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Jüdische Volksstimme · 1914-06-05 · Heft 21 (5.6.1914) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 21 (5.6.1914)
Date
1914-06-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Attische »elttsti««-.- Nr. 21er sich den Namen ״Makkabi" bei und nahm den Anlatz wahr, zu einer Versammlung cinzuladen, die über das jüdische Turnen aufklärcn sollte. Aber nur wenige folgten der Einladung. Vor halblecrein Saal sprach Dr. Ludw. Singer tschechisch; hierauf der Begründer der jüdisch«» Wandcrdcwcgung in Deutschland, Dr. Heinrich Markus (Breslau), der trotz etwas reichlichen Aufwands von Pathos manches kluge Wort zu finden wutzte. Nachmittags fand im Freien ein Schauturnen statt, an dein mehr als hundert Turner in Jugend-, Damen- und Männcrriegc tcilnahmen. Schon einmal durften wir die Leiskungen des Turnvereines an dieser Stelle ruhrncnd vermerken; seitdem hat er wiederum bcdcutende Fortschritte gemacht, die in straffer Disriplin wie in bravourösen Einzelleistungcn zu Tage traten. Übrigens wird die Musterriege auch am Brünner Krcisturiicn (2l. Juni) antreten. Auch die Blau- Weis; Wanderer und Wanderinnen waren in sehr stattlicher Anzahl mit Gesang und Lautenspiel aufgezogen. Mit voller Sympathie begleiten wir das Gedeihen dieser jungen Bewegung; aber gerade deshalb müssen wir uns gegen eine Auffassung verwahren, die uns peinliches Befremden auslöste. Es ward nämlich ein Feldlager aufgeschlagen und Frohsinn gemacht. Was aus der Wanderung entzücken mag. weil cs natürlich ist, wirkte hier gekünstelt, als Pose. Noch ein Sportzweig erfährt jetzt einige Förderung: das Fußballspiel. Zwar bestand schon seit längerer Zeit bei den ״Poalc Zion" die Sportsektion ״Higüwr.. A'.er ans einen cr-g-m .׳!reis beschränkt, konnte I? ••V.t 1v:i:t in die Höhe kommen. Nunmehr sind die Akademiker stärker interessiert worden; und der ״Hagibor" besitzt bereits drei Mannschaften, die sich wacker schlagen und schon manchen Erfolg errungen haden. Nur der sehr fühlbare Mangel eines einzelneu Platzes steht einem weiteren Aufschwung entgegen. Und nun, Herr Redakteur, müssen Sie noch die Strapazen einer kleinen Spritztour auf sich nehmen. Wir fahren nach Brür, wo das Kartell Prager jüd.-nat. Verbindungen ״Barissa" und ״Jordania" eine Reihe von Veranstaltungen gibt. Nach ein paar stillen Semestern, in denen eine gewisse innere Mattigkeit mit Glück überwunden ward, wendet das Kartell sein Augenmerk in stärkerem Matze der Propaganda und Representation zu. Am l. Juni fand eine öffentlichc Versammlung statt, in der A. H. Vorträge hielten, u. a. der unermüdliche Tr. Alfred Engel über ״Wir und Palästina". Am 2. Juni war Kartclltagnng, auf der wichtige zionistische und studentische Probleme zur Erörterung gelangten: ״Propaganda unserer Idee" (Dr. Walter Kohner), ״Der jüd. Akademiker u. seine Weltanschauung" (Dr. Alfred Engel). — Am Abend eine Akademie. Die Veranstaltungen standen durchwegs ans beachtenswerter Höhe. Grz. Nichts. Nur einmal hat mich ein Betrunkener verfolgt. Es war damals nach einem Regen ein grobes Wasser an der Straße. da bin ich hinübergewatet und dort habe ich ein Stück Ziegel gefunden, damit habe ich dem Kerl gedroht. Da gab er mir Ruh. Vielleicht ist er mehr vor dem Wasser erschrocken, als vor dem Stein, meinte sie vergnügt. Wenn er aber auch durch die Pfütze hinübergcwatct wäre, hätten Sic ihm mit den Kicael getroffen, hätten Sie sich zu verteidigen vermocht? Aber wo! Vielleicht wäre ich gar sofort vor Schreck gestorben oder ich hätte gefleht, das; man mich je rascher töte. Das ist nicht gut. Man soll nie sofort seine Sache aufgeben; verteidigt man sich, so kann man wenigstens Zeit gcwinncn, vielleicht kommt dann wer zu Hilfe. Esterchen schwieg eine Weile nachdenklich. Gcwitz, sagte sic. schlietzlich Wenns schon gar schlecht sein sollte, vielleicht würde ich da keine Angst mehr haben, vielleicht würde ich mich wie eine Katze wehren mit Nägel und Zähne! Aber Gott sei Dank, niemand überfällt mich, niemand sicht inich auch nur an. Sie denken sich, ein altes Weiblein mit umgclmndcncm .Kopf! Und doch ists unangenehm, aus sich eine Vogelscheuche zu machen, bemerkte ich. Tie lachte lustig auf. Oh. nicht immer tu ichs. Samstag kleide ich mich schon anders. In der Tat. als ich später einmal an einem Samstag ihr begegnete, hatte ich sie kaum erkannt, so fein war sie angezogen. Es war gcra- Französische und Schweizer Schokoladen und Holländer-Kakao-Großlager :: I. Strachou & Comp, Brünn :: Bahnhofplatz — Ferdinandsgasse. Kulturzionistisches. Noch einmal die Bokalisicrungsfrage. Wen» ich zu diesem Thema nochmals das Wort ergreife, so zunächst vorzüglich deshalb, um mich gegen die Behauptung des Herrn Tr. Taußig, ich hätte t';1; persönlich apostrophiert, entschiedenst zu wenden. Ich finde in meinen Ausführungen — der als Beispiel zitierte Bibclvcrs mitgcrcchnct — keine einzige Rede- Wendung, die eine Grundlage zu dieser Behauptung abgc!-cw könnte. Herr Dr. Taußig kann sich noch immer nicht entschlichen, die Bokalisicrung als eine Frage rein tcchnischer Natur zu betrachten, sucht vielmehr nach wie vor nach tiescr liegenden Gründen, wobei er sich aus nachstehende .,Tatsachen" stützt: 1. Tic führenden zionisiischcn Zeitungen hätten gegenständliches Problem bisher nicht behandelt und 2. Alle von der zionistischen Hauptleitung ausgehenden hebräischen Enunziationcn werden in punktloser Schrift gedruckt. Nun möchte ich Herrn Dr. Tautzig empfehlen, in den führenden hebräischen Zeitungen zionistischer Richtung, ferner in den» jüngst erschienenen Protokolle der im Vorjahre in Wien stattgcsundcncn Hebräischen Wcltkonfercnz und vollends in den jclveiligc» Berichten des ״Waad halaschon", für uns das kompetenteste Forum in gegenstündlichen Fragen, zu blättern, und er wird sich bald überzeugen, daß man sich mit diesem Problem sowohl, als auch mit noch mehreren einschlägigen Fragen, darunter auch mit der ״graphischen Veranschaulichung der Unterschiedlichkeit gcivisier Konsonanten" befaßt, ja sehr ernstlich befaßt. Unserem Zcntralorgan ״Die Welt" Gleichgültigkeit oder gar Gegnerschaft vorzuwcrfcn, weil cs sich richtigcrweisc inkompetent fühlt, zu einem der vielen kaum im Ansangsstadium der theoretischen Lösung sich befindenden sprachlichen Probleme pro oder kontra Stellung z» nehmen, ist denn doch nicht am Platze. Was die zweite ״Tatsache", nämlich die hebräischen Enunziationcn der Hauptleitung, anlaugt, so erscheinen doch solche nicht, um als Lcscübungcii verschickt zu werden, sondern dienen bekanntlich ganz anderen Zwecken und sind übrigens für jene Kreise bestimmt, die der hebräischen und vielleicht nur der hebräischen Sprache voUkomincn mächtig sind. Zum Schlüsse noch etwas. Herr Tr. Tautzig glaubt mich einer Inkonsequenz überführt zu haben dadurch, daß ich ihm betreffs der Schwierigkeit beim Lesen nnpiinkticrtcr Schrift ״zumal für denjenigen, der die Sprache nicht vollkommen beherrscht", tvohl beipflichte, anderseits aber, 11. zw. gelegentlich der Illustricrnng, ivic sich Tonzeichen als Vokalzcichen vcrwcnde vor Ankunft des Zuges. Am Perron und im nahen Wäldchen spazieren vorwiegend Jüdinnen und .Kinder. Auch Mädchen waren zu sehen. Darunter Ester in einem schwarzen Rock und einer blatzrosa Bluse, wahrscheinlich aus Seide. Wieviel Anmut war in ihr! Ans einer Bank satz ihre Mutter in einer Feiertagshaube mit Bändern. Wohl nrochtc sie bei sich denken: Entweder sind meine Augen nichts mehr wert oder mein .Kind ist die schönste unter all den Mädchen und Frauen! Gerne gab ich ihr im Stillen recht. Tagsdarauf früh, als ich Ester in ihrem werktägigen Aufzug in der Gestalt einer dunkclgraucn Raupe traf, konnte ich mich nicht enthalten, ihr zu sagen, wie schön sie gestern ausgesehen und wie vorteilhaft sie sich von den andren Mädchen abhob. ״Wirklich? Ich daiike Ihnen. So. Das habe ich noch von niemandenl gehört. Die Arme — also das war ihr erstes Kompliment in> V. Ich aiv k :.״ ־och einmal je mit ibr geplaudert 110:1..■! :.״. ::•!cm gewiß, das war das Ictztemal gewesen. Wie ich sie in der Folge sah —!vor sie nicht mehr die frühere Ester, war sie nicht mehr die schöne Blume, nur ein arlnscliger lebloser Körper, znsammeiigcduckt in dem reif und weist-, schimmernden.Korn, am schmalen Rain, mit ci-j ner Strohmatte zugcdcckt. I den ließen, meinte ich, daß so manche Punktierung, welche bei einiger Kenntnis der gramatikalen Elementarregeln selbstverständlich und somit überflüssig, entfallen könnte, ergo ich eine gewisse Kenntnis der Gramatik fordere. Ja, »voraus glaubt denn Herr Dr. Taußig deduzicrcn zu müssen, daß ich im crstcrcn Falle auf eine gewisse Kenntnis der Gramatik verzichtete? Auch die ״ganz gewöhnliche Lcscfcrrigkcit", soll cs ein richtiges, fehlerfreies Lesen sein, erfordert meiner Ansicht nach eine gcioisse Kenntnis der Gramatik oder, wie sie Herr Dr. Taußig bezeichnet, Spczialwiffenschaft; die Vokalisiernng allein genüge nicht, weder in der hebräischen, noch in ' >cdcr anderen Sprache. Qlmütz, 22. Mai 1914. Salomon Schmerler. NIEDERLÄNDISCHE Lebensversichertmgs - Gesellschaft, Wien I., Aspernplatz 1 Iw eigenen Palais, Versichertes Kapital drka 422 Millionen. Reserve zirka 116 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht — Unser neuester Tarif mit SV« jährlich fallender garantierter Prämie Genaralagentur für Wien I., Aspernplatz 1, Leiter: David Nebenzahl. Sub Direktion für Prag r erdinandsstr. 20 neu Leiter Robert Gerstel. Sub Direktion für Lemberg. Szajnocba3 Leiter Lßbel Tauber General-Agentur für Krakau, Moritz Griffe Krak su, R£ platz 9. General-Agentur für Blelitz, Schlossraben 9, Leiter Adoll heitiinger. Hauptagenteur fOr BrDnn, Leiter: MAX DEUTSCH, Zeile 35. Gummistrümpfe für Krampfaderfüße in allen Qualitäten und zu konkurrenzlosen Preisen nur im GUMMIGESCHÄFT JOS. FIALA sen., BrDnn, KrSna 3—8. — MaBkarten postwendend Aus dem Londoner jüdischen Leben. The Jewish Jrade School. Vor ungefähr 1 Jahre begann Dr. Jung, Oberrabbiner der Federation of Synagogues, seine organisatorische Tätigkeit mit der Errichtimg einer jüdischen Gewerbeschule im East-End Londons. Zweck der Schule war die Heranbildüng tüchtiger geschulter Handwerker, die zugleich während der für 3 Jahre berechneten Studienzeit einen gründlilchen Unterricht in hebräischeu Disziplinen erhalten sollten. Autzerdcm war den Eltern Gelegenheit geboten, ihre Kinder in eine Anstalt zu geben, die auch nach dem Abschlus; der Lernzeit ihren Zöglingen Stellen zu verschaffen sich bemüht, die Samstage frei geben. Der erste Jahresbericht ist soeben ertchieneu. Tie Erfolge in pädagogischer Hinsicht sind sehr zufriedenstellend. Eine kurze Zeit nach der Begründung wurde eine neue Abteilung eröffnet, so das; zur Zeit das Schnciderhandwerk und Auf dem nahen Grcnzhügcl, saß eine Pfeife rauchend, ein alter Mann, der beauftragt war, die Leiche zu hüten, bis die Behörde und der Arzt kämen. Ich hob die Matte ein wenig; trotz meines großen Schmerzes mutzte ich von Simches gutem .Kinde Abschied nehmen. — Ah. diese Tränenspur ans der von Erde beschmutzten Wange! Was war da nur geschehen? Nichts Außerordentliches. Ich entsinne mich genau, das; es mit kleinem Druck in der Zeit beschrieben war ״Auf den Feldern des Vorstadtdorses fand man die Leiche eines jungen Mädchens, einer Jüdin, mit Spuren eines gewaltsamen Todes. Nach dem Übeltäter wird gefahndet". Man hat ihn auch erwischt. Es war ein Vorstadtvagabnnd. Auf einem wenig besuchten SeitenPfadc im Felde, so lautete sein Geständnis, war er der Jüdin begegnet. Betrunken, ritz er ihr das Tuch vom Kopfe und erblickte ein junges Mädchengesicht. Gewehrt hatte sie sich bis aufs Blut — gebissen hat sie ihn und zerkrazt. Nur um sie einzuschüchtcrn hat er das Messer gezogen, wie sie sich in die Spitze verrannt hat, er kaiius nicht recht begreifen. — Die Untersuchung ergab, daß ein Gewaltakt nicht statkgefunden hatte. Armes Kind, keine Brillanten dieser Erde wiegen deine letzte Träne auf. Schlafe wohl!

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