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Jüdische Volksstimme · 1914-05-14 · Heft 18 (14.5.1914) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 18 (14.5.1914)
Date
1914-05-14
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 18. ,jüdische Boftsstimme" Seite 3. ׳ Vom Wandern. Wir erhalten folgende Zuschrift: Ich habe 'den Artikel in der letzten Nummer Ihrer W. Zeitschrift gelesen.und muß ich mich über bk Naivität des Herrn Verfassers direkt wundern. Der Herr Verfasser scheint wirklich zu glauben, daß es nur eines Aufrufes oder Artikels bedarf um die hiesigen Juden ganz speziell aber die hiesigen offiziellen zionistischen Kreise aus ihrer Lethargie zu erwecken. Es ist geradezu beschämend konstatieren zu , müssen, daß in Brünn weder vor noch nach den׳, letzten Zioniftenkongreß seitens der hies. offiziellen zionistischen Partei eine Aktion für das Jugendwandern unternommen worden ist, obwohl der Wanderbund ״Blau-Weiß" schon einige Jahre segensreich tätig ist. Ist es dann ein Wunder, wenn Leute, die keine Zionisten sind denen aber eine Ortsgruppe von ״Blau-Weiß" erwünscht wäre müßig zusehen und auf einen Weckruf warten um dann mitzuarbeiten. Auf der letzten General-Versammlung des hiesigen jüdischen Turnvereines wurde wegen Gründung einer ״Blau-Wciß"-Ortsgruppe gesprochen. Unvergeßlich wird mir die damals geführte Diskussion bleiben, die sich über diesen Punkt entwickelt hat. Die anwesenden offiziellen zionistischen Parteimänner, die damals anwesend waren, sprachen sich zwar für die Gründung aus, sie wollten aber die diesbezügliche Aktion auch vom Turnverein geleitet wissen. Sie befürchteten, daß dies der Sache schaden könnte, und Kreise resp. Körperschäften, welche sie zu gewinnen beabsichtigten, durch den Turnverein verlieren könnten. Es ist aber leider nur beim Wollen geblieben. Ich will nicht näher die Gründe besprechen, die damals vorgebracht worden sind und die cs erreichten, daß die Gründung bis heute den Schlaf der Gerechten gefunden hat. Wenn für die separate Gründung seinerzeit nicht gute Zionisten (nach . mährischen Begriff und hi^iger Meinung) eingetreten wären, ich käme jetzt auf den Gedanken, daß man wissentlich die Angelegenheit verschlep- . Pen und die Gründung einer ״Blau-Wciß"-Ortsgruppe geradezu verhindern wollte. Die hiesigen sich zionistisch nennenden Kreise könnten von den Ostjuden in dieser Richtung viel lernen. In Galizien ist nicht der zehnte Teil solch schöner Ausflugsorte vorhanden, und dennoch wurden dort Pfadfindergruppen gegründet, die segensreich für die zionistische Jugend wirken. Die Pfadfindergruppen in Galizien verfolgen das Wandern iin Freien, da sie speziell in Ostgalizien Touristik (wie in Mähren) nicht betreiben können. Dafür sind sie aber auf anderem Gebiete tätig. Ein jedes Mitglied, welches der Pfadfindergruppe Beitritt, übernimmt gleichzeitig die Verpflichtung, die jüdische Geschichte und die hebräische Sprache zu lernen und daß man dadurch für die zionistische Idee vielmehr leistet dies ist ja evident. In Brünn müßte man von der Gründung von PfadfnHergruppen absehen, da sich die hies. jüdischen Kreise für diese Gruppen nicht erwärman würden. Hier ist es ratsamer jüdische Touristenklubs zu gründen, welche auch dieselben Ziele, wie die Pfadfindergruppen verfolgen sollten. Es haben sich in Brünn bereits einige junge Leute gefunden, die hier einen jüdischen Touristenklub gründen wollen. Mögen diese Zeilen dazu beitragen, daß sich die offiziellen zionistischen Kreise für die Sache zu interessieren beginnen und die Gründung unterstützen, denn es könnte fonft zu spät werden. Es ist zwar vorauszusehen, daß die hies. jüdischen Kreise die Gründüng dieses Vereines begrüßen und tatkräftigst unterstützen werden, denn in andere nationale Vereine finden doch jüdische Touristen keine Aufnahme, was uns nur freuen und nützenskann. Die Eristenzberechtigung eines jüdischen Touristenklubs kann nicht mehr angezweifelt werden, da die Erfolge, die mit solchen Vereinen in anderen Ländern erzielt worden sind, zeigen, daß die Idee gesund und durchführbar ist. Die hiesigen zionistischen und nichtzionistischeu Kreise mögen sich an dem herzerquickenden Anblick erinnern, den ihnen der Aufmarsch der Pfadfindergruppen und ״Blau-Weiß" beim 11. Zionistenkongreß auf der hohen Warte gewährt hat und sie dazu aneifern, die Gründung des hiesigen Touristenklubs tatkräftigst zu unterstützen. Der Erfolg wird nicht ausbleiben, und ich hoffe, das beim Zionistenkongreß ״Brünn" eine eigene Gruppe wird stellen können. Es ist schon hoch an der Zeit, daß hier endlich reale Arbeit aeleistet wird und soll es nicht immer nur beim Wollen bleiben. Es könnte leicht der Fall eintreten. daß die Jugend ihre eigenen Wege gehen wird, denn mit Versprechungen kann man die Jugend, welche an reale Arbeit gewöhnt ist nicht vertrösten. I. R. KAFFEEGESCHAEFT Rosenbaum Liechtensteing. 1 BRÜNNj Uecntensteing. 1. 15 g 15 g « aber jedem nach Verdienst. Und wir geben unsere Hoffnung nicht auf". Indessen war bei der jüngeren Tochter, der Lehrerin, plötzlich eine Erinnerung ausgetaucht. Vor einiger Zeit hatte sie von ihrem Hausherrn, als sein Sohn, von ihr unterrichtet, die Prüfung bestand, ein Los zum Geschenk erhalten, das ihr längst schon aus dem Gedächtnisse verschwand. Wie grenzenlos war nun aber ihre freudige Ueberraschung. als sic am' folgenden Tage in einem Bankhause die frohe Botschaft wernahm, ihr Los habe einen Haupttreffer gezogen', und eine namhafte Sume stehe nunmehr zu ihrer Verfügung. Wie ein lähmender Schreck hatte anfangs diese Verkündigung auf das empfindsame Gemüt des armen Mädchens gewirkt, und eine Weile war sie ihrer Sprache nicht mächtig. - Fassungslos stand sie da in freudetrunkenem Rausche, beklommen von einem seltsamen Gemisch zwischen Glauben und Zweifel. Ein solch unverhofftes Glück erschien ihr völlig undenkbar. Endlich entrang sic sich, wie aus einem träumhaften Zustande und eilte davon ohne jede Bemerkung, wie eine Besessene, ihrem Elternhause zu. Hier erzählte sie,, in kaum verständlichen Worten, von dem glücklichen'Haupttreffer ihres Loses, welche Mitteilung allgemein freudige Teilnähme auslöste. Mit Freudetränen in den Augen rief die Mutter: ״Wir Haben einen gerechten ewigen Vater, der nach Verdienst lohnt!" Zur Geschichte der Juden in Mähren. Hr. Rabbiner Dr. Frankl-Grün schreibt uns: » Als ich vor Jahren mit der Geschichte der Juden in Kremsier und Nachbargemeinden beschäftigt war, erhielt ich durch Vermittlung des Oberlehrers Binder vom Bürgerschullehrer Leopold Napp, Archivar der gräflich Magnicschen Bibliothek in Straßnitz, folgenden Beitrag, der damals nicht mehr verwendet werden konnte, aber wegen seines interessanten Inhaltes der Veröffentlichung wert ist. In dex Bibliothek findet sich auch ein von der Judengenleinde dem Grasen gewidmetes Hochzeits-Gedicht im Jahre 1708. Es ist in violetter Seide gebunden, der Stil in Niveau der damaligen Z»it ziemlich bombastisch, ferner ein an die Herrschaft gerichtetes Dankschreiben für die Schenkung des Friedhofsplatzes während der Rcgierungszeit des Kaisers Carl 6. Ein Dekret desselben ddto. 20. März 1718, zuin Schutze der Juden in der Friedhossangelegenheit gegen die Herrschaft und das Olm'üher Consistorium, habe ich im genannten Buche 2. S. 150. veröffentlicht. Vielleicht unterzieht sich ein Fachmann der Mühes in diesem Archiv und in dem der Herrschüft Ung.-Ostra alte, für die Geschichte der Juden wissenswerte Urktkkden aufzusuchen. Seine Arbeit wird sicher vom Erfolge begleitet sein. Urbarium bey der Herrschaft Straßnitz u .Welka. Die Straßnitzer Juden haben folgende Pflichten: 1. Geld wechseln. Die Straßnitzer Juden sind verpflichtet, allerlei Kleingeld, gute, breite Münzen, welche ihnen zu geben und zurück zu erstatten von Sr. Gnaden befohlen wurde, für den Bedarf Sr. Gnaden zu wechseln. 2. Getreide messen: Sie sind verpflichtet: allerlei Getreide, ebenso Linsen, Erbsen, Hirse, Malz auf den Schüttboden zu messen, scheuern und in der Straßnitzer Mühle in die Mahlkästen abzumessen und herzutragen, so oft und so viel, als es nothwendig wäre: ebenso Getreide reinigen, das Mehl in Säcken auf die Wagen laden und im Schlosse abladen. 3. Hopfen pflücken: Auch sind sie verpflichtet, in den Hopsengärten Sr. G. Hopfen pflücken zu lassen und die Arbeit zur Hälfte zu bezahlen. Auch sind sie verpflichtet Holzstämme zur Brettsäge zu befördern. Auch sind die Juden verpflichtet den im Schlosse arbeitenden Handwerkern Handlangerdienste zu verrichten. Auch sind sie verpflichtet. Eicheln zu sammeln. Auch sind sie verpflichtet, wenn die herrschaftlichen Schafe geschoren werden, die Wolle zu sammeln und in Säcke zu packen. Tie Jüdinnen sind verpflichtet allerlei Säcke ohne Bezahlung zum herrschaftlichen Gebrauch zu nähen^Alle Straßnitzer Juden soviel ihrer in der Stadt wohnen sind verpflichtet in dem Radieover und Sndomieritzer Meierhofe Froh» (Robot) Arbeiten zu verrichten, Getreide reichen, aus den Scheuern hinanszuführen, Heu einführeu, wenn ihnen befohlen wurde. 4. Aepfel pflücken: Die^ Juden sind verpflichtet in allen Obstgärten Sr. G. Aepfel zu pflücken, sannneln und aufbewahren. Auch sind sie verpflichtet allerlei Gartengewächse in dürren Zeiten, wenn es nothwendig ist. zu begießen. Wie viel müssen die Juden von ihren Häu fern zahlen: Lew. Schwiegersohn des Josl, 1 fl. 8 g MojLiz, Schwiegersohn des langen Abraham 1 fl. — g Herschel Fleischhacker 1 fl. 18 g Judenspital 1 fl. 15 g Jakob, Schwiegersohn Abraham des Schneiders 1 fl. 15 g äalomone Fleischhacker _ 1 fl. 15 g Aron Schneider 1 fl. Jakob. Schwiegersohn des Elias 1 fl. Jakob Polak 1 fl. Abraham Prostäjovskv 1 fl. 20 g MojLiZ, Sohn der Häsin 1 fl. 15 g Jud Schimscha (Siebenschein) 1 fl. — g David Polak 1 fl. 15 g ZachariäZ Polak 1 fl. 7'/״ g Markus Zlatnik 1 fl. 7'/ö g Lazar. Sohn des PinkuS 1 fl. 15 g MojLiZ Fleischhacker 1 fl. 15 g Viktorin Kramär 1 fl. 7'/״ Wolf Fleischhacker 1 fl. 15 g Jsak Kojetinskz) 1 fl. MojM Czech, Krämer 1 fl. MojM, Sohn des Daniel 1 fl. David, Onkel des holomek (Scharfrichter) Jud Herschel Lazar Schneider Abraham, Sohn des Priesters Zalomone SoplivF Jsak CzastinskH Baruch Prostäjovskv Maper. der jüdische Priester Jsak ZilhavH Wolf Schule' (Zkoln)? Jsak LipenskH ''Lnkaä Äomnianskv 1 fl. 15 g *Mikulasch LipovskH 1 fl. 15 g *Mikuläs Kli'äka 1 sl. 15 g (Die lebten 3 dürften Christen sein, die in de Judengemeinde gewohnt haben). Diese Zahlungen sind zu St. Wenzel z leisten. Fr die Befreiung von der Erhaltung vo 12 klevrliku ist die Judengeineinde Sr. Gnade verpflichtet einmal im Jahre d. i. zu Geore 150 fl. zu zahlen: dazu gaben sie noch 1 ^׳uu Jmber. (Das Wort klevrlik,konnte ich nicht übe׳ setzen, weil ich. die Bedeutung desselben nick verstehe. Ich fragte einige Juden darnach, keine konnte mir darüber Aufklärung erteilen.) Weiter zahlt die Judengeineinde Sr. Gnc den alljährlich 4 Ducaten (zu 1 fl. 18 g. jede Tucaten gerechnet) daß ihnen Sr. Gnaden zu ei lauben geruhten mit den Straßnitzer Bürger einen Vertrag betreff. 3 Faß Wein zu schließe: den die Juden zu Händen Sr. Gnaden auszr schenken verpflichten waren, daß nun die Bürgt 15 g 15 g 15 g 1 fl. 15 g 1 fl. — g 1 fl. -- 1 fl. 15 g 1 fl. 7'/״ 1 fl. 7'/.. g 1 fl. - g 1 sl. — g 1 fl. - - g - fl. 22'/.. g fl. 16 g

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