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Jüdische Volksstimme · 1914-03-12 · Heft 10 (12.3.1914) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 10 (12.3.1914)
Date
1914-03-12
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. ״Jüdische LolkSstimme." Nr. 10. Jugeudgottesdicnste und ist 'Ron seit vielen Jahren ׳Tenorist im Leopoldstädter Tcinpel wie auch in seiner administrativen Tätigkeit sehr geschäyt, weshalb auch alles wetteiferte, den glücklichen Eltern bei der Barmizwahfeier ihres Sohnes ihre freudige Teilnahme zu zeigen. Es sei noch erwähnt, das; Herr Leo Finkelstein das Einstudieren der hebräischen Vortragsstücke mit dem so guten Erfolge übernommen hatte. I Erster östcrr. Hilfsvcrcin für zugereiste kranke Juden in Wien. Dieser cminnct humanitäre Verein, der den armen jüdischen Kranken die fremd und hilfesuchendnach Wien kommen.׳ liebevoll an die Hand geht, nahm bei einer Wohltätigkeis-Vorftellung,- unl die sich das Damenkonnte, bestehend' aus den Frauen Helene Nakower, Rosa Flesch, Stcsanic Natanson, Carola Kohorn, der Gcsamtvorftand, besondere Ver- Dienste erworben haben, 1650L und bei einem Jour im Cafe Trückl S2 K ein. Den armen kranken kommt dies zugute und aufrichtiger Dank gebührt allen, die zu diesem materiellen Erfolge bcigctragcn haben. Mögen diesem unter dem Präsidium Dr. I- Flesch. Dr. Ä. Natanson und Tr. Fr. Welt und den wackeren Vorständen geleiteten Vereine auch weiter reichliche Bciträge zuflieszen, dcitn groß ist die Aufgabe, die dieser Verein zu erfüllen sich bemüht. Jüdische Volksbank für Mahre« uvd Schlesien, R. G. m. b. H. Krapfengasse 19 BrÜNN, Krapfengaffe 19 Personalkredite Wechscleskompt Berkaus°° Losen Spar- «uv Kontokorrenteinlagen gegen bestmöglichste Verzinsung — HeLmsparbüchseu werde» den Einleger» kostenlos überlassen. Uorre^ponäei zcn. Pohrlitz. Am l. März d. I., fand in Nagy- Surany die Trauung unseres Herrn Kantors L. Fettmann, mit Fr!. Sidonie Eibcnschütz statt. ׳Beim Festmahle trug ein Bruder der Braut Herr M. Eibenschütz, Obcrkantor in Ung.-Ostra auf allgemeines Verlangen jüdische Lieder vor. Trcbitsch. Kantor M. Kurzweil aus Wien lvurde per Akklanmtion als Kantor in Trcbitsch gewählt und hat seinen Posten am 1. März d. I., angelrctcn. Kantor Kurzweil, der aus einer bekannten Kantorenu. Gelehrtenfamilie stammt, hat bereits in größeren Gemeinden gewirkt. Dcutsch-Brod. Rabbiner Jakob Dinger, der durch ol Jahre i» Dcutsch-Brod für die Erzichnng der jüdischen Jugend segensreich gewirkt, ist nach längerer Krankheit am 1. d., verschieden. Währeitd dieser langjährigen Tätigkeit hat er cs verstanden, sich nicht nur die Achtung, sondern auch die Liebe aller seiner Gemeindemitglieder zu erwerben. Friede seiner Asche! Klattau. Unlängst wurde hier i»as neue Kaiser Franz-Josef-Jubiläums-Bczirkskranken- Haus, das mit einem Kostcnaufwande von l,200.000 K errichtet wurde und das inbezug auf Anlage, Einrichtung und Ausstattung unstreitig -zu den modernsten Anstalten unseres Vaterlandes gehört, feierlichst cingewciht. Die Weihe vollzog der Bischof von Budweis, Monsignore Hulka. In seiner Rede bemerkte der geistliche Würdenträger unter anderem folgendes: ״Ich weis; am besten aus eigener Ersahrnng die Wichtigkeit einer solchen Anstalt zu würdigen; denn ich war vor Jahren gefährlich erkrankt und lag in einem derartigen Spitalc darnieder. Nächst der Hilfe Gottes habe ich die Wiederherstellung meiner Gesundheit der unermüdlichen Fürsorge und der reichen Erfahrung des israelitischen, ich betone cs, des jüdischen Dpitalarztcs sowie der hingebungsvollen Pflege der dortigen Nonnen-Wärterinnen zu verdanken. Mein Tantgesühl tvird insbesondere dem erwähutcn Arzte gegenüber nie erlöschen". Dieser Passus der Rede des Seclcnhirtcn machte auf die zahlreichen Anwesenden einen ganz besonderen Eindtmck. Von den hiesigen Glaubensgenossen nahinen als Depütationsmitgliedcr an der einfachen, aber würdevollen Feier, bei der die Negierung durch den Hofrat Spora von der Prager Statthaltcrei vertreten war, teil die Herren: Kultusvorstehcr Josef Feigl, Vorstandsmitglied Ignaz Pollak, Bezirksausschußmitglied Heinrich Singer, Stadtverordneter Franz Lanner und Studvcrordnetcr Albert Schütz. B. Lublin. In Lublin ist der Chassidim-Nabbi Abraham Egcr im Alter von 64 Jahren an einem Herzleiden gestorben. Er war ein Sohn von. Rabbi Löbele Egcr und zählte ebenso wie dieser viele Tausende von jungen Leuten, die sich an seinen chassidäischen Lehren berauschten, zu seinen Anhängern. Im Gegensatz zu seinem berühmten Vater, der ein hervorragender Talmudist war. befasste er sich fast ausschließlich mit Kabbalistischen Studien, die ihm den Ruf eines wundertätigen Faddik.einbrachten. KAFFEEGESCHÄFT Rosenbaum Liechtensteins. 1 BRÜNN, Liecntensteing. 1. « « « Uordruckerei Pllssicranstalt _ FANTA, Postflasse r. itundlcfmii. Gcrichtsterminc am Sabbat. Ein streng orthodoxer Jude wurde in einer Beleidigungssache vor die Offenburgcr Strafkammer als Berufungsgericht auf einen Sabbat Vormittag geladen. Er stellte den Antrag, auf Vertagung und wandte sich an das badische Ministerium mit der Begründung, daß er am Sabbat außerstande sei, dem Termine anwohnen zu können, da er ain Sabbat seinen religiösen Pflichten Nachkommen müsse und in deren Aus- Übung nicht gehindert werden sollte. Der Sabbat sei für die Juden genau dasselbe wie für die Christen der Sonntag und Feiertag. Was würde ein Christ sagen, wenn man ihn an einem seiner Sonntage oder Feiertage vor ein Gericht laden würde? Das Ministerium lehnte den Antrag ab, weil der Sabbat kein staatlich anerkannter Feiertag sei, auch nicht für die Israeliten. Obwohl in der Tat bis heute der Sabbat nicht als staatlich anerkannter Feiertag gilt, muß doch verlangt werden, daß man behördlicherseits auf diesen Rücksicht nimmt, weil strenggläubige Juden sonst in religiöse Gewissensbedrüngnis geraten. Vielfach üben auch die Gerichte schon diese tolerante Praxis. Aber sie muß durch eine generelle'Ministcrial-Anweisung allgemein durchgeführt werstcrialanwcrisung allgemein durchgcführt werden. Dazu müsste der in Baden an den einschläaigen Negierungsgeschäften beteiligte Oberrat der Israeliten maßgebende Schritte tun. Demonstration gegen die Rotschildsche» Ausgrabungcn in Jerusalem. Aus Jerusalem wird gemeldet, daß dort diescr Dige eine mchrhundcrtköpfige Versammlung von Juden gegen die Ausgrabungen, welche im Aufträge des Baron Rothschild jetzt in der Nähe des Lelbergcs und an anderen Stellen durchgeführt werden, öffentl. Protest erhoben. Nach der Versammlung bewegte sich der seltsame Demonstrationszug durch die Straßen von Jerusalcm. Tic aschkcnasischcn Juden waren mit Psalmbüchern versehen, während die yeminitischeu Juden, die sich dein Temonftrationszuge anschlossen, zum Zeichen der Trauer Lulaf und Hoschanoth in den Händen, über die große Sünde wehklagten, welche um den Ausgrabungen begangen wurde. Wie wir erfahren, handelt es sich darum, daß die Arbeiter während der Ausgrabungen auf eine Höhle stießen, aus welcher Menschengebeine zutage gefördert wurden. Es ist wahrscheinlich eine jener Höhlen, die zur Zeit von Epidemien als gemeinsames Grab benutzt wurden. Ter Protest richtete sich nun dagegen, daß die Toten in ihrer Ruhe gestört wurden. Hr. Antibi, auf dessen Namen die Konzession für die Ausgrabungen erteilt wurde, suchte anfangs vergeben s, die Deinonslranten durch das Verspredjcn zu beruhigen, daß er für eine würdige Wiederbestattnng der Uebcrreste sorgen werde, dick angesauimeltc Menschenmenge schenkte ihm keineu Glauben, und es kam zu solch argen Ausschreitungen, daß die Polizei einschreiten mußte, wobei es zu Verhaftungen und Verletzungen lam. Tie Ausgrabungsarbeiten wurden auf eiuige Zeit sisticrt. Dr. A. S. Zjahuda, Dozent der Berliner Lehrartstalt für die Wissenschuft deS Judentums, der im Auftrag der spanischen Negierung in Madrid eine Reihe von Vorträgen über jüdische Geschichte und Literatur gehalten hat, ist jetzt zum korrespondierenden Mitglied der Madrider Gcschichtsakademie ernannt worden. Dr. Uahuda ist der dritte Jude — seine Vorgänger waren Prof. Grätz und Dr. Kayserling. Jüdische Arbcitcrkolonie. Ter soeben erschienene 12. Jahresbericht der Jüdischen Arbeiterkolonie in Weißensee weist beachrenswerte Ziffern auf. Als Folge der ungünstigen Lage des Arbeitsmarktes stieg die Zahl der Aufnahmen auf die in keinem früheren Jahre erweichte Höhe von 902 Mann. Seit Bestehen der Kolonie hat dieses Institut 7000 ledige Männer beherbergt und ihnen die unschätzbarste Wohltat eines rtchigen Obdaches, körperlicher und scelischer Kräftigung und bessere Ausrüstung für den Daseinskampf übernrittelt. In der Kolonie herrscht ein guter jüdischer Geist, dem die nachweislichen guten Erfolge ihrer Insassen im spätcren Leben zu danken sind. Leider ist die finanzielte Lage des Vereines eine ungünstige, er hat noch in diesem Jahre mit einem Defizit von 6241,54 Mk. gearbeitet. An dem ungünstigen wirtschaftlichen Ergebnis sind verschiedene Fakkoren beteiligt: die durch die allgemeine Arbcitslosigkeit notwendig gewordene Aufnahme minder leistungsfähiger Personen, die Verteuerung der Lebensmittel, der Zwang sowohl an den jüd. wie an den staatlichen Ruhetagen zu feiern. Angesichts des Segens, den das Institut einerseits durch seine Hilfe an den Arbeitslustigcn, andererseits durch Verminderung des unwürdigen Wanderbettelns stiftet, verdient es die Förderung aller Menschenfreunde. Abnormitäten in Böhmens Kultusgemeinden. Den Mitteilungen des isr. Landcslehrer- Vereines entnehmen wir: Daß es in Böhmen sehr viele Gemeinden gibt, die ohne Rabbiner, ohne Religionslchrcr bestehen, ist allgemein bekannt; nur die politischen Behörden, denen diese Kultusgemeindcn unterstehen, scheinen nichts von diesen trostlosen, ungesetzlichen Zuständen zu wissen, oder nichts wißen zu wollen und lassen es getrost zu. daß § 11 des Gesetzes v. 21. März 1890 (N. G. Bl. 67) übertreten wird. Sind diese Gemeinden nicht imstande, einen Rabbiner auszuhalten oder für den Religionsunterricht ihrer Kinder Sorge zu tragen, dann ist es Pflicht der politischen Behörde, solche Gemeinden, die dem Gesetze tticht cnsprechen, aufzulöscn und sic der nächsten Gemeinde anzugliedern. Ein Novum ist cs jedoch, daß ein Christ jüdischer Matrikenführer sein darf, wie das in Kardasch-Recisch, pol. Bez. Wittingau, der Fall ist. Diese Gemeinde ist ein Unikum, da sie seit dem Bestände des Gesetzcs noch nie einen Rabbiner besaß. Fragen möchten wir die politische Behörde, ob sie es dulden würde, daß ein Jude eine Matrik einer kath. Gemeinde führen dürfte. Warum wird diese Gemeinde nicht der Kult.-Gem. Neuhaus od. Wittingau angeschlosscn und die Matrik dent Rabbiner von Neuhaus oder Wittingau übertragen? Auch den verehrten Herren Landesjudenschaftsrepräsentanten des dortigen Kreises bitten wir, bei der dortigen polit. Behörde einzuschreiten, damit die Matrikcnführung jener Kultusgemeinden einem Juden übertragen werde. Assimilations-Blüten. Aus den ״Posncr Neuesten Nachrichten" vom 17. Februar: Junge schöne Jüdin wünscht Bek. eines nur vornehmen Polen zwecks spät. Heirat. Gcfl. Zuschr. erb. u. G. 4161 Exp. d. Bl. >

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