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Jüdische Volksstimme · 1914-03-05 · Heft 9 (5.3.1914) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 9 (5.3.1914)
Date
1914-03-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 9 «JttisHe Valfffhrae.* Seüe S. KAFFEEGESCHAFT Rosenbaum BRÜNN, Liechtensteins• 1 Liechtensteing. 1. Üordruckerei Pli$$ieran$talt fanta, Postfla$$e 2. M M M Erlaß der k. k. Statthalterei von Mähren, betreffend Bestellung non Rabbinen. Brünn, am 24. Jänner 1914 K. k. mährische Statthalterei. Z. 101.018. An alle k. k. Bezirkshauptmannschaften! Laut einer Mitteilung des mähr. ^LandesrabbinateS wird bei der definitiven Besetzung erledigter Rabbinerposten die im Paragraph 13 des Gesetzes vom 21. März 1890, R.-G.-Bl. N. 57, statuierte 6 monatliche Frist noch immer nicht in allen Fällen strikte eingehalten und wird ferner auch noch immer nicht regelmäßig innerhalb der Einspruchfrist des Paragraph 12 leg. cit. im Sinne der h. ä. Normalerlässe vom 4. April 1898, Z. 114.64 und vom 25. Jänner 1910, Z. 4.462 die Wohlmeinung des LandeSrabbinates eingeholt. Aus diesem Anlasse werden der Bezirkshaupt Mannschaft die Bestimmungen der eben zitierten Normalerlässe, sowie des Erlasses vom 30. Oktober 1904, Zahl 51.417 zur genauesten Darnachachtung neuerlich in Erinnerung gebracht. Ferner wird die Bezirkshauptmannschast aufgefordert, bei jedesmaliger Erledigung eines Rah binerposiens ferner bei der Bestellung eines Stell׳ Vertreters während der Zeit der Bakanz und endlich bei der mit Genehmigung der Ministeriums für KultuS und Unterricht erfolgenden Bestellung einer gemeinschaftlichen Rabbiners für zwei oder mehrere Kultusgemeinden dem Landesrabbinate unter Angäbe der näheren Daten die Mitteilung zu machen WeiterS hat das mährische LandeSrabbinat anher mitgeteilt, daß bei einzelnen Kultüsgemeinden bei der Besetzung erledigter Rabbinerposten in auffallender Weise ungarische Be- Werber gegenüber österreichischen Kandidaten bevorzugt werden. ES würde sich somit empfehlen, auf die Kultu§ Vorstände in geeigneter Weise dahin einzuwirken ungarische Bewerber schon deshalb nicht zu bevorzugen, wie bei diesen in den meisten Fällrn wegen der Erwerbung der österreichischen Staatsbürgerschaft die Einhaltung der 6 monatlichen Frist für die Wiederbesetzung deS erledigten Postens unmöglich wird. Nicht belanglos dürsten nachfolgende Verlautbarungen der hohen Behörden, zumal für Intereffenkreise, erscheinen: Erlaß des k. k. Ministeriums für Kultus und Unterricht vom 30. Juni 1891 Z. 6327 (Int. der hohen k. k. mähr. Statthalterei vom 7- Juli 1891 Zl. 21436) ,ES ist unzweifelhaft, daß die in Mähren gegenwärtig bestehende Vorschrift (ArticuluS l. muß 8 6 der Judenordnung für Mähren vom Jahre 1754) betreffend die Prüfung und Approbation der RabbinatS-Kandidaten durch das LandeS-Rabbinat, auch fernerhin in Wirksamkeit verbleibt. Diese Vorschrift macht aber keinen Unterschied zwischen den stabil angestellten Rabbiner und jenen Kultusfun Üiouären, welche nur zeitweilig im Falle der Erledigung des RabbinateS oder der Verhinderung des Rabbiners die RabbinatS-Funktionen auSüben, und muß somit allgemein auf alle jene Personen, welche daS Amt eines Rabbiners, wenn auch nur zeitweilig, annehmen, bezogen werden.' Sub.-Berordnung vom 28 Februar 1797, Z. 3271: ,Wenn eine Lokal-Rabbinerstelle erledigt wird, hat die Judengemeinde dem Landesrabbiner mit der Bemerkung des für die Stelle systemifierten Gehaltes und der Zuflüsse die Anzeige zu machen und von ihm den Vorschlag eines Subjektes zu dieser Stelle anzusuchen. Nur wenn die Gemeinde sich mit dem Zeugnisse deS Landesrabbiners auszuweisen vermag, daß kein inländisches Jndividium zu einer solchen Stelle geeignet sei, kann zur Wahl eines Ausländers geschritten werden.^ keit seiner Bürger zu heben. Es ist traurig und beschämend, daß im 20. Jahrhundert ausländische Jttden in Deutschland nach inittelalter-- lichen Re.zepten behandelt werden. Ehief-Rabbi Herz wurde zum Vizepräsident des Internationalen Blindenkongresses, der im Juni dieses Jahres in London stattfinden wird, gewählt. Rothschilds als Gäste des engl. Königspaares. Lord und Lady Rothschild weilten dieser Tage als Gäste des englischen Königspaares in Windsor. Vandalismus in einer Synagoge. In der Synagoge in Marmaros-Sziget wurden dieser Tage »rehrere Thorarollen durch einen unbekannten Täter zerschnitten. Man vermutet, daß es die Tat eines Irrsinnigen ist. In den jüdischen Kreisen herrscht darüber große Erregung. Das Budget der Budapester jüdischen Gemeinde. beläuft sich nahezu auf 4 Millionen K übertrifft somit daS Budget der gleichgroßen Wiener KultuSgemeinde. Die Ausgaben belaufen sich auf 3,949.89h. K, wofür zur Deckung 3,770.050 K vorhanden sind. Die beste Quelle für den Einv kauf von (eiier HermuM ist und bleibt Brünn, Ferdinandsgasse 21, I. Stock Kleine kegle! Kleine Preise! Pre;siisten gratis and franko. Dtekonto-uesellschaft bei der NordMemictiischen Bank f&r Industrie, Handel und Landwirtschaft, realst• ricrte Genossenschaft mit beschränkter Haften( In Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 3S Telephon 1340. Empfiehlt sich für alle einschlägigen Bankgeschiffte, baaptsfcbllch such rar den -- Eskompt offener Buchforderungen unter den allergünstigsten Bedingungen. Sitzung des zionistischen Aktionskomites. Kunllscliau. r'nngen zur Trauung des neuen Brautpaares getroffen. Waren sonach die Anwesenden infolge der sich mit Blitzesschnelle vor ihren Augen abspielenden Vorfälle schon in Staunen und Ver- Wunderung versetzt,so sollten sie nun noch Zeugen eines weiteren Ereignisses sein, das sie geradezu verblüffte. Aus der Mitte der Gäste trat ".utt der Doktor an den Kaufmann heran und richtete an ihn eine Ansprache, wobei er zum Schlüsse etwa Folgendes vorbrachte: ״Machen Lie, cdler^Glückspender, heute noch zwei Herzen glücklich. Setzen Sie Ihren woltätigen Edelsinn eine Krone auf. in welcher die Edelsteine der Liebe ewig funkeln sollen. Ter heutige Tag soll ein Frcudcntag zweier Familien 'werden, deden Nachkomnten in späteren Zeiten mit inniger Dankbarkeit den Segen an Ihren Namen knüpfen sollen. Schenken Sie ntir die Hand Ihrer Tochter, und wir werden beide glücklich!" Was der Ewige bestinunt, kann der schwache, sterbliche Mensch ändern?"erwicderte der Kaufmann tief erschüttert, und Tränen füllten seine Augen Der Allmächtige lenkt die Welt. Er hat Sie zu meinem Schwiegersöhne bestinunt. Nur muß immer das Gute durch Leiden und Ungemach zum Durchbruche kommen. Möge der ewige Weltenlenker die in meinem Hause heute zu schlie ßenden ehelichen Bündnisse vor aller Welt segneu! Amen! . . . Polizei und Sittlichkeit in Deutschland. Vor kurzem fand am Reichsgericht ein Prozeß statt, der den letzten Akt zitier jüdischen Tragödie bedeutet. Dieser Prozeß zeigt uns, wie sehr die Polizeiliche Strenge gegen die ausländischen Juden zu traurigen Folgen auf sittlichem Gebiete führt. Ein russischer Jude lebte in Königsberg seit dem Jahre 1888. Er erhielt regelmäßig eine Verlängerung seiner Aufenthaltsgenehmigung, aber mit dem ausdrücklichen Hinweis, daß diese Erlaubnis nttr für ihn streng persönlich^ und nicht auch für Familienanhang gelte. Im Jahre 1902 bewarb er sich um eine Heiratserlaubnis, wurde aber abschlägig beschieden. Wahrscheinlich fürchtete die Behörde, daß durch die Gründung einer neuen jüdischen Familie Deutschland in Gefahr gerate" könnte. Nun verlobte^ er sich im Jahre 1907 mit einer preußischen Staatsangehörigen. Ta er in Deutschland nicht öffentlich heiraten konnte, ließ er sich heimlich nach jüd. Ritus trauen, und als dieser heimlichen El)e ein Kind entsproß, meldete er es als eheliches Kind an. Sinn kam die Behörde und bestraste ihn wegen Acnderung des Personenstandes und wegen Urkundenfälschung. Er fühlte sich unschuldig verurteilt, weil er seine Frau nach jüd. Ritus gehe!- ratet hatte, wie es in Rußland allgemein üblich ist. Und er ging durch alle Instanzen bis ans Reichsgericht und wurde überall abgewiesen. Daß die Gerichte nach dem Buchstaben des Gesetzes Recht gesprochett haben, unterliegt keinein Zweifel. Vom menschlichen Standpunkte aber muß mau die Ursache, die zu dieser Verfehlung geführt hat sehr bedauern. Es ist absolut nicht einzuseheu, welches Interesse der preußische Staat daran hat, einem Manne die Erlaubnis zur El>e zu verweigern, weil er ausländischer Jude ist. Solche Zustände sind wahrlich nicht dazu angetan, die Sittlichkeit zu fördern, und der Staat, der sich so oft über die moderne Unsittlichkeit beklagt, sollte alles tun, um die Sittlich- 27.. 28. F e b r u a r und am l. M ä r z b. I. fand in den Räumen des zionistischen Zentralbureaus in Berlin eine Sitzung des Großen Acrionskomites der zionistischen Organisation statt. An den Beratungen nahmen 20 Herreu aus Deutschland, Oesterreich, Rußland. England und Belgien teil, ferner als Gäste drei Vertretet der palästinensischen Judenheit, die Herren David Jellin (Jerusalem», Dr. I. Lurie (Jaffa» und S. Pewsner (Haifa). Die Tagung wurde am 27. Februar nnt einem längeren Bericht des Engeren Aktions- .^oinites. den Herr Dr. E. W. Tschlenow erstattete. eröffnet. Der Bericht ging ausführlich auf den jünqfteir Sprachenstreit in Palästina und daS dortige neue hebräische Schultverk ein, beschäftig, te sich mit den letzten Beschlüssen der Leitung deS Haifaer Technikums, die den hebräischen El>aralter der Anstalt sichern, und verbreitete sich dann über die kolonisatorischen Arbeiten der zionistische» Organisation in Palästina. Bekanntich hat der Wiener Zionislenkongreß die Gründung einer jüdischen Universität in Jerusalem beschlossen. Ter Bericht des AktionS- .nvmites gab eine Uebersicht über die Vorbereitungsarbeiten für dieses Projekt, ferner über die Gründung deS hebräisch-wissenschaftlichen Verlages ״Mado", über die Fortschritte des jüd. .Kulturfonds ״Kedem". über die Frage des Bodenkredits in Palästina und über die AuSgestaltung der zionistischen Organisation und Propaganda. Im Anschluß an den mit großem Beifall aufgenouunenen Bericht des Engeren Aktions- Komites referierten die drei palästinensischen Vertreter über den dortigen Schulstreit und daS neue hebräische Schulwerk. In der Diskussion, die sich an die Berichte schloß, erklärten sich alle Redner mit den Maßnahmen deS Engeren AktionS-KomitcS einverstanden. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: ״Nach Anhörung der Berichte des Engeren Aktions-Komites und der Vertreter der palästinensischen Lehrer- und Bürger-

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