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Jüdische Volksstimme · 1914-06-25 · Heft 24 (25.6.1914) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 24 (25.6.1914)
Date
1914-06-25
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 4. »Attische L>!rrsti««^ Nr. Z4. ntänner von der Sagnünller-Bcink sind nur Einzcluc in der großen Suite. Nun ist ein altes, christliches Bankhaus, Th. I. Plewa in Wien zusmmnengekracht. Auch der Name des als ״christlich" annoncierenden Teppichhauses Nepper wird im Zusamenhang mit diesem Krach genannt. Drei Millionen Passiva, unterschlagene Depots. Man wird hier flüchtig sich an die ״Veränderungen" bei einer nicht weil p suchenden germanischen Bank erinnern. Belehnte Depots, leichtsinnige Finanziernng arischer Unternehmungen sind die tppischcn Ersct-einungen. Gewisse ethnische und soziologische Momcnte spielen hier eine Nolle: In Oesterreich und benachbarten Ländern ist gerade der Jude das geeignete Element in Handel und Verkehr. Das Bestreben, diesen Faktor künstlich ausschalten zu wollen, drängt ungeeignete, unfähige und unlautere Eleinente an Plätze, denen sie nicht gewachsen sind. Viele Einrichtungen, insbesondere die Tiplomatic. die Verwaltung und heute schon viele freie Berufe, leiden bei uns daran, das; auf unnatürliche Weise der geeignete Mann, wenn er zufällig Jude ist. von seinem ihm zukommenden Wirkungskreise zum Schaden der Allgemeinheit ausgeschlossen wird. Den Erfolg sieht man auf allen Gebieten. Das Debakle der inneren und auswärtigen Politik, der Wirtschaftlichc und kulturelle Niedergang. Diese Bestrebungen haben uns einen neuen Typus beschert: Arische Defraudanten. vis beste Quelle für den Ein־ , kauf von ist und bleibt feiner Herreetgesifie 1 Brünn, Ferdinandsgasse 21, i. Stock Kleine Regie! Kleine Preise! Preislisten gratis und franko. Offizieller Bericht der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums über ihre Tagung in Frankfurt am Main und Worms am 3. und 4. Juni 1914. Frankfurt a. M., den 4. Juni 1914. Unter zahlreicher Beteiligung weiter jüdischer und chrisilichcr .greise hat am 3. und 4. d. M. die Gesellschafl zur Förderung der Wissenschaft des Judentums hier ihre Tagung adgehaltcn. Tic Verhandlungen wurden eröffnet am Mittivoch vormittag um 10 Uhr durch eine Sitzung des Ausschusses der Gesellschaft, bei lvelcher an Stelle des an der Anwesenheit verhinderten gescliäftssührcndcn Vorsitzenden Herrn Professor Marlin Philippson, Berlin, Herr Rabvincr Professor Tr. G 11 t t 111 a 1111, Breslau, den Vorsitz führte. Vor Eintritt in die Tagesordnung degrüszte der Vorsitzende das neu in den Ausschuß eingetretenc Mitglied des Ausschusses Herrn Rabbiner Tr. Nobel, Frankfurt a. M. Tic Beratungen des Ausschusses galten Hauptsachlich den ivissenschaftlichen Unternehmungen der Gesellschafl °, Herr Tr. 2110 1111, Breslau, legte die ersten Aushängebogen des ersten Bandes der Germania Judaica vor, Herr Professor Tr. P o r g e s, Leipzig, die Biographie und die Bibliographie des verstorbenen Meir Friedmann, Wien, welche dem von ihm selbst noch gedruckten Teile seines Sifrakomcntars voran gegeben werden, Es Ivurde außerdem berichtet, daß der zweite Band des Maimomdes-WerkeS, desgleichen der zweite Band der Wirtschaftsgeschichte ton Georg Caro sowie das letzte Werk des heimgegangeucn Wilhelm Bacher Tradition und Tradentcn binnen kurzem herauögegeben iverden würden. Der Ausschuß bewilligte sodann ivic in früheren Sitzungen eine Reihe von Subventionen für ivissenschaftlichc Werke. Nack der Sitzung folgten die Miiglicder des Ausschusses einer Einladung der Frankfurter-Loge zu einem Frühstück, bei welchem sic von dem Präsidenten der Frankfurt-Loge, Herrn Nothschild, begrüßt wurden. Nachmittags um 3 Uhr versammelten sich die Miiglicder und Freunde der Gesellschaft in großer Schar in der Sunagogc am Vörncplatz zu einer Bcsichtigiing altjüdische׳. Frankfurter Denkmäler nntcr Führuiig des Herrn Profeffors Hülse n-Frankfurt a. M. Nach einem einleitenden Vortrage, in welchem Herr Professor Hülsen mit vielem Geschick und feinem künstlerischem Empfinden den Gästen das Verständnis für die Poesie des alte»'jüdischen Frankfurter Friedhofs erschloß, folgten sie dem bewährten Führer auf den anliegenden Friedhof, dessen Besichtigung bei allen Besuchcrn einen starken Eindruck hintcrließ. Hieran schloß sich ein Besuch des Rothschild-Hauses in der Mrncstraßc und ein kurzer Rundgang durch Alt-Frankfurt, der am Frankfurter Dome seinen Abschluß fand. Bald darauf begann 6 Uhr nachmittags im großen Saale der Frankfurt-Loge die öffentliche Mitgliedcrvcrsammlung der Gesellschaft, deren zahlreiche Teilnchmcr den weiten Festsaal bis aus den letzten Platz füllten. An dieser Versammlung nahmen eine große Reihe bekannter Persönlichkeiten aus allen Teilen des I Deutschen Reiches, sowie viele Vertreter von Körperj schäften und Gemeinden teil. j Die Sitzung wurde eröffnet durch Herrn Direktor?ldlcr-Frankfurt a. M., der die Versammlung in Frankfurt a. M. willkommen hieß, insbesondere in dem Augenblick, in welchem die Frankfurter Universität sich anschicktc, ihre Pforten zu öffnen, an welcher Hassentlich auch die Wissenschaft des Judentums nicht unvcrtreten bleiben werde. Schmerzlich vermisse er, so fuhr der Redner dann fort, den allvcrchrtcn Vorsitzenden der Gesellschaft Herrn Professor Philippson-Bcrlin, wclchcm von seiten des Ortsausschusses anläßlich der Heutigcn Tagung eine Plakette des jungen Frankfurter Künstlers Max Lcvy gewidmet worden sei, welche die Quellen der religiösen Belehrung unter dem Schutze des Frankfurter Wappens zeigt. Unter allgemeinem Beifall schlug der Redner vor, dem Vorsitzenden der Gesellschaft ein Bcgrüßungstelcgramm zu übersenden. Er hieß sodann die Ehrengäste der Versammlung willkommen, allen voran den Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt Herrn Tr. Voigt, den Vorstand und Ausschuß der Frankfurter Gemeinde, sowie die Vertreter der Körperschaften und Gemeinden, die wir oben genannt haben. Mannigfache Ehrungen seien der Gesellschaft zur heutigen Tagung bereitet; Herr Benas Levh-Bcrlin habe den Teilnehmern der Versammlung einen von ihm geh..'!.׳neu Vortrag über die Juden zu Worms gewidmet, eine weitere ähnliche Schrift sei aus gleichem Anlaß von einem Mitglicdc des Vorstandes in der Wormser Gemeinde erschienen. Freunde und Gönner der Gesellschaft hätten sich zusammcngetan, um ihr am heutigen Tage das Erträgnis einer Sannnlung zu überreichen, die den Betrag von 5000 Mark ergeben habe. Alle diese Ehrungen sollten der Gesellschaft den Dank weiter Kreise für ihre bisherige selbstlose' und verdienstvolle Tätigkeit zum Ausdruck bringen und sic zu weiterer frucht- und scgenvcrheißender Arbeit ansporncn. Dann ergriff Herr Oberbürgcrmeiitcr Dr. Voigt-Frankfurt a. M. das Wort. Unter Hinweis auf den größten Sohn Frankfurts, Goethe, der in der Jugend und in seinem Alter sich mit der Bibel beschäftigt habe, erinnerte er an die Zusammenhänge jüdischcn und deutschen Geisteslebens. Er versicherte die Gesellschaft der Sympathie des städtischen Magistrates, dessen herzliche Grüße er übcrbringc. Namens der Frankfurter Gemeinde hieß deren Vorsitzender Herr Justizrat Blau die Gesellschaft willkommen. Die Gesellschaft erfüllte die große» Aufgabe des Nachweises, daß das Judentum seine besondere Bedeutung auch noch in der heutigen Zeit habe und daß nicmand an dem religiösen und geschichtlichen Sonderleben des Judentums vorübcrgchcn dürfe. Es sei ein besonderes Verdienst der Gesellschaft, das; sie durch ihre Arbeiten die Achtung vor dem Judcntum in der Judcnhcit und in der wissenschaftlichen Welt begründet habe und dauernd erhalte, nur das Judentum könne geachtet sein, das sich selber achtet. Als Zeichen der besonderen Anerkennung der Frankfurtcr Gemeinde für das Wirken der Eesellschajt übergebe er die ersten Exemplare des von Professor K1-..1cauer-Franksurt a. M. im Aufträge der Gemeinte h:׳.- ausgcgcbcncn Urkundcnbuchcs zur Geschichte der Frankfurter Juden. Eine ähnliche Ehrengabe, nämlich den ersten Band des Bccrdigungsrcgistcrs der Bccrdigungsbrüderschaft, von Herrn S. Una bearbeitet, überbrachte namens des Komitees zur Erhaltung und Wiedcrherstellung der Grabdenkmäler auf dem alten israclitischen Friedhof Herr Professor Dr. Hülsen. Das Willkommen des Frankfurter Nabbinats übcrbrachtc der Ticnsiältcstc Ortsrabbincr Dr. Scligmann, der auf die Begründung des modernen Rabbincrstandes durch die Wissenschaft des Judentums hinwics und an die Pfleger der Wissenschaft des Judentums auf dem Frankfurter Nabbinatssitzc hinwics, die auch ihrerseits beredtes Zeugnis für die Harmonie zwischen Wissenschaft und Religion abgelegt hätten, für die das Judentum allezeit cingetreten sei. Nach diesen Bcgrüßungsansprachcn ergriff zu einem wcitausholcnden Vorträge über die Wissenschaft des Judentums und ihre Pflege in unserer Zeit durch die Gesellschaft das Wort Herr Rabbiner Professor Dr. Guttmann-Breslau. Es ist nicht möglich in dem Rahmen eines kurzen Berichtes die inhaltreichen Ausführungen des Redners auch nur anzudeuten. Er ging aus von der Tatsache, daß Wissen und Wissenschaft seit altersher im Judentume als die Grundlage der Religion und des religiösen Lebens gegölten hätte und erinnerte in diesem Zusammenhänge an die mancherlei pädagogischen Vorschriften, durch welche man schon zur Zeit der Mischna und des Talmüds für die Belehrung und Unterweisung der Jugend gesorgt habe. Dieser rührenden Pflege wissenschaftlicher. Bestrebungen habe das Judentum es zu verdanken, daß es die Stürme des Mittelalters überdauert habe, und die befreiende und tröstende Kraft der Wissenschaft bewähre sich noch heute an den vielgeschmähten Juden des Ostens. Aber auch die nichtjüdische Welt habe der Pflege der Wissenschaft bei den Juden enendliches zu verdanken. Auf allen Gebieten menschlichen Wissens hätten jüdische Gelehrte feit dem frühesten Mittelalter bis in die neueste Zeit teils als Ucbersctzer vermittelnd, teils als selbständige Gelehrte ncuschöpfcrisch befruchtend und segensreich gewirkt; die größte Umwälzung im geistigen Leben Deutschlands, die Reformation sei undenkbar ohne die Belehrung, welche Luther von der jüdischen Bibclforschung mittelbar empfangen habe. Auf die Wissenschaft des Judcntums in besonderem übergehend erinnerte der Redner an ihre Begründung und Weiterbildung durch jüdische Gelehrte, die ohne staatliche Unterstützung und Anerkennung, in einem Leben voller Opfer und Entsagung, nur von reinster Liebe zur Wissenschaft und von edelstem Idealismus getragen, ihr ein arbeitsreichcs Leben gewidmet hätten. Er erinnerte sodann weitcr an die Begründung des Institutes für die Herausgäbe jüdischer Literaturwerke durch den unvergeßlichen Ludwig Philippson, ״den wir überall in der vordersten Reihe treffen, wo cs galt, für die Interessen des Ju» dentums einzutrcten". In der neueren Zeit habe es zuerst geschienen, als ob man im deutschen Judentume die Pflege der Wissenschaft als einen Luxus betrachten wolle; aber man habe erkannt, daß die Wissenschaft des Judentums die Grundlage für seine Fortexistenz und der Quell seiner Verjüngung sei; wenn schon auf jede geistliche Gemeinschaft, so treffe es ganz besonders auf das Judentum zu, daß cs nicht bestehen könne ohne wissenschaftliche Vertiefung. Es gelte aber noch weiter den Anteil des Judentums an dem Kulturleben nachzuwcisen und ebenso, daß die Grundlage des Judentums durch die Ergebnisse in der modernen Forschung nicht überwunden seien. Der Redner skizzierte sodann die großen wissenschaftlichen Aufgaben, welche die Gesellschaft ins Leben gerufen und zum Teil schon verwirklicht habe; er erinnerte hierbei an die Unterstützung, welche sie bei der israelitischen Gemeinde Frankfurts der Königswartherschen Stiftung in Frankfurt a. M. und zahlreichen Mitgliedern der Frankfurter Gemeinde gefunden habe. Die Devise der Gesellschaft sei cs Licht, mehr Licht — um mit Goethes Wort zu reden, zu verbreiten; die Beziehungen, welche die heutige Tagung zwischen der Gesellschaft und Frankfurt geknüpft hätte, würden hoffentlich dazu beitragen, der Verwirklichung dieser Aufgabe auch ihrerseits die Wege zu ebnen. Es folgte sodann der zweite wissenschaftliche Vortrag des Oberlehrers am Philanthropin zu Frankfurt a. M., Herrn Professor Dr. Kracauer über die geschichtliche Entwicklung der Frankfurter israelitischen Gemeinde. Der rühmlichst bekannte Geschichtsschreiber der Frankfurter jüdischen Gemeinde bot einen höchst lehrreichen Ucberblick über deren geschichtliche Entwicklung auf Grund seiner eingehenden Studien. Er wies auf das älteste urkundliche Vorkommen von Juden in Frankfurt um die Mitte des 12. Jahrhunderts hin, die ui Verbindung mit den damals bereits bestehenden Hcrbsimcsscn als Handel treibend erwähnt werden. Im Lause der nächsten Jahrhunderte, zum wenigsten bis gegen Ausgang des Mittelalters, war dann ihre Lage, trotz mancher Plackereien, soweit cs die allgemeine Unsichcrheit zulicß, nicht ungünstig. Sie wohnten unter ihren christlichen Mitbürgern, zwischen Fahrgasse und Wcckmarkt, in nächster Nähe des Domes, von. wo sic allerdings zu Zeiten, wie in den sog. Judcnschlachten 1241 und 1349 — im letzten Jahre durch die berüchtigtcn Gcißclbrüdcr — nach mörderischem Blutvergießen vertrieben wurden. Allein fie siedelten sich stets wieder von neuem an, und der Rat der Stadt duldete sie im wohlverstandenen eigenen Interesse solange als möglich als wertvolles Pfandobjckt gegenüber dem Kaiser sowie als unentbehrliche - Geldgeber; seit 1375 auf Grund der ״Judcnstättigkcit" ein Vertrag, den jeder einzelne Haushaltungsvorstand auf je 3 Jahre mit dem Rate abschließcn mußte. Selbst gegen kaiserliche Schulderlassc, bcs. am Ende deS 14. Jahrhunderts schützte sie der Rat, soviel er konnte, und nahm quch

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