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Jüdische Volksstimme · 1914-02-12 · Heft 6 (12.2.1914) · page 9

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 6 (12.2.1914)
Date
1914-02-12
Page
– (sequence 9)
Language
German
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״״— ,<■-*■.-■ 4 «-. 6. xv./3 ^Beilage zur,UsrenerJW. VolksMumle^ 8°»°° Vas Wische Leben in Galizien. 1 zwischen uns zuerst ausgerottet wird, wo vaniiiLaiiiiiilungen hieraus geleitet, ein erheblich günbeurteilen können, ob die demo-j sligeres Resultat als bisher lieferimvurven. — Wir machen «nsere geehrten Leser aufmerksam,'kratischen Elemente in Polen für die allgemeine.Redner übergeh die Leitung der -ammelnelle dak wir in Krakau Stanislaw« 3 eine Gemenschliche Freiheit, 1omst auch logiicherwene nut vollem Vertrauen dein durch 1c mc l'ivhc.igc. «""ו־!.«"—t...» »״•>״«» haben für die unsere sind, oder aber ob sie eine falsche großzügige Arbeit beilbekaiinreil -rr. Gerion schaftsstelle unseres Berlages errichtet haben für die unsere 1 ...... und sind Bestellungen ans Bücher, Schrift Firnia auf ihre ^ahae geschrieben haben, ten un^r der Adresse: Israel Ham- Bernhard Horowitz. m e r, Krakau, Stamslawa 3, zu rrchte«. Lemberger Brief. Die Sokolov-Affaire in Galizien Wenn ich Ihnen heute über hiesige Vor- Die Hetze, welche die sogenannten Allpolen , kommnisse aus den jüngsten Tagen berichten soll, in Galizien gegen Sokolow und die Abhaltung-so muß ich an erster Stelle einer heute stattgeseiner Vorträge inszeniert haben, rückt diese! fundenen Festlichkeit gedenken, die schlicht und Chauvinisten ins hellste Licht. Wir sehen, daß würdig in ihrer Form, auf den intimen Kreis ihnen, ein bloßer, ihnen vielleicht unsympathischer Titel eines Vortrages genügt, um mit Feuer und Schwert gegen diesen loszuhauen. Wenn sie das Wort ״Selbstwehr des Juden- und sie setzen alle Hebel in Bewegung, um ihre Wucht in die Wagschale zu legen, daß die Juden nur von Selbstwehrträumen möglichst ferngehalten werden. Ihnen ist die Art der Selbstwehr des Judentums egal, ob sie politischer, ökonomigroßzügige Arbeit Tr. Kipper ergreift bierauf Vas Won, bczeichnet diesen Tag als einen der glücklichsten seines Lebens, verweist in allgemeinen ׳siigen auf die hohe national-erzieherisch׳ Arbeit des jüd. Nationalfondes und der von ihn. geforverten Institutionen und gelobt, seine ganze Mreift diesem Werke widmen zu wollen. Er dankt schließlich allen Anwesenden für ihre freundlich Anteilnahme und bittet sie. sinn bei der großen Arbeit beizustehen. Dr. Georg Halpern überbringl die Glückwünsch des zion. Aktionscomites und des Tirektoriums in Cöln, worauf Dr. Leon Reich im Nanien der Palästinacommission in warmen ihrer Teilnehmer einen erhebenden Eindruck gemacht, hat. .. ״״״ ....... War es ja die feierliche Eröffnung der neu- Worten auf die Bedeutung des Tages verweist, _ , . . _ geschaffenen galizischen Sammelstelle für den! ^Egt, die Amvesenden mögen gleichsam als tums", denn so war der Vortrag des Herrn Sojüd. Nationalfoud. eine Neuschöpfung, die wenn erste praktische Betätigung die gali,zisch Sanikolow betitelt, hören, ergreift sie ein Zittern sich unsere darangeknüpften Erwartungen erfül- ״.elstelle in das goldene Buch eintragen. Diesem ' ' .. len dem galizischn Zionisten und dem gal.- Appell wurde sofort Folge geleistet und der Bezischen Judentum Ehre u. Ruhm bringen wird, trag von 250 Kronen zu Händen des Cassiers Freudigen Herzens sahen wir Näherstehenerlegt; gleichzeitig wurden 150 Kronen für drei de den Tag kommen. Die Feier, zu der infolge Dunam Land und zwei Oelbäume auf den Na- Raummangels nur sehr beschränkte Einladunmen des Rabbiners Dr. Guttmann gespendet. scher, sprachlichr oder sogar religiöser Natur sei. der Selbstwehrgedanke bei den Juden ist ihnen ein Greuel. Denn sie wußten doch nicht über was für Selbstwehr Sokolow sprechen werde, ob diese in Oesterreich oder irgenwo auf einem anderen Punkte der Erdkugel inszeniert werden solle. Wäre es nicht rationeller gewesen zuerst zum Vortrag hinzugchen, um sich zu überzeugen, was eigentlich dieser Sokolow sagen will? Aber unseren Feinden geht es doch nur darum, ein Kampfmittel. Aufruhr- und Hetzmaterial in die Hände zu bekommen. Hätten sie aber den Vortrag abhalten lassen, und Zeugen wären von den mit Frieden, Milde und Reciprozitätsgedanken ansgefüllten Geist des Herrn Sokolow inbezug auf unser Verhältnis zu den Polen, sie hätten dann keine Waffen gegen uns! Und so kam es, daß die polnische Presse, gerade gegen den vielleicht größten Polenfreundlichen und dabei jüd.- nationalen Schriftsteller ihre Anfchwärzungen und Verleumdungen ausschütteten! Sie legten Sokolow solche herabwürdigende und entehrende Worte über die Polen in den Mund, die allen allbekannte Tatsachen zuwider Sokolow als den Urpol-enfeind darstellen. Ein gewaltiger Taumel und ein grimmiger Haß ergriff die polnischen Chauvinisten als sie vernahmen, daß Sokolow sprechen wolle, ohne selbst zu wissen warum. Selbst die Krakauer ״Nova Reform«" die angeblich liberalen Ideen dient, und das Banner der wirklichen Demokratie hochhält, mußte in den Reigen unserer gegnerischen Schreier treten, um zu beweisen, daß dort wo jeder haut, sie mithauen dürfe und keine! Ausnahme bilden wolle. Wie dieses Vorgehen mit den Grundsätzen der Demokratie in Einklang zu bringen ist, ist unverständlich. Dieses Organ, welches soviel Tränen über die Martern der Polen in Deutschland und Rußland vergießt, sollte doch begreifen, daß man unglückliche Völker nicht noch mehr zuschnüren und verfolgen soll. Denn wenn man selbst mit den Forderungen an die Repräsentanten der jung-jüdischen In- Nach Ende der Feier ließen sich sämtliche Teilstitutionen ergehen konnten, trug infolgedessen nehmer als Gruppe photographisch anfnehmen; einen herzlich familiären Charakter, wenn sich die Bilder werden in Form von Ansichtskarten auch deren Teilnehmer in diesem Augenblicke zugunsten des Nationalfondes i» Vertrieb gedurch unzählige unsichtbare Fäden mit der großen langen. Masse des jüdischen Volkes verknüpft fühlten. 1 'Anläßlich der Feier sind unzählige mit Na- In dem einfach aber geschmackvoll eingerichtionalfondsmarken versehene Glückwunschkarten teten Bureaulokalitäten hatten sich eingefunden: eingelaufen. die Mitglieder des A.-C. Präsident Adolf Stand Das Bureau hat bereits seine Tätigkeit er- und Dr. L. Reich, der Nationalfonds-Commissär öffnet. Jvri. für Galizien Dr. Zipper mit den Commissions- * Mitgliedern Jakob S. Philipp, David Schönfeld, Dr. Rosenzweig, Dr. Buchstab, Melzer und 80- Nach mehrjährigen, mitunter leidenschaftdek, der Sekretär der Sammelstelle Dr. Landau lich geführten Kämpfen, in denen die Tätigkeit und die Revisoren Dr. Georg Halpern und Dudes gal. Landtages infolge der Obstruktionskor, sämtliche Mitglieder des zion. Centralkomi- Politik der Rutenen nahezu ausgeschaltet war, tes, Direktor Eisler (Creditunion), Dr. Ringel scheint das von der Centralregierung mit allein als Präses des zion. Localcomites, ferner Rep- Nachdruck in Szene gesetzte Comproiniß in Saräfentanten des zion. Bürgervereines ״Tikvat chen der galizischen Landtagswahlresorm perfect Zion", des zion. Frauenvereines, des jüd. Turnwerden zu jollen. Wenn nicht in letzter Stunde Vereines, des jüd. Sportklubs, der Toynbeehalle, ein unerwarteter aber wohl ausgeschlossener der akad. Verbindungen ״Emunah", ״Judäa", Zwischenfall eintritt, dann dürfte die Wahlre- ״Hasmonäa" und ״Makabea", des Vereines jüd. form im Laufe der nächsten Tage im Plenum Hochschülerinnen usw. usw.! des Landtages beschlossen werden, so daß wir Die religiöse Weihe vollzog Rabbiner Dr. in kurzer Zeit Neuwahlen entgegensehen dürfen. Guttmann. der in einer tiefangelegten, warm- Das wir Juden dabei angesichts der ziemlich empfundenen Festrede einen Rückblick auf den passiven Stellung der ivenigen jüdischen Abg. Werdegang der jüd. Renaissancebewegung warf schlecht abschneiden und in der aufgrund der und nuf den hohen moralischen Wert hinwies,! neuen Wahlordnung zu wählenden Landesverder den Sammlungen für den jüd. Nationalfoud tretnng keine auch annähernd unsere Zahl und zugrundeliegt. Steuerkraft entsprechende Vertretung finden Wer von uns für den Naitonalfond spendet, werden, ist mehr als gewiß, soll sich gleichzeitig auch die hohen Ideale vor Au-! Vielleicht werden unsere Brüder hier und in gen halten, deren Verwirklichung unsere Jnstiden übrigen Ortschaften wenigstens nach dem tutionen anstreben. Der ehrwürdige Redner Schaden klug werden und sich künftighin bei der kommt dann auf den Schulstreit in Palästina zu! Auswahl ihres parlamentarischen Vertreter sprechen und legt in flammenden Worten Protest, nicht von leeren Versprechungen der bisherigen ein gegen jeden Versuch, die große jüd. Wiederge- Moßkos ins Schlepptau nehmen lassen. Kurt in Erez Jisroel in anderem Sinne als in einem rein jüdischen zur Verwirklichung zu brin-, gen. Kein Heller des jüd. Nationalfondes darf anderen Zwecken gewidmet werden, jede Concesnach Freiheit, Emanzipation und Gleichberechj sion an den Goluth erscheine dort, wo sich ein tigung so oft und so scharf hervortritt, ist es doch — •״---«״---״ £ ein Gebot Primitivster Art, daß man auch andern noch viel mehr Unterdrückten und Gemarteten Herzlichkeit und Edelmut entgegenbringen solle. Eine Verantwortung kann die liberale Polnische Presse — denn von der antisemitischen wäre dann überhaupt zu reden — für ihr Vorgehen haben und die ist: sie bleibt im Kontakt mit den jüdisch-assimilatorischen Geistern, welche anscheinend ihr Ziel verfolgen, nämlich: die Unterdrückung des neuen jüdischen Geistes. Unter solchen Umständen muß man die Sache ganz anders behandeln und trachten, daß die Fäulnis heiliger Verjüngungsprozeß der Nation vollzieht, verdammenswert. In hebräischer Sprache fortfahrend, appellirt er an die Versammelten, die hebr. Sprache auch hierzulande nach Kräften zu Pftegen und wünscht den Bestrebungen der neuentstandenen Sammelstelle besten Erfolg. Im Namen der zion. Organisation Galiziens sprach hierauf Präsident Ad. Stand und beleuchtet in eindringlichen Worten die Bedeutung dieser Institution für Galizien. Es waren nicht Eitelkeitsgründe, die uns veranlaßten, die Er- Die zionistische Partei hat in dieser Frage im Lause der letzten Jahre bei verschiedenen Anlassen ihre warnende Stimme erhoben, die uns drohenden Gefahren sind in unzähligen Artikeln des jüd. ״Tagblattes" von berufener Seite eingehend erörtert worden und noch in letzter Zeit ist unsererseits nichts verabsäumt worden, um noch die krassesten Mängel des Gesetzentwurfes in puncto jüd. Interessen aus dem Wege zu schassen. Als solche gelten die Vereinigung verschiedener Städte mit den anliegenden Dorsgemeinden, wodurch die bisherige Majorität der jüd. Wähler fast bis zur Minorität hinabgedriickt wird und die Wahlordnung in den Hauptstädten Lemberg und Krakau, wo sämtliche 8, bezw. 6 Abgeordnete von der ganzen Bevölkerung also oberung einer besonderen Sammelstelle zu ver-, nicht nach besonderen Stadtteilen gewählt werlangen, sondern einzig die Erkenntnis, daß die! den sollen, so daß auch hier die Juden der ~

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