Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 6 (12.2.1914)
- Date
- 1914-02-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2621806-2621897-2621903--2636-2623752- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nr. 6. Seite 4. jüdische «oHSsNmme.« bender. Herr Hermann Koller Hai bei diesem Anlässe mehrere humanitäre Institutionen, insbesondere den Verein ״Kurfürsorge" mit grö- Heren Beträgen bedacht. Die Weihepredigt hielt Theol. Israel Feld(Erhortant im Simmeringertempel) der durch Gedankenfülle und rethor. Kraft seiner fesselnden Diktion auf alle Zuhörer einen mächtigen Eindruck machte. Brockensammlung für jüdische Arme. Das rührige Vcrgnügungs-Komite dieses jüngst gegründeten Vereines veranstaltete in letzter Woche im Äafe Adlon einen Theaterabend, der von einem distinguierten Publikum besucht war. — Frau Raja Barbcr brachte drei Lieder zu Gehör, und erntete reichen Beifall׳, auch Hofburgschauspiclerin Frau Danegger, Frau Klaus Bayer, Herr Kantor Neumann trugen wesentlich dazu bei die zahlreich erschienenen Gäste durch ihre intcressanten Vorträge zu unterhalten. — Die Brockcnsammlung wird demnächst ihr neues Lokal, Albertgasse 16, beziehen. Der strenge Winter der sich bei den Armen besonders fühlbar macht, stellt erhöhte Anforderungen an unseren Wohltätigte its-Verein. Brocken aller Art, Kleider, Wirtschaftsgegenstände, die im Hause entbehrlich sind, werden von der Brockensammlung dankbarst angenommen. Besonders lebhaft ist die Nachfrage nach Kleidungsstücken. Bericht des ersten Bundestages des Oesterreichischen Bundes ״Blau-Weiß" für jüdisches Jugendwander». Am 8. Februar fand der konstituiercndc Bundestag des obigen Bundes statt. Der Präsident des Wiener Wanderbundes, Herr JUDr. Ernst Skutetzky eröffnete die Tagung mit einer Begrüßungsansprache. Die vorgelegten Statuten wurden genehmigt und die Bundesleitung beauftragt, dem nächsten Bundestag ein Reglement für die Führer vorzulegen. Herr MUC. Otto Gcrsuny hielt ein Referat, in dem er das organisatorische Verhältnis zwischen Führerschaft, Ortsgruppe und Bundesleitung darlegte. Der Bundestag setzte als Milgliedsbeitrag 6 K fest und bestimmte, daß vom Mitgliedsbeitrag 4 K an die Ortsgruppe, 2 K an die Bundeslcitung abzuführen seien. Die Bundesleitung wird durch die Herausgabe von Brochüren und Flugschriften, sowie durch die Entsendung eines Agitationsredncrs eine großzügige Propaganda cinlciten. Auch die Bildung eines Sekretariats wurde beschlossen. Um der Bundesleitung die Ausführung dieser Brochüre schon in der nächsten Zeit zu ermöglichen, wurde beschlossen, den Ortsgruppen als einmalige Aufnahmsgebühr in den Bund 20 K aufzulegen. Auch wurde angeregt, die Anmeldung neuer Ortsgruppen bei der Be- Hörde stets durch die Bundcslcitung vornehmen zu lassen. Von den eingelaufenen Begrüßungen sei die des jüngsten Wanderbundcs in München erwähnt. Nach der Vornahme der Wahlen in die Bundcslcitung wurde der Bundestag geschlossen. Jüdische Volksbank für Mähre« und Schlesien, R. G. m. b. H. Krapfengasse 19 BrÜNN, Krapfengasse 19 Persoualkredite Wechseleskompt Verkauf«״« Losen Spar- «nd Kontokorrenteinlagen gegen bestmöglichste Verzinsung l^r Heimsparbüchsen *MU werde« de« Einlegern kostenlos überlaste«. Emigrantenfürsorge der israel. Allianz zn Wie«. Während des Monates Jänner 1914 wurden von der Zentrale der israel Allianz in Wien insgesamt 188 Emigranten, davon 176 russische nr>t> 12 rumänische wciterbefördcrt, 11. zw. 145 nach den Vereinigten Staaten, 10 nach Argentinicn, 7 nach Cauada, 4 nach England, 17 nach Frankreich und 5 nach anderen Ländern. In ihre Heimat zurückbcfördert wurden 24 Rückwänderer. Während des Ausenthaltes in Wien wurden im Monate Jänner für 38 Personen zusammen 139 Tage Logis und volle Verpflegung bezahlt und an 76 Personen insgesamt 307 Speisemarken für die isr. Volksküche ausgegeben. — Es fuhren zu ihren Männern 17 Frauen mit zusammen 43 Kindern, zu Eltern resp. Kindern 37 Erwachsene mit 11 Kindern, zu Geschwistern 27, zu sonstigen Verwandten 42 und ohne nähere Verwandte 10. — Dem Berufe nach waren unter den Beförderten: Schneider (Schneiderinnen) 42, ohne bestimmten Beruf (zumeist Frauen) 40, Schuster (Oberteitarbeiter) 6, Handelsangestellte 6, Tischler 6, Händler 9, Fleischer 4, Kappenmacher 3, Drechsler 3, Spengler 3, Müllner 2, Photographen2, Landarbeiter 2, Schmiede (Schlosser) 2, Kürschner 1, Hutmacher 1, Perückenmacher 1, Anstreicher 1, Bäcker 1, Schriftsetzer 1 und Eiersortierer 1. Krünner Nachrichten Chewra-Sude. Samstag, den 7. März 1914 findet die diesj. Chewra-Sude statt. Das Programm wird in einer der nächsten Nummern bekannt gegeben werden. Reklamationen wegen Einladungen sind an die Redaktion dieses Blattes zu richten. Bibelschule des Vereines "Machsike hadaß״. Die P. T. Eltern und P. T. Religionslehrer werden auf den ab 1. März beginnenden Spezialkurs behufs Erlernung des hebräisch Betens aufmerksam gemacht. -Der Kurs beginnt am 1. März und wird bis Ende Mai abgehalten. Der Monatsbeitrag ist K 3. Anmeldungen sind an die Leitung des Vereines ״Machsike hadaß", Adlergasse 12, schriftlich zu richten. Jüdisch-Humanitäre Organisation ״Achdus" in Brünn. Es wurde aufgrund näherer vorhergegangener Beratungen beschlossen, eine Organisation des jüdischen Mittelstandes ins Leben zu rufen, der auch Personen aus der Gesamt- Monarchie beitreten können. Eventuelle Aüfklarungen werden von der. Redaktion unseres Blattes gerne schriftlich erteilt. Jüdische Tüynbeehalle. Sonntag, den 8. d., hielt Herr Rabbiner Dr. Günzig aus Loschitz über die apostolische chaffidische Bewegung einen Vortrag. Ausführlicher Bericht folgt in der nachsten Nummer unseres Blattes. Aus der Brünner Kultusqemeinde. In der letzten Sitzung des Vorstandes der Brünner Kultusgemeinde wurde der Beschluß gefaßt, zur Lösung der Friedhofsfrage den verstärkten Vorstand einzuberufen und die Vorarbeiten für die Neuwahlen auszuschreiben. Antisemitischer Touristenvereiu. Edelweiß hat es durch seine Umtriebe so weit gebracht, daß er sich auflösen muß. Der geheime Obmann dieser Touristengesellschaft ist ein Angestellter des ״Tagesboten" Der Charakter der Majorität dieser Gesellschüft wird durch den Schriftführer Fietz verkör- Pert, der eine Anrempelung nicht anders zu Paricren versteht als dadurch, daß er sein Bierglas hebt und schreit: ״Ich bin Reserveoffizier!" — Dieser Mann hat sich vor kurzem folgendes Stückchen geleistet: Ein Brünner Touristenverein veranstaltete einen Lichtbildervortrag, zu dem er als Vortragenden einen Herrn aus Insbruck cinlud. Kaum daß dies Fietz erfuhr, schrieb er an denselben, er möge doch den Vortrag unterlassen, da der Verein eine Judengesellschaft ist. Gut gebrüllt Fietz! Merken Sie sich das gut und wenn Sic Offerte um Stellen ausschickcn, erkundigen Sie sich ja früher, ob nicht die Adressaten Juden sind. Es ist nur bedauerlich, daß der Alpenverein sich diese Gesellschaft von seinen Rockschößen nicht fern zn halten versteht. GELDEINLAGEN werden je nach Kündigungsfrist und Vereinbarung von der JÜDISCHE VOLKSBANK für Mähren u. Schlesien in Brünn, Krapfeng. 19 verzinst Kulanteste Besorgung aller Bankgeschäfte Tr. Schcmarja Lewin in Brünn. Dienstag dcn3. Februar veranstaltete der Verein Theodor Hcrzl im städt. Redoutensaale einen Vortrags- Abend. Es sprach das Mitglied des engeren A. C. Dr. Schemarja Lewin über ״Die Aufgaben der Juden im Orient". In gewohnter geistreicher Weise entledigte sich der Referent seiner Aufgabe. Insbesondere besprach Herr Dr. Lewin die Frage des Sprachenstreites in Palästina. Die eineinhalbstündigen Ausführungen wurden von! Publikum mit lebhaftem Beifalle ausgenommen. Der Vortrag erfreute sich eines äußerst starken Besuches. Mazzesbäckeret E. Friedman», Eidam Wien XXI.. Kaiserin Elisabethstraße IS unter Aufsicht des ebrenw. RavinateS der Wiener israel. Kultusgemeinde. Religiös streng verläßlich. Prima!Qualität. In Brünn sowie in de« größte« Städte« der Monarchie werden eigene Verkaufsstellen errichtet. An KultuSgrmemden wird zu Ausnahmspreisen geliefert. Alles nähere in der näch. sten Nummer der Jüd. Bolktstimme. Jüd. Handlungsgehilfen und Jndustrieve amten-Berein, Ortsgruppe ״Brünn". In Brünn wurde eine ״Ortsgruppe" des jüd. Handlungsgehilfen-Verbandes in Oesterreich ins Leben gerufen. Jüd. Handels-Angestellte und Industriebeamte, die diesem Vereine beizutreten wünschen wollen ihre Adresse Herrn Isidor Reich, Johannesgasse 28 bekannt gehen. Volkswirtschaftlicher Teil. Böhmische Jndustrial-Bark in Krakau. Es wird uns aus kompetenten Kreisen mitgeteilt״ daß die Böhmische Jndustrial-Bank eine Filiale in Krakau, Rynek Sienna, errichtet. Die neue Filiale wird ihre Tätigkeit Anfangs Februar aufnehmen. Haupttreffer. Bei der am 15. September 1913 stattgefundenen Ziehung der serbischen Tabaklofe entfiel der Haupttreffer per 75.000 Frks. auf das bei dem Bankhause Eduard Urban in Brünn, gekaufte Los Serie 521, Nr. 65. Dieser Glücksfall wurde gelegentlich einer Revision konstatiert und der Treffer dem glücklichen Gewinner jetzt bar ausgezahlt. Es ist dies wieder ein Beweis, wie vorteilhaft der Ankauf vorr Anlehenslosen ist und verweisen wir dieserhalb auch auf das heutige Inserat obiger Firma. Böhmische Jndustrial-Bank in Brünn. — Der Geldeinlagensaldo betrug Ende Jänner d. I., K 77,359.710.93. Versicherungs-Verträge. Das Versicherungswesen in Oesterreich untersteht der staatlichen Aufsicht. Es gilt sogar eine soweit gehende Bestimmung, daß die Versicherungsgesellschaften keine Drucksache verwenden dürfen, welche nicht vorher der kompetenten Aufsichtsbehörde vorgelegt worden ist. Infolgedessen glaubt der unglückliche Versicherte, daß in den zahlreichen Paragraphen und Klauseln, die der Nichtfachmann nicht versteheit kann, ein gewister gesetzlicher Schutz für ihn beht. — Man ist aber im privaten wie im öffentlichen Leben gar vielen Täuschungen ausgesetzt. Zunächst wollen wir die eine krasse Tatsache hervorheben, daß das Kündigungsrecht für beide Teile sehr verschieden festgestellt ist. Uebereinstimmend ist in den Verträgen aller Gesellschaften dieBedingung enthalten, daß der Versicherte während der Vertragsdauer über- Haupt nicht kündigen kann. Aber selbst nach Ablaus der Versicherung ist der Versicherte zumeist noch zu einer mit diversen Fußangeln versehenen Kündigung verpflichtet. Da er diese Fußangeln nicht kennt und nicht bemerkt, so fällt er auch darauf hinein, weil er es in den meisten Fällen nicht auf einen kostspieligen Prozeß ankommen lassen will. Ueberdics sind die umfangreichen Bestinimungen so verklausuliert und unauffindbar, daß man großer Hebung bedarf, um sich mit Mühe und Not zurecht zu finden. Von einzelnen Gesellschaften, welche ihre Bedingungen durch feinsten Diamantdruck der Kenntnis des Versicherers gänzlich entziehen, wollen wir hier gar nicht sprechen. Der Versicherer hingegen hat das Recht bei jeder Aenderung der Verhältnisse, bei jeder