, keine Judenzcichen trugen und untcr denen cs auch Hofärzte gab. Zu jener Zeit begann er seine Uebersetzungen aus dem hebräischen (sephardischeu) Gcbctbuchc, richtete sein Haus in Szenterzsebct jüdisch ein, nahm sich einen Rabbiner, einen Schulmeis!cr und gründete eine Synagoge. Der neue Fürst. Georg Nakoczi, konnte Pcchis Rat nicht entbehren und so gelangte er wieder zu Einfluß und Bermögen. Dies gestattete ihm cisrige Missionsarbcit und die Matcfis in Kissolhmos wetteiferten mit ihm. Die Frauen führten den jüdischen Haushall' ein. Udvarhelyszek, Marosszck, Marosvasarhely und teilweise auch Klausenburg lvurdcn judaisiercnd. Gegen 20.000 Szeklcr waren Sabbatiancr. Schon wagten sie sogar in politischen Umtrieben hcrvorzutretcn. Sic unterstützten die Erhebung des Moses Szekcly, der ein Verwandter Pechis war. Pcchi war durch seine Vorsicht einer unmittelbaren Lcrjolgung entgangen. Aber unter dem Eindrücke dieser Verschwörung beschloß iiach ihrer Unterdrückung der Landtag vom Jahre 163S Tod und Güterkonfiskation auf die Judaisierenden, wenn sic sich nicht innerhalb eines Jahres bekehren sollten. Im Juli 1638 war auch der verlängerte Termin zu Ende; aber Pcchi blieb standhaft. Ter Fürst erledigte all' die vielen Hundert Prozesse in 7 Tagen und lvandcltc die Todesstrafe in Festungshaft um. Den Weibern erließ er auch diese. Bloß Johann Toroczkai aus Klausenburg, der Sohn des unitarischcn Bischofs büßte mit dem Leben. Desto strenger wurden dkc Güter konfisziert. Einer Tochter Pechis, die im Wochenbette lag, schleppte man das Bcttgewand hervor. Fortan war das Leben Pcchis und seiner Anhängcr ein stiller und trauriger Verfall. Aus dem Gesängnis wurden die Sabbataricr nur dann entlassen, wenn sic in eine der rezipierten Religionen aufnehmen ließen und sich schriftlich verpflichteten, darin auch zu verbleiben. Auch Pech! ließ sich 1039 von einem reformierten Priester taufen. Er starb in hohem Alter, unbekannt toann und wo, und auch sein Grab kennt niemand. Von seinem Herrensitz in Szcnterzscbet ist keine Spur geblieben. Seine Töchter haben ihn überlebt und durch diese rinnt fein Blut noch heute in den vornehmsten Adclsfamilicn Siebenbürgens und Ungarns. Den jüd. Maranncn Spaniens gleich lebten die Sabbatarier im Schoße christlicher Kirche. Aber ihre religiöse» Schriften bewahrten sie bis heute. Vor allem ihr Gebetbuch, das die Traditio» dem Simon Pcchi zu- Im Jahre 186» trat der letzte :liest der Sabbatarier, der bis dahin im Geheimen dein Judentum anhing, das Torf Bözödujfalu, offen zum Judentum Ausführlich berichtet darüber das interessante Werl des Budapestcr Sverrabbiners Tr. S. Koh», Geschichte der Sabbathäer in Ungarn, Budapest 188», deutsch 189». Aktuell ivurde die Auffrischung all dessen durch die mustergiltigc Herausgabe des ungarischen GebetbuchcS Simon Pcchis vom Seminarprofessor Michael Gnttinann und de», ausgezeichneten Philologen De. Alcic- Harmos aus Budapest, »vorüber »vir den Lesern dieses Blattes in der nächsten Numincr ausführlich rescrierc» »vollen. Unsere Leser werden dringend gebeten, bei Cinkänfen nur jene Firmen zu berücksichtigen, die in der ״Jüdischen Bolksstimme" inserieren. Der Prager teutsche Blumentag. Heute gibts Bluinentag. Leit vorigem Jasir finden esdie Prager Israeliten für gut zugunslen des Deutschen Schnlvereines, der versteckt antisemitisch ist und des antisemitischen Bundes der Deutschen in Böhmen, Blumen zu vertanfeu. Freilich verzichten sie darauf, die Gassen linsicher zu niachen — die Prager deutschen Zeitllngcn erklären, um auf die Passanten keinen Zwang auszuilbeir, wir glauben nur der Not gehorchend und weil es Vorkommen könnte, das: ein Tscheche die angebotene Blume mit schallender statt mit klingender Münze zahlte. Desto mehr wimmelt'- in allen deutschen Lokalen, vom (Lass ASeles bizur Selcherei Kohn von holden schwarzhaarigen Ärininnen, die Stiefmütterchen — nebenbei die Blume unserer Organisation — cinbieten. Die meisten KaffeehauSgäste zahlen ihren Obolus, nur UM rasch die unangenehme Belästigung loszüwerdech denn die Blume im Knopfloch schützt vor weiteren Angriffen der einherstürmenden Walküren. Köstliche Szenen erlebt man. Da spielen paar tschechischsprechende Juden Karten, sie fühlen sich durch das immer wieder sich wiederholende Blumenanbot gestört und geben ihre paar Kreuzer, nur uul ungestört zu bleiben — deutscher Opfermut. Ein einziger Jude erklärte den Sammlerinnen laut, sodaß es im ganzen Kaffeehause gehört wurde, es wäre eine Frechl-eit. von Juden Geld für die Antisemiten zu fordern und verdarb so dem Bund der Antisemiten in diesem Hause gründlich das Geschäft: denn viele, die bisher irgend einen anationalen-hunianitären Zweck zu unterstützen glaubten, wurden stutzig, erkundigten sich und gaben nichts. Gleichzeitig fand am Aachmittage aus dem Spielplatz des D. F. C. das zweite deutsche Wiesensest, allgemein in Prag Laubhüttcnsest genannt, statt. Da, es stark verregnet war, beschlossen die Veranstalter es am kommenden Sonntag zu wiederholen. Der Reinertrag dieser Veranstaltungen dürfte zirka 9000 Kronen betragen. Hievon erhalten die Antiseiniten ein Drittel. Tie Prager deutschen Zeitungen — das Montagsblatt ausgenommen — hielten es nicht einmal für der Mühe wert, ehrlich das Publikum darüber auszuklären, daß ein Teil des Reinertrages den Antisemiten zusliesst. Wenn wir bedenken, daß der vorige Woche abgehaltene Blumentag des Jüdischen Frauenvereines dem National'sond einen Reinertrag von 5,0 K gebracht hat. dann wird die Schmach für die Prager Juden noch bedeutend größer. Wir wollen hinzufügen, daß der Bluinentag des Frauenvereines nicht genügend organisiert war, aber wir sind davon überzeugt, daß er bei bester Organisation auch nicht die Hälfte getragen hatte. Eins sollten die zionistischeil Studenten von den deutschen lernen, endlich einmal ihren aristokratischen Dünkel fahren zu lassen und so >vie die andern bei allen diesen Veranstaltungen eifrig mitzutun. Nun noch ein kurzes Nachwort. Es fällt uns schwer, zu entscheiden, wessen Charäkterlosigkeit größer ist, die der Prager Jsraeliten oder des Bundes der Deutschen in Böhmen. Wenn wir noch so milde urteilen wollen, wenn wir es hingehen lassen, daß Juden für den Schulverein sammeln, der stets antisemitische Tendenzen gezeigt hat, eins können »vir nicht ruhig hinnehinen, daß sie für den Bund der Deutschen in Böhmen sich erponieren. Für jeden deutschen Israeliten, dessen Charakter durch die Assimilation nicht schon gänzlich verderbt »var. mußte es eine conditio sine qua non für ßnne Mitarbeit sein: ״der Antisemit darf von meiner Arbeit nicht einen Heller genießen, das Geld, daß ich sammle, darf nicht dazu missbraucht Merden, um Judenhehen zu veranstalten." Aber Prager Israeliten und Selbstbewußtsein, eher »vird man einen Neger »veißwaichen. als einem Prager deutschen Israeliten Charakterfestigkeit beibrinaen. Und nun der Bund der Deutschen in Böhmen! Prinzipienfest müßte er eigentlich sagen: Lieber zugrundegehen als von diesen Juden etwas annehmen. Aber von der ״Reichspost" angefangen bis zum deutschnationalen Winkelblatt herrscht dieselbe Anschauung: ״Der Deutschc mag kein' Juden leiden, doch seine Weine trinkt er gern." Jin redaktionellen Teil wird der Bohkott gegen die Juden aevredigt, im Jnseratenteil flfliuc Reihen jüdischer Annoncen abgedruckt. Judenaeld kann mau halt immer brauchen — Antisemitenmoral. An unsere Abiturienten! A» Euch, die Ihr nunmehr, entwachse» dem eng- :imjchricbcnen Pflichtcnkreife der Mittelschule, vor die freie Wahl des Lebens gestellt seid, ergeht heute unser F r c i seid Ihr fortan, fallt selb i» für Euere Handln,igsiveise einstchen. für Euer Tu» die Verantlvortung trage»! Ta muß es vor allem Euer Beinühen sein. Euch bei der Wahl richtig zu entscheide», so, »vic es Euereu Pflichte,» gegen Euch selbst und Euere Umwelt ent- Eueren Pstichten gegen Euch, die von Euch iu erjler Linie unbedingt« Wahrheit gegen Euch selbst und Wahrheit Eueres Tuns erheischen; die es Euch verbieten, um lleinlicher Vorteile »Villen Euer wahrstes JunerjteS zu verleugnen. Euch selbst zu betrügen: die von Euch fordern, rückhaltlos Euch als das zu beten- »e». »vas Ihr seid: als Juden! Ihr dürft nur so Euere Freiheit verstehen und übe», und nur so könnt Ihr Eueren Pflichten gegen Euere Umwelt und vor allenr Euer Volk genügen! Und Ihr sollt sie so verstehe», den» Ener Volk bedarf der ganze» Kraft eines jede» feiner Genosse», wenn es sich aus der Jahrtausende lange» Zersplitterung zur Einheit, ans der Verknechtung zur Freiheit erhebe», wei», feine innere Verworrenhrit sich klären soll: es bedarf eines jeden seiner Genossen, wenn sei» Willen sich zur Freiheit stähle», seine Kraft sich zu», Siege verjünge» sein befleckter Name »vicder zu Ehre» kommc״ soll! Es bedarf eines jeden und bedarf Euer g a n z besonder S. den» Ihr seid kraft Euerer Bildung berufe», unter seinen Ersten zu stehen! Euch dazu zu »igche»: iit unser Ziel: Alles in Euch zu beleben, was jüdisch ist. Euch jüdische Geschichte. jüdisches Wisse», jüdische Sprache zu vermittel.c- und mit Euerer soiijiige» Bildung in Einklang zw bringe». Euch zu Menschen und Juden zu 1»a> chen: unsere Mittel: Seminare. Vorträge. DisknssionSabende, ein reichhaltiges Leseziminer ״nd eine große Bibliothek: unsere Behelfe. So laßt ihn nicht ״»erhört, diese» Ruf! Tretet ein in unsere Reihe»! Ihr seid m,ü willkommen! Mit treujüdische 1״ Gruße Lese- »nd Rosehakle jüdischer Hochschüler in Prag. Im Kartell der jüd. Lesehalle» zu Brünn, Prag und JUE. Ernst Lebrnhart, dzt. Hbinaniistellvertreler. JUE. Alfred Raudnitz, dzt. erster Schriftführer. KAFFEEGESCHAEFT Rosenbaum Liechtensteing. 1 BRÜNNy Liecntensteing. 1. Eine Versammlung deutschfortschrittlicher Juden in Brünn. Ei» Komitee, Ursprung BB, ladet die. der deutschfortschrittliche» Partei a,,gehörigen Jude», zu einer Versammlung in de» Gewerbevereinssaal. Wird über de» Zweck der Versammlung gefragt, so bekommt ina» Aeußerungei, zu höre», etwa: ..Dürfen sich den» d,e Brunner Juden das gefalle» lasseu. diese fortwährende» gehäisigen Ausfälle des nenen dentsch-radikalen Parteiblattes, diese Behändluug der jüdische» Studcnleilschajt an der Technik, d,e se an de» deutschen Mittelschule״ verlesene Einladung zum dcutsch-nkademische» Turnfest, welche die Jude» i», ullgemcine» als ehrlos bezeichnet" ״sw. Man ge winiit dc» Eindruck, als wollten^Pie Herren sage», wie wolle» diese» deutsch fortschrittliche״ Parteigröße-, einmal ordcntlich ״nsere Meinung sage». Eine Proles, ״nd Abwehraktio״! Zusanimcnschluß der Brünner Indenschast gegen dieses Treibe»! Da»» kommt in der Versa,»!״luug die große E»! rüuschnng: Tie Schaffung einer Organisation der Brünner Juden innerhalb ser deutsch-fortschrittlichen Partei. Viel Lar», ü», Aichts. Tr. Feith erstattet das Referat »nd hebt hervor, daß die Zionisten und Sozialdemokraten eine Lrgani saiiou besitzen, durch lvetche iie ihren Standpunkt vertreten könucii. nur den deuisch-soclschrittlichci, Jude» fehlt dieselbe. Der Mangel der Lrganisatio׳, treibt die jüdische Jugend ins aiidere Lager, da ihr die Gelegenheit zur Mitarbeit fehlt. Es muß ihr rin Feld der Betütigung geschaffen iverden. Herr Referent! Wie kommen Sie zu dieser nninöglichcn Gegenüberstellung. Der abgestorbene deutsche Libcralismus und die frische Werbekrast der jüdisch-nat׳o»ale>, Idee! Tie werden die indische Jugend weder ohne noch mit Ihrer D rganisatio״ grivinne». Die Hrgnnisalion soll, wie Dr. Feith weiter anc-- führt, eine Plattform schasse», von welcher bei de» Wahlen Strikt,ng geiiomme» und das Interesse der dentsch-fortschritilicheii Judeiwertrctc» iverden kann. Gleichzeitig erklärt er aber, daß die 5 rganisatiou vo» der Parteileitung keinerlei neue Zugeiiändiiisse verlangt, es soll nicht cininal ein einziges neues Mandat erstrebt werde». •I I;־! I