Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1914-03-19 · Heft 11 (19.3.1914) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 11 (19.3.1914)
Date
1914-03-19
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2621806-2621897-2621908--2703-2623824
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Seite 10. Weg zu diesen!;:■jici •־,cf.cbcn ist im aitncucn, radikalen, verjüngten Zionismus — ^cm Jungzionismus. * * * Schreiber dieser Zeilen ist sich dessen bewußt, nur ein skizzenhaftes Bild entworfen zu haben. Vieles mußte nur angcdcutct werden, vieles müßte man noch zur Ery-.nzu 1p hinzufügcn. In dem engen Rahmen einer Zei- Gv.gSn: Handlung ist für ein vollständiges Bild kein Pie:׳. Diese Aufgabe dürfte eine umfangreiche Brochürc erfüllen. 1111 crc Aufgabe war nur Richtlinien zur Gegenwarteebeü, von unserem Gesichtspunkte aus geschcn, zu ziehen. Gegen verdorbenen Magen, Darmträgheit und Gicht. ״Sternhofer Bitterwasser‘־ Mild, doch zuverläßlich. Sternhof.PostSokolnitz bei Brünn. Profalaschabewegung. Am s. Marz d. I., vereinigten sich zu Frankfurt a. ill!., ans Einladung des intcrnationalcn Profalascha- .^omitcs die angcschenjicn Führer der intcrnationalcn Prosalaschabeivegung, um die Reorganisation des Profalasctia-.Nomites und die zur Zeit zu ergreifenden Schrine zu beraten. Der Bersammlung präsidierten die Herren Eberrabbiuer Dr. Margulics. Florenz und Jul. Goldidimidt zn Frankfurt a. M., beide .Herren, die sich sei! Fahren mit größter r pierwilligkeit in denDienst der Profalaschasachc gestellt haben. Die Versammlung, zu der eine Reibe von Vertretern aus Deutschland, Italien, Lcsterreich und der Schweiz erschienen ivarcn, nahm die ausiührlichcn Berichte des Herrn Lbcrravbincr Tr. Margulics und des Herrn Dr. Iaqucs Faillolvitfch entgegen: aucti lagen die von Herrn Dr. Faitlowitsch cdirten Briese der PalaschaS an die Glaubensgenossen der ganzen Well sowie eine Reibe von Missionssckriftcn vor, ans denen sich ergibt, >vie ängstlich die in Abessinien arbeiiendrn Missionäre die Fortschritte der Profalaschaarbeii des Komites beobachten. Aus allen Teilen der zivilinerien Welt lagen znsiimmcndc .Kundgebungen vor, in denen die ivärmsle Sviupathic für die Arbeit des internationalen Prosalafcha-jllomitcs ausgedrückt und die Hossnung ausgesprochen!var, daß nun nicht langer mit einer intensiven Arbeit unter den FalaschnS selbst gezögert iverde. Herr Eberral'biner Dr. Margulies nahm Gelegenbeit, die (steubictile der Prosalaschabeivegung bckaum zu geben und, ankniipsend an die Tätigkeit des verblidienen Dt. Israel Hildesheimer sowie des Prof. Halevi, Paris, über die Ergebnisse der dritten Erpcdilionsreiie des Herrn Dr. Faitloivitsch zu berichten, hierbei aucli alle die Bedenken zu widerlegen, die gegen die Notwendigkeit einer Aktion zugunsten der Falafchas ausgesprochen ivordcn sind. Es handle sich nickt in erster Linie darum, den Falaschas wirtschaftlich bcizusieben, es müsse vielmehr dafür gesorgt werden, daß dieser versprengt Reit von Glaubensbrüdern nicht wehrlos und endgültig von den christlichen Missionären aufgcsogen und zum Ebriiientum übergesübrt werde: die früher aui 20(1.000 Seelen geschabte Zahl der Falaschas sei in den lebten Jahrzehnten auf 70.000 bis 100.000 Seelen zurückgegangen, nachdem zahllose der Falaschas, deren Hilserusc uugebört verhallt waren, den Angaben christlicher Missionäre Gehör gaben, cs gebe überhaupt keine Juden mehr in der weiten Welt und sie feien die letzten, die noch zu dem Gotte Israels beteten. Heute sei dieser Tätigkeit der Missionäre ein Damm entgegengesetzt;! immerhin müsse vor allen Dingen durch Schulgründungen. sowie durcli Gründung eines Seminars und durch Verbreitung jüdischer Literatur in der Landessprache Sorge dafür getragen werden, daß die Arbeit eine nachballige und erfolgreiche bleibe. Auch müsse ein Conncx zwischen den versprengten Glaubensbrüdern und den Glaubensgenossen der übrigen Welt bcrbeigeführt werden. Zu diesem Zweck habe Herr Tr. Faitlowitsch eine kleine Schule im Inneren Abessiniens, in der Provinz Dcmbea gegründet, der einer der in Florenz und Icrusalcm erzogenen Falaschas, Jeremias Ghettic, vorsteht; Iveil wesentlicher wie diese kleine Schule sei aber die Erziebung von geeigneten Lehrern innerhalb des Landes und die Errichtung von Schulen in allen größeren Niederlassungen der Falaschas. Die bisherige Organisation könne aus Mangel an Geldmitteln sowie mit Rücksicht daraus, daß Florenz nicht die geeignete Zentrale der Bewegung darsielle, nicht ausreichcn, dem Ziel der Bcwegung mit der nötigen Beschlcunigung nabczukoinmcn. Als der Fahnenträger der Bewegung richtet daher Herr Liberrabbiner Dr. Margulies den cindringlichsicn Appell an die Versammellen, die Zentrale der Bewegung nach Deutschland und insbesondere nach Frankfurt a. M., der Ir lvoem b'Isroel, wo der Bewegung viele Thinpathien ״Jüdische Bolksstimme." cntgcgcngcbracht werden, zu verlegen und das große Werk nicht nun, wo cs angebahnt sei, unvollendet liegen zu lasicn. Herr Tr. Iaqucs Faitlowitsch ergänzte die Aussührungcn des Herrn Lbcrrabbincr Dr. Margulies und gab einen cingcheudcn und klaren Bericht über seine dritte Expedition im Jahre 1013; der Bericht bewies nicht nur, welchen Strapazen sich dieser unermüdliche Vorkämpfer für die Falaschasache seit Jahren im Intcrcsic des heiligen Werkes unterzieht, er zeigte auch, welche Erfolge bereits erzielt sind und welche Vcrantwortung die jüdische Gesamtheit auf sich nehmen würde, wenn sie die Falaschas dem Schicksal des Unterganges und der Aufsaugung überlassen würde. In der folgenden Diskussion, an der sich die Herren Pros. Tr. Ehajes zu Triest, Justizrat Dr. Apfel, Köln, Landgcrichtsrat Stern, Stuttgart, die Herren Stiel und Timon zu Köln, Bollag—Feuchtwangcr, Basel, Julius Goldschmidt, Tr. Sondhcimcr, Rabbiner Dr. Nobel, Rabbincr Tr. Horowitz, Rabbiner Tr. Lazarus, Tr. Feuchtwangcr und Rechtsanwalt Horowitz zu Frankfurt a. M., beteiligten, in der außerdem schriftliche Vorschläge der Herren Pros. Mittwoch und Tr. Elbogcn zu Berlin vorlagen, ivurde insbesondere scsigesiellt, daß für die vcrschicdcncn Schulbauten ein Baufonds von Frcs. 50.000 aufgebracht werden müsie, daß im Ucbrigcn ein jährlickcs Budget von etwa Mark 30.000 bis 35.000 sicherzusiellcn ist, wurden im Ucbrigcn Fragen der Organisation und Propaganda erörtert. Von größeren Organisationen waren in der Sitzung der Hilfsvcrcin der Tcutschcn Juden durch Herrn Salomon Epstein zu Frankfurt a. M., daS Zionistische Aktionskomitc durch Herrn Fritz Sondhcimcr und die Agudas Israel durch Herrn Dr. Fenchrwanger zu Frankfut a. M.» vertreten; auch diese Hrganisationcn brachten ihre Sympatic und ihren Willen zur Mitarbeit an dem großen Werk zum Ausdruck. ES ivurde beschlossen, Herrn Dr. Faitlowitsch um weitere Mitarbeit an dem Profalaschawerk zu bitten mit der Ausgabe insbesondere, dank seiner Bczichungen zu der Falascha-Bcvölkcrung das Band mit den Falasckas fester zu knüpfen, die Schule, sobald die sinanziellc Basis sichergcstcllt ist, weiter zu fördern und einzurichten und propagandistisch tätig zu sein: auch die Anstellung eines General-Sekretärs wurde bcschloffcn. Zum Sitz der Zentrale ivurde Frankfurt a. M-, nach! ausgedehnter Debatte gewählt, Nachdem Herr Lbcrrabbincr Dr. Margulics das Ehrenpräsidium übertragen tvar, übernahm Herr Julius Goldschmidt zu Frankfurt a. M., der schon lange Jahre den tatkräftigsten Anteil an der Prosalaschabeivegung nimmt, das Amt des ersten Vorsitzenden des Internationalen Komitcs. Im llcbrigen ivurdcn in den gesckäftsfiilircndcn Vorstand die Herren Dr. Tondbcimer, Frankfurt a. Bk., Landgcrichtsrat Stern zu Stuttgart, Moritz Stiel zu Köln, Salomon Epstein zu Frantsurt a. M. .Bollag—Feuchtwangcr zu Basel, Prof. EbaiS zu Triest, Stadtältcslcr Wiener Kattowitz, Prof. Mittwoch und Tr. I. Ginsberg, Berlin, sowie Rcchtsanwali Horovitz u!!d Pros. Tr. Bondi zu Franksurt a. M., gewählt. Tic endgültige Eonstituicrung des geschäftsfübrcndcn Vorstandes, des Ausschußes und des Zentralkomites wird demnächst erfolgen. Es wird iiun Sache der Glaubensgenossen aller Länder sein, darüber zu entscheiden, ob das unter den günstigsten Auspizien begonnenc Werk ivcitergcführt werden kann oder ob die ohnehin dezimierte Judcnheit cs geschehen lassen >vill, daß ein nach Zchntauscnden zählender Bruchteil unserer Gemeinschaft uns endgüllig verloren gebt, weil die Judcnheit nicht gewillt ist, die Hilserusc dieser versprengten Brüderschaar zu hören. Das internationale Prosalaschatomite bittet um Gründüng von Lokalkomitcs an allen Orten, wo solche noch nicht bestehen, um Zeichnungen zum Baufonds, um Spenden und um Beitritt als Mitglied. Alle Mittcilungen sind an Herrn Julius Goldschmidt, Frankfurt a. M., Fricdberger Anlage 12 oder an Herrn Rechtsanwalt Horovitz, Frankfurt a. M., Zeil 123,!Zcilpalastj zu richten. Geldsendungen wollen an den Schatzmeister der Zentrale Herrn Salomon Epstein, Frankfurt a. M-, llhlandstraße 30 oder unter der Adresse des Genannten auf das Conto ״Profalascha" der Pfälzischen Bank, Frankfurt a. M., Depositenkaffa, Zcilpalask, übermittelt werden. Klosetts, Badeeinrichtungen, Waschbecken, etc. einrichtet solid und billigst Firma K. Zofka, Brünn, Jakobsgasse Telephon 810. — Kostenvoranschläge gratis. — Reparaturen schnell und billig. Nr. 11. Antisemitische Blüten. Wir brachten bereits in der vorigen Nummer eine Nachricht über die Hetze, die gegen die Watzl des Pros. Rosenblatt in die Leitung der Krakauer städt. Sparkassa von den Allpolen mszcniert wurde. Obige Herren haben also am Sonntag, den 8. d. eine öffentliche Versammlung einberufen, auf deren Tagesordnung die Frage der totalen Verdränggung der Juden aus allen Positionen stand. Die Redner Prof. Graborski u. a. stimmten lauter antisemitische Hymnen an und in giftigen Worten verlangten sie die euergisch-cstc Bekämpfung und Unterdrückung der Inden. Es wurde eine Resolution in diesem Sinne gefaßt und dem Minister für Galizien, dem Statthalter und Landmarschall zugeschickt. Sie meinen cs also ernst, diese Herren mit ihrer unterwühlendcn und gemeingefährlichen Arbeit. — Seit einiger Zeit fabrizieren die genannten Herren Ansichtskarten mit ausgesprochen antijüdischer Tendenz. In kleinen Lettern sind auf denselben die schändlichsten Motti angebracht. Und diese Ansichtskarten kolportieren polnische Chauvinisten in — jüdischen Häusern! Sic kommen ins jüdische Haus, wo sie gewöhnlich nur die Hausfrau antreffen, reden ihnen in schönen Worten zu eine Ansichtskarte zu kaufen, da der Erlös hicfür polnischen wohltätigen Zwecken gewidmet sei. Unsere Juden, denen doch bekanntlich die Wohltätigkeit im Blute liegt, geben den Leuten keinen Korb und — kaufen diese Karten. — Möge diese Notiz zur Aufklärung der allgemeinen jüdischen Bevölkerung beitragen, damit sic sich nicht van Polnischen Fratzhelden nis Lächerliche zerren lassen. Eine weitere Phase in der erschreckenden Ueberhandnahme der antisemitischen Wühlereien hier bildet der Aufruf, der dieser Tage in den Gymnasien zwischen den Schülern verbreitet wurde. Es höhnt jeder Beschreibung, was dort an Wut, Verbissenheit und Aufhetzung zusammengekramt wurde. ״Unser Volk befindet sich, heißt es dort, in der größten Not und ist von Feinden umringt. Aber die größten Feinde sind die inncrlichcn und das sind die Juden. Wir müssen uns zuerst von unseren inneren Feinden befreicn. Judcnkncchte und Volksverrätcr sind daher diejenigen, welche bei den Juden kaufen, über- Haupt sich nicht feindlich zu ihnen beziehen. In diesem Sinuc gebt es fort. Wie beschämend ist es überhaupt, daß die Schulbehörde dieses toleriert und dem Unheil freie Bahn gestattet, daß es die jungen reinen Seelen vergiftet und demoralisirt. מצות Prima Mazzoth offeriert für Gemeinden und Wiederverkäufer die seit 38 Jahren bestehende u. bestrenommierte, unter strengster Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinats der Kullusgemeinde Wien 'stehende Mazzoth-Fabrik des E. Friedmann’s Eidam ADOLF SCHMIEDL Fabrik : Wien, XXI., Kaiserin Elisabethg. 19. Verkaufslokal: I. Augustengasse Nr. 4. Mehl aus der Budapester Walzmühle. הנעשה תחת השגהת ד,־בנים דשומדי הית. Literatur. Hans von Kahlenberg: Sünde. Vita, Berlin. — In diesem geistvollen aber schnoddrig geschriebenen Roman der erfolgreichen Autorin kommt auch ein Jude vor dessen Weser nicht uninteressant ist. Eine Pslanze, wie ist׳ nur der Sumpfboden des Berliner Tiergartcnviertcls hcrvorbringcn kann, dünkt mich die Gestalt des Lebemanncs L?rff. Sein gelbes geistreiches Gesicht besteht zumeist aus Falten und Narben. Das Kinn ist viereckig. Man kann ihn fast verwachsen, Mißgestalt nennen und doch wirkt er elegant, bizarr und auffällig. Und darauf kommt cs ihm an. Er will auf die Frauen durch seine ironoiiciertc Häßlid)kcit wirken. Freilich wirkt er auch durch seine boshafte Zunge und am meisten durch seinen Reichtum. Er ist ledig, verfügt über eine Maitrcsse und ist der intime Freund einiger Damen. AndcreJntcresscn hat er kaum. Vielleicht noch die Kunst in ihrer exklusivstcn Form. Einmal versucht er sogar zu arbeiten, wenn : man seine vorübergehende bequeme Mitwirkung in dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.