Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 22 (11.6.1914)
- Date
- 1914-06-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2621806-2621897-2621919--2841-2623973- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 22. ״Attische »slk«sti»«e». Seite 5. Luhatschowitzer Brief. Ter hiesige, wegen seiner Heilquellen und Heilerfolge berühmte Kurplatz, hat seit einigen fahren der Restaurierung einem großen Aufichwung genonunen und ist aus dem Wege ein Weltbad zu werden. Er wird von Rabbinern und Kantoren mit Vorliebe ausgesucht, weil sie hier nebst der Kräftigung ihrer Athmungsorgcme und aufinerksamcr ärztlicher Behandlung im geselligcn Verkehr mit Amtsgenossen einen angenehmen Gedankenaustausch finden. So verschieden auch die religiösen Richtungen sind, denen sie zu- Hause nachgehcn, hier kommen alle auf dem Mittelwege sich entgegen. Dasgemeinschaftliche Leiden und Bedürfnis, sich v״n diesem zu bcfreien, gewinnt sie. Während der Kurzeit wird die Streitaxt begraben und ein besccligender Gattesfrieden durchdringt die Kurgäste. Allerdings schließen sich die Angehörigen einer Konfession aneinander. Charakteristisch ist es, daß Deutschnationale dem tschechischen Arzt den jüdischen vorziehen, selbst wenn sie auch an einen solchen von dem sie behandelnd(?,! Hausarzte empfohlen werden. Auf der Promenade setzte sich zu mir ein Staatsbeamte aus Brünn und beklagte sich, daß sein Sohn wegen eines strengen jüd. Professors ins Ausland gehen mußte. Er nahm die Brieftasche heraus, um mir dessen Bild zu zeigen. Beim Durchblättern der Briefe sah ich einen mit der Adresse an Tr. Frankl. Wie kominen Sie zu diesen? fragte ich ihn. Diescn gab mir mein Hausarzt mit, so antwortete er. Ich werde aber doch keinen süd. Arzt konsultieren. — Ein typischer und lehrreicher Fall. — In den hiesigen Stammgästen zählt Tr. Schachter aus Budapest, der streng religiös lebt. Samstag nicht schreibt und fährt, täglich ins Bethaus geht und im aufgerollten Talith betet, und tvährend der!> Tage sich der Fleischkost enthält. Ferner der königliche Rat Oberrabbiner Koppel Reich, eine imposante Erscheinung, gleich dem מראה בהן in der עבודה Selbst die Neologen verehren ihn und auch Christen zeigen ihin ״dein jüdischen Bischof" ihre Hochachtung. Tie Kurkommission gestattet ihm, daß er mit seiner leidendcn Frau auf dem Wagen bis zu seiner Wohnung fährt, was sonst innerhalb des Rayons wegen des Staubes unstatthaft ist. Schon sein Aeußeres, seine Tracht, imponiert, die reich an die des Oberrabb. G. Tiktin in Breslau erinnert, welcher noch um den Talar, in welche,n er auch auf der Gasse ging, eine Schürze hcruingebnnden hatte. Als er beim löOjährigen Jukilänm der Chevra Kadischa in der Orgelsynagoge eine Rede hielt, war das Volk von diesem mehr begeistert als von der darauffolgenden formvollendeten .Rede Joels. Dieser meinte: ״Wenn ich nur einen solchen Talar tragen würde", welcher den Eindruck der Persönlichkeit erhöht. Im Verkehr ist er geistreich, bezaubernd, R. Keppel Reich — wie er gewöhnlich genannt tvird — diplomatisch. Er forscht den Redenden ans, um dann auf dessen Gedanken einzngehcn, verrät aber mit keinem Worte seine eigenen. Besonders zurückhaltend ist er, wenn er nach den religiösen Verhältnissen, nach der Möglichkeit einer Vereiiiignng 'befragt wird. Ter Auswärtige kann sich über die ungarischen Zustände ׳ kein Urteil bilden. Dabei ist er tolerant. Er besuchte in Wiesbaden das Grab Bcnsefs. Als ich an der Rabbinerschnle Hildesheimers in Eisenstadt dessei, Grammatik vortrug, schrieb mir ein orth. Rabbiner, Riß, ich seinen Sohn von dem Unterrichte dispensieren möchte, weil Ben-Ses diese am Sabbath geschrieben hat. Unvergeßlich bleibt nur der Abschiedsbesuch, den er bei mir spät. Abends machte, weil, >vie er sich entschuldigte, iX'i:כפורקמןCV lange danerte. Eine Fülle von Lehren hinterließ er mir zum ewigen Andenken. Er ließ cs in seiner Bescheidenheit nicht zu. daß ich, sein ehemaliger Schüler, ihm die Hand küsse. Es sind hier rituelle Restaurationen, in denen auch gebetet wird. Das Bedürfnis nach einen, Bethause wird allgemein empfunden. Es wird schon seit Iahrcn zu diesem Zwecke Geld gesammelt, das bei der Gemeinde Ung.-Brod deponiert ist. Doch fehlt es an einen, energischen Manne, der diese Sache in die Hand uehiucn würde. Fr. Gr. vis beste Que Ile für den Einkauf von feiBEF ist und bleibt Brünn, Ferdinandsgasse 21, I. Stock Kleine Regle! Kleine Preise! Preislisten gratis und franko. Jüd. Volkstum «. jüd Religion. Tobrisch, Anfangs Juni. Diesem Thema widmete unserer Rabbiner Herr Dc. I. Eisenberg seine am zweiten Schobuothfeste im hiesigen Tempel gehaltene Festpredigt, deren lichtvolle Ausführungen den ׳Nachweis lieferten, daß jüdisches Volkstum und jüd. Religion mit einander unzertrennlich verknüpft seien. Diesem Gegenstand kommt daher besondere aktuelle Bedeutung zu, weil jetzt Stroinungen und Unterströinungen anftauchen, welche auch die jüd. Religion als Privatsache, oder gar als nebensächlich erklären und den, Judentum eine Gestaltung verleihen möchten, welche sowohl jüd. Geschichte und Wissenschaft, als auch talmudisches und nachtalmudisches Schrifttun, verneinen. — Doch mögen hier wenigstens folgende einleitenden Gedanken der inhaltsreichen Rede Platz finden. Dieselben lauten: ״Ein jedes Volk lebt mir, aber auch ohne Religion. Ein jedes Volk hat seine Religion empfangen, nachdem es schon seine weltgeschichtliche Stellung errungen, sein Land, seinen Besitz, erkämpfte und sein Dasein gesichert hatte. Ein jedes Volk kann seine Religion aufgeben, gegen eine andere wechseln, oder zum Heidentum zurückkehrcn, ohne seine nationale Eigenart einzubüßcn, oder sein Volksbewußtsein zu verliercn. Moses hingegen beeilte sich״ sieben Wochen 1,ach Befreiung der Israeliten ans der ägyptischeu Knechtschaft die zehn Gebote zu offenbaren, die Satzungen der Vernunft und der Wahrheit bekannt zu geben und sie so für die große Zukm,ft vorzubereiten. Die Religion, welche sie im Kindesalwr erhalten hatten, sollte ihnen in der Wüste, wie ein Leuchtstern vorausschreiten, das Gefühl der Zusainmengehörigkeit und der gegcnseitigcn Liebe in ihren Herzen festigen und ihnen gen,einsame Ideale, gemeinsame Bestrebungen und gemeinsame Glücksgüter geben. Die Iieligion, welche ihnen Moses vier Jahrhunderte vor Eroberung des Heiligen Landes gegeben patte, sollte ihren, Denken und Fühlen, Form und Inhalt verleihen, ihren Lebensweg auf eigenem Boden Ziel und Richtung vorschreiben, aber auch im fremden Lande, nach Verlust der Selbständigkeit, Dauer und Sicherheit gewährcn. Deshalb lehrt die Erfahrung, daß jüdisches Volkstum ohne jüdische Religion undenkbar sei. daß wer sein Bekenntnis abschwört, gegen ein anderes vertauscht, oder ohne Ersatz lebt, damit aufhört, Mitglied seines Volkes zu sein. Deshalb lehrt auch die Erfahrung, daß wer das Gesetz am Sinai verleugnet, damit auch die Grundläge für alle Moral und Sittenlehre untergräbt. Deshalb lehrt die Erfahrung, daß die titli Gebote und Verbote der Thora keinen andern Zweck verfolgen, als das friedliche Zusammenleben ihrer Bekenner zu sichern und in ihren Herzen das Gefühl der Zusammengehörigkeit, das Gefühl der gegenseitigen Liebe zu Pflegen und zu erhalten. - Die weiteren Ausführungen über die Glaubenslehren in, Talmud (Traktat Makkoth Oft), sowie bei Maimonides und Josef Albo bestätigen die obigen Gedanken und können hier nur angedeutet werden. Josef HanuS, Brünn Rudolfsgasse Nr. 25. sämtliche Damenmodewaren, Bänder, Spitzen, Seiden stoffen, Posamenten und^Zugehßr für Damenschneider Literatur. Maurice Fishbrrg: Die Rassenmerkmale der Inden. Bei Ernst Reinhardt. München, ,91.'!. — Tag es keine Rasscnmcrkmale der Hilden gibt, ist die Schlußfolgernng des Buches. das den Titel ״Rassenmerkinale der finden" ,ragt. In drei ungemein fleißig gearbeilelen Abschnitten, in denen das verschlungene Dickicht der einschlägigen Literatur sorgsam berücksichtigt iir, gelangt Fishberg hinsichtlich der Erscheinungen, die als anthropologische, bczlv. phyjio- oder parhologische Merlmale der Juden gelten, durchweg zu negativen Ergebnisse». Sorgfältige Erforschung der anthrapologischen Eharaktcristika hat uns gezeigt, daß cs keinen jüdischen Teint gibt, keinen jüdischen SchädcliypuS, keine jüdische Statur, keine jüdische Rase, ja nicht einmal ein jüdisches Gesicht. Wir haben dargetan, daß viele Inden von Deutschen. Slave». Spaniern »sw. sich nicht unterscheiden lassen. Wir haben aber auch gezeigt, das; in Afrika Inden leben, die anthropologisch zu den Negern gehören, in China solche, die zu den Chinesen zahlen, in Indien, die wirkliche Hindu sind." Diese Heterogenität der sogenannten jüdischen Rasscntypen hcrveizusührcn. reiche der Einfluß des Milieus nicht aus. Tenn die soziale Umgebung vermöge ivohl den Ausdruck eines Individuums zu verändern, seine Haltung und sein Benehmen zu beeinflussen; der anthropologische Typus aber werde hiedurch nicht berührt. ״Ein Individuum mit dunklem Teint lvird durch Veränderung des Milieus nicht blond: ein Langkops verlvandclt sich nicht in einen Rundkopf, eine Habichtnase nicht i» eine Stülpnase, gerade Augen nicht in schräge." Aus der Tatsache nun. daß man viele Inden mit negroiden oder mongolischcn Merkmalen oder mit denen der Deutschen. Slavcn usiv. antreffe, sei eben der Schluß zu ziehen, daß diese physische Umgestaltung durch Rasscnvermischung stattgesunden habe. Daher sei eine clh ische Einheit der modernen Inden nicht vorhanden. Diese Sähe sind nicht umstürzcno und nicht zum erstenmal gesprochen. Von fachmännischer Seite hat man sich bereits des oste ren mit ihnen anseinandergeseht; sodaß wir von riner Polemik absehen dürfen. Soweit die Arbeit des Gelehrten vorherrscht — und dies trifft immerhin für den größten Teil des Werkes zu, — soweit Tatsache» gesammelt, gesichtet, verglichen lverden, erfährt der Leier mancherlei Förderung; insbesonders tvird er mühsamen Forschen» in schwer zugänglichen Monographien enthoben. I»> Augenblick aber, da der Publizist das Wort anhebt, verliert die Darstellung bedeutend an Wertigkeit. Die vorliegende Ausgabe ist eine deutsche Bearbeitung des englischen Originals. Jur Beranschaitlichung de» Textes dienen eine Reihe sehr guter Xhinii-• drucktafcln mit den verschiedenen Iudcntypcn. Auch sonst iit die Ausstattung freundlich. Morit? Grzvb. Zwi Zcharfstein und Simon Ikopilanski: Labor hazair. Zefer fehoraath liasafah haibrith bedibnr ubitthaw lematchilin, hajodim kro. Im niilvn iwri-jehndirusi-polani-aschkenasi. Für das junge Geschlecht. Ein Ilnterrichtsbnch der hebräischen Sprache für Anfänger, die schon lesen können. Verlag ,zentral, Warschau, Nowolipti 7. Preis (>0 Kopeken. — Wir haben nicht allzuviele Lehrbücher der hebräischen Sprache, die man deutsch sprechenden mindern in die Hand geben konnte. Ielli» hat ein schönes Buch Lefi hataf geschrieben, das mit Berlitzmethodc arbeitet. Grasotvskis gutes Buch Reschith limude sfath c!ver hat den Fehler, daß die dietsche Uebertragung der Vokabeln mit hebräischen Lettern gedruckt ist. Das Buch, das uns der Verlag ,׳jentral diesmal vorlegt, hat diese» Vorzug, daß es dir deutsche Worte mit lntainische» Buchstaben druckt. Cs ist so eingerichtet, daß das Vokabular am Schlnsse des Buches gedruckt ist. Druck und Ansslaltnug sind sehr gut, dagegen erscheint es mir als ein Fehler, daß alle Leseslücke auspunktierl sind, so daß der Schüler aus diesem Buche nicht so wie l'ri Grasowski nnpunktierte Terte lesen lernt. Conrep von Errlli: Allgemeine Religionsgrschichte. Fwcitcr Band der zweiten Auslage. Bonn, A. Mar cus F. E. Weber. •17» Z. Wir haben ans die Reli gionsgeschichte von L relli bereits einmal nach dem Erscheinen des ersten Bandes, der neuen Auslage hingeivicscn. «Vgl. ״Jüd. Volksilimme" MIL, Nr. I7.>. Nunmehr ist auch der zweite Band neu erschienen, hernusgegeben vom Sohne des inzivcschen verstorbenen Verfassers. Ter zweite Band umfaßt die Iudogermanische Familie, also die indische, persische, hellenische, römische, keltische, germanische und die slavischc Religio». Es folgt die afrikanische Clruppe «Neger,, dann die annrikanische Religion «Indianer, Merikaner. Per»׳", dann endlich iioch eine Darstellung der Re>' 'י \ Australier. Den Abschluß bildet ein g," . srühesle Gestalt der Religion. Ar,,».«,.,1 * - ,״״ ' braud"»re» Register der Au.oreu t׳,..d der vch'^dc-Uen