Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 6 (12.2.1914)
- Date
- 1914-02-12
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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״Jüdische Bolksstimme." '״r. 6. Seite 10. und Ungnade der nichtjüdischcn Majorität ausgeliefert erscheint, so das; unter Umständen wie sie bei den letzten Landtagswahlen zutage getreten sind, kein einziger jüd. Vertreter aus diesen Städten gewählt lverdcn könnte. — Es ist unglaublich, wenn inan erfährt, daß die jüd. Abg. der letzten Erwägung verständnislos gegenüberstehen. — Einer Anregung des zion. Localcomires in Lemberg Folge leistend, begaben sich der Präsident unserer Partei Adolf Stand, sowie die Herren Sr. Reich 11. Tr. Ringel in Gesellschaft der Abg. Tr. Aschkeiiase. Reizes u. Tr. Nittel am 2. Februar zu den niaszgebendcn Persönlichkeiten um namens der jüd. Bevölkerung gegen die ihr drohende Entrechtung Verwahrung cinzulegen. Tie Tcputation hatte Gelegenheit ihre Wünsche dem Statthalter Tr. Korytowski, dem Landmarschall Grasen Goluchovski und deren Präses der Wahlreform-Commission Dr. Leo vorzutragen. Tie Antworten lauteten zum Teil beschwichtigend, zum Teile auch ausweichend. Tie nächste Zukunft wird lehren, ob und inwieweit 1» seren gerechten Wünschen Rechnung getragen wurde. Jwri. Eine erhebende Feier militärischen Charakters fand Tienstag, den 3. Februar, morgens, in der hics. fortschrittl. Synagoge statt. Das sich aus Lemberg recrutiercnde Jnfanterie-Neg. Nr. 80 beging an diesem Tage den 00. Jahrestag der siegesreichen Schlacht von Oeversec, an der das Regiment im dänischen Feldzüge von 1804 überaus rühm reichen Anteil genommen hat. In der Geschichte des Regimentes finden wir eine große Anzahl jüdischer Soldaten verzeichnet, die für ihr tapferes Verhalten in jener Zeit mit goldenen und sitbe.'ncn Tapserkeitsmcdaillen dcaoriert worden waren, ebenso weist die Liste der Gesallenen viele jüdische Namen aus. Aus Anlas; diess Jubiläums fanden verschiedenc Festlichkeiten statt, denen Gottesdienste für die Mannschaft aller Consessioncn vorausgingen. 11.11 die angesctzte Stunde erschienen etwa i50 Soldaten in Paradeadjusticruiig unter Führnng von Offizieren, im Tempel, wo sich auch eine Ossiziersdcputation mit einem Stabsoffizier an der Spitze cingcfunden hatte. Nachdem Oberkantor Herr Saitz das ״Ma tauvoh"-Gebet stimmungsvoll recitiert hatte, sang der Chor den Psalm 115 in Snlzcrs herrlicher Vertonung, woraus Rabbiner Tr. Samuel Guttmann. der diesmal den Tatar des Fcldrabbincrs trug, die Kanzel bestieg und eine die Bedeutung des Gedeuktages gebührend würdigende Festprcdigt hielt. Er betonte, das; in jener Stunde unsere jüdischen Brüder ihre Pflicht als treue Untertauen des Kaisers vollauf erfüllt, viele ihren Patriotismus mit ihrem Blute besiegelt haben und gab dem Wunsche Ausdruck, das; das Band der .Kameradschaft auch in Fricdenszeiten die Angehörigen der Armee ohne Rücksicht auf nationale und confessionclle Grenzen umschlieszen möge. Ter Rabbiner schloß seine eindrucksvolle Predigt mit einem Gebete für die in der Schlacht gefallenen Offiziere und Soldaten, worauf Hr. Obcrkantor Saitz das ״El molcrachamim"-Gebet anstimmte. Nun sprach der Rabbiner bei gcösfneter Bundcsladc das Kaiscrgebct, woraus der Chor die Volkshymne sang. — Die Offiziere dankten den Funktionären in herzlicher Weise für die Veranstaltung der Feier. Nantens der Tcmpelverwaltung waren die Heren Appel und Dr. Sofcr anwesend, dagegen erregte cs unliebsamcs Aufsehen, das; seitens des Lcmbergcr Cultusvorsiandcs kein Vertreter erschienen war, trotzdem es sich um die Jubiläumsfeier des hies. .Hausregimentes handelte und so viele Söhne unserer Gemeinde an jenen Ereignissen ruhmvoll teilgenommen hatten. Jwri. ", Moria. 011 -.׳< j! Moria eine polnische Monatsschrift ist für -^sdic jüdische Jugend im Dezember 1918 in verstärkter Ausgabe erschienen und enthält sehr viele interessante Artikel und Besprechungen. Dr. S. Finkelstein schreibt über den Kainpf für das Hebräische im Haifaer Technikum. In diesem Hefte befinden sich auch Beiträge von Dr. I. Rat über die Geschichte der jüdischen Dogmatik, von N. Lachover über M. I. Barditschevski von M. I. Leser über die Strömungen in der hebräischen Literatur. Außerdem enthält diese Nummer die Fortsetzung von I. Finkelsteins Drama, Chronik und Büchcrbesprechungcn, endlich eine interessante Abhandlung der bekannten polnischen Marya Johanna Walewska (Gräfin Wielopolska) die großes Aufsehen eregte da diese Urpolin sich öffentlich als Anhängerin des zionistischen Ideals bekennt. Wir werden darübcr übrigens noch ausführlicher Berichten. Eine Würdigung dieser Schriftstellerin brachten wir in der Nummer vom 22. Jänner. Vcrgl.: ״Eine aufrichtige Stimme." Gegen v erdorbenen Magen, Darmträgheit und Gicht. ״Sternhofer Bitterwasser1׳ Mild, doch zuverläßlich. Sternhof.PostSokolnitz bei Brünn. Berichte. Herr Nachum Sokolow besuchte Dienstag, den 8. d., in Lemberg den jüdischen Turnverein ״Tror". Er wohnte Turnübungen der jüdischen Jugend bei und war von deren Leistungen entzückt. 120 Turner in voller feldmäßiger Uniform sind erschienen um den Gast zu begrüßen. Herr Sokolow hielt an sic eine warme Ansprache und gab seiner vollen Zufriedenheit beredten Ausdruck. Ferner gastierte Hr. Sokolow vergangene Woche in Tarnow, Przemysl. Ueberall wurde er mit Begeisterung und ehrenvoll empfangen. — Ueberall jedoch probieren unsere Feinde, die Allpolen ihn als den fanatischen Polenfresser hinzustellen, um Haß und Feindschaft gegen die Juden zwischen der polnischen Bevölkerung hervorzurufen. Trotzdem Herr Sokolow sich die Mühe nahm, in mehreren polnischen Redaktionen persönlich zu erscheinen, um die Führer der polnischeu Ocffentlichkeit eines Besseren zu belehren, ihnen ihre falschen Meinungen über ihn zu widerlcgen. was auch teilweise von ihnen abgedruckt wurde, setzen die antisemitischen Hetzer es weiter fori, in Neu-Sandcz und Tarnov das polnische Volk gegen uns aufzuhctzen und anzueifcrn, gegei uns feindselig Stellung zu nehmen. Lemberg. Vorige Woche hatte der dortigeKahal über einen Vortrag unseres Gg. Dr. Hausmann zu beschließen. Vor zwei Jahren hatte der Lcmbergcr Kahal unter dem Eindrücke der s. z. Vorträge von Dr. Lcwin beschloßen, dem Techr;fu1u in Haifa ein Stipendium von 12.000 K zu gewähren 11. zw. in der Weise, daß dieser Betrag in 12 jährlichen Raten zu 1000 K entrichtet werden soll. Tie Frage über die obligate Sprache in diesem Technikum wurde nicht einmal berührt, weil jedermanns Voraussetzung dahinging, daß in einem palästinensischen jüd. Technifnni. Die hebräische Sprache dominieren soll. Nun verlangte .Herr Dr. Hausmann, daß das Stipendium mit dem ausdrücklichen Vermerk ausgezahlt werden solle, das; das Hebräische in dem Technikum den Vorrang bekommen müsse. Der Kultuspräsidcnt Herr Dr. Schaff bekämpfte diesen Antrag, indem er auseinandersetzte, das; so lange der Sprachenkampf am Haifaer Technikum noch nicht endgültig entschieden sei, die Kultusgemeinde nicht vorgreifcn dürfe, sondern nach Eintretung geklärter Verhältnisse über diesen Punkt Beschluß fassen werde. Przemysl. Dank der Bemühung des hies. Akad. Vereines ״Agudas-Herzl" hatten wir das Vergnügen, Donnerstag, den 29. Jänner in unscrer Stadt einen hochteueren Gast, Herrn Nachum Sokolow, der jetzt Galizien bereist, zu begrüßen, wobei er uns eines erschöpfenden Vorträges über die gegenwärtigen Sprachzwistigkeiten in den jüd. Schulen in Palästina würdigte. Der schöne, umfangreiche Theatersaal im Arbeiterheim. dem auch bei der interessanten Vorstellung leere Plätze genug zur Verfügung bleiben, war diesmal zum Vortrag, trotz Verhältnismäßig hoher Entrepreise (die Einnahme geht natürlich zum Zweck des I. N. F.) förmlich in ein Menschenmeer verwandelt. Unter den Versamineltcn waren auch Sr. Ehrwürden Herr Ober- Rabbiner G. Schmelkes und noch mehrere hervorragende Persönlichkeiten anwesend. Es waren auch viele Nichtjuden erschienen, die schon allein die hohe Persönlichkeit unseves Gastes herbeilockte. Nach einer kurzen Ansprache durch den Vereins-Präsidenten, Herrn Dr. Kupfer, worin er Einiges über das Tun und Schaffen dieses hochbegabten Mannes hervorhob, bestieg Herr Sokolow die Kanzel, begrüßt von der Versammlung ntit hoher Begeisterung. Mit feurigen Warten beleuchtete der Redner die grausame Brutalität, welche der ״Hilfsverein" an den Palästinensischen Juden beging, die hebräische Sprache verdammend, Lehrer und Schüler mittels türkischer Gensdarmen aus der Schule verjagend. Der Vortragende wies ferner auf die hohe Vedeutung hin, welche der Schulunterricht in der, in Palästina nunmehr zur Muttersprache für die kulturelle Entwicklung, für das Leben der jüd. Bevölkerung in Palästina habe. (Natürlich sind nicht die Juden gemeint, die aus der ״Chaluka" sangen, an der Klagemauer sich weidend; denn die verstehen es auf deutsch besser). Er referierte auch einzeln über die Beziehungen des ״Hilfs- Vereines" zum I. A. K., zum Technikum usw. — Mit einem warmen Appell an die Versammelten der von den wahren palästinensischen Juden bei schlverem Opfer neu eröffnetcn und unter der alleinigen Aufsicht des I. A. K. stehenden Schule nach Möglichkeit mit Beiträge zur Hilfe zu kominen, schloß der Redner sein Referat, und der enthusiastischen Ovation war kein Ende. Mögen doch dessen Worte von Erfolg gekrönt sein. Moses Danhirsch. Rawakuska. Dort wurde die Brochüre von Dr. Thon betitelt ״Unsere Stellung in der Welt" von der Bczirkshauptmannschaft konfisziert. — Man erklärte nämlich den Anfragendcn, man müffe diese Brochüre erst zensurieren, während dieselbe in Tausenden von Exemplaren in Galizin bereits verbreitet ist. Diese Zensur dauert jedoch bereits einige Wochen. Der Zentralverband der Toynbeehallen wendete sich mit einer Beschwerde an die Statthalterei. Krakau. Diese Woche konzertierte hier Herr Herrmann Schorr, gegenwärtig Opernsänger in Berlin, jedoch von Krakauer Abstammung. Er fand ein zahlreiches, begeistertes Publikum, welchcs ihm vollen Beifall spendete. Auch die competcnte Musikkritik sprach sich über ihn lobend aus u. versprach ihm eine noch glanzvollere Zukunft. Große Gesellschaftsreise nach Palästina. Die akad. Verbindung ״Hebronia" in Czernowitz veranstaltet zu Pessach 1914 eine Gcsellschaftsreise nach Palästina, deren technische Durchführung dem Neiseburau Schenker und Comp., in Wien übertragen wurde. Der Ausgangspunkt dieser Reise ist Triest. In Palästina werden alle Städte und Kolonien Judäas, Samarias und Galiläas besucht. Das Palästinaprogramm sieht einen sechszchntägigen Aufenthalt in Palästina und einen dreitägigen Aufenthalt in Egypten (Port-Said, Cairo mit den Pyramiden von Gizeh, Alexandrien usw.) vor. Dauer der ganzen Reise vier Wochen. — Wegen aller Auskünfte u. ausführlichen Reiseprospekte wende man sich an die Firma Schenker und Comp., Wien, 1., Schottcnring 18a. Literatur. Die Salo Cohn'schen Schenkungen für die Bibliothek Der Wiener isr. Kultusgemeinde. 1. Bücher aus der Sammlung des Rabbiners Nachuni Beer Friedmann-Sädagora. (Besprochen von Dr. G. Freudmann, Wien.) Im Jahre 1909 wurde der israel. Kultusgemeinde Wien ein Teil der Bibliothek des Chas. Rabbi Nachum Friedmann in Sadagora angeboten. Es ist der Munifizenz des Vertreters der isr. Kultusgemeindc Wien, Herrn Salo Cohn, zu verdanken, daß diese Bücher der Bibliothek der Wiener jüdischen Gemeinde cinverleibt werden konnten. Für diese Bibliothek wurde von dem bewährten Fachmanne Dr.B. Wachstein ein Katalog nach streng wissenschaftlichen Prinzipien angelegt, und es ist dieser Katalog im Wege des Buchhandels (bei Gjlhofer und Ranschburg) zu beziehen. Es sei nun gestattet, den Lesern dieser geschätzten Zeitung einiges Wissenswrtes aus diesem Kataloge bekannt zu gebend Die Vorrede, die ja selbstverständlich hauptsächlich dazu dient, daß der Verfasser kundgibt, von welchen Grundsätzen er sich bei der Bearbeitung dieses Kataloges leiten läßt, enthält auch solche Partien, die nicht den Reiz des Poesievollen entbehren. So wenn er über das Wesen eines solchen Rabbi spricht, wenn er uns schildert, welche Freude die