Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 25 (2.7.1914)
- Date
- 1914-07-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2. ״Jüdische SoRSlttatte» Nr. 25. Abgesehen von der Notwendigkeit der Aufforstnng an sich, zwingt uns aber auch ein־ an- Derer Umstand zu dieser Arbeit. Wie in jedem Stande finden sich auch in Palästina Böden, welche keiner landwirtschaftlichen Erschließung fähig sind. Da wir aber jedenFußbreit Landes der Kultur zugänglich machen wollen, bleibt uns für solche Strecken nur die Aufforstung übrig. Durch sie erschlicht sich aber ein neues großes Gebiet für jüdische Arbeit. Hunderte von Stammcsgenossen können aus diese Weise produktivcn Erwerb finden, wobei für sie noch imvier die Möglichkeit besteht, auf kleineren sruchtbaren Lagen des Waldgebictcs andere, insbesoirdcre Zwischenkulturen, zu treiben, und so tatsächlich jeden Fußbreit Landes auszunützen. Alte Diese Möglichkeiten eröffnen frohe Ausblicke in eine gedeihliche Entwicklung des Landes, und dir HcrzlwaldanlageU in Brn Schemen und Hulda haben gezeigt, daß dies keine Zukunftsmusik ist, sic haben sogar mehr gehaltcn, als die Idee im Anfänge versprach. Abgesehen davon, daß die Kultivierung der ödesten Landstreckcn sich als möglich erwiesen hat. abgesehen ferner davon, daß durch sie über 2000 Tuuam Landes aufgcforstet worden sind, daß, wie vorauszusehcn war, Hunderte jüdische Arbeiter lohnende Beschäftigung fanden, haben sie noch eine wichtige Fülle von Erfahrungen gezeitigt, die für die .Kolonisation Palästinas von größtem Werte sind. Sie haben aber auch zu immer weiterer Ausdehnung und Jntensivierung des Betriebes geführt. Denn cs hat sich bald als Notwendigkeit erwiesen, für die dort beschäftigtcn Dierc den bisher in Palästina uilbekannten rationellen Futterbau einzusühren. Um diesen wiederum reichlich auszunützen, kam es zu vermehrter Einstellung von Nutzticren und in jüngster Zeit durch die hochherzige Spende unseres Freundes Herrn Baruch Kahane, zur Anlage einer Milchwirtschaft, die mustergebend für alle jüdischen Kolonien geworden ist. Denn durch den in Ben Schämen erbrachten Beweis der Prosperität einer jüdischen Milchprodukt!»« haben sich die Kolonisten in Ekron, Kafr Saba und Moza ebenfalls zur Einführung von Milchwirtschaften entschlossen. Die Bedeutung dieser Unternehmungen erhellt uns den Umstand, daß in den Sommermonaten in Palästina die wichtigstcn Polksnahrungsmittel Milch und Butter überhaupt nicht, im Winter nur zu!!!!erschwing-!ich hohen Preisen und in schlechter Qualität zu erhalten waren. Die guten Erfolge haben dazu geführt, daß in Ben Schämen nunmehr auch großzügige Bersuche mit Viehzucht unternommen werden, die die judäischcn Kolonien mit dem geeigneten Tiermatcrial, das in seiner bisherigen Qual!- tät alles zu wünschen übrig läßt, zu versehen haben werden. Durch die Vielseitigkeit des land- und forstwirtschaftlichen Betriebes in Ben Schämen und Hulda sind wiederum die dort installierten jüdischen Arbeiter außerordentlich geschult und für ihre Tätigkeit qualifiziert worden, so daß sie bald von den judäischcn Kolonisten für hochqua- .an denen man nicht deuten und deuteln kann, an denen man nichts erklären kann, eben weil sie Wunder sind — an die man glauben muß, — Wunder. Und nun laß auch uns einmal den Versuch machen, diese Wunder zu sinden. — 400 Jahre waren die Juden in Aegypten, nicht wahr, als Knechte; als elende Sklaven, die den ganzen Tag srohnden mußten, Lehm brenneu, Strohstoppeln zupfen, Ziegel schleppen, brennen und wenn einer von ihnen zusammenbrach in der Gluthitze unter der drückenden Last, so war schon der Acgypter mit der Peitsche da n!!D schlug, mochte der Jude bluten, wanken, auf mußte er, weiterschleppen. 400 Jahre ging das. Anfangs hatten sich die Juden gewehrt, da war aber Aegypten zu stark gewesen, und als Acgyplens Macht gesunken war. waren in Israel schon längst die Männer gestorben, die zu kämpfcn wagten, ein feiges Knechtcvolk war Israel geworden, das um die Freiheit zu kämpfen nicht mehr die Kraft hatte, ja nicht einmal den Willen dazu. Abgestumpft waren sie, wie die Tiere, froh wenn sie sich des Abends die brennenden Wunden mit frischem Wasser kühlen konnten, Sklaven, die frohlockten, wenn sie einen Tag nicht gepeitscht worden waren! So sehen die Juden aus. da Moses das erstemal unter sie tritt, lifizicrte Arbeiten stark begehrt wurden. Ben Schämen uitd Hulda sind auf diese Weise zu praktischen Schulstättcn für den jüdischen Arbeiterstamm geworden. Um den dort Beschäftigten auch Die notwendigen teorctischen Grundlagen zu geben, hat sich der Nationalfonds entschloß sen, in Ben Schämen eine landwirtschaftliche Schule cinzurichten, an der der technische Leiter der Herzlwaldanlagen und der Agronom des zion. Palästinaaintes mit bestem Erfolg das Lehramt ausüben. Nor der Anlage von Ben Schämen und Huldah waren in ganz Judäa nur eine Handvoll jüdischer Landarbeiter zu finden, die auch nur jeweils einseitig geschult worden waren. Tank dieser beiden wahrhaften Volksdomänen besitzen wir heute im Süden Palästinas einen Stamm, von über einem halben Tausend bestgeschulter hochqualifizierter jüdischer Arbeiter, die in jeder Beziehung befruchtend auf die fast stagnierenden judäischcn Kolonien gewirkt haben. Nur mehr wenige Jahre, und die heute trostlose Ocde des judäischen Berglandes wird unterbrochen werden durch das Helle Grün und die erstaunliche Fruchtbarkeit des Herzlwaldcs, den jüdischer Fleiß in verkarsteten Gegenden hervorgezaubert haben. Und der jüdische Reisende wird sich in Ben Schämen und Hulda an reichlichcin Schatten und frisch:»! Quellwasser erquicken können; und inanch einer wird darunter sein, der sich wird mit Stolz sagen können, daß er frühzeitig die Bedeutung der Aufforstung Palästinas erkannt und mit seiner Baumspende zu diesem großen und bedeutungsvollen Werk mit beigetragen habe. Und zu dieser Zeit — es wird kaum zwei bis drei Jahre bis dahin daucrn — wird der Herzlwald seine ersten Früchte tragen, den ersten Gewinn abwerfen, welcher der Erhaltung unseres so teuer!!, hebräischen Schulwerkcs in Palästina gewidinet ist. Dann erst wird jA>cm einzelnen klar sein, was jeder Jude durch das!ninimale Opfer einer Baumspende für das jüdische Volk und für die Erschlicßung Palästinas leisten kann und aus den kleinen Anfängen Ben Schämen und Hulda, wird der einst berühintc Waldreichtum Palästinas neu erstehen. Die Höhe der Oelbaumspende beträgt für 1 Baum 7 Kronen, bestätigt durch eine Oelbaumkarte. Eine Spende von 5 Bäumen, von 100 Bäumen (Garten) sowie 1000 Bäumen (Hain) wrid durch Uebersendung eines künstlerisch auSgeführten Diploms bestätigt. Die Spende eines Baumes, Haines oder Gartens kann auf einen bestimmten Namen erfolgen, eignet sich also besonders zur Ehrung von Personen. Juden! Agitieret für die ״Jüdische Volksstimme". Delikatessen- Großhandlung :: :: :: I. Strachon & Co. :::::: im Neubau, Bahnhofplatz, Brünn eines der ihren sich gegen einen Acgypter annimmt und ihn erschlägt. Und die Juden: drohen ihn anzuzeigen, ihn, der sich ihrer so selbstlos annahm, uin einem von ihnen Qualen zu sparen, wollten sie dein Henker preisgeben und Moses muß fliehen. Nach Midian. Und da mochte er wohl nachgedacht haben über sein unglückliches Volk, Das so elend war, so verkommen und doch eines Blutes mit ihm. Und dies grenzcnlose Mitleid trieb ihn wieder nach Aegypten, er wollte, er in u ß t e seinen! Volke helfen,!nochten sie ihm tun, was sic wollten! Und noch einmal stürzt er sich hinein in das schwere Werk und ermahnt und predigt und bittet und fleht und — es gelingt ihm, gelingt ihm, ihn! dem einen, einem verkommenden Sklavenvolk von '000.000 den Willen zur Freiheit, den Mut zun! Kampfe, die Kraft zun! Siege zu geben, es gelingt ihm, sein Volk so zu organisieren, den Aufstand so zu inszenieren, daß selbst ein Pharou trotz seiner 1000 Streitwagen Angst bekam und sie ziehen ließ und es gelingt ihm sein Volk in der Wüste, in der Wüste zu erhalten, dem gelingt es, 600.000 Menschen in Kummer und Not in! Glauben an Gott aufrecht zu erhalten! Sichst du, Hugo, das sind die dreihelleuchtenden Wunder, die Wunder Mosis, das unerklärliche Wunder: Moses. Ernst Lebenhart. Die Sabbatharier in Ungarn. Von Obcrrabbincr Tr. H. Urba ch, Scmlin. Im 16. Jahrhundert war in Siebenbürgen die volle Religionsfreiheit durch die Gesetze verbürgt. Aber mit dem Liberalismus eines Johann Sigismund war cs bald zu Ende. Die katholischen Fürsten Stephan und Kristof Bathory schufen neue Gesetze und machten den Apostel der Unliarier, Franz David, zum Märtyrer. Seine Anhänger, die Davidistcn, wurden als Judaisiercndc verfolgt, obwohl er das Neue Testament hoch über dos Alte stellte und den jüdischen Gottesdienst als etwas rein Acußerlichcs verachtete. Aber aus seinen Lehren entsprang der Sabbatianismus. Die Sabbatarier gaben sich selbst ihren Namen vom Sabbath, den sie wieder in seine alten Rechte einsctzten und nach jüdischer Weise feierten. Sic hielten sich an das Wort Christi (Matth. 5. 19); daß wer eines der kleinsten Gebotc der Thora Übertritt, der Kleinste heißen wird im Himmelreich, darum nahnien sie sich das Gesetz Mosis zur Richtschnur. Andreas Eössi, ursprünglich Davidist, wurde der erste Dichter der Sabbatarier. Kränklich und zurückgezogen lebte er in Szenterzsebet und schrieb in einem Gesänge: ״Wahren Glauben fand ich im Verborgcnen". Den Erzieher seiner Kinder, den jungen Simon Pechi, sandte er ins Ausland, damit er sich die Kenntnis des Hebräischen und der rabbinischen Literalur ancignc. Dieser brachte aus.Bukarest, Konstantiuopcl, Afrika, Nom, Neapel, Spanien, Portugal und Frankreich Bildung und Sprachkenntnisse nach Hause־. Der Sabbatianismus hatte sich inzwischen trotz der Verfolgungen mächtig ausgcbreitet. Das reformierte Bctfalu, Kiffolymos mit dem edlen Geschlcchte der Matefis, Szentdemeter, Szenterzsebet und noch gegen 3V Dörfer waren zum neuen Glauben übertreten, aber auch unter der städtischen Bürgerschaft und dem Hochadcl hatte er begeisterte Anhänger. Im Jahre 1618 wurden sic aus der Mitte der Unitaricr auf höheres Betreiben ausgestoßcn. Nun wurden sie Juden im Geiste. Sie versammelten sich zu Synoden, um den Neumond und den Beginn der Feste zu bestimmen. Der Sabbath ist ihnen der Tag des Herrn, auf den sie sich niit Gesang, Gebet und Reinheit vorbereiten. Sie lcgen Hochzeitskleider an, denn er ist ihnen eine ״seelische Hochzeit". Viermal halten sie an ihm ihren Gottesdienst mit Gesang, Predigt, Gebet und Psalmen. Ruhe, Gesctzes-Studium, Speisung der Armen, nüchternes Leben, frohes, reines, ruhiges Gemüt, Liebe, Nachsinnen über ihre Sünden war am Sabbath vorgeschricbcn. Im Herbst feierten sie das Neue Jahr einen Tag nur, das Pcsachfest bloß 7 Tage lang. Die ungesäuertcn Brote essen sic zur Erinnerung an den gekommenen und noch einmal zu erwartenden Erlöser. Sie standen also noch auf christlicher Basis. Zur Taufe waren nur die Apostel berufen, das ״Kindcrwaschen", wie sic die heutige Taufe verächtlich nannten, verwarfen sic, wie die Unitarier. ־Eössi verurteilt die Scheinhciligkeit, die sich mit Aeußcrlichketen begnügt. Er glaubt an ein Jenseits, verkündet die Nächstenliebe, aber nicht die Fcindeslicbe, gestattet aber auch den Feind nicht zu hassen. Almosen wendet böses Geschick ab. Völlcrei, Geilheit, Säuferei ist verpönt. Die Bürgerpflichten sind ihm ein Gottcsgebot, aber aus Bürgerpflichten darf man nicht gegen Gott sündigen. Er kennt keine Erbsünde und leugnet die Prädestination. Von den Universitäten brachten die Sabbatarier hebräische Kenntnisse in die Heimat, schrieben Kalender und übersetzten, allen voran Eössi, die jüdischen Gebete. Nikolaus Fazckas de Bogath übertrug in poetischer Sprache und in jüdischem Geiste das Psalterbuch. Aber das Alles blieb nur kurze Zeit in den Händen der Gläubigen und auch die Dogmatik Eössis wurde bald ganz jüdisch. Und zwar unter dem Einflüße der glänzenden Persönlichkeit Simon Pcchis, der gleichzeitig Staatsmann und Feldherr, Dichter und Schriftsteller, gelehrter Hebraist und cisriger Glaubensapostel war. Er sprach ungarisch, rumänisch, polnisch, griechisch, türkisch, lateinisch, italienisch, spanisch, französisch, deutsch, hebräisch und chaldäisch. Ais Eössi kinderlos starb, hat er ihn wahrscheinlich beerbt. Zu Beginn des 17. Jahr- Hunderts zählte er schon zu den größten Gutsherrn Siebenbürgens. Siegmund Bathory macht ihn zu seinein Sckräter und nach ihm Bocskai und Siegmund ־?lakoczi. Auch Gabriel Bathory überhäufte ihn mit Gnadenbezeugungen. 1608 heiratete er, gegen 40 Jahre alt, die 15jährige Judith Korniß, tvodurch er in verwandtschaftliche Beziehungen zu den Familien Pctki, Apaffi, Szekcly und Bcthlen trat. Gabriel Bethlen war den Korniß' freundlich gesinnt und präterierte auch Pechi eine Zeit lang, aber schon 1613 machte er ihn zum Landeskanzler, in welcher Stellung er dem grotzen Fürsten bis 1621 mit Hingebung diente. In diesem Jahre wurde er von Bethlen aus unaufgeklärten Gründen ins Gefängnis geworfen. Bis dahin war er Unitarier gewesen. Aber schon damals