Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 9 (5.3.1914)
- Date
- 1914-03-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2. ^Attische BolkSstimme." Nr. 9. ££&& W YERL0BUNQ5-RINQE BRAUT5CHMUCK r 1 H0CHZEIT5QE5CHENKE EHE-RINQE in hervorragender Auswahl zu besonders billigen Preisen. Berthold Bachncr, k. U. k, Hoflieferant, Juwelen-, Uhren-, Goldu. Süberwarenhandlung Brünn, nur Ferdinandsgasse Nr. 2. SW- Provinzaufträge .finden sofortige Erledigung. Israels-, das; Ihr Euch des Sohnes meines Brudcrs Jsac Solomon (bezieht sich auf den jungen Falascha, der als Lehrer ausgebildct worden ist) angenommen habt und ihn in der heiligen chrift unterrichtet, ihn im Gesetz und in den Geboten Israels ausbildct. Ich bete, daß Gott Euch dafür lohne. Geschrieben am 17. des 2. Monats. II. Falascha-Briefe. Wahrend feines 3. Aufenthaltes in Abcssinien wurden Herrn Dr. Faitlovitch von den Häuptern der Falaschas die folgenden Briefe übergeben, ״damit die Juden der civilisierten Länder erfahren, mit tvclchcr Spannung die Falaschas der Lösung ihrer Probleme entgegensehen". Tie ״Tcttimana Jsraclitica" verösfcntlicht die Briefe, in denen die Aufrichtigkeit des Strcbcns jener Glaubensgenossen in der weiten Ferne so beredten Ausdruck fittdet. Unsere Leser werden daraus in der Ucbcrzeugung von dem hohen Werte der Bewegung zu Gunsten der Fataschas u. von der dringenden Notwendigkeit, dem gegenwärtigen unhaltbaren Zustande ein Ende zu machen, bestärkt werden. I. Brief der Falaschas von Armatscheho. Int Namen des Herrn, des gepriesenen und preiswerten, des Gottes unserer Ahnen, des GotteS Abrahain, Jsacs und Jacobs, des nnsterblichcn unvergänglichen Gottes. Preise dem Herrn, der uns dies Ereignis hat erleben lassen (ein Brief geschrieben und gesandt durch den Debtera Jacob (Faitlovitch) von den Kindern Israels, welche in den Tälern von Armatscheho wohnen, an die Gemeinden Israels, an alle unsere Brüder gerichtet.) Grüße, viele Grüße! Unter Euerem Schatten befinden wir uns wohl. Da wir von Euerer Existenz erfahren haben, begehrt unser Herz, Euch zu bcgegueu, möge Gott unser Flehen erhören! Wenn Gott die Hoffnung verwirklicht, die er uns mittels des Meisters Jacob hat vernehmen lassen, wird es für uns sehr gut sein Nachdem wir den ״Tontara Ehewuua" (brüderlichen Brief) unseres Meisters Jacob gesehen u gelesen haben, hat unser Herz hohe Freude empfunden. Gelobt sei der Herr, der uns dies fyat erleben lassen. Gott erhalte unsern Meister, und er beschütze ihn, so beten wir alle. Jetzt haben wir Ruhe gefunden vor unfern Widersachern. Gelobt sei der Herr! Vergesst uns nicht in Zukunft, helft uns mit Eueren Gebeten. Ich, der Lehrer Jacob Eahen der Israeliten von Armatscheho, danke vielmals, Euch meinen Brüdern, den Kindern als sich der Rabbiner anschickte vor dein eigenst lichen Trauakte eine Festrede zu halten. Während nun die Fcstversammlung, in lautloser Stille, gespannt, den einlcitendett Worten des Seelsorgers zuhörte, erscholl plöt im Saale ein gellender Schrei, der gleich dem Stoß einer Trompete, den Anwesenden durch djc Glieder fuhr, und sie markerschütterttd aus der feierlichen Ruhe aufschrcckte. Ein Mädchen aus der Mitte der Gäste fiel in Ohnmacht. Dabei wies sic auf das Brautpaar hin und lallte noch die Worte: ״das ist mein Bräutigam!" Dieser peinliche Zwischenfall hatte unter den Fcsttcilnchntern eine panikartige Bestürzung eine verwirrende Bewegung hcrvorgerufen. Allerlei Stimmen wurden unter den Gästen laut, die mit staunenden Mienen u. fragenden Gestett einander zuwinkten, ohne daß sich Viele über den Grund dieser maßlosen AufreMng klar gefror: den wären.״ Die meisten Anwesenden aber glaubten es in dein unbekannten, in sich gekchr ten Mädchcit, das sich so frentdartig scheu herum bewegte, mit einer Kranken, Irrsinnigen zu tun zu haben! Sofort wttrdc der Trauakt unterbrochen und das erkrankte Mädchen mit allerlei Mitte und Labsal zu sich gerufen. Indessen stand der Bräutigam regungslos wie aus Stein gehauen; er war wie entkräftet u eine fahle Bläffe bedeckte sein Gesicht, welches von Brief der Falaschas von Dcmbca. Gepriesen sei Gott, der Herr Israels! Brief, gesandt von den jüdischen Gcmeiitden!embcas.) Friede, Friede, Euch Ihr Brüder, die Ihr in Jerusalem wohnt und an jeglichem Orte. Aus den Worten, welche uns durch den Meister Jacob überbracht wurden, haben wir die Nachrichten von Euch empfangen und waren sehr darüber erreut. Seit nunmehr 6 Jahren, seitdem wir zum!rstcnmalc von Euch Nachricht erhielten, sind wir ehr glücklich; cs war für unser Herz eilte große Freude, weil wir bis dahin ohne Hoffnung ge- )lieben waren. Wie der Psalmist sagt: ״meine Seele verweigert es, 1׳ch trösten zu lassen". Bisher durchzogen die Missionare alle Provinzen, die von Falaschas bewohnt sittd, sic versetzen uns in Unruhe, indem sie sagten, daß die Gesetze und Vorschriften der Bibel abgescbafft sind, sie zertörtcit viele unserer Gemeinden, schleppten utt- ' re Kinder auf Abwege, entrisien sie uns um sic zu Unheil zu führen und sagten uns, daß Israel verschwunden wäre, und daß die ganze Welt von der christlichen Religion geleitet wird, und daß darum auch wir uns ihnen anschließen sollten. Mer jetzt, seitdem der Meister Jacob gekommen ist, ist unser Herz ruhig, alle unsere Verführer fühlen sich bekämt und lasten uns in Frieden. Durch Euere Gebete und die Gunst Gottes haben wir Ruhe vor un- ׳ent Feinden gefunden; stvir bitten, uns auch in Zukunft nicht zu vcrgesscit in Eueren Gebeten u in Euerer Hilfe. Heute danken wir Euch für das, was Ihr zu unseren Gunstctt erdacht habt. Denn da wir uns ohite Bücher befanden, blieben unsere Kinder blind und töricht. Geschrieben von Deptcra Henoch. Debtera Bitatvelegu, Debtera Eyob David, Debtera Sematti. Aio Benyam, Bedjcroud Scmani, Belata Tcssema, Bedjcroud Zawdie und vom Schreiber Debtera Vazanc, am 22. des 2. Mottatcs Brief der Falaschas von Tigre. Gelobt sei Gott der Herr Israels! (Brief, gesandt von de »jüdischen Gemein den des Tigrc, möge er gelangen an die gcsch. und geehrten Gemeinden aller Länder.) Salam, Salam! Befindet Ihr Euch rech wohl? Bisher gab cs keinctt Vermittler, durch oen wir Nachrichten mit Euch austauschen kamteit; jetzt, wo, Gott sei es gedankt, der Meister Jacob uns Euere Nachrichten gebracht und von Euerer großen Herzlichkeit berichtet hat, betrachnt wir ihn als einen Gesandten Gottes, und wir sittd darüber sehr, ja unbeschreiblich glücklich. Wir tefiitden uns in elender Lage; helft uns mit Eueren Gebeten. Wir freuen uns autzerordentich und danken Euch herzlich, daß Ihr in Anbetracht dessen, daß wir allein nicht in der Lage sind, Schulen zu gründen, in Euerer Güte und itt Euerent Edelmut beschlossen habt, uns zur Seite zu stehen und dantit zu beginnen. Schulen einzurichten, wo unsere Kinder die Vorschriften und die Gesetze der Bibel lernen werden. Den Tomara Ehewuna, den Ihr uns geschickt habt, haben wir gelesen, wir haben daraus gesehen, daß er zu Nutz und Fromnten unserer Gemeinde dient; wir sind dantit sehr zufrieden und danken Euch dafür. Wcutt wir Bücher der Bibel, der Vropheeit und Psalmen, sowie andere Unterrichtsmitel finden könnten, damit unsere Kinder daraus die Vorschriften und das Gesetz lernen könnten, würden wir große Freude empfinden, und es würde viel dazu beitragen, uns aufzuklären. O, Ihr Brüder, wir befinden uns augenblicklich am Rande eines Abgrunds; wir sind in geringer Zahl zurückgeblieben. Betet für uns und vergeht unserer nicht in Eueren Gebeten. Wir bitten zu Gott, unseren Herrn Meister Jacob vor jedem .Inheil, vor Ungemach, vor Schmerz uns zu betüten und ihm ein langes Leben und gute Geundhcit zu gewähren. Geschrieben in der'Synagoge von Addi- Zchowa am 14. des 13. Monats (23. März 1913) von Debtera Barok, Debtera Lagija, Dcbtera Josticf, Ato Mangascha. dem Ausdrucke eines inneren Kampfes eigen tümlich verzerrt wurde. Ein drückendes Schuld gcfiihl und eine namenlose Angst peinigten sein Herz. Die Verzweiflung hatte auf seiner Stirne kleine Schweißtropfen hcrausgepreßt, die in den Strahlen der Beleuchtung sonderbar glitzerten Wie vom Schlage gerührt, befand er sich schließlich als seine Angehörigen das Mädchen crkann ten und ihm ihren Namen verrieten. Inzwischen hatte das Mädchen seine Kräfte wieder erlangt und sich genügend erholt. Und nun erklärte sie dem Vater der Braut, der sich um sie bemühte, folgendes: ״Es ist sicherlich nicht meine Absicht, die Freude in Ihrem Hause zu stören, als vielmehr meinen Schmerz und meine Qual zu vollenden. Denn morgen sollte mein Sehnen und meine Hoffnung zu Ihrem Schwiegersöhne für ewig verstummen. Sechs lange Jahre habe ich im kleinen Orte als gedemütigte Verlassene die Beendigung seiner Studien erwartet, da er ntich nun vor aller Welt als sein Weib heimführen sollte. Ich habe ehrliche Treue betvahrt, und nun-" Hier stockte sie, weil sie das Weinen am weiteren Reden hinderte. ״Ich weiß schon alles-" fiel ihr der kluge Kaufmann ins Wort, der mit seinem bewährten Scharfsinn und klaren! Verstände sogleich die Situation erfaßte. Und als gar ver Bräutigam, zur Rede gestellt, beschämt, unter vielen Ausflüchten, die Angaben des Mädchens Der rührende Inhalt der vorstehenden chreibcn muß in jedem unserer Glaubensgenossen den Wunsch wecken, den Falascha in ihrer religiöscn Notg beistehen und Hilfe bringen zu können. Noch niemals ist der Ruf nach Belehrung und Befestigung in den Quellen unserer heiligen Religion, nach Stärkung im Glauben ver Väter so dringend an unser Ohr gelangt wie von Seiten der Falaschas. Es wäre betrübend, wenn er in unseren Herzen nicht einen kräftigen Nachklang findet und nicht alle unsere Glaubensgenossen antreibt, ihrerseits zu dem Gelingen des in Angriff genommenen Werkes beizutragen. Die Mittel des Pro Falascha-Komites sittd außerordentlich gering. Cs ist dringend zu wünschen, daß dem Pro- Falascha-Komitc weitere Mittel zur Verfügung gestellt werden, damit cs die begonnene Aufgabe fortführen kann, um die Falaschas nicht zu enttäuschen. — Geldsendungen nimmt der Schatzmcistcr des Pro Falascha-Komites, Herr Bankier Bruno Galewski, in Firma Gebr. Oppler, Burgstr. 28, Postcheckkonto Nr. 11038 entgegen. bekräftigte, ward sich der Kaufmann schon darüber klar, daß zwischen seiner Tochter und diesem jungen Manne kein gleiches Glück gedeihen würde. Dagegen könnte sein Edelmut hier das Glück zweier Familien begründen, wenn er sein blindes Vorurteil dem Doktor gegenüber brechen wollte. ״Was ich Dir als Mitgift meiner Tochter zugesagt" erklärte nun der Kaufmann seinen! Auscrwählten ״bleibe fortan Dein, wenn Du angesichts der Festversammlung, hier, Dein Gelübde diesem Mädchen, Deiner Jugendfreundin, erfülltst, und sie in meinem Hause statt meiner Tochter zur Gattin erhebst". Eine unsäglich freudige Ueberraschung hatten diese wenigen Worte unter den Gästen hervorgerufen. Wie bezaubert standen sic, da sie ihren eigenen Sinnen nicht trauen mochten. Daß der reiche Kaufmann, Reb Mechel, ein Wohltäter wäre, wußten sie Wohl alle, daß seine Opferwilligkeit aber ein solches Maß erreichen würde, hatte nientand auch nur ahnen mögen. Auch der Bräutigam war über diese edelmütige Handlungsweise tief ergriffen: doch zögerte er eine Weile und versuchte durch einige beschönigende Redensarten sein Verhalten zu rechtfertigen, allein der kluge Brautvater hatte denselben keine Beachtung geschenkt und ließ inzwischen das arme Mädchen in kostbaren Kleidern seiner Tochter zu einer würdigen Braut ausstaffieren, und es wurden nun alle Vorkeh-