Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 8 (26.2.1914)
- Date
- 1914-02-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 8 ״JLttsHe »»lttHiMMe." Sette 8. Oder sollte es schon tatsächlich so weit sein?! Tollte wirklich in unseren Reihen nur der ein vollwärtiger Zionist sein, der sich in Palästina ankauft, oder hebräisch spricht? Run dann könnte. ja so ein auf seinem Geldsack pochender Assimi-, laut, der für Palästina viel Geld spendet ein. besserer Zionist sein, denn Herzl! s Troll allein Enthusiasmus für Palästina haben wir in unserem Rausche doch übersehen,! daß Palästina von Juden nicht bearbeitet wird! Oder gar wegen dieses Enthusiasmus? Ter Arader wird solange in Palästina Bauer, Landarbeiter sein, somit .Herr der Situation, so lange Privatwirtschaft in Erez Hisroel eristiereu wird. Tas wollte Herzl nicht. Herzl wollte den jüd. Bauer katerochen. Ten jüdischen Ackerbauer, der mit der schwieligen Faust im Schweiße seines Angesichts sein Feld bepslügt, seinen Acker wartet, hegt und Pflegt. Ter arabische Arbeiter sei billiger! Wird entgegen gehalten. Und was tut er? Darf er, weil er billiger arbeitet: jüdischen Grund und Boden beackern, besäen und das Getreide, die Oliven, die Orangen, die ans jüdischen Feldern blühen, reifen; ernten? Tarf er, so frage ich? Ist für uns eine hebräische Schule wichtiger, als ein jüdischer Ackerarbeiter? Man zahle eben dem jüdischen Arbeiter so viel, als er benötigt. Palästina muß eben ein soziales Neuland werden, so wollte es Herzl. Wir werden zwar nicht, wie ein ״economical man", handeln, aber hier geht es doch nicht um Geschäfte, sondern tatsächl. um die höchsten Güter unserer Ration. Hier handelt es sich dann, daß der arabische Arbeiter verdrängt werde und ist dies durch Geld möglich so muß es eben geschehen. Ties kann aber nur daun eintreten, wenn Privatbesitz aufhört, wenn Siedlungs-Genossenschaften Besiller, Eigentümer und auch Arbeiter zugleich ist. Privatankaus von Grund und Boden in Palästina darf nur vvrsich gehen, wenn der Käufer die gekausteir Güter der Jüdischen Ration schenkt! * * * 100.000 Juden wohnen in Palästina, ein geringer Bruchteil eines 12 Milionenvolkes, und schon werden Stimmen laut, die behaupten, ein hebräisch sprechendes Bind in Palästina wiege den ganzen ״Golus" aus.?tun ja, auch edr Talmud meint, eine Scholle in Erez Jisroel genügt zum Anteil an ״leaulom habau" Toch seien wir uns darüber klar. Wenn dem lvirklich so iväre,!venu nur vollwertiger Jude, der sein könne, der in Palästina lebt und hebräisch spricht, daun brechen wir den Stab über die überwiegende Mehrheit der Huden, die in den nächsten 100 Fahren nicht nach Palästina wird answaildern können. Oder glaubt man in der Tat. daß ein Bulturmtö Wirlschasiszeutru 1 n in Palästina allein der wirtschaftlichen?tot der außerhalb Palästina lebenden Huden steuern werde? Wenn dem so ist. wenn der ״Golus" so total in. Mißkredit steht, wenn Zionismus nur Palästinophilie und Kenntnis der hebräischen Sprache bedeutet, dünn bleibt doch nichts anderes übrig: als konsequent sein: sein Bündel schnüren, den Wandersrab ergreifend nach altjüdischer Sitte Beri.cha machen und nach Erez Hisroel pilgern und dort das Großkapital und Hntelligenzproletariat züchten, un dem wir hier kranken. Was bleibt sonn übrig? Bon einer Landesarbeit ist nichts zu spüren! Ein ״Umlernen und Umdenken aller unserer bisherigen Borurteile" wie es Herzl forderte, ist »icht vor sich gegangen. Eine Ethiiieruug und Aufklärung der?Rassen ivurde nicht erreicht. Ter Zionismus scheint also doch nur eine Paläskina-Bolonisatiousbewegung getvorden >u sein! -Wir aber träumten von einer Renaissance des gesamten Hudentunis; wir träumen von einer Ztisammenfassung aller Huden ganz gleich, tvo sie wohnen, was sie sind: wenn sie sich nur völkisch neunen und bekennen. Wir träumen von einer Wiedergeburt des Hudentums in physischer, politischer, ökonomischer, religiöser, kultureller tind ethischer Hinsicht. Wir düiikten uns, in tiitserem Stolze auf das jüdischnationale Bekenntnis, den Herren der Erde zu gleichen — und man ruft uns zu: ״Wir sind doch im Golus!"---— Uordruckerei * * % Plls$i«ran$talt « * * _FAHTA, Po$tga$$e 2. VERLOBUNQS-RINGE BRrtUTSCH/IUCK - - H0CnZEIT5QE5Ct1ENKE EHE-RIPQE --*- in hervorragender Auswahl zu besonders billigen Preisen. Berthold Bachner, k. U. k, Hoflieferant, Juwelen-, Uhren-, Goldu. Silberwarenhandlung BrQnn, nur Ferdinands gasse Nr. 2. ־«*י• Provinzaufträge finden sofortige Erledigung. ״Fasten,". Tie zweite Beilisauslage von Hofes Grob, Wien. Hm Zarenlande ist wieder ein Muabc ermordet worden. Tiesmal ein Judenknabe und wäre dieser Mord für das jüdische Volk ein zu unbedeutender Fall um eine?lffaire daraus zu machen. Hst doch das Hudentum schon damit verwähnt die fürchterlichsten Nachrichten über Hudenmelleleien im Zarenlande zu vernehmen. — Bischeniew, Bialistock, Siedlec und andere Städte im heiligen Rußland, dessen Bodeit noch lange von den viel vergossenen jüdischem Blute gerötet bleiben wird werden dem jüdischen Volke eine ewig traltrige Erinnerung bleiben. Tas waren Rekkordarbeiten der schwarzen Bailde und was soll ein einziger Hudenknabe, der ineuchlings ermordeii wurde gegen so viele Hudenopfer der lebten Jahrzehnte auSmachen? Spurlos wäre dieser Fastewer Mord au den jüdischen Schneiderskind Hofes Poschkow an uns vorübergegangen und danken müßten wir dem heiligen russ. Volke, daß eS Heuer nur einen von uns erschlagen hat. Wenn aber dieser Fastower Mord doch geeignet erscheint daS ganze jüdische Volk in spanischen Schrecken zu versetzen, so ist es diesein Umstande zuzuschreiben, daß Rußland eine neue Ritualmordafsäre herausbeschwören will, eine zweite Beilisauslage. lieber die Beilistragödie und überhaupt über das lange jüdische Trama im finstern Zarenreiche ist bereits genug geschrieben worben und nteine Feder strältbt sich schon dagegen, wenn ich mich über das jüdische Leben in Rußland zu schreiben anschicke, denn was nützt das viele Schreiben, wenn unmittelbar nach Beilis ein Paschkow. nach Kiew ein Fastow kommt? Wir müssen uns doch einmal klar werden: WaS will Rußland von uns und was haben mir Huden noch von Rußland zu erwarten? Beide Frageil sind leicht zu beantworten: Rußland will unserer los werden! Und tvas wir von Rußland zu erwarten haben: So lange zehn Juden im großen Zarenreiche leben werde», so lange wird dort jüdisches Blut fließen! Ties die?lntwort auf die zwei obeusteheuden Fragen. Wenn auch die Lösung dieser Fragen als eine schwierige erscheint, müssen wir uns aber doch endlich klar werden,?lus was warten wir??lus was warteaz wir'! Frage ich noch einmal. Und möchte ich mit Rebuchaduezar auSrufeu: Hst Euch nicht genug das viele jüdische Blut? Soll man bis auf den letzten von uns auf den russischen Opferaltar hinschlachteu? Höret Brüder! ״Bau! dime achechem zauakim alechem mi erez Nossia!" Tas vergossene Blut Euerer Brüder ruft zu Euch aus dem?iussenlande! lind gerade wie das Blut des Propheten Zacharia nicht stillbleiben wollte, gerade so will das Blut unserer jüdischen Brüder im schwarzen Osten nicht zu fließen aufhören. Siehe her - ries Rewuseradon - - die??iehrzah! deiner Brüder schlachtete ich hin, die größten Männer Teines StamineS brachte ich Tir zum Opfer und Tein Blut Zecharia siedet und kocht noch immer. Soll ich Tir den letzten Teiner Brüder zum Opfer bringen? Siehe her - - ruft uns die russische Bluthacke zu — Hahrzehnte hindurch tränke ich meinen Boden mit dein Blut Teiner Brüder, habe Tir ein Bischenew, ein Siedler, ein Bialistock. geliefert, habe nicht geschont schlvangere Frauen und säugende Min־ der, habe Eltern in Gegenwart der Binder und Binder in Gegenwart der Eltern hingeschlachtet und noch immer rührst Tu Tich nicht? Einen kleinen Ehristeujungen habe ich erschlagen um dir eine Beilistragödie zu liefern. Du hast Tich nicht gerührt; nun habe ich eineil Judenjungen ermordet, um Tir ein Fastow-Trama zu liefern und was soll ich noch beginnen, lim Tich jüdisches Volk los zu werden, soll ich Tir den lebten Teines StaiiiineS zuiu Opfer bringen??kein! so lange wollen wir nicht warten. Hinaus aus Rußland! Tas muß unsere Antwort auf die Bluthacke Rußlands sein. Tie Bessersituierten unter den russischen Huden mit eigener Kraft, die?krmeren mit Hilfe ihrer Westlichen Brüder, nur hinaus! Wohin? Tie Welt ist groß und treubleibend meiner zionistischen Gesinnung bin ich was die Frage dem Ansznge der Huden aus Rltßland anlangt, entschieden ein Jtoist, denn wo das Blut eines ganzen Volkes nicht zum Stillstände kommen kann, muß der Hdealismus verschwinden und das Praktische ans Tageslicht treten. Und das Praktische in diesem Falle ist nur hinaus!?lach Galveston. nach Zeranicka,?lngola ja nach??tizrajim und wer den Weg kennt sogar unter die ״Horechoschech", nur aus Rußland hi uaus, verlassen müssen wir das Land, welches für das jüdische Volk zu einer zweiten Spanienauslage geworden in. Wie wir das anstellen? Tas soll uns lernen der Fall ״Fastow", die zweite Beilisauslage. KAFFEEGESCHÄFT Rosenbaum Liechtensteing. 1 BRÜNNj Liechtensteing. 1. Prager Brief. Sehr geehrter Herr Redakteur! Wir haben jetzt Hochsaison. Baum ein?lbeud, an dem nicht ״ewras los" wäre,??tauchmal gibt es sogar zwei jüdische Veranstaltungen an einem?lbeud.?llso richtige?lrbeit für den Berichterstatter und nicht immer angenehme; denn, daß bei dieser Fülle voit Vorträgen, Feiern usw. neben Interessanten uub Bedeutendem Spreu unterläuft, ist unschwer zu erweisen. Ter gewöhnliche Sterbliche sieht die Einladungen, die jetzt so häufig ins Haus geflogen kommen, durch und ein paar Veranstaltungen, von denen er sich etwas verspricht, besucht er wohl auch. Ter gewissenhaste Referent aber nun. Sie wissen ja.?lm x. Februar gab der jüdische?lrbeiterverein ״Poale Zion" seiuel. Festakademie als jnngjüdischeii?lbeud. Ter Saal des jüdischen Rathauses war sehr ansehnlich gefüllt. Tr. Rathan Birnbaum < Mathias?Icher > sprach in sehr tmtsasseuder Weise über die neuere jüdische Literatur. Es folgten deklamatorische und musikalische Vorträge: unter anderem las Herr.?tittig vom Landestheater eiiteit?lkt aus ״Eisik Schestei" und Otedichte von Bialik.?lm 10. Februar fand das von der ״Leseuild Redehalle jüd. Hochschüler" veranstaltete Bränzchen der jüd. Studentenschaft statt. Ich glaube nicht darlegeu zu müssen, weshalb einige Worte über die Veranstaltung in diese Briese gehören, welche einen knappen?lbriß über die wichtigslen Ereignisse des jüd. Lebens Prags geben wollen. Tas Bränzchen ist ein repräsentatives Fest tind bedeute! bei weitem mehr als eben eine Tanzerei. Es ist auch ein Maßstab hiefür. wie weit die Jüdisch-Rationalen die Gesellschaft für sich gewonnen habe». Ta können dann die Veranskalter wirklich zufrieden sein,?lls Erösfnungswalzer wlirde eine von Herrn Salo Markus komponierte Piece zur?lussührung gebracht,??tan kann Herrn??tarkus das Bompliment nicht versagen, daß er in sehr geschmackvoller Weise die jüdischen Volksmelodien in den Walzer zu versiechten verstand. ״Tos Pekele", ״Oisn Pripetschik", ״Hatikwah" bilden die Hauptthemen. Tie Hnstrumentalion ist geschickt: stellenweise sehr warm. -?lus besonderen Wunsch der vortanzenden Herren widmeten deren Tainen au stelle der sonst üblichen Eriuneruugsgeschenke »amhaste Beträge für das 2.?lenieuiteuhans der ״Halle."?lm?lbeud vorher sprach Mathias?lcher als Gast der ״Halle" im internen Breise über das Thema: ״Bulturkämpse im alten Israel". Ich glaube, dem Vortrag durch eine gedrängte In- Haltsangabe am ehesten gerecht werden zu könneu:?lls Bulturkäinpfe bezeichnet inan gewöhn׳!ich den Bamps zwischen Staat und Buche; das bedeutet, tiefer geschürft, nichts tveniger als den Bamps zwischen weltlicher und geistiger Weltanichauung. Tie weltliche, sinnliche ist diejenige, mit du׳ ein jedes Volk zunächst die Welt betaut}- ter, und erst allmählig treten einzelne Person- Uchkeiten hervor, die sich von ihr emanzipieren. Solche Männer waren bei den Griechen Anara-