Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 19 (21.5.1914)
- Date
- 1914-05-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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€*tte 4. ״Attische »,U-sti««-.' Nr. 19. und Seele erpreifendc Wirkung auf uns hcrvorbringcn kann, dir wir von dcr Kunjt cnvartcn. Nur auf dir Phantasie, alvr nicht auf Herz und Gemüt wirkt das gcinachtr Zcug dieses Juden. Verdient aber dieser Mendelssahn i» seiner küusllerischcn Iknfälngkcit auch unsere Teilnahme» so trifft hie׳* nicht mein• l'i'i Mcnerbcer zu. Unsere dürgertiche Gesellsechast quält die Langweile. lieber diese kann sic sich nur wieder durch Langweile täuschen. Und die Besorgung dieser Täuschung hat sich mm ״jener berühmte t7per»ko»1po»isl" zu seiner künsilcrischeu Lebensaufgabe gcniacht. Tie deutsche Kunst ist nur mehr eine von wimmelnden jüdischen Würmern zerfressene Leiche. Ein Leiten!,ich auf Heine und Börne, diese nichtarischen Ehristen, die das deutsche Volk bis aus die Kiwwen blainicri haben, bildet die Tchlutzvicinctte des Werkchens, da? Wagner scklietzlich wohl am liebsten gar nicht geschrieben hätte. Unsere deulschliimelndeu senden und Jüdinnen, die sieh um Plätze zu den Tai» Tam-Hpern Wagners mit ihrer gestohlenen Tertierung blutig schlagen, sei die Lektüre des ivagnerischen ״GelabherS" mit dem wutriinsiige» ״schrillende» und murksenden" Ausdruck empfohlen, wenn sie nieht doch die herrliche dcutsehe Sprache des senden Heine vorzicheu. Die Ostjuden. Derselbe Herr, der vor einigen Monaten so unvorsichtig war in einem hies. jüd. Blatte die Westjude» — die er unbegründeter Weise für Gegner der Hstjudcu hält . in ein schiefes Licht zu setzen, indem er bezüglich des je-all es Emil Altmann in seiner Perblcndung die tief verletzenden Worte nicdcrschrieb: ״Eine solche Tat blieb der Kultur des Westjudentums Vorbehalten", ohne das; er sich deS Marti,rinmS des srl. Rabb. Abr. Köln, in Lemberg erinnert hätte, äus;erte siech vor kurzem in ähnlicher Weise gelegentlich der Afsairc Meiersoh» über die ehriv. Wiener Ehetvra Kadischa - und ztvar in Gegentvart deS Präsidenten der Kultusgemeinde - indem er auf den seall Kamza b. Kan,za hinwies und sagte: ״Ter altehrw. Wiener Ehetvra Kadischa blieb es leider bordehallen, gelegentlich ihres länjährigcn seubilüums, i» Anwesenheit der offiziellen Pertreter des Judentums diesen Jall zu erneuern. Nun sätll eS mir auch nicht im Traume ein daS Porgehen jener Leute, die dazu beigetragen haben, das; ein Tnlinud Eoecham össentliech beschämt tvurde, zu verleid!- gen. Allein, wenn aber Herr Gr. glaubt, das; seil 2(100 se ah re u cs iiietit vorgetomnieu sei, das; ein Rabbiner in solecher Weise öffentlich beschämt worden wäre, täuscht er sieh sehr. Von den zahlreieheu ähnlichen und noch schlimmeren zällcu, die mir aus der Geschichte bekan.it sind, will ich hier bloj; einen hervorlieben, damit Herr 1s11\ erfahre, das; es vor ungesähr 70 fahren einen äns;eril irominen hochgelehrten und vielverülnnien Ravhiner noch schlimmer ergangen sei, als dem Rabbi Maiersohn, und zwar nieht in Wien, überhaupt nieht im Westen, sondern in der gros;en ansehnlichen Gemeinde Taruopol in Galizien. Es ivar dies lein geringerer als Rabbi Salomo» Lölv Rappaport. sei» zahle 1 H:4T tvurde er der ein Schwiegersohn der ersten rabbinischcn Aurorilät Polens, des Rabbi Arje Leb Koben, Persafsers der Werle ״Kezot Haehosehen", ״Ahne Miluiin", ״Seheiv iehemaitheta" war zum Eberrabbiuer von Taruopol ernannt, Ivo er neben seoses Perl, dem Begründer der dortigen jüd. Poltsschule, eine segensreiche Tätigkeit entialteie. Allein chasjidisehe Fanatiker haben ihn gar bald ,einer gros;en Gelehrsamkeit halber Verletzer! und sieh bemüht ihm in jeder Weise das Leben z>l verbittern. Porerjt haben sie verborgen, im Tunlei der Klans II»- heil gebrütet, ihn verleumdet, verdächtigt, Sünden und Pergeheu ihm augedichtet, mit ivelehen sie selber schiver belastet waren ״Kol haposel lemumo posel", später aber traten sie offen aus, ivie die ecliten .Koraehideu kränkten, beleidigten und verletzten ihn auf die scheus;lichs>e Weise, sea, es kam so weit, das; am Woehenseile 1 Mn Polizei und Militär in die Tarnopoler Shnagoge erscheinen mutzte», um dem fromnieu gelehrten Reibbi, der einer der hervorragendsten und verdienilvolljten Gelehrten des neunzehnten seahrhunderls >var, vor Mitzhandlungeu zu schützen. Nock im selben seahre < 1 s 10; tvurde dieser Märlnrer von der allehrivürdigeu Prager Gemeinde zu ihren religiöse» Eberhaupte ernannt. Hier, Ivo mau seine unverivellliche» Perdiensie, die er sieh um die jüdische Lileraiur erworben, zu würdige» verstand, erfreute der 'יilj»de sich der Liebe und Hochachtung der ganzen Geme",»de, die ihm das Glück des religiöse» Friedens zu verdanken hatte. Tic Westjude» scheinen doch keine so bitteren iveinde der Osijude» zu sein, wie Herr Gr. glaubt. Auch Rabbi JechcSkcl Landau-RappaportS Borgäuger in Prag, war ein C jtjudc und demnach wurde dieser große Man» in Prag, ja in ganz Lest erreich wie ein Heiliger verehrt und gefeiert. B. I. Ein neues jüd. Hospital in Jaffa Auf Initiative dcr jüdischen Aerztcgesellschast Palästinas wurde vor anderthalb Jahren e:u Melinite gebildet, das sich mit dcr Gründung eines neuen jüdischen Hospitals in Jaffa befassen soll. Die Arbeiten deS energischen Komitcs sind inzwischen so rasch fortgeschritten, daß man vor kurzem bereits an die Grundsteinlegung des neuen Mrankenhauses gehen konnte. Es gibt in Jaffa schon ein altes jüdisches Hospital, dessen Einrichtung und Verwaltung jedoch den Anforderungen der Gegenwart nicht ganz genügt und das für die immer zahlreicher werdende jüd. Bevölkerung der Stadt und der sie umgebenden landwirtschaftlichen Kolonien auch nicht mehr anSrcicht. Das für das neue jüdische Hospital nötige Terrain hat der Jüdische Nationalfond crworden. Es befindet sich in dem neuen jüdischen Stadtviertel Ehcwra Ehadascha, anschließend an Del-Awiw, und hat eine bevorzugte Lage. Es ist 4,r>0 Meter höher als die vorgelagerten Bau- Plätze und liegt an zwei Straßen. Es wird ein Plateau hergestellt, das zirka 22 Meter über dem Meeresspiegel liegend, vier von den geplanten Gebäuden tragen soll. Ein fahrbarer Verbindungsweg wird das Plateau duräiqueren und auf dem Rcststück in einer Serpentine absteigcn. Man wird vom Mrankenhause die Aussicht aus die Altstadt und das Meer rundum haben und die kühlen Seewinde werden den Gebäuden zu allen Jahreszeiten frische Luft zuführen. Der' Entwurf, der vom Architekten Richard Michel hcrrührt, sieht vier zweigeschoßige und ein cingeschoßigcs Gebäude vor. Die zweige'cltoßigen Gebäude kommen, wie bereits angedeutet, ans daS Plateau. Ein Nordban und ein Südbau habcn je 4.0י:,ד>l.8,<־n, uuD ein Ambulatorium und ein Wirtschaftsgebäude haben je 15,8t>X 1r>,80 Meter. Dieser Plan zeigt, daß die Initiatoren hier etwas Ganzes schassen wollen. Der Nordban soll im Erdgeschoß eine chirurgische Abteilung mit 18 Betten enthalten. Getrennte Eingänge für Männer und Frauen. Je ein Tagraum, eine Liegehalle nach der Seeseite, eine Teeküche, einen Operationssaal mit N'ebenränmcn, ein Wärterzimmer, ein W. E. —- Ins Obergeschoß kommt eine Abteilung für Nervenkranke, Hallen, Terrassen, Räume für liydropatbische, gymnastische und elektrische Therapie. Der Südban soll im Erdgeschoß eine Abtei- 11111!! für Geburtshilfe und Minder enthalten; in der Abteilung für Gebnrtsltilsc zwölf Betten, ein Zimmer für Gebärende mit anschließendem Operationszimmer, Tagrannt, Nebenräume; in der Minderabteilnng zehn Betten, ein Ammenzimmer, Rcserveräutne. Im Obergeschoß Abteihum für Frauenkrankheiten. Der dritte Ban enthält das Ambnlatorinm: im Erdgeschoß Pförtner, ein Wartezimmer, zwei Sprechzimmer, eines für den Augenarzt mit D nn kelz! nt »ter, Operati onszi »1 nter, A potheke mit Laboratorium und Toiletten. Int Obergeschoß: Sitzungssaal für Konferenzen. zwei Bureaiiränmr für die Verwaltung, Bibliothek, zwei Zimmer als Wohnung für einen Arzt. Das vierte Wirtschaftsgebäude hat einen Meller für Vorräte und Desinsektionsanlagc. Im Erdgeschoß befinden sich Abfertignngsräunte, Küche, Spülküche, Anrichte, Wäscheküclfe, Plättstnbe, Wäschekammern, Mleiderkanimer. Ins Obergeschoß kommen Wohn- und Schlasrännte für das Personal. Außer diesen vier Bauten auf dem Plateau kommt etwas niedriger ein Jsoliergebände von MMOx .11<־״<־ Meter. Fünf Systeme mit je einer Vorhalle, ein Krankenzimmer mit je zwei Betten ein Wärter׳,immer, ein W. C. — Für Erwciternngen sind Räume reserviert. — Dieser Entwnrs btt volle Zustimmung bei der medizinischen Gesellschaft, sowie bei der Baukommission und den Stiftern gesunden. Wie bereits erwähnt, hat der jüdische Nationalfond das Terrain, welches 20.000 Frcs. kostete, zur Ferfügnng gestellt. Außerdem spcndcten einige russische Zionisten Beträge in dcr Höhe von etwa 100.000 Frcs. Dank diesen Zu- Wendungen werden bereits in diesem Jahre die Erdgeschosse vom Nordban und vom Ambulatorinnt zur Ausführung gelangen. In diesem Zusammenhänge sei erwähnt, daß auch die Jafsaer Deutschen, die in Jaffa selbst sowie in den benachbarten Kolonien Sarana und Wilhelnta estva 2000 -Seelen zählen, jetzt en die Errichtung eines zweiten Krankenhauses gehen. Die Mosten des Neubaues sind ans zirka 80.000 Frcs. veranschlagt. Das neue deutsche Hospital wird auch eine Abteilung für die einheimische arabische Bevölkerung erhalten. NIEDERLÄNDISCHE Lebensversicherungs - Gesellschaft, Wien I., Aspernplatz 1 im eigenen Palais, Versichertes Kapital cirka 422 Millionen. Reserve zirka 116 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht — Unser neuester Tarif mit 5°/0 jährlich falender garantierter Prämie Geoaralagentur für Wien 1״ Aspernplatz 1, Leiter: David Nebenzahl. Lud Direktion für Prag Petdinandsstr. 20 neu Leiter Robert Gerstel. Sub Direktion für Lemberg. Lzajnochaz, Leiter Löbel Tauber General-Agentur für Krakau, Moritz Griffel Krakau, Ringplatz S. General-Agentur für Blelitz, Scblossgraben 9, Leiter Adolf HeiUirger. Hauptapenteur für BrUnn, Leiter: MAX DEUTSCH. Gummistrümpfe für Krampfaderfüße in allen Qualitäten und zu konkurrenzlosen Preisen nur im GUMMIGESCHÄFT JOS. FIALA sen״ ErOnn, KrSna 3—5. — MaBkartcn pestwendend Eine Aerrßerung über die ״russischen" Studenten. Vor kurzem ging wieder durch die Blättetz die Nachricht, daß die russischen (lies: jüdischen) Studenten in Deutschland neuen Beschränkungen unterwerfen werden sollen. In ganz Preußen soll für jeden Staat die Zahl der zulässigen Ansländer an den Hochschulen auf 000 beschräiikt werden; diese scheinbar nach allen Seiten gleich gerechte Maßregel trifft in Wahrheit nur die jüdischen Studenten Rußlands, denn sie können nicht daheim studieren, sie müssen ins Ausland, während bei anderen Völkern dies nicht der Fall ist. Da wird es nun nicht uninteressant sein, zu hören, was ein objektiver Beobachter über den Einfluß dieser Studenten sagt. In der Mainnmmer der von uns schon empfohlenen sozial-religiösen Monatsschrift ״Die Tat" (Verlag Eugen Dicdcrichs, Jena. Viertels. 0 M.), die diesmal ganz den Fragen der llniversitätsreform gcwidinet ist, spricht Ernst Michel von den ״Russen" folgendermaßen: ״Die russischen Studenten an den deutschen Hochschulen sind es, die den freien Geist des akadeinisclM Lebens am reinsten derkörpern. Denn sie streben zum Ganzen, zur Weltanschaunng und ob Juristen, Mediziner. Naturforscher oder Philologen, letzerdings sind die Meisten Philosophen, und Tolstoj und Dostojewski haben für sie nicht umsonst gelebt. Der russische Student ist fähig, dort, wo der deutsche am System hängen bleibt, bis zum lebendigen Kern vorzudringen und sich so die deutschen Philvsophen fruchtbar zu machen; er durchdriugt auch die Einzclwissenschasten und assimiliert sie seiner Weltanschauung.... Ich habe die Bcrühriing mit russischen Studenten iininer als lebendige Förderung erfahren und kann es nur bedauern, daß die deutschen Uuiversitätsbehörden dem Drängen gewisser studentischer Kreise, die daS russische Element nur vom beruflichen Moukurreuzstandpuukt aus zu werten wußten, nachgegeben und besondere nummerische Beschränkungen angeordnet haben. Soweit das russische Studeuteutunt im Rahmen der deutschen Universitäten zur Geltung kommt, vertritt es als Gesamtheit allein ein fruchtbares, aus der Ganzheit ihrer Menscheunatur und ihres Volkstumes gespeistes Lebensgefühl. Ich nehme hiervon die jüdischcn russischen Studenten nicht aus." — Die Zeitschrift ״Tot" hta zweifellos in Studentenkreisen besonders der freideutschcu Jugendbewegung viele Anhänger, die es — ernsten Willen zu einer Tat der Gerechtigkeit und der Humanität vorausgesetzt — nicht allzuschwer durchsetzen könnten, daß man bei Beurteilung der sogeuannten Ausländcrfragc die Worte Michels in ernste Erwägung zieht.