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Jüdische Volksstimme · 1914-02-19 · Heft 7 (19.2.1914) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 7 (19.2.1914)
Date
1914-02-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4. ״Jüdische Bolksstimme." Nr. 7. erstehen zu lassen. Der Redner widmete sich dann ausführlich dem Wirken des Rabbi Dow-Beer und gab eine sehr interessante Darstellung seines Systems, der Grundprinzipien, auf welche er seine Lehre aufbaute. Durch mehrere schöne Anekdoten nnd geistreiche Apercus verstand der Vortragende auch diesen etwas trockenen und spröden Stoff ungemein interessant uyd fesselnd darzustcllen, so dost die Zuhörer mit größter Spannung den Ausführungen des Redners bis zum Schlüsse folgten. — Herr Tr. Günzig erntetc für seinen gelungenen und spannenden Vortrag den wärmsten Beifall des distinguierten Publikums, das den großen Saal des mähr. Gewcrbevereincs bis auf das letzte Plätzchen füllte. Dr. F. K. Wiener Madrncfiten. Misrachi. Am 4. Februar fand die erst- Agitationeversammlung des Misrachi im VI. Be zirk statt. Im großen Saal des Restaurants Löbl versammelte sich zahlreiches Publikum und folgte den interiffanten Ausführungen des Referenten Herrn Rabbiners Kramer mit größtem Jvterefle. Der Redner besprach die Notwendigkeit des Zusowmcngehens der gesctzektreuen Juden mit dem Zionismus und widerlegte die von der Orthodox» oft gehörten Einwendungen, rügte die Trennung«, tendenz, die da« Judentum noch mehr zerstückeln wolle und schloß mit einem Appell den Bestrebungen deS MiSrachi werktätiges Interesse zu widmen. In der DiSkusfion, die vom Präsident«- Austerlitz geleitet wurde, sprachen hierauf: Jurist Jung, der dem Misrachi Mangel an Energie vorwarf und für eine zielbewußte Agitation in dcn Juden- Bezirke» Wien«, namentlich im!!., XX. und IXeintrat. Im VI Bezirke wäre vorläufig wenig zu holen. Herr Leitner sprach der bisherigen Leitung vollstes Vertrauen aus. Herr Rabbiner Dr. Grün- Wald schilderte in eingehender Weise seine Eindrück-- in Palästina und betonte, eS sei Pflicht des Misrachi in der Kulturfraze, die sich jetzt in einer der traditionell jüdischen Auffassung entgegengeictzte Richtung bewege, für die Respektierung des ererbten Glaubens Sorge zu tragen. Das sei gerade jetzt, wo sich in Palästina erst alles zu entwickeln beginnt, von unabsehbarer Tragweite. Auch die R-piäsenta. z der Wiener KultuLgemeinde bringen, den zioiltstischeu Brstrebungeu nachhaltige Syniparhie entgegen, ein harmonisches Zusammenarbenen bleibe nur auS gewissen Rücksichten nicht Prinz p!eller Natur erschwert. Jurist Ganz wendet sich a gen Dr. Gruuwald und meint, der Wiener Kultuevorstand sei antizionlstisch und bleibe es, trotz üieier Bemäntelungen. In später Nachtstunde wurde die Versammlung geschlosie.i, die in ״Mariahili" reges Interesse erweckt hat. Im Anschlusse an diese Versammlung wurde die Gründung de« ״MiSrachi-Jugendbund" in Angriff genommen. Am letzten SamLtag fand die erste Zusammenkunst statt, die nach einem Referate des Juristen Brauner die konstituierende Versammlung für Sonntag den 2t. Februar festsetzte. In der Debatte sprachen noch Zurrst Jung über die Aufgabe der Mädchengruppe, über Gnführung von literarischen Abende» usw. Jurist TaubeleS wünscht die obligatorische Pflicht für jedes Mitglied, dem jüdischen Turnverein beizutreten. Herr Gelle« tritt für praktiiche Arbeit ein. Nach einem Schlußworte des Referenten wird die nächste Zusammenkunft für Samstag den 21. Februar. 1/ 3 Uhr nachwittag« festgesetzt. Jurist Jung spricht über: Jüdische Geschichte". Sammlung zu Gunsten der Familie Beilis. Bei der ״Israelitischen Mianz zu Wien" sind bis zum 10 Februar 1914 folgende Ependen eingegangen: Ä. K. Oberfinanzrat Dr. I. Petschek rn Prag X- 300., Moriz Edler von Kuffner in Wien X- 250., — Wilhelm Kuffner in Wien K. 250., — Dr. Phil. Ritter von Gomperz in Wien K 200. — Dr. Josef Breuer in Wien K 200., Moriz Eißler in Wien K 200., — S. Katzau m Wien K 200., — Dr. Arnold Rosenbacher in Prag K 100., — kais. Rat. S. Haurowitz in Prag K 100., — kais. Rat, Robert von Fuchs in Prag K 100-, — K. K- Kammerzialrat Eduard von Doktor in Wien K 100., — k. k. Hofrat S. Ritter von Hahn in Wien K 100., Dr. Alexander Lourie in Wen K 100-, — A. Stern u. Sohn in Wien K 100., — Dr. Alfred Berger in Baden b. W. K 100., — Wiche) Pennies in Wien K 100 — kais. Rat Otto Bondy in Wien K 40., — Börsenrat Leopold Langer in Wien K 30., — Salomon Herzl in Wien K 20 — Gottlieb Bettelheim in Wien K 10.. — Bernhard Riichawy in Brünn K 10., — L. Weinreb in Czernowitz K 10 — Oskar Adler in Graz K 2-, — Samlnng ״Neue Freue Preße" ü 1.393 — Samlnng Beamtengruppe der Uuiovank in Prag. K 35 — Aononyme Kollekte in Wien K170-, — Samlung in Niemirow (Galizien) aurch Herrn Schulleiter David Feldmann K 50.. zusammen K 4.270. Weitere Spenden werden im Bureau der Israelitischen Allianz in Wien II- Untere Donaustraße 33 täglich zwischen 9—1 vormittags (äußer Samitag oder durch die Postsparkassa (Scheckkonto No. 8152) dankend in Empfang genommen und einzeln bestätigt. lieber das jüdische Leben in Ostgalizien. Mit Freude begrüßen wir die neue Zeitjchrift ״Das jüdische Leben in Galizien" und wünschen ihr, sie möge die Tribüne sein von Welcher das freie Wort in die jüdische Seele in Galizien strön:en soll. Der neuen nationalen 1111־ lernehmuiig wünschen wir ein taten- und sicgreiches Wirken. Das jüdische Leben in Galizien — das ist eine Phrase — jüdisches Leben gibt cs lvenig und müssen wir erst vieles beitragen um dasselbe lcbendig zu machen, lebendig auf jedem Gebiete. Ostgalizien ist tot! Von jüdischem ״Leben" kann keine Rede sein. Alles ist verwüstet und es gibt kein Gebiet, auf welchem wir hier schaffend auftreten könnten. Tot ist das Kapital! Tot die Kaufmannschaff. Der jiibifdjc Kaufmann ist im Konkurse ohne Rettung, denn die Rettungsmöglichkeiten sind ihm entzogen Worte,:. Die zwei letzten Jahre brachten Todesurteile und heute sind wir nach der glorreichen Ernte. Jüdisches Hab und Gnt liegen in Trümmern, jüdisches Kapital ist verschwunden, Neberall herrscht die Wot. Zahlreiche Familien sind ohne Brot, eine ungeheuere Zahl von Familienvätern müßten sich nach Amerika eiuschiffen um jenseits des Ozeans ein neues Leben zu beginnen. Die verzweifelten Familien erwarten von dort aus ihre Erlösung, denn Erlösuiig für dieselben heißt Brot. Wo die Ursache liegt, daß glauben lvohl alle zu wissen, oberflächlich aber wird die Frage beantwortet, ohne in das Innere der Finsternis i-nd des Elends Einblick zu nehmen. Oer Jude emigrirt. Er kommt ins reißende und tobende Fabrikslcben Amerikas, und wenn sich eine Möglichkeit darbietcl Arbeit zu bekommen, arbeitet er schwer und bitter— wie es im jüdischen heißt - viel schwerer wie im elenden Galizien. Sein Leben ist auch dort trüb, denn er muß kargen um etwaige Ersparnisse den Sein!- gen einzusendcn. Klein sind aber diese Ersparnisse, da der Jude, der Ostgalizianer, meistens schwach gebaut und zur Arbeit nicht geschult ist. Auf ihm ruht doch das Laster seiner Ahnen, die jedes Handwerk verhöhnt haben, jede physische Arbeit als eine Schande betrachtet haben. Es würde scheinen, daß die hier 'weilenden, den Geist der Zeit verstellen und ihr Leben darnach richten werden. Aber umsonst. Der Jude bleibt in!»>"/״ Krämer, er baut in die Luft hinein und wenn ihm auf einmal sein winziger Eredit entzogen wird, wie es jetzt der Fall war, ist er fallit. Wir müssen uns bestreben, in diese Finsternis eben einzudriugen, dem Fanatiker ein Handwerk in seine znm Meter und zur Wage verwöhntc Hand mit Gewalt zu drücken, dann erst kann eine Rede von gründlicher Besserung in der Zukunft sein. Rach dieser Schilderung wird leicht begreiflich sein, warum im nationalen Leben auch nichts Reues geschaffen wird und geschaffen werden kann. — Der Hungrige wird sich mit national-parkeusche Angelegenheiten so lange nicht befassen köiineu, bis er nicht satt gegessen ist, oder besser gesagt, nicht mehr hungrig ist. Da der Hunger leider zum stabilen Attache des Juden, hier, berufen wurde, wird der Letztere Icistungsunsähig. Die Partei schläft, die Jugend ist entweder apathisch, der Arbeit nicht gewachsen, oder wie der Fall in gewissen Studentenkreisen ist — in Spaltung mit der Landespartei (die sog. Jungzioni sten). Wenn wir aber doch einmal vor einer wichtigeu Parteiangelegeuheit stehen, nicht selten auch unverhofft wie in Galizien der Brauch ist, daun sind wir ratlos und können nicht helfen. Und es muß wirklich eine große Persönlichkeit, e es Dr. Zipper ist, und eine überaus wichtige Angelegenheit sein, wie das hebräische Gymnasium in Jerusalem, um diese toten Leute aus ihrem Schlummer aufzurütteln und sie zu einer Tat zu zwingen, sei cs finanzieller oder auch parteipolitischer Natur. Diesem Unheil soll geholfen werden, diese Anomalie muß abgeschafft werden. Dazu fordern wir unsere Parteileitung auf, wie auch unsere nationale Presse. Frdnt. Korrespondenzen. Nng. Brod. Es dürste im allgemeinen Interesse sein, von der Gründung deS Ung.-Broder Los- und WohltätigkeitSvereineS ״Hatikwah" in Kenntnis zu setzen, damit diese Idee größere Verbreitung findet. Dieser Verein hat den Zweck eine größere Anzahl Klassenlose aufzukaufen und von dem jeweiligen Gewinn den sogenannten Maßer 10 Perzent zu wohltätigen Zwecken derart zu verwenden, daß hievon ein Zehntel sofort an hilfSbedürftige Studierende und arme Kranke verteilt wird, die anderen neun Zehntel als zinsenfreie Darlehen in monatlichen Rückzahlungen oder hypothekarisch mit mehrjährigen Rückzahlungen verwendet werden. — Der Verein verdankt seine Gründung dem Herrn k. k. Steuerassistenten Hermann Tauber, Ung. Brod, die Idee der Wohltätigkeit dem Herrn Jakob S. Schön, Besitzer der Samenklenganstalt in Ung. Brod. Baden. (Literaturverein MaimonideS.) Bei der konstituierenden Generalversammlung des Vereines, der bereits 67 Mitglieder zählt, wurden die Proponenten des Vereines Mit der Leitung desselben betraut. Dieselbe setzt sich aus folgenden Herren zusammen: Dr. Samuel Deutsch als Obmann, Dav d Daniel, Obm -Stellvertreter, David Schey, Kassier, Ignaz Kohn, Schriftführer, Max Deutsch, Bibliothekar. Ferner sprach die Versammlung unter anderen den Herren Rabb. Salomon Friedmann und Herrn Lippmann Unger für ihre ׳chöne Lehrtätigkeit durch Abhalten der regelmäßigen Sabbatvorträge deS Vereines, die sich eines großen Zuspruches erfreuen, ihren besten Dank aus. Mähr.-Weißkircheu. Montag, den 2. Februar, wurde hier die Gattin des Kultusvorstehers und ׳Mitgliedes des k. k. Bezirksschulrates Herrn S. Kober Frau Katharina Kober, geb. Gorge, zu Grabe getragen. Die Verewigte entstammte einer angesehene», echt jüdischen Familie in Leipnik und zeichnete sich besonders durch klugen Sinn und durch ein edles Herz aus. Die allgemeine Achtung, deren sich die Verblichene und ihre Familie erfreut, kam beim Leichenbegängnisse zum AuSdrnck, an dem der vornehmste Teil der Bevölkerung sowie viele Herren Offiziere und alle Spitzen der Behörden und Schulen teilnahmen. Es trauern um die Heimgegangene der greise ehrwürdige Gatte, ferner ein Sohn Kommissär Dr. Hermann Kober in Troppau und eine Tochter Frau Irma Midelburg, Gattin des Fabrikanten Herrn Karl Midelburg in Bielitz, zahlreiche Angehörige wie nicht weniger unsere ganze Gemeinde. Kunäscbau. Eine Spaltung in der jüdischen Arbeiterschaft in London. Im jüdischen Arbeiterverband hat die Frage der Sabbatruhe eine Spaltung hervorgerufen. Die Schneider nämlich, die den Sabbat halten, sind aus der allgemeinen Trade-Union ausgetreten und haben sich zu einer besonderen Union zusammengeschloffen. Die ausgetretenen hatten das Verlangen an die jüdische Trade-Union gestellt, daß diese Schritte unternehme, um den Sabbat ,als öffentlichen Ruhetag der sabbatfeiernden

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