Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1914-05-21 · Heft 19 (21.5.1914) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 19 (21.5.1914)
Date
1914-05-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/2621806-2621897-2621916--2806-2623935
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Nr. 19. ״Jüdische BolkSstimme". Seite 5. Bom ״Rabbinatskandidaten" zum engl. Philologe». Ehe die Assanierung das Prager Ghetto zerstörte, lebte in der Joscfstädtergasse ein kleiner, lustiger Kreis von russischen Juden. Es waren Studenten, die vom Vereine Ez Hadaath freie Wohnung erhielten/ weil sie offiziell Rabbinatsknndidaten waren und sich im übrigen schlecht und recht durchhungcrten. Schwerlich ist von all den jungen Leuten einer Rabbiner geworden. — Aber manche sind darunter, die sich schon in der wissenschaftlichen Welt einen Namen gemacht haben. Da ist I. Aharoni — in Prag hieß er noch' Aronowicz — der jetzt seit Jahren in Palästina/ in der Kolonie Nechoboth, lebt, sich dort mit un-' glaublichen Eifer der Zoologie zugewendet hat! und gründliche Forschungen über die Fauna Pa-! lästinas anstellt. Der Berliner zoologische Garten hat einen ״Bubo Aharoni", eine Entenart, die bislang unbekannt war und erst durch Aharoni entdeckt wurde. Demnächst erscheint auch eine hebraische Zoologie von ihm. — Ein zweiter ״Rabbinatskandidat", Herr A. Zuckcrmaun ging nach Anierikn und ward dort englischer Philologe. Er hat soeben in Rew-Pork (7 P.f 117, St.), ein Buch herausgegebcn: A new analogical method of teaching spelling "also eine Anleitung zum leichten Erlernen der englischen Orthographie und Anssprache. Znckermann hatte seit je ein besolideres Talent für Mnemotechnik und Sprachenpädagogik. Dieses Talent komint hier der englischen Sprache, bezichungsw. den Englischlernenden, zunutze. Durch Anlegung einiger Tabellen gelingt cs dem Autor, die verzwickten Regeln der englischen Orthographie übersichtlich zu orditeit. Ein Urtheil über den Wert der Arbeit steht uns nicht zu. Aber cs ist interessant, was ״ans einem Bochur alles werden kann." Zuckermanns Buch wird in amerikanischen jüdischen Zeitungen sehr gelobt. Die Philister Entdecker der Eisen- Industrie? Die Frage, ob Palästina Eisenerze enthält, ist bekanntlich sehr strittig, steuerlich finden wir einiges Material zu dieser Frage in einem Buche des Wiener Professors Franz Strunz ״Tie Vergangcnheit der tltaturforschung", das der Verlag Engen Dietrichs in Jena herausgcgeben hat. Seiten l Mark). Daß die Aeghpter das Eisen schon früh kannten, sieht man aus den Hieroglyphen, die nur mit gehärtetem Eisen in hartcll Granit eingegraben werden konnten. Im 7>, Mos. S, 0 wird Palästina ein Land genannt, da die Steine Eisen sind. Das bezieht sich aber nicht ans die Eisenerze des Libanon, sondern auf bekannte Basaltformationcn. Roch heute hält der palästinensische Volksglaube Basalt für ״Eisenstein." Heute vertritt inan nun u. a. auch die Ansicht, das; die Eiscndarstellung 17,00 v. Ehr. von den Philistern entdeckt wurde. Also das Land Pelescheth, jener schmale Küstenstreifen im SW. von Palästina von Ekron bis an die äghptische Grenze, sei die Heimat. Doch ist diese Zurückführnng des Eisens auf die Philister, wie sie Waldemar Beck anregend vertritt, recht an zweiselbar. Man um;'; ihnen cntgegenhalten, das; man überhaupt nicht von Eiscnerfindung reden kann, sondern von Erfahrung, die überall da gemacht werden muhte, wo ein dauernder Schmelzbetrieb auf Metalle stattfand. Philistäe kann nicht der Ort gewesen sein — meint Ludwig Beck in den Berti, d. Perl. Ges. f. Gcsch. d. Naturwissenschaft - denn zuin Schmelzen des Eisens gehören Eisenerze und Holz. Die Erzeugungsstätten lagen vielmehr in den Bergen des Libanon und der Sinaihalbinscl, wo uralte Gewinnungen nachgewiesen sind. In Philistäe wurde das Eisen nur verschmiedet. Die Philister waren übrigens als Küstenvolk Fischer und Schiffer. Die Frage hat eine ansehnliche Literatur hervorgerusen, die im sechsten Bande der genannten Abhandlungen abgedruckt ist. (Vgl. das Buch von S t r u n z S. 10* f.) Bestrafung einer judcnfeindlichcn Zeitung in Palästina. Der Grohrabbiner der Türkei, Haim Rahum, hat beim Minister des Innern, Talaat Beh, Vorstellnngen erhoben wegen der gehässigen Kampagnc einzelner arabischer Zeitungen in Palästina gegen die dortige jüdische Bevölkerung und insbesondere gegen das jüdische Kolonisationswerk. Rabbi Rahum wies namentlich ans die judenfeindliche Hetze der Zeitung ״Philistin" (Palästina) in Jaffa hin und hob hervor, das׳, solche Prehtreibereien geeignet seien, das gute Einvernehmen zwischen der jüdischen und arabischeu Bevölkerung des Landes empfindlich zu stören und unter Umstünden ernste Unruhen hervorzurufen. Der Minister des Innern wies daraufhin die Jasfaer Lokalbehörde telegraphisch an, ein Strafverfahren gegen die Zeitung ״Pbilistin" einzuleiten. Gleichzeitig erging eine Verfügung an die palästinensischen Behörden, in der ihnen aufgetragen wird, mit aller Strenge gegen Ver soneu vorzugeben, die in der Presse feindselige Artikel gegen einzelne Polksstämme und Glau bensgemeinschasten veröffentlichen. vis beste Quelle für den Ein• kauf von {einer Hemrniiäsilu! ist und bleibt Brünn, Ferdinandsgasse 21, I. Stock Kleine Regie! Kleine Preise! Preslisten gratis und franko. Spinoza über die Möglichkeit eines Judenstaates. Es dürste wenig bekannt sein, das; Baruch Spinoza sich über die Möglichkeit einer Wieder aufrichtung des Jndenstaates Gedanken gemacht mit, sie »iedergeschrieben hat. Die betreffende Stelle findet sich am Schlüsse des dritten Kapitels des ״Theologisch-politischen Traktates". Svinoza behandelt dort die Frage, warum die Inden sich in der Zerstreuung und ohne eigenes Reich erl,alten haben und er gibt sich zur Antwort: weil sie sich in einer Weise von allen Völkern abgesondert, die ihnen den Hast, aller zngezogen bat. Das; der Hast, der Völker es sei, der die Inden erhält, das habe schon die Erfahrung gezeigt. Als einst.der König von Spanien die Inden zwang, die Landesrcligion anzunehmen, da nahmen sehr viele Juden die Religion der Päpstlichen an. Da aber denen, welche diese R'eligion angenommen hatten, alle Rechte der geborenen Spanier einge räumt wurden, vermischten sie sich gleich so mit den Spaniern, das; binnen kurzem keine Sour mehr von ihnen vorhanden war. Das liegen teil war in Portugal der Fall, wo auch die Getauften aller Ehrenstellen nnwürdig blieben. So lebten die Inden dort mich nach der Taufe abgesondert. Rnn, fährt Spinoza fort: ,.Ja, wenn die Grund sähe ihrer Religion den Sinn der Juden nicht verweichlichen, so möchte ich ohne weiteres glau ben, das; sie einmal bei gegebener Gelegenheit, wie ja die menschlichen Dinge dem Wechsel unter lvorfen sind, ihr Reich!nieder anfrichten und das Gott sie von neuem answählt." Der theologisch politische Traktat Spinozas erschien in deutscher Ilebersebnng -- der wir auch unser Zitat entneb men - von Earl Gebhardt in einer schönen, m!» Einleitung und gutem Register versehenen Ans aa.be in der Vbilosovlnschen Bibliothek des Ver la.ges Felir Meiner in Leipzig. (Band Brei׳ brach. ."> M.). Eine Schabuotbelrachtung. Von Dr. I r i e d l ä » d e r. Irin Blick in die Wndiirfuc des Zudenlnins genügt, um uns zu nber;eugen, dar, Zsraei ein sonderbares Volk ijt. Während es in der ge!r des Sriickes mir einem Löweninnte sondergleichen für seine geüiigen <׳)üiee wacker kämpft, selbst einer Well in Walle» fnrckulas und unerschrocken trot.ct und mit wahrer Begeiiternng lieh mit der.Virone des Märmrertmiis ichmncki, so das; keine Macht auf Erden imstande iit es;» erschüttern: während es in Iranrigcn verhängnisvolle» Lagen der schtoeriten Prnsnngcn siandbait, gtaubenssiark bleibt, mit dem Psalmisicii ansruft: ״Biel, unsäglich viel ist nu-s;ugekomme», wir aber haben dich doch nicht verleugnet", wird es in der Zeit des Glückes, der Jreibeir so rasch von der giftigen .(trankheit — ׳.'tssimilation genannt er griffen, dah es um eines materiellen Vorteiles halber leichte» Herzen» sein heiligstes Gut, den Glaube» der Väter, wie ein wertlos gewordenes .(Neid mit Berackitung von sich weist, wie einst Emu für einen L0ps Linseit die Würde der Erstgeburt verschachert Halle: denn ״als Zeschurnn fett ivard. sties es ans." Zn Mizrajim lebten die Söbne Zleaels im Oolns. Xönig Pbarao selbst hielt es nicht unter seiner Witrde als :'lgitator atifzutrelen und Hepreden gegen die eingewanderien söhne Zsraels;>> ballen: ״Er sprach g> seinem Volke: ״siebe, das 'Volk der .׳linder Zsrael wird zahlreicher und mächtiger als wir. Woblan. wir wollen sie durch hist bekämpsen" unv. Nlid so wurden alle mog liche» JoUrranalen ersonnen um den Griü dieies Vol kes niederdrücken können. Zlllein je mehr mau sie peitilgte, desto glaubensnärker wurden sie.?aber sie ü.b sieben Wochen nach dem;'lusptge aus Mizraim, am Sinai, mit einem En,hnsiasmns sondergleichen, fit 1־ die blnnabme der Lboea erklärten: .׳alles was der Ewige gesprochen, wollen lvir befolgen, beherzigen und dnreb die Bat im Leben verwirklichen." Manm aber batte sich Moses — 11111 die <'U־ü'tjutfdn in Eliipsang;11 nehmen — von ihnen entfernt, als sie :'lbaron bestürmten und sagten: :'l»f! mache uns Götter, die vor uns herziebe» follen, den» dieser Manu Moses, der uns ans Egvplen herausgefübri bat, ist fori, wir wissen nicht was mit ihm geschehe!: iü". Nnü al-,- ׳.'lbaeon sieb gegvnngen iah ihrem dringenden Verlangen nach;akommen. da riefen sie beim Einblicke des goldenen ׳lalbes!vonnelrunken ans: ״daS sind deine (׳,älter Zsrael, die dich ans Egtlplen herallfgefübrt haben." Zn seiner väterlichen ,Zürsorge für das Wohl seines Volkes balle daher Moses —- der die Lick» und Debatte» seiten der Söbne ZsraelS kannte in seinen lebten :)!e den ibm Warnelid;»gerufen: ״:’(nf dah nicht, wenn du gegessen und dich gesättigt bas! und schöne .Häuser er bauest und darin wobnen, deine Herden lind Silber and (')old und :'tlles. was du Han. sich mebrel, dein Her; sich erbebe, und du vergessest des Ewigen deines GoUes". lind so war es nicht nur in Moses ,Zeiten, sondern!1111(1 während desersten und;weiten Staatslebens, wie wab rend der Zahrbuitderle des Mitlelalters und der Aenzeil. So B. geigelte der Prophet Zeremias die :1liiimi lationssucht seiner :',eilgenossen. indem er ihnen;nun: ״Hat jo ein beidni'ches Volk leine Goner vertoechie!! : obwohl üe Ungötter find, mein Volk aber oer:oech>ei!e meine Herrlichkeit für die törichten Gottheiten des 7a ge-S". Ebenso heftig grassierte die Ztisimilationsfencbe wahrend des;weiten Staatslebens. besonders;in׳ Zeit als Zlntiochns EpipbaneS;nr :liegierung gelangte.!!; mals bildeten üch innerbalb des Zadennnns gvei P,1! teien, die üch gegenseitig bekämpften. Die eine 'Parte!.;11 der Maral ia-S, der Vater der berühmt gewo,denen Helden Makkabäer, geliöne, bcüiand ,ins Wahl Hai! fron, men gottbegeiiierlen Mäiinerii. die mit ihrem Herzhlnle für den (׳)!anben der Vater kämpfte». Sie andere Pac tei hingegen bestand ans ׳,'lssiniilanien. man nannte üe ״Helenitten", weil iie mit den (׳)riechen liebäugelten, deren Sitten, oder richtiger Nnütten. Branche und ,voi men sich aneigneten, hingegen die schönen »Neu ii!01nt!.1׳! Sillen, Bräuche und ,vormen verleugneten. ..-.,l 11 r!!,ח;! uns einen Band schließen mit oe» Völkern rings um uns Herl Srnn seit denn wir uns ibnen abgeiondetn babeu, traf >1,1s viel Unglück", lanielr die 'Parole d!e׳ee Partei ,). Makk. l. 11.׳, vergas:!.-» aber, das: geraor dir jeiiigen. deren Lebensweise iie iklaveiimähig niulialnu teu, ihre geichte>1 Peiniger waren. So;icln es üch wie ein roter ,Zaden durch die gan.:e (׳)efchiel!!e de! ,luden. So 0!t die ׳.'!ssimilationssiicht;» geassieee» begann, mn׳; len die Vertreter und Z-ülirer des Volkes.!Nie Heoel 11! Bewegung ui'!־n um diele gefährlich!, beilloien Schaden anrichtende .(',rankbeil bekümplen;11 können. :'licht ohne tieferen Sinn babeu nnlere Waisen!111 geordnet, das; am ׳!pocheitleit, das uns!111 den ewig denk würdigen Vag von! Sing: eeinnert, in den Goiiesbütifeui 0 0.-7׳ Buch :׳int ,gelesen iveede, we,l in dc1׳»>eN׳en uns llae und deutlich die beebüngnisvolle» ,Zolgen der ׳,'lisiuiilalionSincht geschildert werden. :Zur :;eit als die :ilicluer noch regierten, lelne in Bel Lechem Zehndab ein :nit irdischen Gütern eei.li ge segneier Man». na»ic׳n-s Eliinelreli, seine Zran lnri; Aooltit und leine;lve> Söbne Mackilo» und »iljon. Ein,! entnand eine Hungersnot im Laude. 2elt»'tver>tä,1dli»l> hätte es Elimelech. der der reiebite Mau» und Pornes in Bet Lechem gewesen, als seine Pflicht erachte» ׳ollen, den jaiilinernde» Witiven und Waisen;» Hille;» kom men nn! sie vo!n Hnitgeriode reuen >1! können. VItu.׳1 ־ weit יו׳.fclift. Elimelecli 10,u׳ engbeegg und kannte kein Geiübl, ebenso leine ,vrau. die 0;.101׳ '.'i'ooini. lind ,0,1-7 tat er: rr ent ich los; üch, mit seiner »Zautilie aasgtwan der!!, dann dachte er.!01.» wird man (solle, 10 veeann!׳! ie», und lür solche :;wecke ha! er sich nicht seine gi.ncb!tliuer erworben. Neberdies dachten beide, die für ׳.'lssimilation ieliwaemten. das; ihre grosteu!)ieichtümer den Aichtjuden iwponieeen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.