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Jüdische Volksstimme · 1914-05-06 · Heft 17 (6.5.1914) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 17 (6.5.1914)
Date
1914-05-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Nur die Organisation kann cs allen Gcmcindcmitglicdcrn zum Bewußtsein bringen, daß sic gegen diese Schmach mit aller Kraft anzukämpfcn haben, daß sic in diesem Kampfe sich auf eine unbeschränkte Anzahl von Mitwirkendcn stützen und daß sic, wo matcriclle Mittel notwendig sind, auch auf materielle Unterilützung rechnen können. ES wird uns daher nicht wundern, daß überall, wohin die Kunde von der neuen Organisation der Agudath-IiSroel gedrungen ist, sich alle Diejenigen, die cs noch ernst mit dem Judentum meinen, denen die Zukunst des Judentums am Herzen liegt, um die Fahne der Agndath-Iisroel scharen. Nicht nur in Galizien und Rußland, sonder» auch in Deutschland, Frankreich, England, Amerika sind Ortsgruppen der Agudath-Iisrocl ,nlstandcn. Auch in Oesterreich sind bereits kleine Ansänge in dieser Beziehung gemacht worden. Wir Juden in Mähren und Schlesien sollen und!vollen bei dieser großen Bewegung nicht abseits stehen, denn alles, was oben über den Niedergang des JudentumS gesagt ivorden ist, gült in uneingeschränktem Maße snr unsere enge Heimat. Die Gemeinden in Mähren und Schlesien haben einst im jüdischen Geistes- und Kulturleben eine hervorragende Rolle gespielt. Diese Gemeinden bringen tvol noch zur Bestreitung der Erfordernisse des Kultuswcscns verhältnismäßig große Summen an Kultusstcucrn auf. ein echt jüdisches Leben jedoch kann in den Gemeinden nicht recht auftommcn, Begeisterung und Liebe für das Judentum ist tvcnig zu finden, die Wissenschaft des Judentums, 1111־ H'yc große Literatur ist ausschließliches Eigentum der Rabbiner geworden, welche tvcnig oder gar keine Anbänger in ihren Gemeinden für ihre Bestrebungen austveiscn. Es soll und muß auch bei uns anders werden! Deshalb fordern wir Euch alle auf, der Agudath- ’ Iisrocl zunächst als Mitglieder bcizutrctcn. Wir rufen Euch Alle, die Ilir noch am Judentum sesthaltet und nichts sehnlicher wünschet, als daß daS fromme trauliche jüdische Familienleben wieder erstehe, daß jüdisches Wissen die Gemeinde wieder erfülle und daß lvahres Judentum den Mittelpunkt der Knltnsgcmeindc bilde. Wir rnscn aber auch Euch Alle, die Ihr ans llnkenntni-:- und mangelbaftcr Erziehung von der Größe des Judentums, von seiner glänzenden Vergangenheit nichts wisset, die Ihr von dem in unserem Schrifttum niedergelegten geistigen Schätzen nichts ahnt, sich der Agudath- Iisrocl anzuschlicßen, wenn in Eurer Brust noch ein Funken von Judentum glimmt, wenn Ihr einselict, daß eeso nicht weiter geht, daß die Bahn ans der sich das Judentum jetzt bewegl, nur zur Auflösung und Vernichtnng führt. Ihr Alle sollet beitrctcn, dann wird mit Gottes Hilfe unser Werk gelingen. Beitritlserllärnngen sind in jeder Gemeinde an die llntersertigtcn zu richten. Der Mindestbeitrag ist pro Jahr 2 K 40 h und kann auch in Teilbeträgen entrichtet iverdcn, damit auch Mindcrbcmitteltc sich beteiligen tonnen. Wir bitten die Beitrittserklärungen binnen acht Tagen abzugeben. lieber die Gründung der Erisgruppen und der Landcsgruppe lverden die näheren Belanntmachnngen nach Abschluß der Beitrittserklärungen erfolgen. Beitritts-Erklärungen und Geldsendungen sind entweder an Sr. Elirwiirden Herrn Rabbiner Dr. Frcimaun in Holleschau oder an Herrn Dr. Map Beer, Advokaten in Mähr.-Ostrau, zu richten. NIEDERLÄNDISCHE Lebensversicherungs - Gesellschaft, Wien I., Aspernplatz 1 im eigenen Palais, Versichertes Kapital cirka 422 Millionen. Reserve zirka 116 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter werden überall gesucht — Unser neuester Tarif mi> 5% jährlich fa lender garantierter Prämie Cenaralagentur für Wien I.. Aspernplatz I, Leiter: David Nebenzahl. Sub Dhektior für Prag Ferdinandsstr. 20 neu Leiter Robert Gerstel. Sub Direktion für Lemberg. Szajnocha3, Leiter Löbel Tauber General-Agentur für Krakau, Moritz G! iff. I Krakau, Ringplatz 9. General-Agentur für Bielitz, Schlossgraben 9, Leiter Adolf heitlirger. Hauptagenteur für Brünn, Rossitzergasse 4 Leiter: SAMUEL REINIGER. ״Jttische »olttsti««-.- Gummistrümpfe für Krampfaderf&ße in allen Qualitäten und zu konkurrenzlosen Preisen nur im GUMMIGESCHÄFT JOS. FlALA sen., Brünn, Krüna 3—5. — Maükarten postwendend Ein russischer Denker über die Judensrage. Von dem bekannten Philosophen und Soziologen Th. G. Masaryk erschien soeben im Verlag Eugen Ticderichs in Jena ein großangelegtes, zweibändiges Werk ״Zur russischen Gcschichts- und Religionsphilosophie", Soziologische Skizzen (brochirt M. 24.) Das Werk, das eine erste Folge von Studien über die geistigen Strömungen in Russland und über das Verhältnis Ruhlands zu Europa ist, enthält eine schier kaum zu übersehende Fülle von Material und kann mit Recht vom Verlage als ein grundlegendes Buch über das Slaventum bezeichnet werden. Man wird sich von jetzt ab aus diesem Werke Rat holen, wenn man den russischen Nihilismus und Anarchismus, Marxismus und Liberalismus, aber auch wenn man die offizielle Theokratie der rusfischen .Kirche und die Mystik der Russen wird verstehen wollen. Nun findet sich in dem Buche dort, wo von Vladimir Solovjev, dem einflußreichen Lehrer der jüngsten Gottsucher und dem wichtigstcn Vertreter der rusiischen Religionsphilosophic gesprochen wird, auch eine interessante Bemerkung über die Stellung Solowjcws zu den Juden. Die Judenfrage hat Solowjcw intensiv'beunruhigt. Bei den Juden findet er die lebendige Kontinuität der alttestameutlichcu Zeit und die Religions- und Offenbarungsstufe, welche dem alten Bunde cnspricht. Auf dem Sterbebette bat Solowjcw seine Freunde, sic möchten ihm bcständig wach erhalten, er hätte viel für das jüdische Volk zu beten. Tic Judenfrage ist für Solowjcw eine Christenfragc, eine religiöse Frage. In der Beurteilung der Juden als Pioniere des Handcls und der Industrie erinnert S. vielfach an Marx. Tie Juden sind nicht die Schöpfer des .Kultus des goldenen Kalbes, sondern die Christen oder vielmehr das cutchristlichte, gebildete Europa, das das Christentum aufgegebcu und sich dem Mammon zugewcndet hat. Tie Juden haben diese Prinzipien nur konsequent verfolgt. Soll das ökonomische Leben vermenschlicht werden, so must es dem religiös Sittlichen uuterworfeu werden. Solowjcw denkt daran, daß eine neue Religion, welche Juden und Christen umfassen wird, diese Umgestaltung unseres Lebens vornehmen wird, wenn erst die Juden ihr Judentum und die Christen ihr Christentum wiederum verstehen werden. Tie russischen Juden sind nach Ansicht Solowjcws diesem Jdcalzustand qmher weil sie die religiösen Grundlagen reiner bewahrt haben als ihre westlichen Brüder. Auch in der Zukunft werden — meint Solowjcw — die Inden Städtebewohner bleiben, aber ihre Funktion in dem Wirtschaftsleben der Gesellschaft wird dann den höheren Sinn haben, Handel und Gewerbe zu vermenschlichen. Zu diesen Theorien Solowjcws bemerkt Masaryk. dast Achad Haani von Solowjcw stark beeinflustt worden ist. Nur dast sich Achad Haam die religiöse Reformation aus dem eigenen Boden des Judentums als das erstrebenswerte Ziel vorstellt. Masaryk untcrlästt nicht, zu bemerken, dast die Kenntnis Achad Haams für das Verständnis des'russischen Judentums nnumgänglich ist. Die Wiederbewaldung Palästinas Tie Entwaldung in Palästina macht von Jahr zu Jahr Fortschritte, ohne dast bisher ernsie Mastregeln dagegen ergriffen werden. Die grössten Feinde des Waldes sind die Hirten und Kohlenbrenner. Tie schönsten Waldbcstände werden nicdcrgcbrannt, um Weideland für die Herden zu gewinnen. Man wüstet dabei geradezu sündhaft mit dem Holze. Tie Bäume werden in Brusthöhe abgehackt, damit sich die Holzfäller nicht zu bücken brauchen; kann man das Holz nicht verwenden, so lässt man es liegen und füllt anderes. Angcforstet wurde bisher fast gar nicht; Nr. 17. wo es geschah, hat das Weidcvieh die Stämmchen längst wieder abgefressen. Dabei ist aber kein Boden für die Waldkultur so geeignet wie der Palästinas, da er viel Kalkgehalt hat. Was bei einer sachgemäßen Anforstung hier im Walde zu erreichen ist, beweisen die schönen Baumbestände in den deutschen lind jüdischen Ansiedlungen. Die vom Jüdischen Nationalsonds ins Leben gerufcneu Baumspende ist die Beflanznng ausgedehntcr Landstrecken mit Oel- und sonstigen Fruchtbäumen zu verdanken. Die Eingeborenen, die den Zukunftswcrt einer ordentlichen Waldwirtschaft nicht kennen, ziehen ihm den Genuß sofortiger Erträge, so gering sie auch sein mögen, vor. Sic entwurzeln hundertjährige Bäume, um sic auf dem Markte als Brennholz loszuschlagen und sich so das tägliche Brot zu verschaffen. Tic Folgen der zunehmenden Entwaldung machen sich in großer Trockenheit bemerkbar. Die Landwirtschaft hat natürlich den Schaden davon. Geregelte Waldwirtschaft und Wiedcraufsorstung der.abgeholzten Gegenden ist deshalb eine unbedingte Notwendigkeit. Zu diesem Zweck genügt cs nicht, dast einige Gesetze erlassen werden, die nachher niemand hält. Es müßte vielmehr für eine wirkliche Waldaufsicht gesorgt werden. Auch müßcn die Bevölkerung über die wirtschaftlichen Folgen der Waldverwüstung aufgeklärt werden. Zwei andere Maßnahmen wären zu treffen, um dem Uebel der Entwaldung Palästinas vorzubeugen: 1. Wäre durch ein strenges Gesetz das Fällen jedes Fruchtbaumes zu verbieten; 2. wäre an die schleunige Bildung einer Brennholz-Jm- Port-Gesellschaft zu schreiten. Diese Gesellschaft müßte durch Ermäßigung der leider sehr bcdeutenden Transporttarife Ünterstützung finden. Im Sandschak Jerusalem haben die Behörden bereits Versuche gemacht, die Wiederbcwaldüng Palästinas allmählich durchzuführen. Man hat dort eine Pslanzschule zum Zwecke der unentgcltlichen Verteilung von Pflanzen geschaffen, weitere ähnliche Anstalten müßten vom Staate gegründet und gefördert werden? Seitens des Gouverneurs in Jerusalem wurden zwar die Abholzungcu bereits verboten, aber zur wirksamen Ausführung dieser Maßnahmen und zugleich zur Ilcberwachung der Anpflanzungen müßten staatliche Waldhüter ernannt werden. In den Bezirken Jaffa und Gaza gibt cs Dünen die tausende von Quadratmetern bedecken. Diese Dünen will man vor allen Tingen zunächst einmal bewalden. Tie Bewaldung würde die Fieberatmosphäre dieser Gegenden beseitigen und dem Sandschak das nötige Brennholz liefern. Man will den jüdischen Kolonisten in Rischon le-Zion und anderen jüdischen Niederlassungen die Konzession zur Bewaldung der Dünen erteilen. Dr. Rudolf Katbollcky -ev. Cüttf d4r ר I.clMfg. JIMeiRms (kr taafokraBkeaaastalt wakat* Ecke yerdinandsflattt und Jobamtesgaue <- gem hkh.) wifttkvt tt-ned m ג m 4 vdr nach■. L. Jtfswtchtr Br• •08. ג Die Jubiläumsfeier der Wiener Chewra-Kadischa.׳ Anläßlich des löOjähr. Jubiläums der Wiencr Chewra Kadischa haben am 2<>. April d. I., beim Festmahle die.Hauptspitzen der Gemeinde der Feier des Tages, entsprechend Reden gehalten, die sich des allgemeinen Beifalls crbreuten. Auch der greise, amtsmüde Oberrabbiner, der vor Kurzem erst demissionierte, hat eine von Humor und Geistesfrische zeugende Ansprache gehalten, in der er einen sprechenden Beweis seiner großen Bescheidenheit lieferte, da er nicht sich, sondern den Präsidenten der Gemeinde als den Hüter und Beschützer des Friedens feierte. Er sagte: ״Ich beglückwünsche den verehrten Präsidenten unserer Gemeinde Herrn Dr. Alfred Stern, der ihre Einigkeit sorgsam hütet" usw. Da waren doch die Vorgänger des .Herrn Oberrabbincrs ihren Vorständen gegenüber kühnerc und freimütiger. So z. B. hatte vor fünfzig

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