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Jüdische Volksstimme · 1914-07-02 · Heft 25 (2.7.1914) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 25 (2.7.1914)
Date
1914-07-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Erscheirtt jede« Donnerstag. Nnmmer 25. Jahrg. XV|3. Mschk Bezugspreise: Für Oesterreich-Ungarn, halbjährig . Kronen 620־ ganzjährig.Kronen 12-— Deutschland, ganzjährig.Mart 12 — Rußland, ganzjährig.Rubel 6 — Balkan, Frankreich.Franks 14 — Mit der Beilage ״Das jüd. Leben in Galizien" Herausgeber: Ma? Hickl. mm. M.-— ־ ** Geschäftsstelle. Wien: Rotenturmstrahe Nr. 31. > Telephon 3VVV/VUI. Sprechstunden von 10—12 Uhr Inserate: die öspaltige Petitzeile 30 h. Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht hono» riert. — Manuskripten ist Rückporto beizufügen. &.--® Brünn—Budapest. Wien, l g.“j.L9«« Prag—Lemberg. Die Bedeutung des Herzlwaldes. Bon Tr. Emil Stein, Wien. Kaiser Wilhelm ll. Hot beim Empfange Theodor Herzts vor den Toren Jerusalems im Frühjahr 1n!)8 in seiner prännautcn Weise die derzeitigen Mängel Palästinas hervorgehoben, indem er zur zionistischen Deputation sagte: ״Schassen Sie dem Lande Wasser und Schalten!" In die Woche, die innerer Sammlung 311111, zehnten Todestag Theodor Herzels galt, welche friedsamem, erhebendem GrDenken gewidmet war, schrillt eine Nachricht, deren Schrecken wir uns nicht entziehen können. In schmerzlichem Weh krampst sich unser Herz zusammen. Wir köiiiien es nicht sassen: Erzherzog Franz Ferdinand, dem Oesterreichs Thron als Erbe be stimmt war, ist tot. Hingesunken unter Len Kugeln eines wahnwihigen Gymnasiasten- Es ist selbstverständlich, daß die Politik des Thronfolgers bei vielen auch von uns ans heftige Befehdung stoßen mußte, daß insbesondere seine ausgesprochen imperialistische Anlage eine scharfe Kritik herausfordertc. Aber durch all' diese Bedenken kann das hohe Lob nicht eingcschränkt werden, das in den Worten liegt: eine starke P c r s ö n l i ch k e i t. Ja. er war eine starke Persönlichkeit. Durch ausgezeichnete Fähigkeiten hat er sich für die Stellung, die ihm das Walten der Vorsehung angewiesen halte, die Legitimation erworben. Mut, Tatkraft und Zielstrebigkeit waren die hervorstechendsten Züge seines Eharakterbildes. Seine Verdienste um die Kräftigung der Wehrmacht von Oesterreich- Ungarn sind sehr bedeutend und werden ihm unvergessen bleiben. — Wären wir nicht gerade so aufgewühlten Gemüts, wir hätten gewiß Verständnis für die p.rachtvolle Romantik jener belvegtcn Szene, da der Erzherzog die von ruch- Feuilleton. Wunder. Es ist schon soviel darüber geschrieben worden, wie man die Bibel lesen, ihre Bilder lösen, ihre ״Wunder" deuten soll, und doch geschieht es noch immer — nur zu häufig — daß daselbst von berufener Seite viel Schönes Herz- und einsichtslos zerstört wird. Einer meiner Schüler besucht die zweite Gymnasialklasse und sie halten eben bei der Geschichte Moses. Einmal, während wir den Stoff für die nächste Stunde durchgehen, konnuen wir auch aus die ״Wunder" zu sprechen. Nun, mein kleiner Schüler ist sehr aufgeklärt, er glaubt prinzipiell an keine ״Wunder" und mit geläufiger Junge, ohne nur ein einzigesmal zu stocken oder in Verwirrung zu kommen, deutet er mir ״Wunder" aus ״Wunder", löst er Rätsel auf Rätsel. ״Gott ist Moses im Dornbüsche erschienen?" Oho, Moses war in der Midianitensteppe loser Hand geschleuderte Bombe mit dem Arm abwehrte und dann voll hohen Mutes die Rundfahrt durch die Stadt fortsetzte. Durch die Hauptstadt des Landes, dessen Bewohnern durch den Besuch des Thronfolgers gesagt werden sollte. daß man sie völlig als Landeskinder ansehe und ihnen von seiten der Dynastie mit freimdlichem Wohlwollen entgegenkomme. Mit roher Gewalt hat man die Annäherung zurückgetviesen: das Leben Franz Ferdinands und seiner Gemahlin sind auf dem Altar des großserbischen Ebauvinismus geopfert worden. Bei der Aus- Übung seines hohen Berufs hat der Tod den Erz- Herzog ereilt: in den Sielen ist er gestorben. Wir sind weit entfernt, vor der Majestät des TodeS den Gerüchten auf ihre Stichhältigkeit nachzuspüren, die manchmal von unfreundlicher Gesinnung gegen die Juden zu künden wußte: Gerüchte, die wohl besonders durch die Uebernahme deS Protektorats über den katholischeu Schulverein, der eine sehr deutliche christlichsozial-antiseinNische Färbung zeigt, Nahrung erhalten mochten. Unsere innigste Anteilnahme wendet sich dem geliebten, vielgeprüften .Kaiser zu und die Trauergottesdieuste. die in den jüdischen Gotteshäusern stattfinden werden, werden nicht nur der k 0 n v e n t i 0 n e l > e Ausdruck loyaler Gefühle sein, sondern auS warmem Herzen werden die Gebete ströme!!. allein, allein. Auf weiten Strecken und lange, und da hatte er ebenso wie später Mohammed zum Beispiel Visionen, glaubte mit Gott zu sprechen, ihn aus dem brennenden Dornbüsche zu hören. ״Die 7 Plagen?" Oh, man hat heute nachgewiesen, daß das ägyptische Landplagen gewesen sind, die jedes dritte Jahr beinahe Aegypten heimsuchten. ״Und daß sich alles Wasser zu Blut wandelte, Hugo?" Er wird auch durch die Frage nicht aus dem .Konzept gebracht. Der Himmel habe damals, - auch daS sei häufig der Fall gewesen, — eine intensive Röte gezeigt und die Farbe des Wägers sei dessen Spiegelung gewesen, und daß es anders schmeckte als sonst, dafür sorgten die Leichen, die darin schwammen und die Autosuggestion der erschreckten Aegypter. ״Aber, aber Hugo. Und der Durchzug durchs Note Meer?" Ach, der läßt sich noch am einfachsten erklären. Eine Sturmflut war es — in den Gegenden nichts seltenes -- die! eben mit Riesenwucht die Wogen vor sich hertrieb und die Aegypter überraschte. ״Das Mannah?" Oh, das ist sehr interessant. Einer der größten Gelehrten, Renan, hat nachgewiesen, daß In der Tat muß dem Reisenden, der das Gebirge Judäas durck-quert, die trockene Nacktheit des Landes unangenehm anffallen. Einst waren diese Höhen reich bewaldet und bis auf ihre höchsten .Kuppen hinauf angebant. Durch barbarische Abholzung jedoch sind sie verkarstet, keine Humusschichte sammelt mehr die niederströmenden Gewässer, diese versickern vielmehr ungehindert im Kalkboden und fließen, von unbestimmten Stellen aus, ungenützt dem Meere zu. .Kein Baum spendet heute dem müden Wanderer oder Arbeiter Schatten, nur wenige rasch versickernde Quellen befruchten kleine Landstrecken, das Klima ist durch den Waldinangel rauh geworden, die ganze Gegend macht den Eindruck einer trostlosen Wüste. Doch 111111 soll es anders werden. Von allen Anfänge an haben die.Kolonisatoren Palästinas die Wichtigkeit von Wäldern gerade für dieses Land erkannt und. wie Ehederah durch die An- Pflanzung von Eukalyptuswäldern entjumpft wurde, so wollen wir in Judäa durch die Aufforstung der jetzt kahlen Höhen genügend Wasser sammeln. Auch soll dadurch einem immer mehr fühlbaren Holzmangel Abhilfe geschaffen werden. Ein Anfang ist bereits in dieser Beziehung gemacht, indem die Bojarenbesitzer Palästinas für ihre Holzkisten nicht mehr auf den Import angewiesen sind, sondern ihren Bedarf in einer jüngst in Tel-Awiw erbauten Fabrik, die ans heimischem Eukalypl'uSholz Lraugenkisten erzeugt, decken. Doch ist dies erst ein kleiner Anfang: mit der Zeit sollen die Wälder Palästinas dem größten Teil des Holzbedarfes genügen. dieses Mannah identisch ist mit dem mann es sema ״Gabe des Himmels" der Araber, die sie die leimartige Saftabsonderung bezeichnen, mit der sich einzelne Wüstengebüsche zu gewissen Jahreszeiten bedecken und mit den man schließlich den ärgsten Hunger stillen kann. So weiß er sür jedes ״Wunder" eine gute ober schlechte Erklärung. ״Mil einzelnen der Erklärungen, die du mir da gegeben hast, Hugo, mag es ja seine Richtigkeit haben. Aber darauf kommt es ja nicht an. Tu glaubst doch nicht, daß der Auszug deswegen weniger wunderbar war, weil man einze! ne dieser ״Wunder" erklären kann. Oder meinst du, es hätte sich alles doch nur in ganz natürli chen Bahnen bewegt, ja? Oh, du irrst! Sieh mal, Hugo, welchen Zweck verfolgt wohl die Bibel, wenn sie überhaupt von Wundern, Gottestaieu. spricht, zum mindesten Loch den, zu zeigen, daß da übermenschliche Kräfte notwendig waren, Kräfte, über die ein gewöhnlicher Sterblicher nicht verfügt. Und wenn du. Hugo, den angeführten ״Wundern" nachgehst, so wirst du auch auf die Wunder kommen, die wahren Wunder, Demnächst erscheint ״Hickls Wiener Jüdischer Bolkskalender."

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