Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 7 (19.2.1914)
- Date
- 1914-02-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 7. Schneider zur offiziellen Anerkennung zu bringen. Darob bei der Mehrheit deS Verbandes eine große Entrüstung. Die Mehrheit ist religiösen Meinungen abhold und verwarf den Antrag der Sabbattreuen. Die Abgewiesenen waren auch ihrerseis Prinzipienfest, traten aus der allgemeinen jüdischen Trade- Union aus und bildten einen eigenen Verein. Diese Neubildung erregte den Mßmut der Führer. Mit Unwillen sehen diese, wie ihnen die Zügel der Bewegung aus den Händen gleiten. Sie beriefen eine Versammlung ein und setzten auf die Tagesordnung die Frage, welche Stellung der Verbund der neuen Schomre-SchabboS-Union gegenüber einnehmen solle. Auf der Versammlung hielr man die EntrüstungSauSbröche nicht zurück. Man erklärte die neue Union als eine Zusammenrottung von zukünftigen Streikbrechern, bezeichnete sie geradezu als Streikfabrik, man rühmte dagegen die eigene Toleranz, die man gegenüber allen Meinungen, religiösen und unreligiösen, geübt hatte und die eigene Sachlichkeit, mit der man stets eie Arbeiterinteressen allein vertreten habe, ohne die Religion in Bettacht zu ziehen. Die neue Union wurde mit den Christlichsozialen in Öfterreich auf. eine Stufe gestellt und jede Berechtigung amls Trade-Union wurde ihr aberkannt. Eine mißlungene Ritualmordhetze In der Station Fastow wurde ein ermordeter Knabe aufgefunden. Der Fund hatte die jüdische Bevölkerung der Gegend, in höchste Bestürzung versetzt und hätte leicht für dir gesatttte russische Juden heit unheilvoll werden können. Wies doch die Leiche 13 Stichwunten auf und hatte außerdem alle Zeichen, die im Kiewer Prozeß Pranaritis als «Merkmal deS Ritualmordes' schilderte. Schon war die schwarze Hand eifrig an der Arbeit, aus dem Funde das erwünschte Kapital zu schlagen, als im letzten Augenblicke diesrm Treiben ein Ende gemacht wurde durch die Feststellung, daß es sich um die Leiche eines jüdi scheu Kindes handelte, das seit mehreren Wochen von den Eltern in Pastow vermißt wurde. Man ist bereits den Mördern auf der Spur, die offensichtlich keinen anderen Zweck verfolgten, als eine neue Ritualmordhetze zu inszenieren und sich dabei die aus dem Kiewer Prozeß gezogenen Lehren zu Nutzen machten. Nun haben sie sich diesmal an ihrem Opfer vergriffen ... Es ist sehr bezeichnend für die Lage, daß die Juden der Gemeinde, nachdem sie erfahren halten, das es sich um die Leiche eines jüdischen Kindes Handels erleichtert aufatmeten! und dem Himmel für diesen «glücklichen AuSgang" dankten. Das Pariser Rabbinat gegen -e» Tango. Auf einer Rundfrage des ״Journals" über den Tango gibt der Großrabbiner von Paris. DreyfuS seine M-inung schriftlich dahin ab daß die französischen Rabbiner, nachdem sie das Gewiffen ihrer Glaubensgenossen aufgeklärt hätten. eS dem Individuum überlassen, sich in allen Dingen selbst zu entscheiden. Da die israelitische Religion sich streng an die Satzungen deS Anstandes und der Moral hält, ist es selbstverständlich, daß den Religionsgenossen abgeraten wird, sich an einem Tanz, der als nicht anständig gilt, zu beteiligen. Entwicklung und Judentum. In einer kritischen Darstellung ״Die Ent- Wicklungstheorie״ Teil I. Entwicklung und Judentum hat es Dr. msä. A- KopziowSki unternommen, auf biblischen und raditionell-jüdischem Standpunkt fußend, die allgemeine naturwissenschaftliche Entwicklungstheorie in Einklang zu bringen mit den Lehren des ttaditionellen Judentums. Es ist dies besonders in unserer Zeit, in der naturwissenschaftlichen Lehren bei nicht vollständig durchgbildeten Menschen in geradezu grassirender Weise den Hang zeitigen, die Worte der Bibel als eine reine Sage hinzustellen, nicht nur eine bemerken«- sondern auch eine dankenswerte Arbeit, die nicht zum wenigsten unserer Jugend zugute kommt. Wenn in dem frühreifen Knaben oder Mädchen Zweifel zwischen dem Religions- und Naturwissenjchaftl- Unterrichte auftauchen, wenn der Lehrer nicht weiß, wie er berechtigten SceptizismuS der Kinder begegnen soll so gibt gerade diese Schrift ihnen Gelegenheit, in rechter Weise, in die Logik der Zusammenhänge hineinzuschauen und sie zu erläutern. Aber auch andere nicht mit der Entwicklungstheorie identische aber als Voraussetzungen derselben aufzufas- ,jüdische Bolksstimme" Seite 5. sende und mit derselben aufs engste verknüpfte Probleme, wie da- Problem des Leben?, dasjenige der Zweckmäßigkeit, die Definition des Begriffes Vorurteil, endlich auch die Logik der Beweisführung der Abstammungslehre sind vom jüdischen Standpunkte aus beleuchtet, anknüpfend an Stellen der Darstellung, wo die Auseinandersetzung der genannten Probleme am geeignetesten erschien. Wir werden vertraut in E i n k l a n g zu bringen die Entwicklung und mosaische Kosmogonie, die Dauer der Schöpfungstage, die Urzeugung. die religiösen Satzungen, die Allmacht Gottes und schließlich den Fortschritt mit den Anschauungen und Lehren einerseits des Judentums, anderseits der Naturwissenschaft. — So wollen wir denn hoffen, daß diese Schrift, die im Berlage der HebräischenBuchhandlung C. Boas Nachfolg., Berlin C. 2 Neu Fried!i chstr. 69. zum Preise von Mk-2. erchienen ist. in weilen Kreisen Eingang findet zu Nutz und Frommen sowohl des Judentums als auch der jüdischen Jugend, aus der heraus ganze Menschen entstehen sollen, die nicht der zerstörende Zweifel, sondern das Wissen und die lleberzeugung gebürt. Sintenis. Volkswirtschaftlicher Teil. Böhmische Jndnstrialbauk. Bilanzfitzung. Di in der am 11. d. M. abgehaltenen VermaltungSratfitzung der böhmischen Jndustrial-Bank genehmigte Bilanz für das Geschäftsjahr 1913 weist einschließlich des Gewinnvorkages aus dem Jahre 1912 nach Abzug der Berwaltungskosten. Steuern und Abschreibungen ein Reinerträgnis von K 3,014 250 89 gegen K 2,263.189.87 im Vorjahre aus. Bon dem. Verwaltungsrate wurde der Beschluß gefaßt, der am 5. März 1914 stattfindenden General-Versammlung die Verteilung einer 6%igen Dividende, d. i. X 24 — wie im Vorjahre vorzuschlagen, die Reserv fondS mit K 252.155 34 zu dotieren, wonach dieselben K 3,253.731.39 erreichen werden und den nach Bestreitung der Tantiemen verbleibenden Rest von X 255 706.12 auf neue Rechnung vorzutragen. Das Gewinn- und Ve lustkonto pro 1913 weist auf: Gewinnvortrag vom Jahre 1912 K 202.613 (Plus K 60.228) Zinsen aus den Bank- und Hypothekargeschäften X 5 624.804 (Plus K 841.503)' Provisionen und diverse Erttägnisse K 1,85 7951 (Plus K 155 394), eingegangene bereits abgeschriebene Forderungen K 2349 (Minus K 18 858). Unter den Ausgaben figurieren Regie und Berwaltungskosten mit X 1 709 740 (Plus K 89.792), Steuern und Gebühren X 463 681 (Minus K 90.876). Zinsen von Geldeinlagen X 1,346 136 (Plus K 319.421), Zinsen von Bankschuldverschr eibungen K 1,002.825 (Minus K 31.257), Abschreibung vom Inventar X 42.461 (Plus K 4 881), Abschreibung von Forderungen X 102 447 (Minus X 4.776). Der Reingewinn bessert sich auf K 3014.271 (Plus K 751.081). Das Bilanzkonto pro 1913 zeigt unter den Aktiven: Kassa X 2.614.219 (Plus K 36 950) Wechsel und Devisen X 56,091.108 (Plus K 10,347.650), Effekten K 15,885.010 (Minus K 4,597 538), Effekten des Sicherstellungsfondes Vr Bankschuldverschreibungen X 390.188 (Plus X 37.539), Debitoren zum größten Teile mit Effekten gedeckt X 84 138.280 (Plus X 7.659.020). Hypothekar-Darlehen X 21,279100 (Minus X 1005.900). Inventar X 376.196 (Plus X 28.599) Flialengebäude X 3.618 517 (Plus X 1,715.753), Unter den Pafliven befinden sich: Aktienkapital X 40.000.000 (Plus X 10,000000), Reservefonds diverse X 3.022.566 (Plus X 183.070), Berlosungsfond für Bank-Schuldverschreibungen X70 292 (Minus X 115.105). Zinsenfond für Bauk-Schuldverschreibungen X 239390 (Minus X 711316־), Geldeinlagen gegen Einlagsbücher und Kaffascheine X 30.558.755 (Plus X 6.108.486) Kreditoren X 76.020.720 (Plus X 8.283.285) emittire 472%ige Bank-Schuldverschreibungen X 21.269100 (Minus X 1.005.900, verloste 472% ige Bank-Schuldverschreibungen X 200 (Minus X 27.400), antizip. Hypothekar-Darlehens- Zinsen X 114.340 (Minus X 7.603), unbehobene Koupons von Bank-Schuldverschreibungen X 9 547 (Plns X 1.026), unbehobend Dividende X 66.408 (Plus X 62450), Reingewinn X 3,014271 (Plus X 751.081.) Die uns nahestehenden Unternehmungen arbeiteten zum größten Teile befriedigend. — Die Ungarisch-Böhmische Jndustrial-Bank, A. G. in Budapest lieferte ein erhöhtes Ergebnis und wirihre Dividende bei reichlicher Rückstellung auf 5y2% gegen 5% im Vorjahre erhöhen. Die Mü^- len-Akriengesellschaft in Prag arbeitete sehr ersreulich, verteilte eine Dividende von 5«/» und sind ihre Aussichten für das laufende Jahr die günstigsten. Die Montan-Aktiengesellschaft in Prag macht entsprechende Fortschritte und wird wahrscheinlich das nächste Geschäftsjahr schon eine Dividendenverteilung ermöglichen. Die Aktiengesellschaft für Waldverwertung hat ebenso wie im vorgehenden Geschäftsjahre mit sehr gutem Erfolge gearbeitet. Die Erste böhmische allgemeine LebenS-Versicherungs-Aktiengesellschaft wird dieselbe Dividende wie im Vorjahre ausschütten. Die So» kalbaha Gurein—Eichhorn-Bitischka weist sowohl im Güterals auch Personenverkehr ein zufriedensteckendes Ergebnis auf und dürfte auch schon in Bälde die zugesicherte Landessubvention nebst dem im gesetzlichen Rahmen bewilligte Eisenbahndarlehen erhalten. Die Diskonto Gesellschaft bei der Böhmischen Jndustrial-Bank, r. G. m. b. H, wird die Kupons ihrer Anteilscheine mit dem gleichen Betthge wie im Borjahre ein lösen. Die Vadiumu. KautionS-Anstalt, r. G. m. b. H. hat trotz der wesentlichen Kursverluste an ihren zu dem Betriebe ihrer Geschäfte nötigen Effekte die Genossenschaft-- anteile mit 5°/, verzinst. Im Laufe des Berichts-- jahres haben wir an der gegründete» Barque de l'Jndustrie in Paris, deren Aktienkapital mit 6,000.000 Franken bestimmt wurde, Interesse genommen und hoffen aus dieser Verbindung pro» filieren zu können. Die bei der Zentrale als auch bei einigen Filialen b-stehenden industtiellen Vorkaufsbezw Evidenzorganisationen wurden erweitert. Die Filialen lieferte» angemessene Ergebnisse. Für die Filiale Brünn haben wir im Berichtsjahre ein entsprechendes an dem besten Platze gelegenen großes Eckgebäude angekauft, welches für. ihre Zwecke adoptiert wird. Desgleichen haben wir für die Filiale Laun ein eigenes Gebäude erworben. KAFFEEGESCHÄFT Rosenbaum Liechtensteing. 1 BRÜNN, Liechtensteing. 1. Die beste Quelle für den Einkauf von!einer Verrenne eine ist und bleibt Brünn, Ferdinandsgasse 21, I. Stock Kleine Reglet Kleine Preise! Preislisten gratis und franko. An die jüdische Oeffentlichkeit! Am 10. Jjar 5674 (6. Mai 1914) werden es fünfzig Jahre, seitdem eine unserer größten Persönlichkeiten Dr. Nathan Birnbaum (Mathias Acher) das Licht der Welt erblickte. Wer kennt nicht die schöne jüdische Gestalt des tiefen, ehrlichen Denkers und Kämpfer-, des versonnenen Träumers! Schon mehr als dreißig Jahre sucht und kämpft er, der große jüdische Kulturkritiker, der Prophet der jüdischen Auferstehung und Selbstbefreiung. Dr. Nathan!Birnbaum ist kein Parteimann, kein Durchschnittspolitiker. Ec hat keine Partei, keinen eigenen Kreis von Parteigenossen, er ist kein Führer einer besonderen G.uppe im jüdischen Volke. Mathias Acher ist ein Lehrer und Pionier, er ist außerhalb der Parteien, er sucht und schafft für alle Juden, für das ganze jüdische Volk. Darum ist er aber auch einsam. Denn das jüdische Bol hat noch nicht gezeigt, daß es seine Kämpfer und