Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 5 (29.1.1914)
- Date
- 1914-01-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2621806-2621897-2621902--2622-2623737- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 5 ״Attische B>N»ßi««e.' Kunäsckau. Die amerikanischen Kuratoriumsmitglieder für die Hebraisierung des Technikums in Haifa. Der Kampf um die hebräische Sprache in Palästina tritt durch die Stellungnahme der amerikonischen Kuratoriumsmitglieder in ein neues Stadium ein. Tie Mittel für das Technikum in Haifa sind größtenteils in Amerika aufgebracht worden und die Stellungnahme der amerikanischen Mitglieder des Kuratoriums des Technikums erhält dadurch besonderes Gewicht. Ein Kabeltelegramm vom 18. Jänner meldet von einer Sitzung in Newyork, an der sämtliche amerikanischem Mitglieder des Kuratoriums, lauter führende jüdische Persönlichkeiten, unter ihnen die Herren Straus, Jacob H. Schiff, Kraus, Marshall teilgenommen haben. Es wurde beschlossen, daß Hebräisch die offizielle Sprache am Technikum sein solle. Für den Verkehr der Schule mit der Türkei soll neben Hebräisch Arabisch und Türkisch in Betracht kommen, für den Verkehr mit fremden Ländern eine der europäischen Hauptsprachen. Die Unterrichtssprache am Technikum soll prinzipiell Hebräisch sein. Hebräisch als ausschließliche Unterrichtssprache soll in spätestens sieben Jahren eingeführt sein׳, nur wenn für ein Fach nach Ablauf dieser Frist der Nachweis erbracht werden kann, daß die Lehrmittel in hebräischer Sprache nicht genügend entwickelt sind, soll eine Ausnahme gestattet werden. Es wurde beschlossen, die zionistische Organisation um moralische und materielle Unterstützung zu ersuchen und an die Vertreter der zionistischen Bewegung, die Herren Ginsberg, Dr. Levin und Dr. Tschlenow wegen ihres Wiedereintrittes in das Kuratorium, aus dem sie ausgeschieden waren, heranzntretcn. Die Beschlüsse stehen in allen wichtigen Punkten in deutlichem Gegensatz zu dem bekannten Beschluß der Kuratoriumssitzung in Berlin am 26. Oktober vorigen Jahres, an der die amerikanischen Mitglieder nicht teilgcnonimen haben. Die Not dieses Winters im Ghetto. Das Londoner Ghetto lebt jetzt in großer Not. Im Schneiderhandwerk herrscht Arbeitslosigkeit, unter der tausende Arbeitsfamilien leiden. Auch in England ist der Winter bisher sehr milde aufgetreten, die Winterware ist nicht abzusetzen, und die Konfektion hat kein Geschäft. Natürlich greift diese Krisis im Schneidergewerbe auch auf alle anderen Geschäftszweige über, selbst die Nahrungsmittelbranche trifft diese Krise empfindlich. Wer kann, verkauft sein bischen Habe und macht nach Anierika hinüber. Tie Auswandcrung hat daher in der letzten Zeit stark Zugenommen. Die das können und durch Verkauf ihrer Habseligkeiten die paar Pfund zusammenbringen, die für die Reise und den Ausweis bei der Landung in Amerika nötig sind, sind noch die Glücklichen unter den Armen. Die Meisten aber haben bereits alles versetzt und verkauft. Die Londoner jüdischen Wohltätigkeitsvereine tun ihr Möglichstes, um die Not zu lindern, aber schließlich ist doch alle ihre Hilfe nur wie süßer Tropfen in dem großen Meere von Elend, das jetzt hier herrscht. nischen Juden, dem sogenannten Latino. Trotz Comite übernommen, um sie der Arbeitergrupye ihrer stattlichen Zahl haben sich die orientalischen in Erbpacht zu geben. Der Verein Esra in Berlin Juden bisher nicht zu einer eigentlichen Gehat gleichzeitig der Arbeitergruppe für Anschafmeinde zusammengeschlossen. Infolgedessen sind fung von Inventar ein Darlehen ״:u 10.000 bisher die Kinder fast aller dieser Einwanderer Frcs. gegen Rückzahlung in 20 Jahresraten geohne Religionsunterricht geblieben, und es fehlte währt. Durch diese Gründung hat der Nationalihnen ferner an einer Zentralstelle sozialer Fürfonds einen neuen Typus von Arbeitergenvssensorge. In einer kürzlich in Newyork von der Föschafteir ins Leben gerufen, die auf getrennter deration der orientalischen Juden einberufenen Hof- und geiueinsamer Feldwirtschaft beruhend. Versammlung, wurde daher beschlossen, eine ״La-t einen wichtigen Schritt auf dem Gebiete der getinagemeinde " zu gründen, deren Unterhalt von ' nossenschaftlichen Kolonisation nach dem Prinden Mitgliedern der Gemeinde selbst durch bezipe der Erbpacht darstellt. Erfreulich ist auch, stimmte Beiträge bestritten werden soll. Die Iahdaß es dem Nationalfonds dank der Opferfreuresbeitrage sollen zur Errichtung von Religion-- r digkeit unserer canadi scheu Gesinnungsgenossen schulen. Vereinshäusern und einem Arbeitsnach- und deren energischen Präsidenten Mr. Elarence weis verwendet werden. Ois beste Quelle für den Ein kauf von ist und bleibt Brünn, Ferdinandsgasse 21, I. Stock Kleine Reglet Kleine Preisei Pre'slisten gratis und frank de Sola sowie der Mitwirkung befreundeter Insritutionen möglich geworden ist, einen neuen Stützpunkt der jüdischen Arbeit im Süden Paläsrinas zu schaffen. Angesichts der zunehmenden Zahl der auf den N.-F.-Betrieben ausgebildeten Arbeiter wäre es zu begrüßen, wenn es dem Nationalfends durch ähnliche Zmvendungen in der nächsten Zeit gelänge, die Zahl derartiger Genas senschaften in allen Teilen Palästinas zu nergrößer!!. Tie canadische Federation hat den Beschluß gefaßt, dem Nationalfonds für einen ahnlichen Zweck neuerdings Mittel zur Verfügung zu stelle!׳ und zu diesem Zwecke auf der letzten Eol.oention den Betrag von 8000 Dollar ge- YERLOBUNQ3~RINQE BRAUT SCHMUCK r r H0CHZEIT5QE5CHENKE EHE-RINQE. in hervorragender Auswahl zu besonders billigen Preisen. Berthold Bachner, v. u. k, Hoflieferant, Juwelen-, Uhrer.-, Goldu. Silberwarenhandlung Brünn, nur Ferdinandsgasse Nr. 2. tP• Provinzaufträge!finden sofortige Erledigung. Orientalische Juden in Newyork. Statistische Erhebungen haben ergeben, daß '!!_ Newyork 10.000 spanisch sprechende Juden (Sephardim) leben, die aus der Türkei und den anderen Balkanländern eingewandert sind.— _.rr_ ״__ __ _..... .... Außerdem gibt es noch weitere 5000 orientalische. Kolonie dauernd in Kastinjeh belassen zu können, Juden in Newyork, von denen 2500 griechisch,! und zugleich den 'Arbeitern eine dauernde Er!- 2000 arabisch und die restlichen 500 türkisch und ' stenz zu ermöglichen, hat der Nationalfonds eine persisch sprechen. In Newyork erscheint auch ein Parzelle von ca. 800 Dunam mit darauf befind- Wochenblatt ״La America" im Idiom der spa-. lichen Gebäuden und Pflanzungen vom Odessaer Die ewige Tragikomödie des Renegatentums. Ans Budapest wird der ״Zeit" geschrieben: ״In der hiesigen Gesellschaft spricht man jetzt viel über eine gütlich beigelegte ״Affaire", in der ein nicht mehr junger Minister und ein noch nicht alter Aristokrat die Hauptrolle spielen. Der l׳etreffende Minister, dessen Ahnen dem Judentum angehören, der aber selbst gern ein wenig ״antisemitelt", befand sich in einem Klub, wo just über jene getauften Juden gesprochen wurde, die in Ungarn in glänzenden Stellungen sind. Die Konvertiten kamen in der Debatte sehr schlecht weg, und es war kein Wunder, das; der Minister sich unbehaglich fühlte, was auch in seinen Mienen unwillkürlich zum Ausdruck gelangte. Zu spät merkte die Gesellschaft die Verstimmung, denn die Spötter glaubten offenbar, ganz unter sich zu fein und alle Bosheiten riskieren zu köunen. Als aber die sichtbare Depression des Ministers allenthalben wahrgeuommen wurde, trat eine peinliche Pause ein, die der vorerwähnte Aristokrat dazu benützte, um den gekränkten Minister, der sich bis dahin als Arier erster Klasse fühlte, einige Trostworte zu spenden. ״Aber, lieber Freund," sagte er besänftigend, ״du kannst doch die Malicen, die hier sielen, nicht auf dich gemünzt oder gar als Beleidigung hinnehmen ... Du kennst uns alle seit Jahren und weißt sicher; lich, daß wir dich stets schätzten, denn wir haben dich trotz alledem immer — für einen Juden gehalten... Eine Arbeiterkolonie der canadische» Federation in Palästina. Vor ein paar Jahren hat die canadische Federation den! Jüdischen Nationalfonds einen Betrag von ca. 50.000 Franks zur Verfügung gestellt mit der Bestimmung, hierfür ein zusammenhängendes Grundstück für den Nationalfond auf den Namen der Zionistischen Federation in Canada zu erwerben. Dem Nationalfonds hat sich kürzlich die Möglichkeit geboten, dieser Bestimmung in einer der Kolonie Kastinjeh sB'er Tovia») sehr förderlichen Weise Rechnung zu tragen. Wie auf dem Wiener Kongresse von dem Leiter des Palästina-Amtes mitgeteilt wurde, hat eine Arbeitergruppe, bestehend aus Vorarbeitern der Nationalfondsfarin auf Hulda, in Kastinjeh ein für auswärtige Pflanzer bestimmtes Areal in provisorische Bewirtschaftung genommen und durch ihre tüchtigen Leistungen der ganzen etwa zurückgebliebenen Kolonie als mustergültige! aneiferndes Beispiel gedient. Um diese Arbeitergruppe gemäß dem dringenden Verlangen der KAFFEEGESCHÄFT;Rosenbaum BRÜNN, Liechtensteing.!. Liechtenstein?׳. I Ansiedlung rumänischer Juden in Texas. Herr Herrmann Loeb, ein reicher Jude in Philadelphia, hat eine Aktion eingeleitet, um rumänifche Juden als Ackerbauer in Texas anzusiedein. Wie Herr Loeb in der Bukarester Zeitung ״Dimineatza" mitteilt, habe er tausende Anfragen von auswanderungslustigen rumänischen Juden erhalten, die in die neue Siedlung aufgenommen zu werden wünschen. Tie christliche Bevölkerung in Texas bringe dem Plan große Spinpathien entgegen. So haben verschiedene Handelskammern -Herrn Loeb Erleichterungen aller Art für die neuen Ansiedler angeboten. Tie Ei-!!bahn- und Baugesellschaften. die Maschinenfabriken usw. wollen den Einwanderern ebenfalls allerlei Vergünstigungen gewähren. Herr Loeb ist bemüht, in Texas eine Kolonisationsgesellschaft mit ansehnlichem Kapital zu gründen, die die Durchführung des Planes in die Hand nehmen soll. Er hat bereits zahlreiche hervorrageude Persönlichkeiten Amerikas für die Aktion gewonnen und ist überzeugt, daß sie schon in nächster Zeit, sobald die genannte Kolonisatiousgesellschait konstituiert ist. verwirklicht werden Ein neues Auswanderuiigsgesetz in Rußland. Das russische Hanoelsininisteriu»! ivird demnächst in der Reichsduina einen Gesetzen!- Wurf zur Regelung der Auswanderung einbringen. Die Vorlage enthält große Erleichterungen für diejenigen Auswanderer, die sich in russischen Häfen kLibau usw.) einschiffen. Unter anderem sollen solche Emigranten ihre Auslandspässe kostenlos erhalten. Tie Tendenz des neuen Ans- Wanderungsgesetzes ist überhaupt die, der russischeu Auswaiiderung über ausländische, namentlich deutsche Häfen ein Ende zu inachen. An sich wäre die Vorlage auch für die jüdischen Emigranten, die die Reise nach Amerika gegenwärtig größtenteils über Hamburg und Bremen antreten und von gewissenlosen Agenten ausgebentet, überdies in den Kontrollstationen an der deutschen Grenze vielfach von übelwollenden Beamten chikaniert werden, von großem Vorteil. Andererseits enthält der Gesetzentwurf jedoch engherzige Bestimmungen aller Art, die die Vorteile illusorisch machen. So sollen den jüdischen Aus- Wanderern, deren Verwandte - und zwar nicht etwa nur nahe Angehörige — sich der Militär- Pflicht durch Auslvanderung entzogen haben, keine Pässe verabfolgt werden, wenn sie nicht vorher die für diesen Fall vorgesehene Geldstrafe in! Betrage von :!0!» Rubel entrichtet haben. Auch sotten die verschiedenen Vergünstigungen nur denjenigen Auswanderern gewährt werden, die