Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 14 (9.4.1914)
- Date
- 1914-04-09
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 ״Jüdische Bolksstimme" Nr. 14. bracht worden; ebenso sollen die wichtigsten jüd. Voltsfcstc, wie Chauukah, Chamischo asscr und Purim im .Kinderheim begangen werden. — Es wird dann ein echtes jüdisches Kinderheim werden. Tie seierliche Eröfsnnng des ersten jüd. Kinderheimes sanü Sonntag, den 29. März statt. Tie Feier war mit Rücksicht ans die beschränkten Räumlichkeiten aus eine kleine Anzahl von Gäste!! beschränkt. Es hatten sich hiezu vom Ausschuß des Kinderheimes die Präsidentin Frau Emma Lilien, die Vicc-Präsidcntiu Frau Rabbiner Earo, die Schriftführerin Frau Tr. Neichenuein nebst einigen Tomen und Herren der Vcreiuslciiuug, serncr als Ehrengäste der Siabipräsibeut von Lemberg Joses Ncumaun, die Vice-Präsidenten der jüd. .Stultusgemeindc Emil voi; Mises und Tr. Tiamaud mit dem Poriiandsmilglied Tr. Bund serncr Gemeinderat Ebajes und Tempelpräses Tr. Wasser eingesliuden. Frau Lilien begrüßte die Gäste mit ciuigen herzlichen Worten. Ter Tempelchor sang unrer Leitung des Oberkautors Tain ein Hallclusah. woraus Rabbiner Tr. Caro ein hebräisches Gebet sprach, in dein er der Gründer der Jnstituiion gedachte. Rabbiner Tr. Gnttnrann hielt dann eine eindrucksvolle Festprcdigt, zum j Schlüsse sang der Chor die Volkshymue. Nach! Beendigung des religiösen Aktes hielt Präsident Neumann eine herzliche Ansprache, in der er auf! die Wichtigkeit des Kinderheimes verwies und! den Wunsch aussprach, das; in Kürze noch mch-! rere ähnliche Institutionen entstehen mögen.! selbstverständlich wohnten die Pslcgliuge! mit ihren Lehrerinnen der Feier bei und liehen sich in ihrer Tagesbcschäftigung durch nichts störeu. was bei den Anwesenden einen sehr angenehmen Eindruck bervorries. Zu einer grandiosen national-jüdischen Mauisesiation gestaltete sich das ebcnsalls am 29. Marz im grasten Sportpalast stattgefundcne Schauturnen des ersten jüdischen Turnvereines ״Tror", der seit einer Reihe von Jahren nicht nur in Lemberg sondern auch beispielgebend für ganz Galizien ganz ausgezeichnete Leistungen aus dem Gebiete der phhsischcn Erziehung der jüdischen Jugend ausznweisen hat. Tausende Besucher füllten den schier unübersehbaren Saal, man taun sagen, das ganze jüdische Lemberg, insoserne es ähnlichen Bestrebungen irgend welches Interesse enrgegenbringt, hatte sich diesmal!Rendezvous gegeben. Unter vielen anderen bemerkte man die os ficicllen Rcpräsentanken der jüd. Kultusgemeiu-׳ de mit dem Vice-Präsidentcn Tr. Tiamaud, die! Rabbiner Tr. Caro und Tr. Guttmanil, den Präsidenten der Handels- und Gewerbekammcr Samuel von Horowitz, den Ncichsrats-Abgcordnieten Reizes, die Vertreter der ״Bnc Brith"- Loge, des zionistischen Zentralkomites sür Galizien, sämtlicher jüd. akademischer Vereine, auch Viele orthodorc Juden; überaus zahlreich war die Frauenwelt vertreten. Tic Ehrengäste wurden von den uniformierten Skautjiinqcrn mit dem hochverdienten Tr. Fischet Waschih bcgrüstt. Eine begeisterte Stimmung bemächtigte sich aller Anwesenden, als mehrere hundert Turner und Turnerinnen unter den Klängen eines jüd. Marsches, mit blon-weisten lnat.-jüd.) Abzeichen versehen, in den Saal marschierten. Und als gar die herzigen kleinen Kinderchen, viele von ihnen im Alter von 4—5 Jahren stramm heranmarschiert kamen, da wollte der Beifallssturm kein Ende nehmen. Tie Stimmung fand ihren Ausdruck in einer temperamentvollen Ansprache, die Rabbiner Tr. Caro, der den aeistlichen Talar trug, an die Jugend richtete. Ter Seelsorger knüpfte an eine Trauerrede an, die er vor einem Jahrzehnt nach dem Vogronten in Kischincff im biengcn Tcmvel gehalten, wobei er an die da-!!!als zahlreich versammelte Juacnd den dringenden Avpcll richtete, sich Physisch zu kräftigen, um einmal, wenn die Not ruft, für die Ebrc und Erisienz des Volkes eintretcn zu können. Auf die Tnrnerschaar in diesem Saale blickend, freue er sich, seinen Wunsch von doznmal verwirklicht zu seben und wünsche den Bestrebungen der am Heutiaen Tone gegründeten iüd.-galizischen Turnerorganisation besten Erfola. Nun folgten die Vroduktioncn der vcrsckücdenen Abteilungen. Knaben und Mädchen aesondert, zunächst schwedische Gwnnastik. dann verschiedene Gerätübungcn, Jugcudspiclc udgl. Tie Leistungen standen ausnahmslos auf der, Höhe ähnlicher Tarbietungen. Einen entzückenden Eindruck machten die rhytmischeu Tänze der Mädchen. Tas Kommando erfolgte ausschließlich in hebräischer Sprache. Es ist zu hoffen, daß der ausgezeichnete Erfolg des Abends viel zur baldigen Realisierung des Baues eines jüdischen Turnerhauses beitragen wird. Es wäre im Interesse der guten Sache dringend zu wünschen. Vier Wochen lang beherbergte die Lembergere Vereinigung für schone Künste in mehreren Lalons eine überaus reichhaltige Ausstellung Efraim Mosche Liliens, es war eine der intcrepanleslen, die der weltbekannte Künstler bisher veranstaltt hat und enthielt die schönsten Er- Zeugnisse seines Genies. Ist es je einer noch so antisemitischen Presse und sei es auch in dem antisemitischesten Rußland eingefallen, eine Kunstausstellung von einem andern als dem rein künstlerischen Standpunkte aus zu beurteilen? Ter polnisch-nationaldcmokratischen Presst mir dem Slowo polskic an der Spitze, das seit einiger Zeit ganz unverhüllt den Judcuboykott propagiert, blieb cs vorbehalten, auch hierin Wandel zu schaffen. Tie Gesellschaft zur Förderung der schönen Künste wurde in mehreren Artikeln an den Pranger gestellt, weil sie es gewagt hatten, im Laufe der letzten Jahre mehreren jüdischen Künstlern und nun gar einem Maler, der nicht blos ״Auchjude" sondern ein Volljudc ist, Gastfreundschaft in ihren Gemächern zu gewähren. Es wurde wiederholt, das; die Polen cs nicht notwendig haden, sich einerseits mit fremden Federn zu schnlückcn, andererseits Ausstelluugn frcmdrassiger,!lach Ansicht des hiesigen Kunstrefercnten mittelmäßigen Künstler in den Salons der Kuustgesellschast zu veranstalten. Zwei Wochen später! Im prachtvollen Koilzerisale d. Lembcrgcr Konservatoriums ist alles, was Musik liebt und pflegt, versammelt.. Es ist einer der letzten, aber auch einer der glänzendsteil Abende, den das rührige Konzcrtburcau Türk veranstaltet. ־'״ Am Klavier sitzt der gefeierte Pianist Alfred Rubiustcin. Begleitet vom Thcaterorchester, bringt er Beethovens G-dnr-Konzert, Chopins F-moll-Konzert und Saint-Saens G-moll-Äonzert. zum Schlüsse eine Rhapsodie von Lißt in einer Weise zum Vortrage, die uns schon nach einigen Tönen vollends in Bann nimmt. Er zaubert Töne hervor, wie es nur ein Künstler von seiner Größe vermag. Und wir geben uns dem Genüsse mit doppelter Freude hin. denn Alfred .R'ubilisrein ist. wie uns berichtet wurde, nicht nur ein Künstler von Gottes Gnaden, sondern auch ein bewußter Jude. Und da schien es mir, daß gerade in denn mit seltener Vollendung gespielten ״Larghetto" von Chopin außer der rein künstlerischen Seite noch eine mitklang, deren träumerische Sentimentalität jüdisches Empfinden verrät. Rubinstcin hat den Ertrag des Konzerles in seiner Clänze dein Fond zur Errichtung eines Chopindcnkmalcs gewidmet. Noll ölet! Und nun ergießt sich dieselbe Presse, die einige Tage vorher einem bedeutenden, aus Galizien stammcudcn jüd. Maler die Tür weisen wollte, in Lobeserhebungen über die glänzenden Leistungen des landsmännischcn Musikers. Sapienti sat! Jwri. des Jungzionismus diskutiert und fixiert warden sind. Den hervorragenden, initiatorischen Anteil des Kol. Chartiner bei der Begründung dieser Bewegung wißen wir zu schätzen. In den Satzungn des Jungzionismus mit Kol. Chartiner 1u den anderen Bekennern des Programmes übereinstimmend, kann ich aber die Begründung des Jungzionismus, wie sie Kol. Chartiner in seinen Referaten gab. nicht unterscheiden; in meiner Artikelserie gab ich meine eigene, auf der naturwissenschaftlichen Auffassung des Lebenszustandes der Juden als eines Latenzstadiums mit allen daraus folgenden Schlußfolgerungen basierende Begründung. Ich will hoffen, daß Kol. Chartiner diese Begründung nicht als sein geistiges Eigeutunl wird reklamieren wollen, umsomehr als er sie als ״den jungzionistischen Gedanken nicht genau wiedergebend und am allerwenigsten ihn gehörig begründend, zu kritisieren geruhte." Für die Veröffentlichung dieser Erklärung der geehrten Redaktion bestens dankend, zeichne ich in vorzüglicher Hochachtung ergebenst Tarnopol, 4. April 1914. Hernrann Parnas. Klosetts, Badeeinrichtungen, Waschbecken, etc, einrichtet solid und billigst Firma K. Zofka, Brünn, Jakobsgasse Telephon 810. — Kostenvoranschläge gratis. — Reparaturen schnell und billig. ÜSmdiie. Gegen verdorbenen Magen, Darmträgheit und Gicht. ״Sternhofer Bitterwasser1 Mild, doch zuverläßlich. Sternhof. PostSokolnitz bei Brünn. Eingesendet. ^Sehr geehrter Herr Redakteur! In einer Zuschrift vom 25. Jänner d. I., wurde ich von der geehrten Redaktion ersucht Ihr einen programmatischen Aussatz über den Jung- Zionismus cinzuscnden. Diesem Ansuchen folgcnd, ließ ich meine Artikelserie unter dem Titel, ״Jungzionismus" in Ihrem gesch. Blatte erscheinen. Ter Jungzionismus ist kein literarischcs Eigentum des Kol. Chartiner, sondern eine Bewegung, die seine Träger in zwei akademischen Verbindungen: in Tarnopol und in Wien und in vielen Sympatikcrn hat und deren Satzungen in vielen Konventen der Bekenner Konferenz der jüd. Turnvereine in Galizien. Sonntag, den 29. März hat in Lemberg die 2. Konferenz der jüd. Turnvereine Galiziens stattgefunden. Eröffnet hat dieselbe mit einer hebräischen Ansprache der Präsident Herr Dr. Stcrner. Sodann begrüßte Herr Dr. Reich im Namen des zion. Zcntralkomites die Konferenz und aus die überaus große Bedeutung und Wichtigkeit des Sportwesens für die Renaissance des Judentums in beredten Worten hinwies. Sodann referierte wieder Herr Dr. Sterner über die Tätigkeit des Verbandes im vergangenen Jahre. Tie Tätigkeit verfolgt, sagte er, zuerst den Plan alle 9 Richtungen in der jüdisch-physischen Auslcbungsbewegung zu vereinigen, nämlich: die Gymnastik im Turnsal, den Sport im Freien (Fußball) und die Wärterübungen durch Ausflüge. Tie Ausübung aller 3 Arten der körperliehen Bewegungen vervollkomntnct erst das Turnwcseu. Nebergehend zur Berichterstattung über den Stand der Turnbewcgung berichtet der Redner, daß der Verband bereits schöne Leistungen auszuweisen hat. Es existieren in Galizien bereits 28 Turn- und Sportorganisatonen, welche 2499 aktive Mitglieder darunter 468 Frauen zählen. — Tas Vermögen, der Vereine beträgt K 13.331.37. Nachdem noch verschiedene Redner Anträge stellten die teils akzeptiert und teils abgelehnt warden sind, schloß der Präsident die Beratungen der 2. Konferenz. Die kommenden Gcmeinderatswahlen in ' Krakau. Tie hiesige Partei ״der unabhängigen Juden", die seit einer Reihe von Jahren 10 Mandate zum Gcmcinderat zu bekommen pflegte hat jetzt einen schlvcren Standpunkt. Vor einer Zeit war es die sogen. Kahalpartei, die Verbißenste Gegnerin ״der unabhängigen Juden", die ihnen bei jeder Wahl den Zankapfel strittig machte. Es gelang jedoch immer ״den unabhängigen" sich zu erhalten. Sie wurden immer aus der Kurie des Kleinhandels gewählt. Nun, sind böse Zeiten auf l‘ic. gekommen. Es entstand hier vor einigen Iahren ein kaufmännischer Verein, dem sowohl An- Hänger der unabhängigen als auch der Kahal- Partei augehören. Dieser Verein, der selbstverstündlich nur die kaufmännischen Interessen zu vertreten hat, rückt jetzt mit Forderungen heraus, denen absolut die Richtigkeit nicht abgesprochen werden kann. Sie verlangen nämlich, daß die richtigen Interessen der Kaufmannschaft, die im