Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 17 (6.5.1914)
- Date
- 1914-05-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2621806-2621897-2621914--2780-2623907- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 17. ״Jüdische Bolksstimme". Jahren (19. April 1863) der sei. Prediger Mannheimer beim Festmahle der Chewra-Kadischa in einer Ansprache ebenfalls über die Erhaltung des Friedens gesprochen, und zwamn einer ganz anderen Weise. Er sagte: ״Wissen Tie, was mir immer in dieser Versammlung zunächst Herz und Sinn erhebt? Wenn ich sehe, wie alle die Gegensätze, die das heutige Judeutuin in sich trägt, sich da zusammenfindcn und fügen, wie das Alles sich befreundet im brüderlichen Bunde; wie der Orient mit seiner tausendjährigen Überlieferung, der Occidcut mit seinen modernen Anschauungen, die starre Observanz von ehedem und der forschende, bildende Geist, wie ihn die neue Zeit in sich trügt, sich da begegnen, befreunden, die Hand reichen im und zum brüderlichen Bunde — so schwillt mir das Herz. Namentlich, wenn ich daran denke, wie anderswo die Parteiungen um sich gegriffen und die Gemeinde Gottes in zwei Hältfen zerklüftet, zerspalten, zerrissen — und wie da alles brüderlich Zusammenhalt in brüderlicher Eintracht und Verständigung — so schwillt und hebt sich mir das Herz! Es ist die Aufgabe, die ich mir einst gestellt, und cs gereicht mir zur Beruhigung und tut mir wohl, daß ich jetzt in meinen alten Tagen auf mein früheres Wirken und Streben znrückschauen kann, und das Bewußtsein mit in mein Grab nehme, daß ich den Frieden in der Gemeinde Gottes nie gestört, sondern ihn oft mit Aufopferung und Verlengnnng meiner selbst gewahrt habe". Wenn also Prediger Mapnheimer vor fünfzig Jahren es in einer großen Versaimnlung, in Beisein der Gemeindevertreter und sonstiger Honoratioren wagen durfte zu behaupten, daß die Erhaltung des Friedens in der Gemeinde sein Hanptvcrdienst war, ohne befürchten zu müssen, daß der eine oder andere der Machthaber sich verletzt fühlen würde, so beweist das klar und denklich, daß man damals in Wien nicht nur die Thora, sondern auch den Träger derselben zu würdigen und zu schätzen gewußt. In der Tat hatte sich Mannheimer in Wien einer ungewöhnlichen Beliebtheit zu erfreuen gehabt, daher er auch mit Lust und Liebe seine ganze Zeit und .slraft in edler uneigennütziger Weise dem .Heil und Wohl seiner Gemeinde geweiht und gewidmet, was auch ans einer Trannngsrede, die er am 18. Mai 1863 anläßlich der Vermählung seiner Tochter Frl. Sophie gehalten, entnommen werden kann. Er sagte: ״Ich war auch meiner Gemeinde in solchen Stunden nicht der Priester, der fungierende; ich war ihr inehr als das, ich war ihr Vater, Freund und Bruder. Sie war das Aind meines Herzens, sie war meine Sorge bei Tag und bei Nacht. Ich war jung und bin alt geworden, und habe es nicht verlernen können, an Allem, was die Gemeinde Gottes betroffen, in ihrer Gesamtheit, wie in ihrem Einzclnen Anteil zu nehmen in Leid und in Freud, als hätte esmich betroffen. Ich habe das Glück und den Frieden meines Hauses nie obenangestellt. Das Hans Gottes war mein Hans, wie seine Ehre mir am Herzen lag. Das Hans Jsrael — mein Haus, meine Familie, deren Wohl und Wehe mich tief bewegt und keine Stunde meines Lebens mir frei ließ." Mannheimer war wohl ein moderner Predigcr, aber dabei ein Idealist wie ein frommer Rabbiner früherer Jahrhunderte. Ben Jakob. vis beste Quelle für den Ein• kauf von leim IlermiäMe ist und bleibt Brünn, Ferdinandsgasse 21, I. Stock Kleine keglet Kleine Preisei Preislisten gratis und franko. Arnold kick! 0000,0 8&ttler!!.Tapezierer, Brünn, Krön a 24 Eingesendet. Sehr geehrter Herr Redakteur! Christliche Matrikenführer für jüdische Gemeinden sind gewiß nicht angebracht; aber es gibt noch schlimmere Einrichtungen. Jüdische Waisenkinder udgl. werden in christliche Pflege- Häuser gegeben und jüdische Wohltäter geben sich die größte Mühe und bringen die größten Opfer unt minder jüdischer Eltern mit Sicherheit dem Christentum zuzuführen. Gibt es nicht auch jüdische Häuser in Brünn und auf dem Lande, welche solche pflegebedürftige Judenkinder gegen die gleiche Bezahlung wie christliche Pflegeeltern anfnehnlen werden. Die jüdische Aultnsgemeinde dürfte dann ihre Unterstützungen mit mehr Berechtigung für solche Erziehnngsbeiträge leisten. Hochachtungsvoll Brünn, am Mai 191-1 P. H. Uordruckerei « * Plissieransfalt « « « FAWTA, Po$taa$se 2. Jtomfpondenjcn. Jüdischer Handlungsgehilfenverband Ortsgruppe Brünn. Sonntag, den 10. d. Tagesausflug. Führung Aoll. Herzka. Abfahrt 7 Uhr 8" nach Adamsthal. Marsch nach Novihrad, Rnditz, Hugohöhlen, Rast. — Jedownitz, Airitein, Rast, durchs Josefsthal nach Adamsthal. Proviant unbedingt mitnehmen. Gehdauer 71/״ Stunden. Gäste willkommen. Welka. Am ö. d., feierte der hies. Gutspächtcr Herr Moriz Haas, der Vater des Brünner Advotaten Herrn Dr. Theodor Haas, die Feier seiner -10. Hochzeitswende mit seiner Gattin Cacilie, ged. Butztin. — Unsere Vesten Glückwünsche. Die Redaktion. Wien ״I. G. B. Jordania". Am 0. Mai uin 8 Uhr abends veranstaltet die I. G. V. Jordania im A. I. T. V. eine Aino-Vorstellung im Heimal-,Aino 9., Porzellangasse 10, zu Gunsten des I. N. F. und des hebr. Schulwerkes. Dieser besonders wohltätige Zweck verpflichtet alle Gg. diese Vorstellung zu vesuchen. Für die Borstetlung gibt sich reges Interesse tund und ist die?Nachfrage nach den Aarten eine große; daher werden alle Gg., Oie die Vorslellung besuchen wollen gebeten, sich die starren hiezu enliveder im Büro der Jüdischen Leitung oder bei den Mitgliedern, sobald als möglich zu besorgen. — Aus dem reichhaltigem Programme sei ״Das jüdische Sportfest auf der hohen Warte" und ״Der lebende Leichnam" voll Tolstoi erwähnt. Josef Hanu§, Brünn Rudolfsgasss Nr. 25. sämtliche Damenmodtwaren, Länder, Spitzen, Seiden stoffen, Posamenten und Zugehör ihr Damenschneu.er rinnen. J{umi|chau. Jüdische Postämter. Ans Veranlassung des Postministers in Aonstantinopel werden in Jerusalem drei jüdische Postämter errichtet: 1. in der Jndensrraße, 3. im Stadtteil Mea Schearim, 3. im Stadtteil Machane Jehnda. An der Spitze wird ein jüdischer Postbeamter stehen. Am Sabbat werden diese Postämter geschlossen sein. Auch werden noch 3 jüdische Briefträger angestellt. Atich in Safed und Haifa wird je ein solches Postamt errichtet. Die Abberufung des Botschafters Morgcnthau. Seit Wochen sind Gerüchte im Umlaufe, wonach der anierikanifche Botschafter der Türkei Henri Morgcnthau von seinem Posten abberufen werden soll. Es wurde darauf hingewiesen, daß diese Meldungen hauptsächlich von ruinänischer Seite in die Welt gesetzt werden, von wo ans auch gegen Morgcnthau verschiedene Jntriguen in Scene gesetzt wurden. Nun wird der Warschauer ״Hazefirah" aus Newpork gemeldet, daß Botschafter Morgenthau tatsächlich seinen Posten in Äonstantinopel verlassen werde, allerdings um im Kabinett von Washington ein wichtiges Portefeuille zu übernehmen. Gleichzeitig Seite 5. weiß ״Hazefirah" auch zu melden, daß Präsident Wilson sich entschlossen habe, für den Falt, daß Henri Morgenthau das Ministerportefeuille übernifnnt, an dessen Stelle einen bedeutenden jüdischen Politiker aus Chikago als Botschafter nach Aonsrantinopel zu entsenden. Jakob H. Schiff. Jakob H. Schiff, der der großen Staatsbibliothek in Washington 1013 10000 Bücher über jüdische Geschichte und Literatur zum Geschenke gemacht hatte, hat neuerlich 1000 Bände Hebraica und Jndaica gespendet. Tie neuere Saniinlung enthält hebräische Bibelansgaben mit den verschieden Aommentaren. ferner Mischnajotb. TalmudanSgaben, Midraschim. Dezisoren, Oie seltensten Sidurim. dann Werke über Philosophie, Sprachwissentschaft. Geschichte. (Geographie, nndschöne Literatur. Die Kollektion enthält auch eine eigene Sammlung jüdischer Lieder und spnagogaler Gesänge mit Noten und Erläuternngen, einige hundert Bände ans Oer allerjüngsten Literatur, sowie vollständige Jahrgänge hebräischer Revuen und Sammelbücher über Palästina. Unter den Büchern befinden sich auch viele wertvolle Erstdrucke und ungefähr hundert Mannskripte ans früheren Jahrhunderten. Jüdische Wohltätigkeit in Amerika. Der soeben erschienene Jahresbericht, der ״United Hebrew Charities" in Newpork macht einen überwältigenden Eindrnk. Man ersieht da raus, welch großes Elend in dem Ghetto von Newpork herrscht, aber auch wie hilfsbereit die Zentralstelle für das jüdische Wahltätigkeitswesen in Newpork diesem Elend zu steuern trachtet. An momentaner Hilfe, also für sogenannte Handverteilnng, wurde im abgelaufenen Jahre von der genannten Organisation nicht weniger als eine Million Mark ansgegeben, und die Gesamtausgaben an Unterstützungen betrugen über 3 Millionen Mark. In dieser Summe siild jedoch die Erhaltnngskosten der Bnreanr sowie die Unterstützungen, welche von einzelnen Spezialfonds, so z. B. des Fonds zur Aufrichtung der Tuberkulose etc.. welche ein selbstständiges Budget haben und znin allergrösten Teile von dem unermüdlichen Philantropen Jakob H. Schiff finanziert werden,!licht miteinbegriffen. Erneute Jcmenitcueiuwanderuug. Jaffa. In der letzten Woche sind neue jeme- »irische Einwandernngsgrnppen'in Jaffa eingetroffen lind haben i» der Baracke, Oie der jüdische Nalionalfonds voriges Jahr liier erbaute. Unterkunft gefunden. Sie koinmen ans Sailnaa. der Hauptstadt des Jemen. Nach ihren Angaben sind nach dein Pessachseste noch weitere große Trupps zu erwarten. Als Grund geben sie die Verschlechterung der ökonomischen Lage an. Leider ist,es bis jetzt noch nicht gelungen, für die einwandernden Jemeniten genügend Wohnnngen zu bauen. Die Wohnungsfrage wird wieder aktnell werden und der Sommer müßte gehörig ansgenützt werden! Der Verein junger Jemeniten in Jaffa hat im letzten Jahre für die geistige Hebung seiner Mitglieder vieles geleistet. Vor einigen Wochen gab der Verein in der Aula des hebräischen Gpmnasinms eineil Abend, der sich durch seinen echt orientalischen Anstrich sehr vorteilhaft von den ähnlichen Veraiistaltniigen abhob. Atich im Turnerischen waren die Leislnngen sehr befriedigend. Diese jungen Jemeniten, die ein Leben harter Arbeit führen, sind merk würdig flink und geschmeidig. Es ist noch ein gilt Stück Natnrkraft in ihnen. Ter erzielte 'Hein gewinn des Abends wurde ihrem Fonds für Erbauung eines Vereinshauses zugewiesen. Der Verein zählt jetzt vierzig Mitglieder. Vierzig -Jaffaer Jemenitenfamilien haben einen Häuserbauverein mit dem Zweck gegründet, auch in Jaffa ein saliberes Jemenitenviertel zu erbauen. Hauptversamluug des Hilfsvereins der deutschen Juden. Der Hilfsverein der deutschen Inden hielt am Sonntag, den 30. April d. I. feine ordetnliche Hanprversaninilnng in Berlin ab. In den Berichten des Vorstandes wurde die Hilsstätigfeit des Vereines im letzten Jahre eingehend geschildert und insbesondere das Schnlwcrk im Orient besprochen. Mit Bezug auf die Schnleit des Hilfsvereins in Palästina und den jüngsten Sprachenkampf wurde in dem Berichte ausge-