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Jüdische Volksstimme · 1914-02-26 · Heft 8 (26.2.1914) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 8 (26.2.1914)
Date
1914-02-26
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. ״Jüdische BolkSsttmme." Nr. 8. goras, Sokrates, Plato. Auch die Juden waren ursprünglich ein Volk, das die Welt nur durch seine srischen Sinne empfand. Aber wir brauchen nur die Bibel zu lesen, um zu eiupfiuden, das; schon damals im Volke der Keim.zu einer großen Umwälzung da war. Dann kam Moses,' der de׳.n Volke ein Gesetz gab, das in seineu Entwicklungen das jüd. Volk so gründlich umgeüallet bat. das; es schon im Altertum im diametralen Gegensatz zu den Urvölkern sich seineu Owtt nicht nach den Dingen baute, sondern nach den Ledürsnisscu seiner Seele. Aber nicht sofort bat Mosis Gesetz diesen Erfolg gehabt; er gab nur das Losungswort sür die nachfolgende Zeit des Kttlkttrkautpses in Israel, den einzelne große Persönlichkeiten, die Propbctcn, gegen die weltliche Auffassung des Volkes führten. Hervorzubcbcn ist, das; die Priester (Mohattitn) zur weltlichen Va׳ne> aeb׳׳׳'׳ien wider die Propheten ,Newiim) und die erste Niederlage des weltlichen Prinzips bedeutet das Königsvcrlangeu des Volkes. Das Volk fühlte, das; es etwas in sich habe, was cs aitders werden lassen könnte, als seine Umgebung. Doch es wollte nicht anders sein. Der Staat sollte sic davor schützen. Und der Staat musste zugrunde gehen an der sortschreitendcn Vergeistigung. Tie Inden waren eben anders als die anderen. Do kam die zweite Niederläge des weltlichen Gedankens, der stall Jernsalems tNewuseradou). siebzig Jahre später kehren die Juden zurück. Das letziemal versuchen sie, eine weltliche Macht zu begründen. Aber vorgebeus. Do ist die hellenistische Assimilation zt> verstehen, als Konsequenz jener Männer, die daran verzweiselten das jüdische Voll weltlich zu machen uitd sich daher von ihm lossagteu. Do siel Jerusalem das zweitemal, die entscheidende Nie- Verlage des weltlichen Prinzips in Israel. Den gleichen Vortrag hielt Dr. Birnbaum in jiddischer Dprachc im ״Ostjüdischen Mlttb". Den Bericht über eine Neihe weiterer Veranstaltungen werde ich in der nächsten Nummer Nachträgen. Grz. vis beste Quelle für den Ein׳ kauf von!einer »errenmleilie ist und bleibt Brünn, Ferdinandsgasse 21, I. Stock Kleine Regle! Kleine Preise! Pre slisten gratis und frank«. Literatur. Die Salo CohnMen Säienkungeti für die Bibliothek der Wiener isr. Ktiltusgemcindc. Bücher aus der Dammluug D. H. Halberstam- Bielitz. Besprochen von Dr. D. st r e u d m a n n—Wien. Diese Bücher sind schon seit dem Jahre 1890 im Besitze der isr. Multusgemeiude in Wien und!raren bereits notdürstig verzeichnet, konnten einer späteren Bearbeitung als die striedmauniche Dannnlnitg unterzogen werden, deren Erinerbung jüngeren Datums ist. Es ist das Verdienst des Herrn Oberrabbiners Dr. M. Güdcmanu, Herrn Dalo Evhn ans diese Damnilung ausmerksam gemacht zu haben. Dieser wahre Freund und d-lönner der Wissenschaft kaufte sofort diese Bücherei und schenkte sie der isr. Mul־ insgemciude behufs Einverleibung in die bestebende Bibliolbek. Es war wohl nicht mehr möglicki, die ganze mit besonderem Meunerflcistc zusammengctragene Dammlnng des Bibliograpben und Forschers D. H. Halberstain vor Aus- Wanderung ins Ausland zu belvahren, doch ist durch die Mnnifizenz des genannten Freundes der Wissenschaft ein nicht unbedeutender Teil dieser Sainmlung uns erhalten geblieben. Das verständnisvolle Publikum, einerlei ob Forscher oder nicht, wird diese Förderung der Wissenschaft zur Genüge einschätzen und dem Gönner den gebührenden Dank zollen. Nun liegt uns eilt von Herrn Tr. B. Wachstcin bearbeiteter Aatalog*) dieser Bücher vor, welcher nach den gleichen Prinzipien, wie der Katalog der Friedmannschcn Dammlnng, behandelt erscheint. In der Vorrede ist ei nganz interessanter Brief des Ururgroßvater Dalo Cohns an seinen Enkel Baruch IGroßvater Dalo Cohns) zum Abdrucke gebracht. Er will seiitcnt Enkel, der seinen Vater früh verloren hat, von der Abstammung von. zahlreichen Gelehrten, die die Zierde der ganzen Judenheit waren (es sei nur Nabbi Moses Jsserls, oder wie er noch besser bekannt ist, der ״Nemo" genannt) Munde geben. Gleichzeitig eriuahnt er ihn gleichfalls ntit dem Thorastudium sich eingehend zu beschäftigen und in jeder Hinsicht seiner Ahnen würdig;ich zu erweisen. Es ist dies zugleich ein Stammbaum unseres Förderers der Wissenschaft und wir begreifen es, das; es ihn mit Stolz erfüllt, den Namen Cohn in jeder Hinsicht unverändert zu führen. Wir begreifen cs aber auch nun, wieso er. im Gegensätze zu vielen rcidjcn Männern des Judentums, für die Wissenschaft des Judentums ein so lebhaftes Interesse bekundet. Dieser Brief wurde von W. in Bezug auf die genealogischen 'Angaben entsprechend behandelt. Gleichzeitig knüpft W. Betrachtungeu über die damals allgemein verbreitete jüdische Gelehrsamkeit an. Es mußte somit der Rabbiner jener Zeit, zumal eines größeren jüdischen Zentrums den Durchschnitt weit überragen. In einigen Worten weis; uns W. zu sagen. wie in damaliger Zeit ein Rabbiner nur impanieren konnte: Vollständiges Jnuehaben des weitschichtigen Stoffes und im gegebenen Falle freie kombinatorische Beherrschung des Stoffes. Nicht-übergangen werden kann eine andere feinsinnige Bemerkung, die oberflächliche Urteile über die Verhältnisse jener Zeit genügend korrigiert. Man hört vielfach die Behauptung, der ״Herr des Ortes" מ־יה דאת־א, der in rcligiöseu Fragen sowie in Betreff aller den ״Ort" angebenden Angelegenheiten Gebieter ist, und dem unbedingter Gehorsam geleistet wird, habe sich vor keinem weltlichen Foruin zu vcrantworteu. Und doch gibt es ein solches, sagt uns der Verfasser, eine Art öffentlicher Zensur. So nimmt der ״Herr des Ortes" auf diese ״öffcntliche Zensur" bei allen seinen Entschließungen und Entscheidungen möglichst Rücksicht. Diese ״öffenll. Zensur" ist im Ghetto ein Machtfaktor, dem, unseres Erachtens, etwa die ״Presse" von beute gegenübergestellt werden könnte. Ja diese ״öffentliche Zensur" erstreckt sich nicht nur aus die Frömmigkeit, die Gelehrsamkeit und die Nechtsliebe des ״Herrn des Ortes", sondern sie erteilt auch den, Führer des Ortes die Fleißnote. Entnehmen wir doch aus einer Stelle des oberwähnten Brieses, daß einem Vorfahren Salo Cohns seine Gegner den Vorwurf machten, es sei nach Mitternacht in seinem Studierzimmer eine brennende Lampe nicht wahrzuuehmen. (Fortsetzung folgt.) * »Die Attsänge von Muttst und Religion in der Nrmcitschhcit" von Hermann Mlaatsch Prof, der Anthropologie und Etheologie an der Universität Breslau, mit :><) Abbildungen im Tert, Verlag Unesma, G. m. b. H. Leipzig, 0:; DD. — Dieses Buch des in wissenschaftlichen Kreisen eines bedeutenden Rufes sich erfreuenden Weltreisenden und Forschers zeigt schon in der vornelunen Ausstattung wie im reichen Gehalt.au Photolilhografieu, deren Vergrößerung allerdiugs erwünscht tväre, verbunden mit schönem Drucke, wie sehr der Verlag die fleißige und ernste Arbeit des Gelehrten zu schützen wußte. — Dem gebildeten Leser aber erwarten nicht wenig und große llcberraschuugeu. Die bisher verbreiteten Ansichten über den Kunstsinn des prachistorischen Menschengeschlechtes, die Vorstellungen von dem Multurlcbcn der Eiszeit und älteren Steinzeit erfahren eine gründliche Umwertung zugunsten der ungezählte Jahrtausende zurückreichenden Periode auf unserer Erde. Seit der *) Katalog der Dalo Eohuschen Schenkungen, mm Dr. Bernhard Wachfteiu. 2. Bücher aus der Sammlung D. H. Halberstain Bielitz. Mit 14 Abbildungen. 1!) -f 178 DD. Wien 1914, Gil- Hofer und Nanschburg. Auffindung des Gerippes eines antediluvianischeu Menschen in der Ncander-Höhle bei Mettmann itn Düsseldorfschen und den Grottenfunden der französ. Tordognc sowie der Höhlen am Nord- und Südrattd der Pyrenäen und an üttderen Orten ist das hohe Interesse für die Ergebnisse der anthropologischen und ethnologischen Forschung nicht bloß in der Gelehrtenwelt, sondern auch in gebildeten Laienkrcisen itn stetigem Zuuehmen begriffen. So muß cs gewiß dankbar anerkannt werden, wenn uns der Verfasser ganz neue Ausblicke auf den unerwartet hochentwickelten Kunstsinn real nachgewiesener Urzeitmettscheu eröffnet und sich dabei auf Plastische Skulpkuren und Zeichnungen stützt, die in unglaublicher Naturtreue ttnsercn Augen dargebotett werden. Tank des Materials von Knochen, Elfenbein und vott in Höhlen geschützten Felsgestein können wir uns noch heute an den Abbildüngen von Mensch und Tier, an gelungenen auch humoristischen und erotischen Kunsterzeugnisten erfreuen. Dabei können wir selbst beurteilen, daß diese Kunst himmelweit höher steht, als die Muttst der viel, späteren sogenannten neueren Steinzeit, ja das; sogar ״bic ältesten M unstet,zeuguisse der Aegypter, noch weniger die späteren Pyraunden-Malcreien an diese Kunst prachistorischer Jager hcranreichen." Was die geistige Entwicklung der printitivsten Menschen anbelangt, ihre Stellung und Ansicht! von Geburt und Tod, das Entstehen des Glaubens an Unsterblichkeit und Seclenwandcrung, über Todeswahusiun (Thanatomanie) und Totemismus (Fernwirkung voil Lebenden und Toten, bei Mensch und Tier). Fetischtuiu, Götzeuvcrehrung und Göttesbegriff, die ganze Skala der Neligiouseutwickluug finden in dein Buche eine klare und übersichtliche Darlegung, so daß jedem sich für Geisteswisseuschafteu Interessierenden, jedem Kulturmenschen dieses Buch wärmstens cmpfohlen werden kann.. Diskonto Jeseilschaft bei der NordSsterreichischen Bankr ttr Industrie, Handel und Landwirtschaft, registrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung In Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon1340 ׳. Empfiehlt sich für alle einschlägigen Baakgeschälte, hauptsächlich auch rar den -> Eskompt offener Buchfordeningen unter den allerg&nstigsten Bedingungen. A. I. K. O. Im Januar uttd Februar fanden in acht größeren deutschen Städten Versammlungen statt. Den Vorsitz führten: in Wiesbaden R.-A. Marrheimer, in Darmstadt der Vorsitzende der Gemeinde Herr Otto Wolfs, in Stuttgart Kirchenrat Dr. Kroner, in Karlsruhe Nabb. Appel, in Dtraßburg Dir. Tr. Grombücher, in Posen Justizrat M. Placzek, in Köln Justizrät Dr. M. Eallmauu. Wo sic größeren Kreisen zugänglich gemacht wurden, loaren die Säle zumeist überfüllt, so in Stuttgart, Posen, Köln, in den übrigen Städten wohnten die angesehensten Gemeindemitgliedcr den Veranstaltungen bei. Die Neseratc wurden zumeist von HcrrnErnst Löwenborg - Berlin und Dr. Alfred Nossig—Berlin erstattet, in Posen trat auch Herr Alois A. F. Marcus—Berlin als Referent auf. klcbcrall erweckte das gemeinnützige Werk der A. .I K. O. Sympathien, was sich darin äußerte, daß im Laufe von wenigen Wochen gegen 1900 neue Mitgl jeder mit namhafteren Jahresbeiträgen der Organisation sich anfchloßen u. zahlreiche Aktien ihres Agrarkredit-Institutes ״Tl)e Orient Colouisiug Company. Ltd." gezeichnet wurden. In allen genannten Städtett haben sich Ortskomites der A. I. M. O. gebildet. — Im Laufe der letzten ^Wochen hat die A. I. K. O. auch eine Frauen- Abteilung ins Leben gerufen. Gelegentlich der konstituierenden Versammlung der Berliner Ortsgruppe der F. A., welche am 25. Januar 1914 unter dem Vorsitz von Frau Komm.-Nat Margarethe Simon ftattfand, traten der Abteilung Fr. Geh. Rat Becker, Fr. Rudolf Moste, Fr. Geh.;)tat Rathenau, Fr. Tr. Isidor Ginsborg, Frau Georg Lachmann, Fr. Geh Rat Friedläuder, Fr. Oskar Tietz, Fr. Dir. Minden, Frau Komm.-Rat Wagner und zahlreiche andere Tanten bei.

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