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Jüdische Volksstimme · 1914-04-22 · Heft 15 (22.4.1914) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 15 (22.4.1914)
Date
1914-04-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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WW Nr. 18. ״Jüdische BolkSstimme". Seite 5. türlich die authentischen judenfeindlichen christlichen polnischen und Rumänischen Aristokraten durch fingierte jüdische Handlungsreisende und Advokaten ersetzt. Wie sagt der Lateiner? Andacter caluminare! Der gemeinste Kerl ist der Verläumdcr! Bekenntniffe der ״Ostdeutschen"׳ In der ״Ostdeutschen Nurrdschau" wurde kürzlich das ״Berliner Tagblatt" wegen seiner Stellungnahme zur Naturalisierung der deutschlamoanischen Mischlinge einem Angriffe unterzogen, der von Samoa natürlich auf die Judenfrage rasch übersprang. Bei dieser Gelegenheit wurde uns endlich Klarheit verschafft. Also: Chincscn, Neger, Samoaner mrd — Juden können niemals Mitglieder der deutschen Edelrasse werden (s. Dr. Redlich, Dr. von Licht, Dr. Sieg- Hardt usw.), dagegen können Slaven und Romaneu (also auch horribile dictu Tschechen und Katzelmacher) durch ehrlichen Willen und eifriges Streben zu Söhnen des deutschen Volkes hcranreifen (s. Stranskp, Bielohlavek, Chiari, Pogacznigg usw.). Wie ein Alpdruck ringt sich von uns die Erkenntnis: Zum Eintritt in die deutsche Nation genügt Korrespondenzkarte! — Nichtarier ausgeschlossen! H. F. Vom deutschen Mahnruf. In einer der letzten Nummern von des arischeu Gurkenhändlers Teufel Leiborgan wurde berichtet, das dänische Parlament hätte sich mit dein Ausschlüsse der Juden vom Militärdienste beschäftigt, und hieran der fromme Wunsch geknüpft, auch das österreichische Volkshaus möge diesem Vorbild folgen. Einer unserer Mitarbeitcr hat sich nun an das dänische Consulat in Wien mit einer diesbezüglichen Anfrage gewendet und aus dieselbe nachstehendes in französischer Sprache gehaltenes Antwortschreiben erhalten: ״Dänisches General-Consulat in Wien, Ol. März 1011. — Bezugnehmend auf Ihren Brief vom 10. d.. hat das General-Consulat von Dänemark das Vergnügen, Ihnen mitzuteilen, das; das dänische Parlament nicht beschlossen hat, die jüdischen Bürger voin Militärdienst auszuschließen, und. daran auch niemals gedacht hat. — Genehmigen Sie, Herr Doktor, die Versicherung meiner vorzüglichsten Hochachtung Hans von Medinger in. P. Herrn Dr. Hanns Fischl, Nikolsburg." Da könnte einen doch der Teufel holen! Die Eröffnung des neuen jüdischen Ktauken- Hauses. Das neue jüdische Krankenhaus im Norden Berlins, das mit einem Kostenaufwand von 15 Millionen Mark auf dem Gelände an der Schul׳- Exerzier- und Zumptstraße errichtet wird, soll Anfang Mai seiner Bestimmung übergeben werden. Das alte Krankenhaus der jüdischen Gemeinde iii der Auguststraße wird dann eingehen und die dortigen Grundstücke Nr. 1-1—10 sollen zum Verkauf koinmen. Fleisch und Milch. Der Professor an der Fakultc de Lille hat ein Werkchen herausgegeben, ״Regime des tuberculeur", das, wie wir den Arch. Jsr. entnehmen, die folgende Beobachtung über die Unzuträglichkeit des Milchqenusses beim Essen von - enthält. Der Professor schreibt: Ich mutz mich ganz entschieden gegen den Gebrauch aussprechen, als Getränk während der Fleischmahlzcit Milch zu empfehlen. Ich habe aus den: Munde unseres unvergessenen Lehrers, des Professor _ Potani, gehört, wie er dieses Verfahren verwarf und sich dabei auf das alte mosaische Gesetz berief, das heutzutage von den Juden selbst mißachtet wird, das ihnen aber untersagt, Milch zu trinken, wäh rcnd sic Fleisch essen. Tie durch die Verkäsung der Milch hervorgcrufene satzartige Masse hüllt die übrigen im Magen angesammelten Nahrungsstoffc, besonders das Fleisch, wie ein Gewand ein und verhindert das sofortige Einwirken der Chlortvasserstosfsänre auf den ganzen Mageninhalt. Auf diese Weise wird die Verdauung verlangsamt und dem Magen wird ganz unnötige mühsame Arbeit gebürdet. Die Grabstätte Maimonides In Tibcrias ist ein Koinite gegründet worden, das sich die Aufgabe stellt, die Grabstätte Maimonides und die benachbarten Gräber N. Jochanan ben Sakkais und seiner Jünger sowie des Rabbiners Jesaia Hurwitz, Verfassers des Buches ״Sch'ne Luchoth Hab'rith" (Sloh) mit einer Schutzmauer zu umgeben, am Grabe Maimonides einen Denkstein zu errichten, die im arabischen Privatbesitz befindlichen Nachbargrundstücke anzukaufen, dort ein jüdisches Stadtviertel ״Maimuni" sowie ein den Namen dieses großen Gelehrten tragenden talmudisches Lehr- Haus zu erbauen. Auch soll ein Verlag ״Maimonia" zur Herausgabe talmudischer und jüdischwissenschaftlicher Schriften ins Leben gerufen werden. An der Spitze des Äomites steht der bekannte sephardische Gelehrter I. M. Toledano und der frühere Rabbiner in Beja (Tunis), Jachja Nagari. Krankkeilen der Verven, des Magens, Darmes etc. werden mit Erfolg DL Sanatorium in Tlscdnowitr Kuriert. — Prospekte gratis Ein christlicher Gutsbesitzer, der nur geschachtetes Fleisch genießt. Ein interessanter Fall ereignete sich vor kurzer Zeit, wie russische Blätter melden, auf dem Gute Pose!! int Poltawaer Gouvernement. Ter Besitzer dieses Gutes, der gleichzeitig Semst- Wovorsteher ist, sandte einen Boten in das nahegelegene Städtchen Babalin. mit dem Aufträge, den dortigen jüdischen Gemeindeschächter auf das Gut zu holen, damit er ein Rind ganz streng nach jüdischem Ritus schlachte und auch nach der Schlachtung vorschriftsmäßig auf die Gesundheit des Rindes hin die Untersuchung vornehme. Als der Schächter seine Vertvunderung hierüber ausdrückte, gab ihm der Gutsbesitzer die Erklärung. daß er in letzter Zeit in der Stadt den Vorgang bei der rituellen Schächtung und der darauffolgenden Untersuchung des geschlachteten Tieres genau beobachtet und dabei die Ucberzeugung gewonnen habe, daß die Methode sowohl vom hygienischen als auch vom humanen Stand- Punkt aus die einzige richtige ist. Als der Sch!" tcr die Schlachtung vorgenommen und nach geuauer Untersuchung das Vieh vom rituellen Gesichtspunkte für durchaus genießbar erklärte, entrichtete der Gutsbesitzer die übliche Schlachtgcbür und bat den Schächter uni vollständig beruhigt zu sein, sich von dem Fleische des Viehes in ganz frisches Geschirr ein Mahl zuzubereiteu. um zu sehen, ob er es auch wirklich ganz rituell einwandfrei gemacht hat. Kaschrus und Alkohol. Ein rituelles Speisehaus gründete der Kaufmann Adolf Guttentag zu Beginn des letzten Herbstes in dem Gebäude Reuscheslratze Nr. 10- 11 in Breslau. Zugleich richtete er einen Ausschauk von alkoholfreien Getränken ein, daniit seine Speisegäste nicht zu dürsten brauchten. — Bald jedoch erfuhr er, daß vielen Kostgängern die unschuldigen Tränke nicht immer zusagten, und daß es von Wichtigkeit für seinen Speisebetrieb sei, die Erlaubnis zum Bierausschank zu erwerben. Ter Stadtausschuß erteilte das Schankrecht auf Bier: doch der Polizeipräsident ekhob Einspruch, bestritt, daß ein Bedürfnis nach einem neuen Bierausschank vorhanden sei und wies auf viele benachbarte Schankstätten hin. Da der Antragsteller behauptet hatte, sein Speisehaus sei eine geradezu notwendige Gründung gewesen, beschloß der Bezirksausschuß, eine Auskunft des Vorstandes der jüdischen Gemeinde zu erbitten. Drei Fragen sollten beantwortet werden: ob das neue Speisehaus in der Tat einem starken Bedürfnis gerecht geworden sei, ob sich annehmen lasse, daß zahlreiche Speisegäste das Verlangen hätten, zu ihren Mahlzeiten Bier zu trinken, und wie groß die jüdische Gemeinde in Breslau sei. Zu der letzteren Frage äußerte sich der Vorstand, daß die Kopfzahl nicht genau angegeben werden könne, und daß das Speisehaus hauptsächlich nur solchen Mitbürgern jüdischen Glaubens dienen wolle, denen es bequem liege. In den großen Geschäftshäusern der inneren Stadt seien sehr viele unverheiratete Leute be-1 schäftigt, denen ihr Glaube gebiere, rituell zu speisen, und man müsse Herrn Guttentag dankbar sein, daß er in vorzüglicher Art die Reihe der rituellen Mittagtische vergrößert habe. Es sei sei auch geboten, den Güsten Gelegenheit zu geben, bei Tisch das gewohnte Glas Bier zu trittken. Ter Bezirksausschuß würdigte diese Verhältnisse und erteilte die erbetene Schankerlaubnis. Aus der Agudas Jisroel- Bewegung. Berlin, 20. März. Wir hatten Montag, den 10. März eine Versammlung mit Vortrag von Herrn Dr. M. Hildesheimer über seine Reise für Agudas Jisroel in Amerika, in dem der Redner einige Ergänzungen zu seinem Artikel in Nr. 1 des deutschen ״Haderech" gab. In der Diskussion berichtete Herr Dr. Meier Munk-Lemberg über die Tätigkeit in Galizien. Herr Dr. Josef Carlebach sprach über die Ausgaben der A. I. in Ost und West. Die von ca. :!00 Personen besuchte Versammlung folgte den Reden mit großer Ansmerksamkeit, eine größere Anzahl von neuen Mitgliedern wurde gewonnen und der lebhaft betriebene Markenverkauf zeigte ein schönes Resultat. Mainz, 1. April. Für das gesetzestreue Leben in unserer Gemeinde bedeutet die Gründung der Agudas Jisroel-Jugendgruppe einen geival tigen Fortschritt. Unsere Jugend bekommt In teresse für das Judentum, für seine Lehre und seine Gegenwartsfragen. Die Versammlungen, die von jungen Leuten und Mädchen jede Woche veranstaltet werden, sind gut besucht und tragen viel dazu bei, den Sinn der Jugend für die Bestrebungen der in der Agudas Jisroel sich orgaiiisierendeu Orthodoxie zu tvecken. Einen ganz ungewöhnlichen Erfolg für die Jugendgruppe be deutet die jüngst unter großer Beteiligung abgehaltene Purimfeier. Dieser Erfolg ist vornehntlich dem Eifer der Frau Rabbiner Dr. Bondi zu danken, die ihre ganze Energie in den Dienst der Sache stellte. Auch die während des Winters von der Agudoh veranstalteten Freitag-Abend- Zusammenkünfte zur Besprechung der wöchentlichen Sidra bewährten sich vorzüglich. Turka a. S. (Galizien», :!0. (Gestern fand hier die erste Propaganda-Versammlung für die Agudas-JiSroel statt. Auf Anregung unseres verehrten Rabbiners, Herrn Leiser Mische! fand sich ein zahlreiches Publikum in der BojanSa dagorer Klaus ein. Als erster Redner referierte Herr M. Schmelkes-Krakau über das Programm und die bisherige Entwicklung der Aguda. Hier auf hielt der in allen Kreisen beliebte Schwiegersohn des Herrn Rabbiners Herr Salonion Hertz eine wirkungsvolle Rede und machte einen großen Eindruck auf alle Anwesende. Sodann ergriff Herr Rabbiner Mischel das Wort zu einer groß angelegten Daraschah, die fast zwei Stunden dauerte. ES waren dies begeisterte inid begeisrernde Worte, die den Gedanken der Agudoh ans den Duellen unserer Literatur nachwiesen und der versammelten Gemeinde das Bewußtsein nahebrachten, daß in der Agudas Jisroel ein Werk seiner Verwirklichung entgegengeht, dessen Tragweite für die Stärkung des gesetzestrenen Judentums unschätzbar tverden kann. Nach den trefflichen Ausführungen der drei Redner des Abends war der Erfolg der Agudoh in unserer Stadt gesichert. Es sind bis jetzt mehr als zwei hundert Mitglieder beigetreten und es ,!nterüegt keinem Zweifel, daß sämtliche hiesige jüiKm Einwohner zu den Reihen der Agudoh zählen werden. Einstweilen wird die Gruppe von einem Provisorischen Koinite geleitet, den» folaende Herren angehören: Rabbiner L. Mischel. Sa'on»on Hertz, Abraham Lorberbaum. Abisch Ber mann. Mendel Bleich, Wolf Stieglitz. L. Rosen bäum. L. Menester, David Weinberger inid Lipa Träub. Hochzeiten. Passende Brautgebetbücher in feinster Aus führung. Tallessim in Seide und Wolle sowie alle für ein jüdisches Haus notwen digen Ritualien empfiehlt Jüdischer Buch- und Kunstverlag, Briiun, Adlergasse Nr.!).

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