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Jüdische Volksstimme · 1914-03-27 · Heft 12 (27.3.1914) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 12 (27.3.1914)
Date
1914-03-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 12. .jüdische «olksstimme" Seite 3. matio in capite et in membris ist erforderlich.! Eine Regeneration des Körpers, des Geistes.! Allenthalben mutz durch gesunde Förderung der! körperlichen Erziehung der Degenerierung vor-! gearbeitet werden. Alles was den Körper schwächt, soll ausgeschaltet werden. An eine körperliche Regenerierung ist so lange nicht zu denken, solange nicht zur Stärkung des Körpers Antialkoholismus und Abstinenz tritt. Dem Exzeß in braccho folgt nicht zu selten ein Exzeß in Venere. Was monatelanges Stählen der Muskeln dem Gesamtorganismus brachte, das schlägt ein Tag oder eine Nacht zunichte. Turnen, Sport, Fechten, Wandern, das alles wird zu schänden, wenn der Körper unvernünftig durch Gifte geschwächt wird, den Infektionskrankheiten Tür und Tore geöffnet werden, die geschwächten! Nerven zugrunde gerichtet und zu der großen! Zahl jüdischer Geisteskranker noch ein Heer jüd.! Neurastheniker und jüdischer Neurotiker gestellt! wird, (die sich dann von jüdischen Psychonati-! kern (!) behandeln und heilen lassen mögen) ... -Aber im Ernste. Die Sitrmtion ist' ׳'äußerst bedenklich. Die Symptome sehr gefäfjr־j lich. Die Krankheit schreitet fort und droht, chro-! ni'ch zu werden. Noch ist nicht alles verloren. Stoch kann, was nicht angefault ist gerettet werden, — durch den Zionismus. Wird es den Westeuropäischen Juden gelingen, sich durch und durch zu nationalisieren, dann sind sie gerettet. Sollte dies nicht der Fall sein können, dann stehen wir, ob wir wollen oder nicht, am Grabe oder zum mindest am Totenlager eines des edelsten Teiles des jüdischen Volkes.- YERLOBUNQ5-RINQE BR/KlT5CI1nUCrc r r H0CHZEIT5QE5CHENKE EHE-RIHQE.• * in hervorragender Auswahl zu besonders billigen Preisen. Berthold Bachner, k. U. k, Hoflieferant, Juwelen-, Uhren-, Goldu. SÜberwarenbandlung Brünn, nur Ferdinands gasse Nr. 2. «■־» Provinzaufträge finden sofortige Erledigung Die versöhnende Kraft der Religionen. Bon Dr. Jsaac Eisenberg, Dobrisch. »Kreuz gegen Halbmond!" Mit diesem Kriegsrufe eröffnet(:» im Herbst 1911 die sfavischen Balfanvölfcr die Feindseligkeiten gegen die Türkei, um die Oberllvhcit des großen Nachbarrcichcs zu brechen, um die Länder des Islams zu zerstückeln und um, >vic sic bchauptetcn, ihren verfolgten Glaubens- und Stammesgenossen die Unabhängigkeit zu verschaffen. Dieser Schlachtruf sollte bei den christlichen Völkern des Balkans die Begeisterung für den neuen Feldzug wachrufen und auch die slavischcn Nachbarvölker für diese Idee entzünden. — Der Krieg der Völker gegeneinander sollte gleichzeitig, wie im tiefsten Mittelalter, als gegenscitigcr 'Krieg der Religionen aufgcfaßt werden. Er hatte Daitu ziehen sie zum Beamten. Lange, wehe Töne, müdgeweinte Tränen tlnd stille Verzweiflung. Dann schwellen sie an zur glühenden Sehnsucht, die nach Leben schreit und die zusainmcnbricht in Enttäuschung und langsam hinstirbt. Doch im letzten Seufzer zit- •tert noch leise Hoffnung, klingt ein Lächeln vom verlorenen Glück.... Der Beamte horcht. Hört das Klagen und Flehen. Und er — schauert. Die Töne, das alte Lied, das ihm das Leben geigte, dringen in ihn, tiefer und tiefer schmelzen die harte Kruste des Beamten und wecken den vergessenen Menschen. Und der Mensch schlägt die Augen auf und Wärme strömt von ihm. Sie gleitet herüber, wie lindes Balsam, auf die vcrtuschelte, welke Frau, die neben ihm mit verschränkten Händen in ergebener Stellung harrt. Sie hebt den Kopf jetzt und wie der Mensch in ihre Augen sicht, da kommt es ihm vor, als falte jemand die Hände und bete zu ihm. Er ist gerührt, ist voll Mitleid. Er will Helfett. — Und durch die dunkle Stube geht ein Glanz. (Schluß folgt.) auch zur Folge, daß die christlichen Balkanvölker verschiedener Schattierung und Kirche, welche bisher durch Jahrhunderte feindlich gegeneinander gestanden waren, ihre Gegensätze für einen Augenblick vergaßen, und mit vereinten Kräften sich gegen den angeblichen Heiden wandten. Daß es sich jedoch tatsächlich um keinen Glaubenskricg, sondern um einen wirtschaftlichen Kampf handelte, geht schon daraus hervor, daß die angeführte Kricgsparole nicht bei allen christlichen Völkern Europas Verständnis und Zustimmung fand. Nichtsdestoweniger wurde es. namentlich von den Slaven, urbi et orbi verkündet, cs handle sich lediglich um einen Feldzug religiöser Natur. Die slavischen Völkcr Europas begrüßten mit Freuden die Befreiung des Christentums vom Joche des Islams. Wenn im grauesten Altertum zwei Völker einander auf dem Schlachtfclde begegneten, da hieß cs auch, die verschiedenen Gottheiten derselben bekämpfen einander im Himmel und der irdische Sieg falle mit dem jener Gottheit zusammen, welche sich als mächtiger erweise. Deshalb sprachen auch die damaligen Völker von einem heiligen Krieg, von einem Kamps für Gott und jeder Krieger war zugleich Gotteskämpfer. Daß jedoch in unseren Tagen keineswegs von einem Glaubenskrieg, sondern lediglich von einem solchen wirtschaftlichen Charakters gesprochen werden kann, beweist der unglückliche Ausgang des Balkankriegcs. Weder die slavische Idee, die slavische Solidarität, noch der christliche Gedanke, die christliche Liebe, vermochten, die Sieger bei der Teilung der Beute zu einen und ihre alten Leidenschaften vergessen zu machen. Diese traurigen Ereignisse lieferten den Beweis, daß, wenn nötig, selbst Kreuz und Halbmond sich vereinigen und die alte Feindschaft mancher christlicher Völker von Neuem auflodern helfen. Wäre es nicht für die menschliche Gesellschaft viel׳ leicht segensreicher, wenn wir den Satz umkehrcn und die Parole ausgcbcn würden: ״Völker und Konfessionen versöhnt euch!" Wäre es nicht für den von allen Mein scheu ersehnten allgemeinen Frieden zweckdienlicher, wenn eine Annäherung zwischen Christentum und Jslam, oder eine Versöhnung aller Weltreligioncn und deren Bekenner angcbahnt und einem glücklichen Ende zugcführt würde? — Wir leben in einer Zeit, da die Religionen nicht nur geglaubt, sondern auch erforscht werden. Der Forschertrieb, welcher hervorragende Gelehrte beseelt, bahnte schon eine Gasse der Verständigung zwischen den auserlcscncn Geistern verschiedener Konfession und Rasse. — Die Gelehrte» der sonst feindlich gcgenüberstchendcn Volks- und Religionsgenossenschaften wirken wie Hohe- Priester im Tempel der Wissenschaft nebeneinander für die Aufdeckung der ewigen Wahrheiten und arbeiten zusammen als wenn auch ihre Nationen verbrüdert wären. Daraus kann geschlossen werden, daß die Idee des Friedens unter den breiten Massen nur dann reifen und die schönste» Früchte tragen könnte, wenn die Erkenntnis sich Bahn bräche, daß das Wesen der Religionen kcincswegs gegenseitigen Haß, sondern vielmehr Vertraglichkcit und Duldung verlangt. Dadurch würde Hauptqucllc der menschlichcu Leidenschaften verstopft werden. Um vorläufig ein Beispiel statt vieler auch aus der Geschichte anzuführe», daß Wissen versöhnend und Unwissen verderblich wirkt, sei hier auf folgende Tatsache verwiesen: durch Jahrhunderte grassierte in Europa der unstillbare Haß gegen das Judentum, dessen Religion und Lehre. Die Annahme, der Talmud predige Haß gegen das Christentum und dessen Stifter verwandelte die Völker Europas in Feinde und Rächer gegen die Juden. Nur Johannes Rcuchlin (1455—1522), Burtorf, Hugo Grotius. Felden (im 17. Jahrhundert), der liebersetzer der Mischna ins Lateinische Surenhus, Basnag 11. viele andere gründliche Kenner der jüd. Sprache und Literatur (im 18. Jahrhundert) traten für die Verfolgtcn in die Schranken und verteidigten damit auch die Wahrheit selbst. Seitdem auch christliche Gelehrte sich mit der jüdischen Wissenschaft eingehend befassen, mußte jeder Angriff gegen die Religion verstummen. Selbst die schneidigsten Judenfeinde behaupten nunmehr, mit ihren Waffen nicht die jüdische Religion, sondern den jüdischen Kapitalismus treffen zu wollen. Ebenso liegt cs in der Macht einer gründlichen Erforschung einer Religion und deren Satzungen jedes Vorurteil gegen die Verehrer derselben zu beseitigen und jede Anfeindung a priori unmöglich zu machen. Christliche Völker behaupten, die Religion der Juden enthalte Gehässigkeiten gegen das Christentum. Ebenso erklären christliche Stämme im Orient, der Islam predige Hatz und Feindschaft gegen die Religion Jesu. Doch erklärt sich der Stifter des Jslam (Koson, Sure 50) als Nachfolger Jesu, knüpft an dessen Offenbarung an und feiert den Mosaismus als Grundlage beider späterer Offenbarungen. Braucht man ein schöneres Dokument der Versöhnlichkeit, als dieses, welches sowohl das junge Christentum als auch den Jslam am Beginn seiner Geschichte proklamierten? Wie können die Bekenner derselben ihre gegenseitige Feindschast als religiöse Handlung bezeichnen? SS erscheint daher als heiligste Pflicht unserer Männer der Wissenschast und Geschichtsforscher in Vorträgen wie in Volks- und Zeitschriften gegen solche Jrrtümer aufzutreten, die wahren Tendenzen der Religionen den weitesten Volksschichten bekannt zu machen und so einem Schlachtruf wie ״Kreuz gegen Halbmond!" einfür allemal unmöglich zu machen. 00 beste Quelle für den Einkauf von (euer lerreegieue ist und bleibt Brünn, Ferdinandsgasse 21, I. Stock Kleine Reglet Kleine Preise! Preislisten gratis und franko. Das jüdische Wien. Die Gcmeinderatsivahlcn sind (bis auf einzelne Nachwahlen, beendigt, der christlich-soziale Besitzstand ist erhalten. Tie Leopoldstadt (mit doppelt soviel Juden als Czcrnowih) ist nunmehr weiter im Reichsrat, Landtag und Gemcinderat christlich-sozial. Dagegen sträubt sich fast Niemand mehr. Die Mehrzahl der jüdischen Stimmen werden überhaupt nicht reklamiert. Pawclka aber verrichtet den ״Polnischen" gegenüber sein Werk mit noch größerer Meisterschaft und beraubt unter den nichtigsten Vorwänden die Juden ihres Wahlrechtes. Und (venu es auch sehr unwahrscheinlich und unglaublich ist, daß einzelne Juden durch Korruption und Gewalt sich bewegen ließen, für die Radau-Antisemiten zu stimmen, so tragen sie doch durch ihre Fahrlässigkeit und durch ihre verhältnismäßig schwache Wahlbeteiligung indirekt zum Siege dieses Gegners bei. Die jüdische Ocffentlichkcit aber verhält sich ganz ruhig. Die jüdische Presse beschäftigt sich jetzt mit den Juden in Polen, mit dem Antisemitismus in Preußen und Bayern und verschiedcnen anderen Fragen, nur über Wien hört man «bis auf wenige Ausnahmen) kein Sterbenswörtchen, als wenn cs wo in weiter Ferne läge. Uebcr das Weite läßt sich ja ״schmusen", aber hier müßte man ja etwas tun. Diese unverzeihliche Gleichgültigkeit der jüdischen Presse dem Wiener politischen Leben gegenüber muß öffentlich gebrandmarkt werden. Wer bei sich nicht Ordnung halten kann, kümmere sich um fremde Angelegciiheiteu nicht. Dem halbtoten Volkshause lag wieder ein Hausiergeschentwurf vor, der von barbarischen und toidersinnigen Bestimmungen strotzt. So wird dort als Mindestalter für die Erlangung einer Hausicrlizcnz die Erlangung des;53. Lebensjahres verlangt. Wer in gemeinsamcn Haushalte mit einer erwerbtrcibcndcn Person lebt kann keine Lizenz erlangen. Diese uninenschlicheii Besiiminungcn hätten in Wien allein mehr als l>000 Hausiererfamilien (meistens Jude») betroffen. Ucberdieü wären noch eine Reihe Kaufleute und Angestellte in Mitleidenschaft gezogen. Gegen diese echt ״österreichische Sozialpolitik" hat der ״Jüdische Bolksvercin" eine größcre Aktion unternommen. Samstag, den t!5. d. fand eine sehr stark besuchte Hausierer-Versammlung statt in der unter anderen die Herren Gg. Ober-Ingenieur Stricker, Lueian Brunner und Tr. Plaschkes sprachen. Es wurde eine besondere Organisation der Hausierer geschaffen, die diesem Entwürfe das Grab schaufeln soll. Mittwoch, am 18. d., fand eine Angestellten- und Haujicrer-Bersammlung statt, die besonders die Schädigung der Kaufleutc und Angestellten durch diesen Entwurf der ״Gcwcrbcretter" vor Augen führte. In dieser Vcrsammlung sprachen kais. Rat Ascher. Abg. Ofner, ferner Vertreter der Angestellten und der Kaufleute, die samtliche die drakonischen Härten und Strafen des Entwur. fcs (von 50—300 Kl) verdammten und zum Kampfe gegen diese Bestimmungen aufforderten. Ter ״Jüdische Volksvercin" hat hier ein sehr weites Feld. Tie Hausierer sind auch in politischer Hinsicht eine große Macht und mit ihrer Gewinnung lvächjt seine Bedcutung ungemein stark. Montag, den 23. d. M., um 0 Uhr abends fand im Saale der ״Talmud Thora" 2., Malzgaffe 16, die Ge-

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