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Jüdische Volksstimme · 1914-03-05 · Heft 9 (5.3.1914) · page 1

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 9 (5.3.1914)
Date
1914-03-05
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Erfiheint jeden Donnerstag Nummer 9. Jahrg?XV>3. Für Oesterreich-Ungarn, halbjährig . Kronen 620^ gänzjährig ...... ... . Kronen 12*—j Deutschland, ganzjährig . . ... . Mark 12 — Ruhland, ganzjährig ...... . Rubel K —! BaUcm. Frankreich —׳14 l . . Franks . Mit der Beilage Das jüd. Leben in Galizien". Herausgeber: Max Hickl. Aeschafttzstelle, Wien: 1״ Rotenturmsträhe Nr. 81. ' : Postsparkafsakonto Nr. 312.942. Telcphon^MS/VIII. Sprechstunden von 10—12 Uhr Buchhändlerischv, Bettrttung: - Mt» Klemm, Leipzig. Unverlangte redaktionelle Beiträge werden nicht honoriert. — Manuskripten ist Rückporto beizufügen. Brünn—Budapest. Wie» » März 1914 7, A-ar 5674 Prag—Lemberg. : Zionismus und Judentum. , ,׳^»kigiou oder Nation?׳. Diese ׳ Frage, beschäftigt seit einem halben Jahrhuidert jeden ernsten, denkenden Inden. Ick) glaube, daß diese Frage erst dann gelost sein wird, wenn man [tatt des Wortes ,(obcr״'i■׳!» Wort. ״iit"j'rtzUi wird. Eine Religion,'die׳ gegen nationale;: st.hanviniSmus kontütriercn muß, ist ebensowenig eine Relrgion. wie,ein Glaube, der sich vor deckt Wissen fürchtet/ein Glaube ist. Wir Inden haben eben feilte Religion, lpe.lche, wie bei anderen Völkern, einen Faktor in der Reihe, der kulturellen Ent- Wicklung darstellt. Wenn wir heute nach zweitausend Jahren physischer und geistiger Unterdrückung und Verfolgung lebenskräftiger daste- Yen,M je,, so ift.es aus dem Grunde, weit wir itztmer unsere Religion als Subjekt und als Objesi betrachten. Die jüdische Religion, joweit sie in der.Thora und den Propheten dargelegt ist, ist so allwnfassend und über menschliche Tagesfragen so , erhaben, daß man sie zur Partei sache erniedrigt,.'Weün manPe. gegen eine Parteisache perjeidigt. ..Wernicht.!'das Judenttcm aus der Tiefedes eigenen Herzens schöpft/ der wird es vergeblich suchen. - - Das Judentum ist für das jüdische Jndividunm eine innere, für die jüdische Gesammtheit eine , innere und äußere Mission. Das wirkliche Judenttun kmtn nicht vom bibekkritischen oder soz.-ökon. Standpunkt betrachtet werden.Cs kann nur..in seinem innersten Wesen als interkonfessionelle Offenbarung, als ewig währendes theokratisches Bündnis unmittelbar nachempfunden werden. Wer einmal das Judentum in diesem Sinne, erkannt hat, der wird die Reinlichkeit einer einseitigen Auffassung von demselben ein- | sehen. Es genügt nicht, daß der Mensch die Krone der Schöpfung ist: er muß. sich dessen auch bewußt werden und muß es sein wollen. Das Judcntum setzt reinstes Menschentum voraus. Nitr gute Menschen können gute Juden sein. In dieser Erkenntnis kann der wahrhaft überzeugte Jttde zwischen! Menschtum und Judentum niemals einen Konflikt sehen. Ilitd ebensowenig kann. es einen Geifensatz ,jwi.schcn jüdischer,Religion und jüdischen Rationalgedänken. geben, Das ,jüdischnationale Moment ist seit,jeher ein ivesentlicher Bestandteil des religiösen..Judentums, was die jüdische Liturgie am klarste» beiveist. Es war während des ganzen Mittelalters unmöglich׳, ist das Grund gentcg, daß es auch weiterhin unterbrochen bleiben soll?! Es ist auch ganz selbstverständlich, daß ein Volk, welches eine so hohe Mission zu!vollbringen hat, nicht in Deutsche. Engländer.!Franzosen zerfallen darf, sondern sich osten als!Träger dieser Mission, als Judenheit bekennt.! Nicht! ein Bott neben den.Völkern, sondern ein Pokk über den. Völkern, eine höhere.Gemeinschaft lgöttesfirrchtiger׳ Menschen »tüssen wir bilden,!welcherPer Schinutz deS Lebens und. der Wechsel!der äußeren Erscheinungen nichts anhaben können. ' . . Nachdem das physische Golus vorüber ist.!Rußland, uist» Rumänien selbstredend ausgenomimext — sollten wir dieser Tatsache Rechnung tra-!gen. Ter Zionismus!stoil nicht 'Ersatz, stntdern!eine neue Triebfeder im Judentum sein. Leute, -welche den anderen-Staatsangehörigen in jeder :Hinsicht gleichgestellt sind, welche die Literatur, die Börse, die Presse zum großen Teil beherrscheu, die alle Luruskurorte füllen und in mehr-!fachen Automobilreihen vor den Theatern und Konzertsälen Vorfahren, haben nicht das Recht, sich als im Golns lebend zu bezeichnen. Ter Zionismns soll die Jildcn zur Erkenntitis ihrer Pflicht gegenüber dem Judentum bringen. Das materielle Golus ist in Wirklichkeit nur eine Fiktion, ml die festgehalten wird, um sich ein energisches Handeln zu ersparen und das Ende des 'geistigen Golus liegt in unserer Macht. Wer jedoch -einen Zionismus auf Kosten der Religion konstruieren Will, der hat das Judentum völlig mißverstanden. Wenn dein Einzelnen eine der zum Judentum nötigen Eigenschaften abgeht, so kann er trotzdem mehrweniger ein guter Jude sein. Regiert jedoch die jüdische Gesamtheit auch nur einen einzigen wesentlichen Punkt, so kommt dies der Negation des Judentums selber gleich. Kann etwas jüdisch sein, weiln inan das Ilm und Auf des Judentums, die jüd. Religion, ausschaltet? Wir »tüssen, das Judentum als untrennbares. harmonisches Ganze nehmen. zu dem der Zionismus ebenso gehört wie Barmherzigkeit!oder ein rechtschasfetter Charakter. Wenn wir un-!sere heutige allgemeine Lage mit der unserer :Vorfahren im späteren Mittelalter vergleichen,!so werden wir gerne der jüd. Sache die Opfer .bringen, welche jenen als Kopfsteuer und Leibzoll!erpreßt wurde.! Wanii die Jttdenfrage gelöst sein wird? Int!Augenblick, in dein wir erkennen, daß die Dis- :Harmonie. unter welcher wir leiden, nicht im?Judentum, sondern in uns selbst liegt! W i e n, im Fetter Leopold Grünhut. Feuilleton!. Eine Doppelhochzeit. , j Von B. Nipp e k, Czernowitz. / Das jüd. Mdchon, Eitel, lebte in ihrem kleinen׳ Hcnnatsötte verfassen, in stiller Hoffnung und sehnsuchtsvollen Träumen an eine sonnige Zukunft, die ihr Jöine verhieß, als er in die/Jeschive, in die Talmudschtcle, zog. Sie kannke daheim keinen , anderen, Gedanken, als jenen an.ihren heintlichen Bräutigam. Je längere Zeit verstrtK׳ .desto Heftiger ward .ihr Selinen, desto ungiestumcr ihr ׳Verlangen/ In völliger Mgcschlossenhcit .sah,sie.ungeduldig Tage, Wochen und Monate vorübergehen. Und so sind ihr, wie in Gefattgenschafst die Jahre dahingeslossen. . . st ’ ■}*}} sie abey jenp Äutäuschung erleben, die.stch oft Licbendet! beinächtigt, wenu sie Untergängen und sich.schinählich-verlaflen sehen. erlangte davon ׳ Kenntnis.! daß Jotne' vom reichsten Kaufcktanne der Stadt zum Eidam ausersehen worden׳.׳ Wie ein Blitz hätte ' sie diese Nachricht getroffen. Es ׳schien dein in steter Zu- Neigung und 'unerschütterlicher Treue schmachtenden Herzen, als seil hm das ,Blut luit eineminale crstärrt; das Sonnenlicht ans: einmal astsgALscht' und ohnmächtige Erbitterung bemächtigten sich nun. der armen. Verlassenen. Wie eine verblühte!Blume, die, nun im Welken begriffen, lmttv sie das Haupt niedergebeugt. Uub so lebte sie fortan ihre schmachvolleu! Tage in stiller Entsagung, hoffnungslos dahi»,: bis : die Gewohnheit ihre Leiden wilderte, mtd die Zeit sie mit. ihrem unglückseligen!Mißgeschick vertraut machte. Nur einen Wunsch hatte sie noch: sie wollte nur noch Zeuge jener Trauung seien, da ihr Geliebter, an sein! Gelübde vergessend! in weiter Ferne einer Anderen die Hand zunt et-elichen Bunde reichen wi'rrde,. TstM wällte sie der Welt, diesen! trügerisch gleißendem Phantom, dein eitlen- Leben Palet sagen.. - < . , ^. Während der Tastnudjüngcr mutmehr das Glück,zu seinen Füßen sah. und ein freudiges Pochen seiwHerz erbeben ntachte, hatte ihn gleich- Wohhdie Lösunganit. deut armen Mädchen seiner Vaterstadt tiesi betrübt. So oft er ihrer giwachte, wn^be sein.Herz! von einer wehmütigen.׳ Beklemlitultg ergriffen, und.mannigfache Zweiftl plagten!^inen Geist, Schließlich zerstreuten doch die Erchagungen-Wletzt sejne.Bedeitken. dast fugendftche,'Tßndetpi tut. reife» Mannesalter niemals Berechtigung finde,.daß er nun. als erwachsener Mann! mit Verstündnisttnd! Ueberlegung keine Verantwortung trage, für leichtfertige Handlüngen, der unüberlegte Jüngling im Rausche betörender Genintsbewegungen . begangen. Und 'Ä י-ד, sie! Habü/W gar kein Vermögen l Suherl'rch;wurde;fies:piuen, Gatten׳ ihresgleichen finden. indessen er hier das Glück in vollen Zügen genießen könne. So sehr auch der junge Gelehrte sympatisch!undmit vielem Wissen ausgestattet war. was seine Persönlichkeit anziehender machte, so vermißte er dennoch bei seiner Braut jene Herzensneigung, die nun einmal Brautietite an einander fesselt, und-die nachher den Balsam des Ehestandes bildet. Seine Braut Rebekka, hätte viel lieher dem Doktor, der im Hanse ihres Vaters zu verkehren Pflegte, und der ihr wiederholt seine Anbetung und Huld bekundete, ihr Herz und ihre Hanst-anvertrauen inögen, — sie mußte aber dem Wunsche ihres Vaters gehorchen. Ter Trost kam ihr aber zu Hilfe, und sie ließ sich, wie so viele schon, irrekeiten: ״in der Ehe werde sich auch die Liebe finden". — In dem Wonneransche des Brautstandes, richtiger aber in der Trunkenheit der Selbsttäuschmtg sind sohin mehrere Monate verstrichen u. der Hochzeitstag nahte heran. — Ehe man sichs cnnsah war auch schon die Sttmde der Tratcung herangerückt. ׳ Bon den Verwandten und Famitienangehörigen mngebeit stand nun das Brautpaar UNter einem Bäldachin, welchen eine unabsehbare Zahl versammelter Festgäste umringte. Tie Musik stimmte feierliche Weisen, und auch die Schar. der Tentpelsänger ließ einen weihevollen Choral erklingen. Wie vom Zauber gebannt srmtden die' Anwesenden׳ inerhabener Sekbstvergessenheit, undwin feierlicher Schauer halte sie duHchrieseli, ׳ 111ל> rniir ii׳^j ...,-iv.ז;■״!*״!׳׳; vuj^baijjv. *;j■! 11-

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