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Jüdische Volksstimme · 1914-06-05 · Heft 21 (5.6.1914) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 21 (5.6.1914)
Date
1914-06-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 21. ״Jüdische Bolk-stimme" Seite 5. Lederwarenarbeit gelehrt werden. Die Krise im Vorjahre hat merkwürdigerweise auch die Schnle berührt. Doch ist sie heute so weit entwickelt, daß sie sich allein erhält. Das ist sehr bedeutend, wenn man bedenkt, daß die monatlichen Erfordernisse zirka 2000 K betragen. Unterstützt wurde die Jewish Jrade School vor allein durch Lord Rotschild, Lord Schwaythling, Hermann Landau und Otto Schiff. Die Jahresbeiträge betrugen ungefähr 800 Pfund Sterling, das sind zirka 20.000 K. * # * The Jewish National Union of Great Britain. Eine zlveite Schöpfung Dr. Jungs ist der obgenanntc Verein. Er besteht aus mehreren Hundert Mitgliedern von Arbeitern aller Art, die sich zusammengeschlossen haben, um entweder von der allgemeinen Union die Anerkennung der Sabbatruhe für die konservativen Juden zu erlangen oder, im negativen Falle, zur Gründüng eines selbständigen Verbandes zu schreiten. Tie ersten Meetings gestalteten sich zu einein Erfolge für die Idee. Heute hat die allgemeine Union die Berechtigung der Wünsche anerkannt, weil sich mittlerweile die neue Bewegung als so lebenskräftig erwiesen hat, daß sie nunmehr einen Faktor darstellt, mit dem inan rechnen uiuß. Eine neue große Hall wurde vor kurzem eröffnet. Alle Arbeiter hatten Vertreter entsandt. Daselbst werden von bekannten Rednern Vorträge gehalten, von Magidium Droschaus, von Rabbinern Schiurim usw. Es ist schon heute klar, daß auch diese Institution sich zu einem, das hiesige jüdische Leben in sich konzentrierenden Mittelpunkte der Arbeiterwelt herausbilden wird. Natürlich darf nicht übersehen werden, daß die Verhältnisse in Bezug auf die Möglichfeit der Sabbathhaltung hier sehr günstig sind. Die Regierung fordert bloß die Respektierung eines Ruhetages. Welcher es ist, ist den Arbeilern überlassen. * * * Sinai-Club. Modernismus und Antike. Die Mitte! des jetzigen kulturellen Lebens, verbunden mit den hehren Überlieferungen eines jahrtausende allen Geistesschatzes. — Ein regelrechter Klub mit Sportausslügen, ein regelrechtes Bcth-Hamidrasch mit täglichem Gemoroh-Äurse. Und wächst von Tag zu Tag. Diese Gründung Dr. Jungs ist nur einige Monate alt. Die praktische Verbindung von Thauro und Terech-Eretz verwirklicht. Jeden Samstag, abends, werden wissenschaftliche Vorträge gehalten. Die letzten Themen waren: Maimonides, Die Arbeit vom Standpunkte der Bibel. Moderne Jüdische Ströinungen. Selbstredend wird hebräische Sprache und Geschichte eifrig gepflegt. vis beste Quelle für den Einkauf von leim HorreowäsUie ist und bleibt I Brünn, Ferdinandsgasse 2t, I. Stock Kleine Regiel Kleine Preise! Preislisten gratis und franko. Bei schönem Wetterl Jeden Donnerstag halb S Uhr abends Deutsches Haus, Biünn Militär-Konzert ausgeführt von der Kapelle des k. k. IntanL-Regimentes Nr. 49 Eintritt K — 40 Um zahlreichen Zuspruch bittet Hans Meissl Restaur. Deutsches Haus Unsere Studenten und ihre Aufgabe im Zionismus. Will utuu über die Aufgaben und :fiele unserer Stndeuten im Zionismus befriedigenden Aufschluß geben, so ist Voraussetzung dafür, daß man eine völlig klare Ansfassung sowohl des Zionismus selbst, als der Mittel und Wege besitzt, welche zu seiner Verwirklichung führen. Ich muß mir also — um die Aufgaben unserer Studenten im Zionismus schildern zu können — klar machen, was ich als Aufgabe des Zionismus überhaupt arische, um danach die Nolle zu bestimmen, welche der zionistischen Studentenschaft dabei zugewiesen ist. Kür mich ist die Aufgabe des Zionismus die Erhaltung und Erneuerung des Judentums. Daraus ergibt sich alles andere. Ter Zionismus ist keine Episode in der jüdischeu Geschichte, er muß sich zu einer nationalen Bewcgung ausgestaltcn. Das Nationalgefühl ist das Bewußtsein, einer Nation anzugchören und somit verpflichtet zu sein, alles was zu deren Große, Ehre und Wohlfahrt beiträgt, wahrznnchnten, zu fördern, mit Rücksicht auf den allgemeinen Zweck auszunützcn und auf diese Weise am Ausbau seines Volkstums mitzuarbeiten. ilberall, wo lebhaftes Nationalgcfühl ist, da wird auch Nationalslolz vorhanden sei». Tiefe Entwicklung ist naturgemäß. Nationalgefühl schließt Eharakterfestigkeit in sich; diese Eharakterfestigkeit zu wahren, das ist die heiligsie Pflicht eines Volkes: denn sic allein berbürgt ihm den Aufstieg zur Höhe, den Aufflug zur Größe. Ohne Pflege derselben stirbt das Volk im Kern ab und wird somit eine leichte Beute derjenigen, die es verschlingen wollen. Ter Zionismus muß Liebe zum jüdischen Volkstum wecken, Achtung vor jüdischer Eigenart pflegen und zur Nacheiferung jüdischer Tugenden anrcgen. Das ist die nationale Erziehung, die zu den Hanptaufgaben des Zionismus gehören muß. ,,Tie Rückkehr zunt Judentum". Und die Aufgabe unserer studierenden Jugend sei in erster Reihe Selbsterziehung an sich zu üben. Nun fragt cs sich, welches sind die Mittel, die dieses Ziel erreichen lassen? Und hier setzt eben der Mißgriff ein, hier zeigt cs sich, daß sich unsere Studentcn auf einem ganz falschen Wege befinden. Tie glauben, das beste Mittel, um das angestrebte Ziel zu erreichen, sei, möglichst viel zu diskutieren. Ich will nicht in Erwägung ziehen, ob diese Diskussionen nicht einmal den Anfänger mehr verwirren als ausklären, möchte mir aber die Krage erlauben: Wie ist cs den Nnthencn in Galizien, von denen sogar noch vor einem halben Jahrhundert so viele in nationaler Hinsicht indifferent tvaren, gelungen, ihr vollstes Nationalbewußtsein zu erlangen und ihre Sprache und Literatur ans das heutige Niveau zu bringen? Es wird sicherlich niemand behaupten, Diskussionen in fremder Sprache geführt kein großer Teil der jüdischen Studentenschaft in Westgalizien spricht überhaupt weder hebräisch, noch jüdischst seien die Ursache diesesnationalen Ansschwunge-7gewesen, und man lvird nicht bestreiten, daß nur die Erziehung in der Nationalsprache und die Beinü- Hungen, die eigene Sprache völlig zu vervollkommnen und zu verbreiten, die einzelnen erforderlichen Mittel waren, dies zu erreichen. Wenn >vir die heutigen politischen Verhältnisse betrachten, so sehen lvir, daß die Sprachcnfragc den .Hauptpunkt bildet, um den sich alles dreht. Und wahrlich, bestünde die Tätigkeit der Rutheneu in Galizien nur in Diskussionen, sie hätten es bestimmt nicht so weit gebracht. Taten, positive Handlungen, körperliche und materielle Opferwilligkeit, Herz für ihre Sprache, das sind die Jaktoren, denen die Rutheneu ihre Stellung in Galizien zu verdanken haben. Wie aber stellt sich unsere Jugend die jüdisch-nationale Wiederbelebung vor? Vor allem muß man, ihrer 'Ansicht nach, beweisen können, daß das jüdische Volt eristenzbercchtigt i׳!. wenn cs auch tveder Sprache noch Land bat. ferner ob Palästina geeignet ist die Judentrage zu lösen, ob Jiddisch oder Hebräisch unsere Nationalsprache sei, ob der Ackerbau in Palästina der Industrie vorzuzie- Heu ist usw. usw Ich glaube es wäre logischer und nützlicher, anstatt mit Theorien beweisen ׳ zu wollen, daß die Sprache für eine Nation nicht unbedingt notwendig ist, diese Zeit für das Studium sotvohl der hebräischen. als auch der jüdischen Sprache und Literatut zu verwenden, deren Kenntnis einen solchen Beweis überflüssig machen würde. Daun glaube ich, daß für einen Inden, der mit seinem Volke durch eine, wenn auch noch so geringe J-ühlung verbunden ist. der Mangel eines Landes nicht im mindesten an die Er:- stcnz der jüdischen Nation zweifeln läßt. Das J-nndament einer jeden nationalen Bewegung ist der Geist und die Vergangenheit des betreffenden Volkes uno diese sind i» der Geschichte und Sprache der Nation zu stndcn, die den Zusammenhang der Gegcnlvart mit der Vergangenheit ermöglichen. Wenn unsere Studentenschaft das Judentum verstehen, wenn sic unsere Vergangenheit begreifen wo!- len, können sie das Ttndinnt der jüdischen Geschichte und der hebräischen Sprache nicht beiseite lassen. Tie sind der natürliche Ausdruck, das sichtbare Korrelat für die Denkweise und den Charakter unseres Volkes. Der Zionismus hat das :'!echt von de» Studenten, dieses kleine Opfer zu verlangen: ״Wenn Tu Anhänger der jüdisch-nationalen Wiederbelebung bist, dann mußt Tn die jüdische Geschichte und die hebräische Sprache könneu, weil Du sonst Deine Ideen mit der Praxis nicht vereinigen kannst." Der Zionismus verpflichtet, das sei unsere erste Erkenntnis. Tie zionistische Studentenschuft muß durch ihr Sein wirken, nicht durch ihr Re den: sie muß mit ihrem ganzen Innenleben dem zioni stischen Ideal zustrebcn. Unsere Studenten müssen sich ins national-jüdische Leben vertiefen, denn gerade ans der eigenen Vertiefung quillt ein inniges Verständnis für die großen ,fragen unseres Volkes, gleichwie dieses in vielen Dingen den Blick ungemein erhellt und eriveitcrt. Es gibt eigentlich — außer den oben angeführ tcn — noch eine positive Macht, die tatsächlich eine Wirkung im Sinne einer Judaisierung des J-ühlens unserer Studentenschaft ausüben kann: Tie Palästinaliebe. Tie zionistischen Studenten müssen die Krait aufbringen, als die Heimat ihres Herzens Palästina anzusehen. Jür die Zionisten gilt es, jenes Gefühl, daß unsere seelische Heimat Palästina ist, wieder tief in die Herzen einzngraben. :Nicht nur etwa deshalb, um die Lust an der Palästinaarbeit zu fördern, sondern um dem Herzen des GoluSjuden tvieder ein jüdisches Zen trum zu geben. Dieser Seelcnznstand ist bei vielen Zionisten vorhanden und er führt früher oder später eine ganze Anzahl von ihnen anch tatsächlich hinüber. Ein wahrhaft überzeugter Zioniit wird mit der Zeit von selbst diesen pshchischcn Umschtvnng erfahren .... Das neue Judentnm, das unsere Studenten verlangen, müssen sie zenerst in sich selbst anfrichten. die betrübenden Zustände in der galizisch-zionistischen Studentenschast, die zwischen Apathie und grundlosem Eigendünkel ihr vhrasenreichcS aber gar völlig gedankenloses Auskommen findet, haben schon so manchen zu einer beherzten Jronde angefeuert — bevor sie andere dazu bekehren wollen. Wären alle Zionisten schon neue Inden, dann wären wir dem Ziele unendlich näher. Tenn crslcns hätten mir dann ein Stück Ideal vertvirklicht und in uns verkörpert, zweitens würden lvir die anderen nicht bloß überreden, sondern überzeugen Ionneu. Nur in den Studenten leibst liegt es, de» Zionis mus groß und stark tverden zu lassen. Tie zionistischen Studenten bilden einen Stand, der so lange leben-: kräftig ist, als er eine Idee besitzt, die ihn nährt, llnsere akademische Jugend ist beritten dem Volke Bildung, gesundes Leben znzufübren und muß deshalb sich selb!! gründlich anSbildcn. Hiezu muß das jüdische Wissen, unserer Studentenschast bereichert, ihr jüdisches Gefühl belebt tverden. Eine national jüdische Weltanschauung zu gewinnen, ist das innerste Lebensbedürfnis unserer Studentenschaft. Nur dann ivird die Studentenschast die Phalanx des jüdischen Volles bilden und ihre Ja hig- und Täligtcitcn in den Dienst unseres Volles ite! len können. Israel Hammer. Dr. Rudolf Ratbollcky -ev. Lener in l.cblrs.1ldle»««g der EasdetkraiHuitaiutait wobst: i €cke yerdlnandsgas:t and , ilobattnesgasse (•mr orllsleit ttgitcb von r bis 4 Obr sieb». nr 90s. ד Josef Hanu§, Brünn Rudolfsgasse Nr. 25. sämtliche Damenmodewaren, Bänder, Spitzen, Seiden stoffen, Posamenten und Zugehör für Damenschneider _rinnen._ Uordruckerei י י Pli$$ieran$talt « _fanta, Postqasse r. üitecntiir. Das stenographische Protokoll des Elften Zioni stcnkoiiltrcjscs ist soeben im .Kommissionsverlag de:- Jiiüischcn Verlages, G. m. b. H., Berlin W. Iä, Such, sischeritr. s. erschienen 1* Ottav und XXIV. broschiect Mark l.ält. ans holzfreiem Papier, gebündelt Mark :!!. Das interessante Toknment ist nicht nur für die Alt- Hänger und Jrennde der zionistischen Bewegung von Interesse. Es gibt einen ausgezeichneten Überblick über diesen .Kongreß, der Anianas September in Wien tagt-׳ und durch die kolossale Zahl der Teilnehmer übc. tO.Sfit) Perionen - - wie anch durch die Bedeutung dec zur Verhandlung gekommenen Jragen der größte und wichtigste aller bisher itattgebabten zionistischen »on grosse tvar. Das Protokoll informiert aber auch atisge

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