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Jüdische Volksstimme · 1914-04-30 · Heft 16 (30.4.1914) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 16 (30.4.1914)
Date
1914-04-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 4. »Mttsche 8olr-stim«e." Rr. 16. ist Konsequenz. Wir sind in der zionistischen Bewegung über das Stadium der bloßen Agitation hinaus. Wir müssen nun in uns selbst Einkehr halten, und uns prüfen auf den wahren Wert unseres zionistischen Wollens. Es muß von jedem zionistischen Vater vorausgesetzt werden, daß er sein Kind in hebräische Kindergärten, in!)ebräische Volksschulen schicken wird. Von den andern darf uns Kleinmut nicht wundern; sic sind zu sehr von der ״Zweckmäßigkeit" geblendet. Wir aber müssen Mittel und Wege schaffen, wirkliche junge Juden, das l;eißt Juden mit jübischen Herzen heranzuziehen, denen das Leben nicht die Gesinnung raubt, wenn ihnen nicht gleich alle Blütenträume reifen. Und das jüdische Kind der Zukunft? Die Trauer und Melancholie aus seinem Blick-wird verschwinden, die Gedrücktheit seiner Seele einein kräftigen, unbeugsamen Judcnstolz Platz machen, jede Verleugnung seines Judentums ein Nonscns sein. Wenn solche junge Juden den zionistischen Kampf führen werden, wird unser Ziel in doppelte Nähe gerückt werden! KAFFEEGESCHAEFT Rosenbaum brOnn, Liechtensteins. 1 Liechtensteins- 1. Das jüdische Wien. Die Verrohung Wiens und die Verivilderung der Sitten unter der Herrschaft der Christlichsozialcn zeitigt täglich neue Früchte. Die oppositionellen Gemeinderäte werden von einer bestellten Gallerie tätlich angefallen. Der Bürgermeister, der um Schutz angcrufen wird, meint, ״cs wäre nicht so gefährlich". Ter Bürgermeister der Reichshaupt- und Residenzstadt weigert sich unter cinein nichtigen Vorwände Arthur Schnitzler, anläßlich der Zuerkennung des Raimundprciscs nach Brauch zu beglückwünschen. Schnitzler gehört zu den gcfeiertcsten und auch offiziell anerkanntesten öfterreichischcn Schriftstellern und gilt speziell als Haupt der ״Wiener". Die unterbliebene Gratulation ist gewiß weder für ihn noch für das jüdische Volk von welcher Bedeutung. Wien aber, daß diese Schandherrschaft duldet, ist um ein Armuts- Zeugnis bereichert. * * * Der von uns gcbrandmarkte Geist, der die Arinenanstaltcn der Kultusgemeinde und der Zentralstelle für jüdisches Armenwcsen bcherrscht, hat neuerlich durch einen traurigen Prozctz Aufsehen erregt. Vor mehr als einem Jahre kam ein rusiischer Jude mit seiner Familie nach Wien. Da er liier keine Arbeit finden konnte, wanderte er nach Amerika aus. Seine Frau ließ er mit einem Kinde und in Hoffnung auf ein zweites in Wien zurück. .Kurz nach seiner Abreise entband die Frau und, da der Mann noch nichts von sich hören ließ, mußte sic Arbeit suchen. Aber nieinand wollte sie mit dem Säuglinge aufnchmen. Daher wandte sic sich an die Kultusgemcindc, diese möge ihr das Kind abnehmen. Die Kultusgemeinde wies sie mit der Begründung ab, daß sie als Ausländerin kein Anrecht auf Unterstützung habe, und riet ihr sich an dein Magistrat der Stadt Wien zu wenden, der sie aber wieder an die Kultusgemcindc verwies. Um mit dem älteren Kinde nicht zu verhungern wickelte sie den Säugling in ein Tuch und ließ ihn auf einer Straße liegen, tvas nun ihre Anklage wegen Kindesweglegung verursachte. Wir dürfen aber die deutschen Judcngcmeinden nicht mehr um ihre ״Ausländcrfrage" bcneiden. auch die Wiener Kultusgemcinde kennt ״lästige Ausländer". Auf diesen beschämenden u. traurigen Fall hat nur, freilich auf seine Weise, das ״Deutsche Volksblatt" zurückgcgriffen. Die jüd. Presse ist an diesem für die ganze Wiener Judenschast schändlichen Prozesse stillschweigend vorbcigegangcn. * * * Samstag, den 2<i. d. fand im Saale des isr. Humanitätsvcrcines ״Bnai Brith", Alscrstraße 7, die General-Versammlung des ״Hilfs- Vereines für die notleidende jüdische Bevölkerung in Galizien" statt. Unter den Erschienenen benicrkte man die Vertreter der Kultusgemeinde (Kultusrat Samuely), Vertreter der Jca (Herr Roth), der ״Bnai-Brith (die Herren Prof. Ehrntann und Dr. Kohn), Vertreter der isr. Allianz, ferner Herrn Rabbiner Dr. I. S. Bloch, Kais. Rat Tr. Lieben, Dr. A. Kaminka, Dr. Kuh, Dr. Tillcs (Kultuspräses in Krakau, Herr Siegmund Wachtel (Bielitz) und viele andere Persönlichkeitcn. Der Bericht konstatiert mit Bedauern ein sehr schwaches Anwachsen der Mitglieder und eine Abnahme der Ortsgruppen-, trotzdem sind die Einnahmen des Vereines von 45.000 K im Jahre 1012 auf 52.000 K im Jahre 1913 gestiegen. Tic wirtschaftliche Depression und die zum Teile durch den Kriegsrummel verursachte Kreditentzichung von Seiten der Wiener Banken der galizischen Geschäftswelt gegenüber haben das Elend ins Ungeheuere gesteigert. Dieses Elend wurde bei der jüdischen Bevölkerung durch den Boykott, der im letzten Jahre besonders eifrig inszeniert wurde, noch mehr gesteigert. Leider konnte demgegenüber der Verein nicht, wie cs die gesteigerte Not erforderte, seine Leistungen erhöhen, da der brachgclcgte Handel den von dem Vereine geförderten Industrien jede Absatzmöglichkeit nahm. Dennoch schränkte der Verein seine Betriebe nicht ein. Nur die Spitzen- Häkelei zeigt einen Rückgang des Umsatzes auf ca. 21.000 K gegen 157.000 im Jahre 1012. Dcingemaß wurden auch viele Schulen für Spitzenhäkclei aufgclasscn. Die vorhandenen Vorräte kannten jedoch Dank dein Entgegenkoniiiien der Oesterreichischen Hausindustrie-Gesellschaft und' des k. k. Ministeriums für öffentliche Arbeiten.' an den Mann gebracht werden. Die Spitzenköppelci und Wcißstickerei, sowie die ncucingcführte Filctspitze,,-Erzeugung weisen recht schöne Erfolge auf. Auch die Kleiderkonfcktion und Haarnctzerej weisen zufriedenstellcndc Erfolge auf. Der Verein hat gemeinsam mit dein Hilfsvereine der deutschen Juden, der Baron Hirsch- Stiftung und des jüd. Haiidwerkcrvcreines 42 Lehrlinge aus Galizien in Wien und einige in T-cutschland bei verschiedenen Gewerbetreibenden unterbracht. Im Berichtsjahre hat der Verein auch einen Versuch gemacht, galizische Juden als Arbeiter in den Kohlengrube,i in Mähr.-Ostrau zu unterbringen. Leider ist dieser Versuch mißlungen. Die General-Vcrsaminlung genehmigte auf Antrag des Schriftführers Magistratsrats-Sckrctär i. P. Dr. Löwh cilistiininig den Bericht und die statutengeinäß ausschcidendcn Mitglieder der Vereinsleitung wurden per Acclamation wiedergewählt. Auf Antrag des Dr. Löwh wurde der langjährige Obmann Herr Siegrnund Mayer, der seines hohen Alters wegen sein Mandat niedcrgclcgt hat, in Anerkennung seiner verdienstreichen Tätigkeit zun, Ehrenpräsidenten ernannt. Ms beste Quelle für den Einkauf von!einer Herreemisihe ist und bleibt Brünn, Ferdinandsgasse 21, i. Stock Kleine Regie! Kleine Preisei Preislisten gratis und franko. nistischen Ideal abzulegen. Die Entrichtung des Schekels bedeutet das immer neue Gelöbnis, mit restloser Hingabe mitzuarbciten an der Erfüllung unseres Zionistischen Programmcs. Der Zionismus verlangt von jedem einzelnen Juden, der sich mit uns in der zielbewußten Arbeit für unser Ideal der Erneuerung unscrcs Volkes in Palästina cinsfühlt, vor allem dieses Bekenntnis der Solidarität: den Schekel. Zionisten! Unser Programm und unsere Stellung im jüdischen Volke haben uns schwere Verantwortung aufcrlegt. Eure Pflicht ist cs, zu beweisen, daß das jüdische Volk unser ist. Eure Arbeit kann und muß uns immer wieder das Recht erwerben, im Namen des jüdischen Volkes zu sprechen. Sorgt dafür, daß niemand, dem unsere Hoffnungen teuer sind und der unser Wirken achtet, außerhalb unserer Reihen bleibt. Fester als je muh sich die Zionistische Organisation zusammenschlicßcn. Größer als je muß die Zahl unserer Mitarbeiter werden! Hingebungsvoller als je muß der Eifer sein, der unsere Arbeit trägt! Wir stehen im Kampf für unscr Programm. Wir müssen unsere Scharen zählen. Wir brauchen die Kraft der Ziomstischen Organisation. Sammelt den Schekel! 6ummi8frümpfe kür krsmpksderküüe in allen Qualitäten und zu konkurrenzlosen Preisen nur Im GUMMIGESCHÄFT JOS. FIALA sen♦, Brünn, KrBna 3—5. — MaBkarten postwendend NIEDERLÄNDISCHE Lebensversicherungs ־ Gesellschaft, Wien I., Aspernplatz 1 im eigenes Palais, Versickertes Kapital citka 422 Millionen. Reserve zirka 116 Millionen Kronen. — Billigste Tarife, Mitarbeiter weiden überall gesucht — Unter neuester Taril mit L°/o jährlich ialender garantierter Prämie Genaraiagentur. iür Wien 1., Arpernplatz 1, Leiter: David Nebenzahl. Sub Direktion für Prag Perdinandsstr. 20 neu Leiter Robert Gerstel. Sub Direktion für Lemberg, Szajnocba3, Leiter Löbel Tauber General-Agentur für Krakau, Moritz Grlifel Krakau, Ringplatz S. General-Agentur Ihr Bielitz, Scblossgraden 9, Leiter Adolf Heitlirger. Hauptagenteur für Brünn, Rossitzergasse 4 Leiter: SAMUEL REINIBER. Aus der zion. Bewegung. Berlin. Das Aktionskomitc erläßt folgenden Schekcl-Aufruf: ״Die Zionistische Organisation hat sich in dem Kampf für den Geist unseres Erncucrungswcrkcs in Palästina bewährt. Jeder einzelne Zionist hat das Bewußtsein der hoben Verantwortung in sich aufgcnommen, das die gesamte Zionistische Organisation für die nationale Zukunft unseres Volkstums trägt. Die Zionistischc Organisation ist das organisierte nationale Judcntum. Sic ist der lebendig gewordene Wille des jüdischeu Volkes, in den das Wollen der Unzähligen einströmt. Wiederum rufen wir jetzt unsere Gcsinnungsgenossen in aller Welt auf zur großen Musterung. ,30.000 Schckclzahlcr haben zum 11. Zionistcnkongrcß ihre Delegierten entsendet. Aufs Neue ist cs Pflicht jedes Zionisten, das verpflichtende Bekenntnis zum zio¬ Eine Hunderttauseud-Kronen-Speude. Der Verein für wohltätige Werke ״Chewra Kadischa" in Wien feierte am 25. d., den 150. Jahrestag seines Bestandes. Aus Anlaß dieses wohl nur wenig Korporationcn gegönnten Festes waren zirka 1000 Personen im großen Saale des Konzcrthauscs׳ zu einem Bankett versammelt. Nach Begrüßung durch den Vercinspräsidcnten Salo Kohn sprach der Präsident der Jsraelitischen Kultusgemcinde Dr. Alfred Stern den Katsertoast. Ungeheueren Jubel löste die Mitteilung des Herrn S. Kohn aus, daß er für die wohltätigen Zwecke des Vcreines 100.000 Kronen spende. Nachdem auch noch die Herren Dr. Güdcmann, Professor Ehrmann, Professor Köntgstctu und Herr Spitzer gesprochen hatten, wurde die animierte Versammlung in später Nachtstunde geschlossen. Jüdische Frechheit. Verhöhnt stand der arme Jude da. Van allen Seiten drangen die Rufe seiner Peiniger zu ihm. Der eine sagte: ״Tu Jude, wir haben die schönsten Lehren von der Erhabenheit Gottes, von seiner Allmacht, seiner Allwissenheit und Güte. Wie willst Du cs wagen. Dich mit uns zu inessen!" Der zlveite rief: Kennst Du. Jude, die Nächstenliebe, die in iinsercn Kirchen gepredigt wird? Du armer Tropf, weißt ja gar nicht, was das bedeutet und willst Dich mit uns vergleichen." Ter dritte spottete: ״Du harter, verstockter Jude, warum verschließest Tn Dein Herz vor den Gesehen der Tugend und Sittlichkeit, die wir selbst den Wilden verkünden?" Ta rang der Jude verzweifelt die Hände: ״Verzeiht", bat er, ״aber das alles, was Ihr mir als Euer stolzes Eigentum anpreist, das habt Ihr ja alles von mir zum Geschenke erhalten!" ״Welch eine jüdische Frechheit!" tobten da die übermütigen Verfolger des Juden. ״So kann nur ein Jude lügen. Aber freilich, was kann man von einem Menschen, der Chrisicnblut zu seinem Gottesdienste braucht, anderes erwarten."

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