Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 6 (12.2.1914)
- Date
- 1914-02-12
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Rr. 6 «tee S. Forderungen aufstellen, so lange eine Lsterreichische Regierung mit völkischen Forderungen rechnet! Hat dies aber aufgehört; sind nationale Zwiste ausgeschaltet aus der politischen Arena, dann werden sich neue politische Parteien bilden orientiert nach Weltanschauungen und Wirtschaftlichen Gesichtspunkten; danr aber ist die Uhr der jüdisch-nationalen Politik abgelaufen! Eine jüdisch-nationale Partei kann nur eine national-soziale sein. Tenn ein neues Oesterreich kann nur ein soziales Kaiserreich Österreich sein und der zukünftige Träger der österreichischen Kaiserkrone will Herrscher sein: eines national-besriedigten, sozialen Großösterreich. Wird es dem Zionismus gelingen einen Kurswechsel in die angeführten Bahnen hin zu leiten, werden sich die jüdischen Politiker von jedweder Ideologie und bourgeoisen Doktrinarismus endlich befreien, kann es nur zum Heile von ganz Juda geschehen; wo aber nicht?- caveant consules!- VERLOBUNQ5-R1HQE PRAUTSCHMUCK r t ' HOCHZEIT5QESCHENKE EHE-RINQE --- > in hervorragender Auswahl zu besonders billigen Preisen. Berthold Bachner, k. U. k, Hoflieferant, Juwelen-, Uhren-, Goldu. Silberwarenhandlung Brünn, nur Ferdinandsqasse Nr. 2. W Provinzaufträge finden sofortige Erledigung. Znaimer Brief. Sehr geehrter Herr Redakteur! In Ihrer letzten Ausgabe brachten Sie einen ״Znaimer Brief", welcher seine Wirkung nicht verfehlt hätte, auch wenn er vom Verfasser gezeichnet gewesen wäre. Von einem Zionisten scheint der Brics nicht geschrieben zu sein, da ein Zionist stets das auch mit seinem Namen vertreten wird, was er schreibt. Es ist gewiß nicht zu tadeln, wenn man durch die einzige, uns zur Verfügung stehende Presse in Mähren die desolaten politischen und sozialen Verhältnisse unserer Kleinstädter reformieren will. Tas Herausstreichen und Photographieren einer einzigen Persönlichkeit wird aber den angcstrebten Zweck nicht erreichen. Es muß tiefer gegriffen werden, auf jene Ursachen, welche der intellektuelle Rückgang der jüdischen Kleinstädter zurückzuführen wäre. Und so müssen wir auch auf die ״schöne Zeit" der liberalen Aera zurückgrcisen, wo die Juden, welchen die Stadt ihren wirtschaftlichen Aufschwung zu verdanken hatte, von den arischen deutschen Mitbürgern geduldet, in den Verband deutscher Vereine als geduldete Mitglieder ausgenommen und sogar zu einem Tänzchen geladen wurden. Stolz auf diese Ehre überließen sic die Verteidigung ihrer politischen Rechte, die Pflege der jüdischen Kultur, den deutschen Brüdern und so gingen ihnen im Rausche des Assimilantentums das ״jüdische Fühlen" und das jüdische Streben nach Bildung verloren. Aus diesem Afsimilantentraum erwacht, aufgerüttelt durch rassenantisemitische Hochflut, wischt sich der Kleinstadtjude die Augen und erblickt zu seinem Entsetzen, daß er wehrlos dasteht, politisch ganz ungebildet, unerfahren und nicht organisiert, gesellschaftlich zerfahren ohne moratischen Halt. Soll man sich nun wundern, daß in einer solchen Gesellschaft die hehren idealen Ziele des Zionismus kein Verständnis finden können, daß in einer Stadt von 280 durchschnittlich wohlhabenden Familien zu einem jüdischen Vortrag keine zehn erscheinen, hingegen alle Mann an Bord sind, wenn irgend ein genialer Barnum und Behle-Unternehmer sie nicht — wie die bösen Zionisten nach Palästina — sondern dorthin wo sein Freund Cook nicht war. zum ״Nordpol" führen will? Soll man sich nun wundern, daß in einer solchen Stadt kaum 2 Prozent ein Wiener jüdisches Blatt, 0.5 Prozent eine illustrierte jüd. Monatschrift ״Ost und West" und 1 Prozent die ״Welt" abonniert. Von jüdischer Literatur und von der ganzen weltumfassenden, zionistischen Bewegung wollen sie nichts hören. In dem von uns verlachten ״unzivilisierten Osten" führt der Jude ein höheres geistiges Leben als wir eingebildete Westler. Ter Orthodoxe hat feinen Talmud, den er mindestens einmal in der Woche am Sabbath liest; der moderne Jude die neue jüd. Literatur. Und wir? Wir haben unser Kaffee- Haus. Also nicht einzelne Personen, welche zufällig ״weil keine geistig überragende Persönlichkeit zu finden war, zur Führung gelangten," sind schuld an unserem geistigen Rückgang. Dieser schweigende Politiker hat wenigstens durch sein Schweigen unsere politische Unbildung nicht verraten, wie jener Schwätzer, der vom hiesigen Antisemitenhäuptling die Weglassung, seines antisemitischen Programmes, von dem er lebt, verlangte und ihm dafür jüdische Stimmen versprach. — Kehren wir zurück zur Pflege unserer geistigen Ueberlieferungen, schaffen wir hier ein gesellschaftliches Bildungszentrum, eine Bibliothek jüdischer Werke und beweisen wir durch Bildung, statt durch täglich neue ״Fetzen" unserer Frauen mit täglich frischen Rosen, — daß die Erhaltung unserer Rasse eine Kulturnotwendigkeit ist und daß wir auch für Ideale zugänglich sind, die uns in öffentlicher Gemeinderatssitzung der Antisemitenführer abgeschworen hat. Hochachtungsvoll Dr. M. Schechner. KAFFEEGESCHAFT Rosenbaum Liechtensteing. 1 BRÜNNj Liechtensteing. 1. Ungarischer Brief. Von den acht jüdischen Magnaten, die durch königliche Huld und Ministergnaden Sitz und Stintme im ungar. Oberhaus hatten, sind im letzten Jahre vier durch den Tod abgegangen. Ist es nun für den gesetzestrenen Juden sonst ganz egal, wer von den dreizehnlötigen Goldklumpen, die sonst nichts als die proportionierte Mühung für sich haben, in den diskreten Hallen placiert werden, diesmal ist es anders. Soll doch mit der Erfüllung der höchsten Ambition derer, die zwischen dein Tabaktempel und der Stephansbasilika pendeln, eine Frage übers Knie gebrochen werden, die von tref prinzipieller Bedeutung und daher von allgemeinem Interesse ist. Denn ״sie" wollen, daß jetzt nicht das geb. Bankgenie allein, sondern auch der ungeborene jüdische Führer ausgezeichnet werde. Und da — so konkludieren die Siebenmahl-Weisen der ungarischen Assimilation — kann die königliche Gnadenhuld nur den holen Schädel einer neologen Potenz, die mit sechs Nullen operiert, treffen. Franz v. Szekely und Moriz Mezey, so weit sie Wechsel prolongieren, Salzlieferungen vermitteln und Staatsobligationen unterbringen, sind für die Gesetzestreuen völlig irrelevant; als Fahnenstangen der officiellen Neologie gewinnen sie aber an Bedcutung. Werden sie als solche — und so ist es gemeint — ausgezeichnet, und in die Höhe getragen. dann hat die offizielle Orthodoxie — und so wäre es gemeint — einen Faustschlag erhalten. Und was mehr ist: das bedeutet eine Wendung in der Windrichtung, die von ״Oben" weht. Ter Wetterhahn auf dem Giebel kündet uns dann nahenden Sturm. Denn bis jetzt, hat die Regierung immer den Standpunkt der Orthodoxie — verstanden. Man macht auch Versuche — unter dem durchsichtigen Vorwand — den rangältesten Rabbiner, der zufällig der Tabaktempelritter Dr. S. Kohn ist, auszeichnen zu müssen, diesen ins Pairhaus zu schmuggeln. Daß dies vereitelt werde, dafür muß die orthodoxe Kontrolle mann- Haft einstehen. Es liegt in ihrem Kampf die Verteidigung eines vitalen prinzipiellen Interesses. Es ist zu hoffen, daß ihr das gelingen wird, weil sie doch für sich nichts verlangt und für ihre negative Forderung den scharfen Nachdruck der orthodoxen Masten, die mit dem Stimmzettel für ihr Recht einstehen, setzen kann. Budapest, den 6. Februar 567-1. Dr. A. Dia beste Quelle für den Einkauf von teiier Hermen sHe ist und bleibt kW IIS. Mil Brünn, Ferdinandsgasse 21, I. Stock Kleine Regle! Kleine Preise! Pre allsten gratis und franko. Wiener JlucJmchtcn. Wohltätigkeits-Akademie ״Kurfürsorge". Samstag, 31. v. M.. hat im Festsaale des Hotel Continental eine Wohltätigkeits-Akademie stattgesunden, deren Reinerträgnis dem überaus wohltätig wirkenden Vereine ״Kurfürsorge" (Obmann med. Tr. I. L. Braun) gewidmet war. Bis auf das letzte Plätzchen füllten die Freunde dieser eminent wohltätig wirkenden Institution den Saal und spendeten der treffliehen Künstlerschaft , welche der Komponist Edmund Eisler als Vorstandsmitglied und artistischer Leiter für die gute Sache gewonnen hatte, reichen wohlverdienten Beifall. Eingeleitet wurde der Abend von der Biolin-Virtuosin Steffi Großmann mit dem seelenvollen Vortrag schwieriger Konzertstücke. Rudolf Bandler. der Baß-Buffo von der Volks-Oper wurde für seine Lieder zur Laute stürmisch bejubelt. Emmy Petko vom Bürgertheater, Opernsänger Marcell Noe von der Volksoper, Carlo Böhm vom Straußtheater, Viktoria Pohl-Meiser vom Bürgertheater und Käthe Ehren vom Carltheater boten wie immer ausgezeichnete Leistungen und ernteten lebhafteste Anerkennung. Ter Sänger der k. k. Hofoper, Herr Michael Striks, brachte Arien ans der ״Jüdin", ״Toska", Bajjazzo" zu schönster Wirkung und erregte sowohl durch seine herrlichen Stimmittel, wie durch den ausdrucksvollen Vortrag berechtigtes Aufsehen. Ebenso wurde das feinfühlige Accompagnement der Pianistin Frau Regine Schwager lebhaft acclamiert. Tie dankbare Anerkennung, welche Edmund Eysler für das Arrangement und die feinfühlige Begleitung der meisten Programmnnmntern zuteil geworden, steigerte sich zu Hellem Jubel, als er den Taktstock ergriff, um Vorträge eigener Kompositionen durch das Tonkünstler- Orchester selbst zu dirigieren. Reicher Beifall lohnte dieses ausgezeichnete Orchester, das unter Leitung des Kapellmeisters Emil Zelnik beim nachfolgenden Tanz die Musik besorgte. Nebst dem rührigen Obmanne Tr. I. L. Braun hatten sich um den gelungenen Abend besonders verdient gemacht: die Präsidentin des Tamen-Vorstandes Frau Tr. Helene Stein, die Tanten Fr. Gisela Weiß, Frau Hofrath Freiberger, Frau Tr. Brüll usw., die Mitglieder des Executiv- Komites Herr Apotheker Robert Raditz, Herr Magister Felix Eisler, Herr Leo Heller, H. Heller, Waiscnrat S. Kulka, S. Sperling usw. Das Tanzarrangement besorgte in seiner stets bewährten Weise Professor Julius Singer. Tem wohltätigen Zwecke fließt ein ansehnliches Erträgnis zu. Wien. Samstag, den 8. Februar fand int Bethaus ״Mcchisch Jeschuu" ein Festgottesdienst statt. Ten Anlaß Hierzit bot die Ausschmückung und Verschönerung des Gotteshauses, ein Werk, an dem drei Mitglieder in edlem Wetteifer sich beteiligten. Als erster verdient genannt zu werden Herr Hermann Koller, der das "Oren Hakodesch" spendete. Es ist eine wahre Zierde des Gotteshauses. Tas edle Werk des Mannes krönte seine edle Gattin Frau Flora Koller durch ein prachtvolles, in reichlichem Gold gesliktes ״Parauches". das sie zum ewigen Angedenken ihres sel. Schwiegervaters stiftete. Tem edlen Beispiel des älteren Bruders folgte Herr Josef Koller mit einer glänzenden Spende, ein silbernes ״Ner Thumid". Tas kunstvoll ausgeführte Omid mit dem farbenreichen״Schiwissi" ist eine Spende des Herrn Dr. I L Braun, Obmann des Vereines ״Kurfürsorge". Der Gottesdienst war an diesem Sabbath ein erhe-