Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 7 (19.2.1914)
- Date
- 1914-02-19
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 «JRVtsche «eite 9. solche Behauptungen für eine Art von Risches. Viele sind es wieder, die die Heilung des einen Nebels von der Lösung der sozialen Frage abhängig wissen wollen .Mit einem Wort jeder ist׳ schuld, nur nicht wir selbst. Persönlich haben wir uns bei den! Leiter der Augenklinik überzeugt, daß 70°/״ der behandelten Patienten Juden, respektive 50״/o dieser aus den ״Chaiders" und ״Jeschibas" kommen also Bochurim, junge Leute sind. Ob solche aus Galizien oder Ungarn stammen ist für uns irrelevant, da wir uns heute ganz objektiv bemühen aus diese Tatsache einzugehen. Streng orthodoxe Juden und solche haben wir gottseidank noch genug erachten es als selbverständlich für Pflicht und Schuldigkeit ihre Söhne ganz im Sinne der Tora zu erziehen, lassen sie daher ״Chaiders" resp. ״Jeschibas" besuchen. Es ginge viel zu weit, wollten wir auf die sanitären Uebelstände derselben näher eingehen. Möglicherweise täten wir es sogar, wenn uns nicht die Nutzlosigkeit einer solchen Kritik sofort cinleuchten würde. Wir glauben vielmehr, des Pudels Kern steckt ganz wo anders. Nur den Leitern dieser Bildungsstätten können wir einen Vorwurf machen. Und an diesen sei unser Appell gerichtet. Geboim der Ke- Hilles! Eine Stunde im Tage würde vollkommen genügen, um den Körper ein wenig zu stählen, durch Aufenthalt in frischer Luft, wenn schon ein Turnen im Sinne moderner Erziehung nnmöglich erscheinen sollte. Eine körperliche Arbeit müßte in den Rahmen d. Schulstunden eingefügt werden, wenn auch solche nur aus einem ganz einfachen Holzhacken bestehen würde. Zur Erfüllung unseres Wunsches ist keine Budgetbelastung notwendig. Ein kräftiges Wollen mutz an Stelle der traurigen Passivität treten. Was sauge ich an mit meinem Mojech, wenn mir Kojech zur Verwertung desselben fehlte Uns Juden ist wie keiner anderen Nation das göttliche Serum eingegeben vor einer gänzlichen Assi milierung geschützt zu sein. Deslialb werden wir uns, aber noch lange nicht dem Guten d. anderen Völker verschließen. Lassen wir die Halsstarrigfeit und täuschen wir uns nicht. Was wir tun, das tun wir uns selbst. Fritz Rosner. Kultusgemoinden den Herrn Richard Löw, Kulviele mit Ernst untermischt waren» wie die der tusvorsteher und Bürgermeister in Neu-Rauß- Herren Anton Schneider und Jakob Kohn. Selbstnitz, und die Vorsteher weiterer vier Kultusgeverständlich tönte aus allen das schönste Lob für meinden den Herrn Dr. Siegmund Schimmer-! den Vorstand der Chevra-Kadischa und die Humorling Advokaten und Kultusvorstandsmitglied in vollen Speechs de- Herrn Rabbiners heraus, was Brunn, wählten, während der Vorzieher einer dem Festmahle die beste Würze darbot. Zur Kultusgemeinde seine Stimme für Herrn Dr. I Gemütserhebung au diesem schönen Abend trug Siegmund Weiß, Kultusvorsteher in Boskowitz «auch Kantor Leo Soldan viel bei, indem er in Dr. Rudolf Ratbollcky i.ewrg.Jiw »«». tmtr dir «M«G ר *<rtw<H>r1»>(M»rt<n «Mit: L €ckt Jtrdtnand^asu »ml Jodaonrrgarie <-»«»«»».) ordlikft täglich vor 1 Nt 4 Oft ucfta. nr. MS. ג abgegeben hat, und somit keiner der genannten Herren die absolute Majorität der abgegebenen timmen auf sich vereinigte. Es wurde daher eine neuerliche Nominierung veranlaßt׳, bei welcher Herr Dr. Schimmerling mit ü Stimmen gegenüber 4 Stimmen, weiche Herr Bürgermeister Löw auf sich vereinigte, als gewählt proklamiert wurde. Gegen diesen Bescheid überreichte nun Herr Richard Löw durch seinen Rechtsfreund, Herrn Dr. Theodor Haas, Advokaten in Brünn die Beschwerdc an den Landesschulrat, in welchem er vor allem aus formellen Gründen die Wahl bekämpfte. Herr Löw beanständete insbesondere, daß die Wahl im schriftlichen Wege mittels Umfrage erfolgt war, statt, wie dies der normale Vorgang bei allen Arten von Wahlen ist, einen mündlichen Wahlakt vorzunehmen. Er beanständete aber auch in meritaler Hinsicht das Resultat der Wahl, da er selbst bei Annähme der Giltigkeit des schriftlichen Wahlver- Verfahrens nicht gleich beim ersten Wahlgang als gewählt proklamiert wurde, sondern eine neuerliche Umfrage verfügt wurde. Herr Löw steht nämlich auf dem Stadpunkte, daß er aus dem Grunde als im ersten Mahlgang gewählt zu be trachten ist, weil eine absolute Majorität im Gesetze überhaupt nicht vorgeschrieben ist. Leider fehlen nähere Bestimmungen bezüglich der Vornahme der Wahl. Weder bas Gesetz besagt irgendetwas über die Art der Durchsühcnng derselben, noch auch wurde seitens der politischen Landesbehörde eine Vollzugsvorschrift erlassen, in der hierüber Weisungen erteilt worden wären. Wir können und wollen der Entscheidung des mährischen Landesschulrates nicht vorgreisen werden jedenfalls nicht ermangeln, die Entscheidüng, welche von allgemeinem Interesse und besoliderer Wichtigkeit ist, in den Spalten dieses Blattes bekailnt zu geben, Ivie überhaupt Herr Löw entschlossen ist, aus prinzipiellen Gründen die Angelegenheit im Instanzenwege durchzufiihren, wodurch für die gesamte mährische Judenschast eine einheitliche Direktive bei den Wat,len ihrer Vertreter in die Bezirksschulräte geschussen würde. seinen Gesangsvorträgen unermüdlich war, die, wie auch der von ihm vorgetragene ״Mt-Scheberach" die Anwesenden entzückten. Und so verrann Stunde aus Stunde bis der Morgen graute und die noch Zurückgebliebenen ermahnte zum Morgengottesdienste in das Bethaus zu gehen. Krünner Uadmtjtai». Zur Wahl in den Bezirksschulrat für den Brünner Landbezirk. -י. Bekanntlich erhielten bei der nationalen Trennung der Schulbehörden in Mähren zufolge des Gesetzes vom 27. November 1005 auch die Schulbezirke gewisse 'Neugestaltungen. So wurde für die politischen Bezirke Brünn, Tischnowitz, Boskowitz und Wischau ein einziger ״deutscher Bezirksschulrat für den Landbezirk Brünn" geschaffen . in welchen auch die im Sprengel dieser Bezirke befindlichen Kultusgemeinden im Wege ihrer Kultusvorsteher ihren Vertreter zu entsenden haben. In den genannten Sprengel gehören 10 isr. Kultusgemeinden: ״Brünn (insoweit sich der Kultussprengel über das Territorium der Stadt Brünn hinaus erstreckt, also beziigl. seines Brünner Landgcmeindenbezirkes). Eibenschitz, Kanitz, Boskowitz, Lomnitz, Austerlitz, Butschowitz, Neu- Raußuitz, Wischau und Eiwanowitz. Als der bisherige Vertreter der isr. Religionsgenosscnschaft für diesen Landbezirk, Herr Tr. Heinrich Ehrinann, Advokat in Brünn, am 18. November 1013 gestorben war, wurde vom Vorsitzenden des Bezirksschulrates für den Landbezirk Brünn, Herrn Statthaltereirat Schön, an die Kultusvorstände das Ersuchen gerichtet, unt-ereinander das Einvernchinen zu pflegen, um einen anderen Vertreter zu tvählen. Die eingcleitcte Umfrage verlies jedoch insoserne ergebnislos, als die Vorsteher von fünf 40jähriges Jubiläumssest der Chevra-Kadischa in Baden. Am 11. d. Mfand im Hotel Brüde, Rausnitz das 40jährige Jubiläumsfest der Badener Chevra-Kadischa statt Das Brudermahl, zu welchem sämtliche BereinSmitglieder und viele auswärtige Ehrengäste, darunter der Redakteur Dr. Joses Bloch eingeladen waren, gestaltete sich zu einer glänzenden Manifestation für diesen nach aller. Seiten hm wohltätig wirkenden heiligen Verein. Vor Beginn des MahleS begrüßte der Präses oer Chevra-Kadischa Herr Moriz Leitner, umgeben von den Vorstehern Anton Schneider. Sigmund Rausnitz und Gustav Oedenburger, die Erschienenen in schwungvollen Worten, brachte zum Schlüsse einen Toast aus Se. Majestät den ckaiser aus, worauf die den Saal füllenden Anoesenden in ein stürmisches dreimaliges Hoch rusbrachen und enthusiastisch die Bolkshymne annannten. Hieranf wurde an die KadinnetSkanzlei Sr. Majestät ein Huldigungstelegramm abgesandt. Die Festrede, welche sodann Se. Ehrwürden Herr Rabbiner W. Reich hielt, bildete den hellsten Glanzpunkt zu diesem Festmahle. Im Aufträge veS Vereines hat auch Se. Ehrwürden Rabbiner W. Reich eine gediegene und inhaltsreiche Festchrift verfaßt, die jedem Kuvert beigelegt war and von den Gästen mit großem Beifalle aufgenommen wurde. Ueber die Vortresflichkeit der Speisen braucht nicht besonders gesprochen zu werden, da die Brüder Rausnitz hiebei sich über- Schon nach dem ersten Gange Rabbiner Josef Steif. Die Brünner Kultusgemeinde hat durch den Tod des im 71. Lebensjahre verstorbenen Herrn Rabiuatsassesors Ions Steif, Vater Sr. Ehrwürden des Herrn Rabbiner Dr. Max Steif N.-Raußnitz einen großen Verlust erlitten. Der Verstorbene war ein streng religiöser Jude, verfügte über ein bedeutendes talmudisches Wissen. Das Begräbnis fand am Sonntag den 15. d. M. unter zahlreicher Beteiligung des traditionellen Judentums statt Dem Wunsche des Verstorbenen entsprechend, wurden keine Nachrufe gehalten. Die kantoralen Funktionen versah Herr Oberkantor Heller, Herr Rabbiner Dr. Ludwig Lewy verrichtete daS Gebet. Dtm Begiäbnisse wohnten bei: der Präsident der Brünner KultuSgeme»nde Herr Leopold Bauer weiters die Vorstandsmitglieder Sigmund Schwarz, Adolf Herdan. Dr. Philipp Schreyer, Bernhard Rnchawy, die ReligionS- Professoren Dr. Max Grünfrld, Dr. Schorstein, Dr. Steinhardt, Herr Dr. Josef Spitz, die VorstandSmitglieder des polnischen BethausvereineS und des Vereines Machsike HadaS, des jüdischen Kultuswählervereines, die .Israel. Kulturgemeinde und polmsche Judengemeinde N.-Raußn>tz war durch Herrn Bürgermeister Richard Löw, Emanuel Bauer und Oberkanior Stößler, die israel. Kultusgemeinde und politische Judengemeinde Austerlitz durch die Herren Ignaz KrampfliLek, Engelsrar, Zwerg und Oberkanior Stern vertreten. Ehre seinem Andenken! Bortrag Dr. I. Günzig, Loschitz. Brünn. Am 8. Februar batten wir das Vergniigen, .Herrn Rabbiner Tr. I. G ü n z i g aus Loschitz als Gast der Toviibeeballe über Oie apostolische Bewegung des Chassidismus und deren Wirkungen sprechen zu Horen. Nachdem er hier vor einigen Jahren bereits die ersten Anfänge des ״Chassidismus" geschildert und von dem Auftreten des ״Israel Baal-Schem" ein Herr, liches Bild ausgerollt, wendete er sich diesmal seinem Schüler u. Nachfolger. dem Rabbi Dow- Beer, dem Prediger von Mizricz, zu. der nach dem Tode des Beicht die Führerschaft über die chassidäische Secte übernommen und dem chassidischen Denken und Kombinieren eine Fülle van neuen Jdeeit und Anregungen dargeboteu hat. 1׳ überaus fesselnder Darstellung entwarf der Redner in großen Zügen eine Schilderung des Milieus, des sozialen, kulturellen und geistigen, aus dem die chassidische Secte ursprünglich her vorgegangeu ist und deckte die Ursachen aus, die dem Chassidismus im Judentum Eingang verschaffen und ihm trotz der um dieselbe Zeit von Moses Mendelsohn angebahnteu Zivilisation einen solchen Aufschwung nehmen und solche Er. folge erringen ließ. Die hochinteressante, charak teristische Erscheinung des Kabbalisten aus Me seritsch, deS R. Dow-Beer, trat aus Den Rahmen und dem Hintergründe prächtig heraus. Der ganze Zauber seiner satzzinierendeu Persönlichteit wurde aus der lebenswahren, hinorisch-getreuen Schilderung des Vortragenden begreiflich. Welcher Art seine Erziehung war, wie er seine Jugend verlebte, die Grnndstimmuugen seiner Seele, alle seine Ausbruche, alle Wildheit und alle Ueberspauntheiten, das alles hat Tr. Günzig in seinem Vorträge anschaulich und klar dargestellt u. hatte er keine Spur verfehlt, die zu dem äußeren und inneren Leben feines Helden führte. wie auch keinen Fingerzeig übersehen, um die schattenhafte, durch den Volksmythus schon vertroffen haben. wurden launige Toaste losgelaffen, von denen klärte Gestalt in festen Umrissen deutlich vor un