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Jüdische Volksstimme · 1914-06-18 · Heft 23 (18.6.1914) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 23 (18.6.1914)
Date
1914-06-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Gelte 4. ״Attische «olkSsti«»-.- Nr. 23 wurden gewählt: Die Damen Plaut, Oppenheimer und *Uri«, sowie die Herren Kaffcl, Schns und Oppcnhcimer. Lemberg. Um die Propaganda in den Vorsiädtcn besser cntsaitcn zu können, wurde in dem Vororte Zuicsicuie eine Versammlung der Mitgl jeder ciiibcruscn, in der die Gründung einer bcsonderen Ortsgruppe als Abteilung der Lcmbergcr bcschloffen ivurdc. In den Vorstand wurden die Herren M. Ehamcikcs, Josef Eskrcis, N. Fricdmann, S. I. Gcms und Rabbiner M. Kauf, B. Töpfer und A. Zechanoivcr gewählt. Gleichzeitig wurde beschlossen, am Scbabbos regelmäßig im abzuhaltcn. Gurahvmora. Aus Vcranlaffung unseres Herrn Rabbiners M. M. B a b a b wurde hier vor einiger Zeit ein provisorisches Komitee zlvccks Gründüng einer Ortsgruppe der Agudas Iisroel gebildet. Nachdem die erforderlichen Vorbereitungen gctrossen waren, lourdc am 2-1. d. M. in die große Synagoge eine Versammlung cinbcrufcn, zu der auch der Landcssckretär für Galizien, Herr S ch m c I k c s, geladen war. Die Synagoge lvar bis ans den letzten Platz besetzt, als Herr Rabbiner B a b a b seine tiefempfundene und wirkungsvolle Eröffnungsrede hielt. Herr Schmclk e s hielt darauf ein sehr eingehendes Referat über die AgudaS Iisroel, das mit großem Beifall aufgcnommcn ivurdc. Zum Schluß sprach abermals Rabbiner Babab und forderte die Amvcscndcn auf, als Mitglieder in die ncngcgründetc Gruppe cinzutrcten. Tic Meisten leisielen der Aufforderung auch Folge. Przemysl, 5. Juni. Unsere Ortsgruppe ist mit aller Energie am Werke, um die Sanierung des rcligiöscn Gcmcindelcbens in unserer Stadt ihrem Programm entsprechend durchzuführcn. Vorige Woche kündigten große Straßcnplakatc abermals eine Volksvcrsamm- Inng an. Als Programmpunkt war angegeben. Am Sabbat fand nun diese Vcrsammlung im ב*ת ד,£דרי*ז unter großer Bctciligung vonsciten der aktiven Gcmeindcmitglicdcr statt. Herr Jakob Hirsch seid cröffnctc die Versammlulig mit zündenden Worten und regte, unter Hinweis auf die Bedeutung des Schwuosfcstcs für das Judentum, die Gründung einer T a l m u d-T Horaf ch u l c an. Der Mangel einer solchen Schule wird hier feit langem empfunden und der Agudas Iisroel- Ortsgruppe crivächst die Pflicht, diesem Bedürfnis abzuhelf-׳n. Hicrailf ergriff der Präsident der Ortsgruppe, Herr׳ I. I. T h u m i in, das Wort. Er sprach ausführ-, licli über die unablveisbarc Pflicht aller thoratrcuen Juden von PrzcniySl, an die Gründung einer den Ansordernngcn des orthodoxen Judentums entsprechenden Talmud-Tboraschulc zu schreiten. Im Verlaufe seiner Rede wies er auf die bevorstehende Kcucsijoh geda ul ob hin, in der er ein Ereignis von großer Bcdeutuiig für die Gestaltung der jüdischen Gesamtheit in der Znkuust siebt. Die Worte des Herrn Thumim ivarc» ausdiesmal nicht ohne Wirkung. Alle Tcilnchmer lvaren sich darüber einig, daß das Schuliverk ohne Verzug in Angriff genommen werden solle. Möge dem guten Vorsätze recht bald die Tat folgen! Tesche», 4. Juni. Gestern besuchte uns Herr Moses SchmelkeS aus Krakau. Seine Anwesenheit wurde dazu benutzt, um eine Propaganda-Vcrfamm- Inng für die Agudas Iisroel abzuhaltcn. Herr Schmelkes berichtete über die bisherige Eutivicklnug und die Bestrebungen der Organisation und fein Vortrag fand reichen Beifall. Es traten auf der Stelle 40 Mitglieder bei und ein Komitee, bestehend aus den Herren Eh. I. Scharf und Löbel Blum, ivurdc eingesetzt, das׳ die Propaganda sortsctzcn wird. Verein zur Unterstützung armer kranker Israeliten in Wien. Der Verein zur Ilntersiützung armer kranker Israeliten in Wien, der die ftatiitcnmäßigc Aufgabe bat, armen Inden, die in den Wiener Krankenhäusern sich in Pflege befinden, mit Koscherkost zu versehen, hat nun einen großen Erfolg zu verzeichnen. Nach fahrelangen Bemühungen gelang cs endlich der Vcrcinslcituug von der Krankcnhausvcrwaltung im allgemeinen Kranlenhansc eine Räumlichkeit zugcwicfcn zu crhal- 1e.׳!, ui» darin eine eigene Küche zur Verabfolgung der Koscherkost cinzurichtcn. Die Küche ist nun fertiggcstellt. Trotz der ungelnein beschränkten Raumvcrhältniffc ist dieselbe rin hygienisches Mustcrstück und von vollendether Zweckmäßigkeit. Es ist sicher, daß die Einrichtung für Viele vorbildlich sein Ivird. Am 7. Juni lourdc sie von Herrn Rabbiner Fürst und dem Vorstände der Adas Iisroel in allen Teilen genau besichtigt. Tic vorsorgliche Anlage, die neben den höchsten hygienischen Anforderilitge» die peinlichsten Vorschriften für Kaschrus geiviffenhaft im Auge hat, fand die begeistertste Anerlennuiig, und die Herren wurden nicht müde, Herrn Markus B o n d i, dem Obmann des Krankenhausvcreines sowie Herrn Isidor Frommer, der die Vorarbeiten zu diesem Werke gemacht hatte und Herrn Adolf Fischer, dem die ganze Leitung dieser Arbcitc! oblag, den verbindlichsten Dank zu sagen. Am Nachmittag desselben Tages lourdc die 33. Generalversammlung des Vereines abgehaltcn. Nach de.n glänzenden Erfolge war cs selbstverständlich, daß dieselbe zu einer glänzenden Ovation für den Vorstand sich gestaltete. Lange vor Beginn der festgesetzten Zeit hatte sich eine große Anzahl -von Vercinsmitgliedcrn im großen Bcthamidrasch-Saalc, 2. Bez., Große Schiffgafsc 8, cingcsunden. Präzise um 3 Uhr wurde die Sitzung von dem Obmannc Herrn Markus B o n d i unter stürmischem Beifall eröffnet. Der Vorsitzende verivicS auf die 33jährige Tätigkeit des Vereines, dem cs nun gclnuge» sei, eine eigene Küche im Spital fcrtigzunellcii, ein Erfolg, der zum größten Teile den Bemühungen des Herrn Frommer und Fischer zu danfc״ sei. In diesem Jahre sei cs auch gelungen, das Gleichgewicht im Haushalte des Vereines insofcrnc herzuslcllcu, als die lausenden Ausgaben aus den lausenden Einnahmen bestritten werden konnten ohne die Zahl der Ilnterstützuiigen neuerlich hcrabzusctzcn. Nun utüffc ma» darnach trachten, die Kosten der Küchencinrichtung — zirka 18.000 K — hcrcinzubringen. Auch soll die Ausgabe der Koscherkost nicht beschränkt sein. Welcher jüdische Kranke koscheres Effen will, soll dies, und zwar in allen Wiener Krankenhäusern, erhalten können. Er forderte alle auf, den Vorstand in seinen Bestrebungen uachdrückkichst zu uiltcrstühen. Der Vorsitzende ergänzt den Bericht dahin, daß Herr Wilhelm Kohii den Betrag von 100 K als Ergebnis einer Sammlung abgclicscrt hat. Ferner teilt er mit, daß Herr Rabbiner Dr. Grünwald sein Fernbleiben schrift-!ich entschuldigte. Zum Berichte nimmt Dr. Nein ig c r das Wort. Er spricht namens der Adas Iisroel der Vercinslcitung den Dank aus und beglückwünscht sie aus Anlaß der Errichtung dcS längst angcstrebten Zieles-, um das sich der verewigte Buchivald schon so viel bemühte. Er wünscht dem Vereine das beste Gedcihcn und die Unterstützung ivcitcrcr Kreise. Die Wohltaten des Vereines werden allen Juden ohne Untcrschicd der Landcszugchörigkcit zuteil. ^Gleichwohl ist die Mitglicdcrzahl eine verhältnismäßig geringe. Die Bcthausspcndcn sind mit 1007 Ii ansgcwicscn; davon stammen 1403 K aus der Schiffschul, aus allen übrigen Bcthäiiscrn zusammcngcnommcn 142 Lü! (Talmud Thorah 88 K, Bcth Israel 19 K usw.) — Die Tempel im 0., 8. und 9. Bezirke usw., besonders die der KultuSgcmcindc fehlen vollständig! Redner ersucht den Vorstand, den vclrcffcndcn Körperschaften nahezulcgen, di-.sein wahrhaft jüdischen Zwecke das Augenmerk zuzilwciidcii. Der Vorsitzende dankt dem Redner für die herzlichen Worte der Anerkennung; bezüglich der Anregung teilt er mit, daß die Vcrcinslcitnng alles inöglichc in diesem Sinne, jedoch ohne Erfolg, getan habe. Die Kultusgcmcindc verweist auf die Subvention von 9000 I\, die sic dem Vereine zuwcndct. Herr Jakob Fuchs unterstützt die Anregung des Herrn Dr. Rcinigcr; man müffc die Versuche wiederholen. Wenn die ,Kultnsgcmcinde auf die Subvention verweist, möge man ihr ciltgegeiihalten, daß die Pcffachvcrköstigung allein, der sic sich gewiß nicht entziehen kann, einen größeren Betrag in Anspruch nehmen würde. Besonders aber muß man sich an die Judcnschaft außerhalb Wiens ivcndc». ivcil vornchinlich Juden, die außerhalb Wiens wohnen, den Verein in Anspruch nchincn. Die Wiener versorgen und bezahlen sich vielfach ihr Koschcr-Effen selbst. Während der Ausführungen des Herrn Fuchs erscheint Herr Kultusvorfteher Emanucl Grün- Wald in Vertretung des Kultusvorstandes. Derselbe ivird vom Vorsitzenden und von der Versammlung hcrzlickst begrüßt. Zum Bericht sprechen noch Herr Geza B r a 1, n und Herr Gabriel Fischer,!voraus das Absolutorium einstimmig erteilt wird. Herr Wolf Papenhcim stellt den Antrag: Zum Zeichen des bcsonderen Dankes und der Anerkennung seien sämtliche visheiigcn Mitglieder des Vorstandes mit Akklamation iviedcrzllivählcn, was unter stürmischem Bcifallc geschiebt. .Herr Isidor F r o m ni e r stellt namens des Voritaudcs de» Antrag, Herrn Markus B o n d i, den langjährigen Ovmann des Vereines in Ansehung feiner Verdienste zum Ehrenmitgliedc des Vereines zu ernennen, llntcr nicht cndenwollcndcm Jubel wird diescr Antrag von der Versammlung trotz des Protestes des Herrn Bondi zum Beschlüsse erhoben. In bewegten Worten dankt er für diese Ehrung. Indem hierauf der Vorsitzende die Anwesciidcii auffordert, in weiten Kreisen dafür Propaganda zu machen, daß zur Deckung der Kosten der Küche tvic für die übrigen Vcrcinsaufgaben reichliche Mittel zuflicßen mögen, schließt er die Versammlung. F- M. Spenden für den Verein wolle man an die Vcreinskanzlci, 2. Vcz., llnterc Augartciistraßc 17, scnden. Delikatessen-Großha ndlung :::::: I. Strachon & Co. :::::: im Neubau, Bahnhofplatz, Brünn Krünner Nachrichten Peoh-Brockeusammlung des Vereines ״Machstke Hadas" Adlergaffe Nr. 12. Hochgeehrte Glaubensgenossen! Der unterfertigte Vcrcinsvorstand hat beschlosscn, die seit einiger Zeit bestehende ״Peoh-Brockensammlung" auszubaucn, um mit Hilfe derselben einzclncn Jude» ehrbare Existenzen zu schaffen, arme Leutc zu unterstützen, und wenn etwas erübrigt, andere ideale Zwecke des Vereines zu fördern. Darum gestattet sich der gefertigte Vereinsvorstand an Euer Hochwohlgcboren sowie an alle cdcldenkenden Brüder und Schwestern in Israel mit der Bitte hcranzutreten, daß Sie Dinge, die Ihnen entbehrlich sind der ״Pcoh- Brockcnsammlung gütigjt zuwenden zu wollen. Der mit einer Legitimation versehene Diener wird auf Wunsch die Geschenke abholc» und bestätigen. Ter Vorstand wird den Empfang nachträglich nochmals quittieren und ösfentlich auswciscn. Jeder Gegenstand wird dankbar cntgcgengenommen; seien cs alte Herrenkleider, alte Frauenkleider, Hüte, Schuhe, Stoffabfälle, Makulaturpapier, Schachteln, Kisten, Möbelstücke, Postsparkasien- Erlagscheine, Staniol, Flaschen und Emballagen, Spagate, Schirme, Stöcke, Bücher, Federn, Absallpapiere usw. usw. Durch die Reparatur schadhafter Kleider und Schuhe sollen arme jüdische Handlverker Erwerb fiuden. Der Ausschuß. * Eingelanfcne Spenden: Tig. I. Schnabl. 210 Flaschen, eiserne Töpft:, 3 Körbe, Holzkübel, Ludwig Ullmann Makulaturpapier, Tuchabfall, Max Ticho 2 Hüte, 1 Nock, ״Jüdische Bolksstimme" 5 Säcke Malatur, Markus Kral Abfallpapier und Eisen, I. Korn Wollabfälle, alte Tamenkleider, N. Rostbach Abfallpapier, Schachteln und 3 Holzkisten, Gyula Goldsteiu 20 Holzkistcn, Hanuak u. Worliczek 300 Posterlagscheine. I. Braun 1000 Posterlagschcine, Siegln. Bast Papierabfälle, Max Breda 1 Nock, 2 Gillcts, Ing. Max Singer Mnkulaturpapier, Isidor Reich •4 Holzkistcn, 14 Flascheu, N. Grünzwcig Staniol, G. Perl 2 paar Schuhe. Antisemitismus an der Brünner Textilschule. Dieser Tage brachten einige Blätter die Meldung von antisemitischen Ausschreitungen an der hiesigen Lehranstalt für Textilindustrie. Wie wir aus kompetenter Quelle erfahren haben, bewahrheiten sich diese Gerichte, trotz des Dementi des hiesigen ״Tagcsbotcn", welcher allcrdings zugegeben hat, daß kleine Reibereien, wie sic an allen Schulen zwischen den Angehörigen verschiedener Nationen und Konfessionen vorzukommen pflegen auch an der hiesigen Tertilschule sich ereignet haben. Bedauerlicherweise wurde diesen 3teibereien von maßgebender Seite nicht genügend energisch cntgegengctreten und tri jft die Schuld für diese bedauerlichen Vorfälle einzig und allein den Leiter und einige Professoren der genannten Lehranstalt. Diese Reibereien. welche seit längerer Zeit planmäßig vorbereitet wurden, erreichten auf einem Schulansslng ihren Höhepunkt. Es wurde von einem Professor, der an dem Ausfluge teilnahm, ge-

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