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Jüdische Volksstimme · 1914-02-12 · Heft 6 (12.2.1914) · page 11

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 6 (12.2.1914)
Date
1914-02-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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^r. 6. Seite 1t ״Jüdische Volköstimmc". Schenkung eines Buches an den Nabbi ihm selbst aber noch mehr den Spendern bereitet. Liest man diese Stellen, so wird man in einem solchen Chassidim-Nabbi nicht mehr ausschließlich einen Verteiler von Kameoth (Annitella) erblicken, man wird vielmehr ihn als einen Fanatiker der Forschung, als einen Bibliophilen erkennen. — Man könne diesem Rabbi keine größere Glückseligkeit als durch die Uebergabe eines seltenen Buches bereiten. Es ist also kein Wunder, wenn seine Anhänger alles aufbicten, um den Rabbi mit seltenen Büchern zu überraschen. Doch scheut der Rabbi keine Kosten, wenn ein wertvolles Buch käuflich zu erlangen ist. Ueberdies fiel ihm von seinen Vorfahren eine ganz bedeutende Anzahl von Werken als Erbe zu. Und so entsteht seine wertvolle Bibliothek. Wir finden aber unter diesen Werken auch Werke solcher Autoren, die gerade nicht einer Gesinnung mit dem Rabbi waren. Ganz besondere Bedeutung kommt aber dieser Sammlung vom Standpunkte der Bibliographie deshalb zu. weil hier ziemlich viele ofteuropäische Drucke gesammelt erscheinen. Der Verfasser gibt uns eine Geschichte dieser Druckeund ihrcrTrucker. In dem Kataloge sind 923 Werke angeführt, nur etwa 20 davon gehören eigentlich nicht zu den Erwerbungen aus der Friedmannscheu Bibliothek. Der Katalog ist mit großer Sorgfalt ausgcarbeitet, enthält viele wissenschaftliche Bemer׳ kungen, die von besonderer Belesenheit, kritischem Sinne und strenger Gründlichkeit des Verfassers zeugen. Nun wollen wir einiges aus dem Werke selbst hervorheben. Bei Nr. 14 kommt Wachstein auf seine bereits in der Vorrede aufgestellten Behauptung zurück, daß der bekannte Literat Meier Letteris, Abkömmling des Begründers der Zolkiewer Druckerei, einige Angaben über seine Familie macht, die nicht ritchig sein können Ist Nr. 17 rein kabbalistischen Inhaltes, so spielt Nr. 20, wenn auch in das Gebiet der Kabbala gehörig, nebstbei in das Gebiet der Geschichte hinüber. Ter Name ״Weltgeschichtliche Ereignisse"würde sogar ein rein geschichtliches Werk vermuten lassen. Nr. 35: ״Schicksal der 10 Stämme". Dieses Thema mag Wohl im Kreise des Rabbis des öfteren und lebhaft besprochen worden sein. Nr. 42 gehört der Jgguu-Literatur an, ein sehr trauriger Zweig der Responscn. Handelt es sich ja hier um nichts anderes als um die Frauen, die zur ״lebendigen" Witwenschaft verurteilt sind, weil ihnen aus irgend welchem Grunde der Scheidcbricf nicht übergeben werden konnte. Nr. 53a entnehmen wir, daß Krakau seineu Leb ״den Hohen" hatte, während Prag den ״hohen" Rabbi Leb besaß. Nr. 54. Eine ganz eigenartige Sammlung von Trauerreden italienischer Herkunft, Nr. 68 werden Lehrer aus Wien, aus den wcstungarischen Gebieten und aus Böhmen besonderes Interesse entgegenbringen. Die Verfasser sind alle Angehörige der Familie Glogau und haben in Wien. Eisenstadt, Lieben, im Chrudimer Kreise und in Deutsch Kreuz (Zehlim bei Ocdcnburg) gewirkt. Nr. 71: meldet uns von dem Ungeschick vieler Manuskripte des Verfassers, die einen! Brande zum Opfer fielen. Nr. 75. Eine Frau will sich sehr rasch wiederverehelichen und es ergibt sich hiedurch eine rituelle Frage. Nr 88 und 89. Elementar-Unterricht der hebräischen Grammatik, dem Auffassungsvermögen des Kindes angepaßt. Nr. 93. Der Besitzer war so liebenswürdig zu vermerken, wie teuer er das Werk erstanden hat. Es war die Manier früherer Zeiten, auf den Werken die verschiedenartigsten Notizen zu machen, Notizen, die zuweilen uns von Nutzen sind, derartige Notizen werden im Kataloge mehrfach verzeichnet. Nr. 94 erinnert uns an den Preßburger Rabbiner, über dessen Nachfolger R. M. Tysmenica vor Kurzem eine Biographie erschienen ist. Nr. 102 besagt uns, daß unser Rabbi auch Werke religiös-philosophischen Inhaltes in seinen Jntereffenkreis zog. Nr. 112 schon deshalb wertvoll, weil es ein Autogramm des Baruch Theomim aufweist, gibt uns aber auch Kunde von dem Brande eines Bet- Hauses, das aber zugleich ein Lehrhaus gewesen fein mag. Das Werk selbst ist für die größere Masse des Volkes, cs wendet sich also nicht gerade an die Großmeister der Wissenschaft. Synongma und Aussprüche, deren Autoren unbekannt sind (״man sagt"). Gleichnissei Nr. 120. Ein exotischer Gast im Hause des Chassidim Rabbi: Prediger Dr. Adolf Jellinek, wenn auch nicht in eigener Person, so doch seine Werke! Wenn wir weiters den Katalog durchblättern, so eröffnen sich vor uns die verschiedenartigsten Gebiete jüd., Literatur. Hier sind mannigfaltige Lebensan-', schauungen vertreten, lieber die Betätigung des! Judentunis, die Umsetzung von Theorie in Praris erfahren wir viel. Die Bücher erzählen uns aber auch von kühnen Ritten des Rabbi in das Revier der Mystik und Metaphysik. Wir hören (182) über Sammlung von Geldern für Erez Israel. Nachdruckverbote werden erteilt (106). Man erzählt uns vom Goluth der Gelehrten (134). Für die unwissenden Kreise ist auch Lektüre vorgesorgt, d.e seinerzeit so beliebt gewesenen Ma-asebücher (Erzählungen in sagenhaftem Gewände). Erbschaftsfragen werden aufgerollr. Manuskripte erwachen nach dreihnndertjährigem Schlafe zu neuen! Leben. Wir vernehinen Berichte und Älagen über die Ehelmer Metzeleien und die Tyrnauer Vertreibungen. Ein Proselyte bringt es so weit, daß er ein hebräisches Werk schreiben kann. In der Vorrede erzählt er uns, wie er zu seinen! Entschlüsse kam. Ein Verleger bemüht sich un! richtige und gute Typen. Ein Mann reist nach Jerusalem, weil er Weib und Kind verloren hat. lieber Zensurschwierigkeiten wird uns mehrfach berichtet. Wir haben mit diesen ganz willkührlich hcrausgegriffenen Beispielen noch lange nicht das geboten, um ein vollständiges Bild von dem Bücherschatze dieser Bibliothek zu geben. Wir haben ja Ihnen nur ״Tie Peripherien der Wissenschaft" gezeichnet, wir konnten ja nur, abgesehen von der Anlage des Kataloges, die Titel der Werke und das allgeniein Interessante besprechen Wir hoffen aber, daß diese Zeilen dargetan haben, daß die Wiener Knltusgen!einde an dieser Bibliothek eine ganz bedeutende Erwerbung gemacht hat, daß der Spender der Wissenschaft einen unschätzbaren Dienst dadurch erwiesen hat. daß diese Bücher nicht in verschiedene Hände kamen, und diese Bibliothek vor Zersplitterung bewahrt worden ist. Die Verdienste des Fachmannes zu rühinen, hieße Eulen nach Athen tragen. Ein nachfolgender Artikel soll einer anderen Calo Cohnschen Schenkung, die Wohl zeitlich früher erfolgte, gewidmet sein. MIL Mf itlin Edison Mai im Saale Union. Sensationelle sprechende Bilder Die heldenmütige Frau ein herrliches Drama und eine sehr interessante Aktion In einer kleinen Hütte Platz für Zwei. Lustige Komödie Genfer-See (Naturbild; בשר Muer IM sowie allerlei Selchwaren liefert billigst in bester Qualität Hirsch Majerczyk Krakau, Krakauergasse 5 erste Krakauer Selcherei (gegründet im Jahre 1890.) Preiscourante u. Hechscher gratis und franko. Unterrichts־ Briefe für Hebräisch und Polnisch mit jüdischer Unterrichtsspräche. Zur gründlichen Erlernung beider Sprachen in raschester Zeit mit günstigstem E׳ folge. Prospekl gratis Probenummer 105 Adresse: S Walkorskl Krakau, Postfach 119. TUchtiaer Berichterstatter mit den Verhältnissen in den jüdischen Vereinen. (Wohlfart*, Kultus) Wiens vertraut wird von der Redaktion unseres Blattes gesucht. 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