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Jüdische Volksstimme · 1914-06-25 · Heft 24 (25.6.1914) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 24 (25.6.1914)
Date
1914-06-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2. LN»Is4-fl ff firf? ittt allem hat man Grund genüg, Baratt zu zweifein, daß der Umschwung lauteren Motiven entsprangen wäre. Daß ctma der innere:; Zwang einer sittlichen Forderung estigewjrkt HaÜ^ Pt bei diesen Herren wiLAjch schwer anzstnehmen. Viel zutrefMder düi^tk.rinK- McinuHigsjeiu, die nach einer Wderep; ßUchdsilg Mit Wehrs Erdenschwer^ weist. Wir Weinen dich-RDerMMnant-SchEerz«-^Welen'tvar.Aetzs'Wegcn-׳' BetcMgung ihres Waidhofncr Standpunktes kenn Miiitcir versagt, den goldenen Portepee zu erlangcu, nach dem ihre heißen Sehnsüchte trotz strammer alldeutscher Gesinnung zielten. Ergo Und dann — die bösen Juden! Jetzt haben sie sich eine neue, teuflische Methode zurecht gelegt. Wenn man mit so einem etwas hat und verweigert die Genugtuung, ist's nicht mehr mit den Prügeln getan. Nein, er klagt! - Und man muß in der Regel schweres Geld zahlen für Strafe und Kosten. Das-sind doch die Juden wirklich nicht wert-— Sehr putzig ist das eigentlich: Für Herrn X. von der ״Normani!a" oder Herrn sh. von der ״Saxonia", der mich noch gestern aus dem Tiefsten seiner teutonischen Seele für ehrlos hielt, bin ich heute plötzlich der untadelige Gentleman. * * * Aber nein! Die Meldung von der Aufhebung des Waidhofncr Prinzips beruht auf einein Irrtum; gerade lese ich das Tementi: Also, lieber Leser, wenn Tu etwa im Begriffe warft, im stolzen Gefühl des dir eben verliehenen Menschentums aii die Sonne zu gehen, bleib daheim: Tu bist doch der Ehre bar! Moritz Grzyb. Juden! Agitieret für die ״Jüdische Volksstimme". Prager Brief. Gottes Mühlen mahlen langsam, aber sicher. So hat sich aii einem heimischen Gegner des jüdischen Volkes die in der Geschichte der Juden so oft siegreich durchgedrungene Tatsache wieder ergeben, daß der Verleumder in das anderen geschaufelte Grab gesunken ist. Pater Hrachovsky, .Katechet in Kolin, der im Vorfahre das Verschwinden des Dienstmädchens Pavlik, das bei Inden diente, zu einem Ritualmord ansschroten wollte, wurde nun selbst gerichtet. Nachdem der Bezirksschulrat in Kolin den klerikalen Kampfliahn von Kolin versetzt hatte, entschied nun der k. k. Landesschulrat von Böhmen c i nst i in m i q, daß Pater Hrachovskn vom Lehramt überhaupt zu entfernen sei. In der Begründüng wird sein unmoralischer Lebenswandel durch mehrere, ihn arg bloßstellende Tatsachen dargetan. Sa hat er mit dem Dienstmädchen jV m ~ 77■,•״־?-־.;•י korrespondiert, Ausflüge * unternommen und" seinem Stand nicht geziemenden Verkehr! gepslogen. Schließlich hat er durch:׳gehässige, unwahre Eingesendet in den Pragtzx erAischöflichen, antisMitisHechi(o Wese'^tzetMzHH^der ch^MhM? MDlÄHe!).-.sgeMHiytz WÜich anernwM AeUioKHie ßüdffW zuZhchH gesucht, ׳'mtl Krachoyskyr war iMMiiWchötz gerichtet, A U zur- VeKistchmig MyiS Lieoestzerhältnisf^^ziU Pavlik das NitualmordmärchM^ zu verbreitet suchte, während die aus der Elbe aufgefischte Leiche des betörten Mädchens keine S p u''r eines gewaltsamen^TAdsss.:aufW.Ms. So flüchtete er von Kolin nach. Olmütz, dem.klerikalen Eldorados - uähin die klerikale-sjZretz-s und-^-Politische Agitation auf. Ja, er, der Butter auf dem Kopfe hatte, hielt in Olmütz, Pr-oßnitz-und'Umgebung Vorträge über katholische — Moral! Aber ein Redakteur, eines tschechischen. Blattes ״trat...chm derart heftig entgegen, dgß Hrachovsky ihn vor das Schwurgericht-Olmütz/zitieren-wollte. Aber es blieb beim Wollet,-׳denn der Katechet zog die 'Klage zurück! so datzkste״auf den 1S7-7M7 änMräumte Verhandlung unterblieb. ( Auch einen zweiten, nicht minder gefährlichen Feind sind wir in Böhmen los gewordeir. Das aus r u s s i s ch e m Geld erhaltene, wegen seiner perfiden, rüden Angriffe auf das Judentum als Tagblatt in Prag erschienene Hetzblatt ״XX. VLK", hat zu bestehen aufgchört. Seine Telcphoiinuinmer wurde aus dem neuen Verzeichnisse gestrichen. Die rusiische Quelle ist dersiegt, da sie die Erfolglosigkeit der Judenhetze einsah. Wie wohltuend dagegen wirrt ein Aufsatz des eben jubilierenden alttschechischen Schriftstellcrs Tr. 9t. I. Krönbauer in Prag im Tchriftstellcrorgan ״lVläj". Unter Würdigung des unlängst verstorbenen tschechischen Malers Nikolaus AleZ weist Dr. Kranbauer in wahrheitsgemäßer Weise daraus hin, welchen bestimwenden Einfluß auf die schöpferische Zuftmft AleZ's der jüdische Hofpächter B r a n d e i s in einem Torfe bei Böhm.-Brod gehabt hat. Zwischeu der gut jüdischen Familie und dem katholischcn Künstler hat sich ein uneigennütziges, selbstloses Freundschaftsverhältnis -herausgebilder, das alle Angehörigen beider Familien auf das Innigste verband und bis über den Tod beider Männer anhielt. Das Brandeissche Haus, das jetzt an den Schwiegersohn H. Kohn übergegangen ist, pflegt die guten Traditionen weiter und ist nach wie vor ein Sammelpunkt der künstlerischen Welt aus Prag. Dr. W. K. Brief ans Lemberg. ׳.nunerQveilere Kreise ziehenden Verelendung der jüdischen Bevölkerung zu beraten. Das nn- Whige. Jahr^l913 mit all sMAiMegleiterschei- MngemZals^ÄrieMurchO MißernIe, Entzie- ״ W ^GditDiGKerMM Baukinstiite! liB MbEriKaenZ MnoKiMet. die einen 7' -י jer ^Hur «Wer1N«rpNW׳o^1Mlen^^r1W:osvcrl)airuisse beifrägt. — Dank der JnitHtjv'e des Kultusvorstöndes in Sambor haben sich nun endlich unsere Führer,; gstsgerqssh,.,und es ist liur zu wünschen, daß'diese Aktion nicht im Sande verlaufen möge. -^-Än Her voiü-^Präsidenten der HWlHeir!Gemeinde Dr.׳ Schass geleitetejstO'Berainiigi beteiligten sich die'ÄMrdhungen H'ri Kul- -tusgenreinden Lemberg,.Krakau-und- Sambor, die Abgeordneten 9tauch, Dr. 3iittel, 9ieizes, Dr. Ttamand, Dr...Löwenstein, Tr.. Landan״-.ferner im Alainen der galiz. Zionisten die Herren Adolf Stand, Dr. 3ftMel, DbllIteich und! Nabb. Dr. Thon. — Als günstiges Moment der streng perträill1cl)e1QVesprechüngeiQtM''die warme' Enider Heuder Kul- Donnerstag, den 11. ntzniigssaale der Lembcrger fand im Kultusgemeinde Jnm, Pavlik Bcziehunaen nnterbalten, ihre Besuche!eine Besprechung der führenden und tonangeemvianacn und ihr sein Bild geschenkt, er bat-.bcndcn jüd. Persönlichkeiten Galiziens statt, um weiter mit der definitiven Lehrerin K. in Kolin über eventuelle Maßnahmen zur Linderung der den Schloßhauptmann und nennet Euren Namen, ich. selbst will für Euch beim Kaiser das Wort führen." ן Der fremde Herr entfernte sick, rasch. Die Gäste blickten! ibm lauge nach und waren nicht wenig verwundert zu festen, das; er auf der Schlagbrücke von allen Leuten gegrüßt wurde. Wie groß war aber das Erstaunen der Gäste im Hügelmannschcn Kaffcchause, als sie erfuhren, daß der' fremde Herr der Kaiser Joses II. selbst getvcscn sei; ein Bicrivirt, der eben über die Schlagbrücke kam, hatte das Rätsel gelöst. ״Es wird dem Volke Israel Wählergehen", sprach einer zum andern, denn wir haben cs ans des Kaisers Mund selbst gehört, daß er die Erlö-; sung Israels will. Gott segne sein Tun! Am nächstfolgenden Tage erschienen Schimon und sein Sohn in der Burg, sie wurden daselbst freundlich empfangen und dem Kaiser vorgcstellt. Der Greis, als er den ,Kaiser erblickte, sprach das Gebet, welches das .Gesetz dem Juden zu sprechen befiehlt, wenn er vor den Regenten tritt: ״Gelobt seist Du, Gott, unser Herr, der mitgctcilt hat von seiner Ehre und Herrlichfeit dem Mensche» von Fleisch und Blut." ״Ist cs dein unabänderlicher Wille, daß dein Sohn Mir diene?" fragte der .Kaiser. ״Es ist der Wille Gottes", sprach Schimon, ..dem wir alle gehorchen müsicn." ״Ich bin lange mit dem Gedanken umgegangen, die Juden in ineine Armee aufzunchmcn. Doch man sagte mir, daß dies gegen Euer Gesetz sei und daß cs Euch an Mut fehle zum Wafsenhandwerk." ״Herr! — sprach der Jude — Gott befiehlt uns, dem Könige zu gehorchen, denn die Obrigkeit ist an! Gottes Stelle eingesetzt. An Mut wird cs dem Juden nicht fehlen, wenn Du ihn frei machst; der Sklave׳ hat noch nie die Zuversicht und das Selbstbcwußtscin des freien Mannes gezeigt; wer da kämpfen soll, mutz wis- 1 scn, wofür er sein Leben einsetzen soll; wenn der Jude weiß, daß das Gesetz sein Freund ist, so wird er es mit seinem Blute auch verteidigen; willst Du, daß der Jude dir tapfer, treu, hingebend in den Schlachten diene, so lasse ihn einen Teil haben an den Rechten der Bürgcr, lasse ihn ein Haus haben, das er verteidigen soll." ״Dein Sohn", erwiderte der Kaiser, ״soll mir dienen, er soll der c r st c jüdische Soldat sein, und ich werde mein Augenmerk auf ihn richten. Sein Name soll sein Jsak Opferlamm, ich werde.Sorge dafür tragen, daß er dicke Kameraden ׳seines 'Glaubensbckenntniffcs finde." Jsak Opferlamm diente dem Kaiser treu und hingebend und fand den Heldentod in der Schlacht bei B el g rab. Als der Kaiser in dem Rapport den Na men des Gefallenen las, konnte er eine tiefe Rührung nicht verbergen. ״Meine Herren", sprach er zu den um stehenden Generälen, beten Sie mit mir gemeinschaftlich zu Gott für einen gefallenen Helden, der die Weihe zum Soldaten erhielt, che er noch geboren'war. Ich will, daß dieses Blut ein Ehrendenkmäl sei; es soll ein schöner Baum demselben entsprießen, der Baum der Sfö« lcranz, unter welchem eine geächtete Nation nach Jahrtausenden mühevoller Wanderungen das Dasein eines bürgerlichen Friedens wieder finden möge." Die Feldhauptlcute entblirsten die Häupter und beteten mit ihrem Kaiser gemeinschaftlich für den ersten jüdischen Krieger. sung einer, Orgaiüsatjon. der^Apdenschast, blieb in der MnöAtäk^ gefaßten Beschlüsse wurden einem Exekutivkomitee überwiesen, dem von zion. Seite Adolf Stand!und:Nabbincr Dr. Thon angehören werden. — Das Jahr 1914 bringt unserer Kultusgemeinde zwei große Neuschöpsuugen, von denen die eine den Token, die andere, den׳ Lebenden zu dienen bestimmt ist, beide' jedochder Opferwilligkeit ihrer Stifter, alle: Ehre: machen:׳ Am 14. de M. fand zunächst!die Einweihung - der!;vom! Präsidenten derHandels, und Gewerbekainmer- Scunuel v. Horowitz mit einem Höstenaufwande von. etwa 150;0Ö0 K errichteten Zeremonienhälle aiii Eingange des ׳jüd. Friedhofes'׳statt/ Die Modernisierung-und Verschönerung dieses ^Friedhofes hat in. den letzten Jahren gwße:Fortschritte gemacht, was zum: großen: Teile dem verstorbenen Präses, und,Stifter des.Spittfls Dir״, Moritz Lazarus und'dem gegenwärtigen Präses'--.Ignaz Ztußmanu zu verdanken, ist.' Die ncuerbaute Halle ist-ein 29-Meter hoher Kuppelbau, der über 1000 Personen faßt-und; in -jeder- Hinsicht den repräsentativen Bedürfnissen der Großgemeiude Rechnung trägt. — Für den Fall außerordentlichen Andranges ist an der. Seitenwand eine nach außen gerichtete Kanzel ׳ angebracht. An dieses Gebäude soll -sich eine in nächster -Zeit zu - errichtende ,Leichenkämmer anschließen:., Die Feier verlief einfach, aber würdig. Außer den Notäbilitäien der Gemeinde Hatte sich Stadtpräsident Neumann eingefunden. Die zion. Partei war durch ihren Präses Adolf Stand vertreten. Die Ehrenwache-vor und in der Halle bildeten die jüd. Schomrim (Skauting), die kn ihren Seit jener Zeit ,haben nicht nur in. der. österr.- ungar! Monarchie, sondern auch anderen, fast in allen Staaten der Welt, tausende und abermals tausende jüdische Soldaten von ihrem und begeisterten Pätriotißmus entsprechende Proben und - Belege " geliefert. Nichtsdestoweniger, ,ist -noch -immch:, hüben wie drüben die leidige Judenfrage Kn der ׳Tagesordnung und der Judenhaß wächst, von Jahr zu. Jahr.mit den riesigen, siix gMnjcrHFlsttschrittxst-!'dfö jaust pilxn: Grbjewn des die Kultur sich Bahn zw.brechen begann, glaubte man allgeincin der Erwartung Raum geben, zu dürfen, daß durch Fortschritt, Aufklärung und Bildung der mittelältcrlichc Judenhaß schwinden und an seine Stelle Menschenliebe und Menschenverbrüderung treten werde. Mein das Unerwartete ist eingctreten. Der Antisemitismüs ist ein sehr gangbarer Artikel geworden, mit dem sich brillante Geschäfte machen lassen. Ach wie dielen der fro in men Hetzer, die sich's zur Lebensäufgabe gemacht, die Juden ad majorem bei gloriam' Wirtschäftlich zugrunde zu richten, ist es durch ihre eifrige Agitation gelungen den höchsten Gipfel des Glückes und des sogenannten Ruhmes zü'exklimmen- Die Parole, die! die Antisenntcnhäüptlinge äusgegeben, ' lautete: ״Wer zu GelW .Macht.und Würde gelängen, tvill, der muß. heutzutage' ein! Antisemit werden." Träurig, aber wahr. Auch Häman hatfe' sich nßr 'deshalb so rasch emporgeschwungcn!' weil ir ,sich berufen ,fühlte, den Juden iocLe. zu'tun,’ . .. ' י■--־־-•׳ י,',;'״■ Dr. Fr. : V : ־i H-Z r -J'J

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