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Jüdische Volksstimme · 1914-01-22 · Heft 4 (22.1.1914) · page 10

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 4 (22.1.1914)
Date
1914-01-22
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. eine io!che Bewegung für diese gar nicht schad׳-, Iid;. inPem eesie nicht nur nicht aufhält, sondern vielniedr auf Abwege des ewigen Hasses und im-! wer gährender Rachesucht ableitet. I Diese politische Lebensregel posaunt die Versasseriu dieses Artikels zwischen ihre Volksgc-! nassen hinein. Diese erhabenen Worte eines durch! und durch veredelten Denkens müssen von nach-! haltiger Wirtung sein und sollen -in!!!!verwüst-! lichen Lerwr:! verewigt werden. j Das; sich d.e geehrte Gräfin mit einigen ent-, rüstenden Worten gegen die Vlutlüge erbost, ist nach Gesagten! fast selbstverständlich. Sie hebt rühmend die Schweiz hervor, welche noch in! 13. Jahrhundert verbot-׳!׳ hat. Blutlügen gegen Jude» aufzutischeir. Als per Anfang der Polinscheu Dekadenee bezeichnet die hohe Verfasserin den Beginn der Iffuiteiiherrschafl in Polen. Malerisch schildert sie die sittliche Verkommenheit die geistige Fäulnis, die die obige Schreckensherrschaff in ihren ,Zersen initinadjtc; wie diese zügellos. wutentbrannt ׳!nd bentesüchtig alle mornlischen Grundlagen der Menschheit erschütterte. Hast und bestialische Wut zwischen den beiden Nationen anssireute. Sie wendet sich dann bekannten Boykott! der Polen gegen die Jude!׳ in Rußland wie er | feit den letzten Dn1na>va:,len künstlich geschürt j und angefacht wird. Gegen» d׳esen häßlichen In. j stinkt der ant'seinitischen Polen läßt die Gräfin! all :!,re Schlachtrosse und Äanvnen der Feder los.! Sie gibt zu, dast sich die Juden gegen die Polen mit Manche»! vergangen >ind. >:e zählt jedoch j solche schwerwiegende Beschuldigungen der Polen, an den Juden!:»- u‘,j; d:.׳se jene i bertreffen. Wer hat aus den Juden Krämer. Propinations- Pächter, Chederiiienschen, und Reaktionäre ge-! macht? Nur die Polen selbst, antwortet sie, indem sie sie nicht zum Ackerbau zuliesten, ihnen jede Kultur vorenthielten und sie in das enge, dumpfe Ghetto fperrien.Ein Beispiel können die Juden von Frankreich, Deutschland und England l!ckern, welche zufolge ihrer hohen Entwicklung Grundfäulen dieser Staaten geworden find. Sehr geistreich beantwortet die Gräfin die Frage, welche vielen sich i-nwillkürlich auf die Lippen! drängt, namentlich: warum fast immer religioiislvse Juden die jüdische Religion in Schuh nahmen gegen Angriffe.von Nichtjuden, während sie ionst im Leben die radikalsten Freidenker sein mögen, und umgekehrt. Freidenker anderer Natjone». darunter auch Polen gegen ihre eigene Stammreligion mitunter in den schärfsten Nedensarten auf treten V Die Antwort der Gräfin ist treffend: weil eben die jüdische Religion, beziehungsweise das sittliche Leben, einerseits die Nüchternheit, die Geschlechtsweisheit usw. fördert anderseits sie mit der jüdische» Nationalität aufs innigste verknüpft ist. Daher kommt cs, das; ein Pole die Religion von sich absloßcn und dabei ein guter Pole sein kann, weil seine Religion sozusagen international ist. während die jüdische Religion, resp. ihre Tendenzen und Grundsätze die Grundlage des Judaismus-sind. Ebenfalls!nit sehr!ressenden Worten tritt sic gegen das Argument der Judenfeinde in Polen auf, das; die Inden i!» Handel stärker seien, folglich die Polen von ihnen ausgenüht wurden. Warum sind denn die Polen schwächer? Warum blüht der französische, engliche, deutsche und italienische Handel auch in Händen von Nichtjudcu? Dast die Polen sich in dieser Richtung arge Vcrnachlässigungen haben zuschulden kommen lassen, soll basür der Sündenbock der Jude sein? Weil er die Feuerprobe der Konkurrenz durchgekostct und ans einer gewissen Stufe von Hnndclsbefähigung angelangt ist, soll man ihn erwürgen? . Mit Micinski ruft die geistvolle Gräfin: ״Zuerst einen Tempel, dann ein Hans! Zuerst ein Ideal, dann das Material! Zuerst die Seele, dann den Magen!" _ Mir scheint: Geistvolleres, Treffenderes und Schöncrcrs ist von einer polnischen Adeligen noch nie gehört worden'. Prophetische Weisheit und die herrliche Gabe der gesunden, richtigen Orienticrungssinncs sind in dieser erhabenen Frau vereinigt. Wir Juden dürfen uns ein wenig getrost und beruhigt fühlen, das; es noch Perlen von so edler Gattung in der Menschheit gibt, dast in dem zum Teil von den Demokraten und Sozialisten verschrieenen Adel noch solche Auslesen der Kultur hcrvorspricszen. Möge der Name der Gräfin Wielopolska in den Annalen unserer neuern Geschichte mit goldenen Lettern eingetragen werden! ״Jüdische Volksllimine " N". 4. Eine solche ideale Denkungsart, eine solche Unvoreingcnominenheit und Objektivität im Urteilen ist bewundernswürdig! Denn sie sucht die vielen Lichtseiten des jüd. Charakters, seine etischen Anlagen ins Treffen zu führen, um zu beweisen, daß Inden nicht!mr nicht undankbar, sondern daß sie sogar aufopferungssähig und hingebungsvoll sind. ׳ . In der jetzigen, trüben schwereit Zeit ist dieser Lichtstrahl einer warmen Individualität besonders effektvoll und belebt die trüben Gedanken über unsere Zukunft. Unsere Herren Assiniilatoren mögen endlich daraus lernen, daß gerade bei den edlen und ehrlichen Polen ihre Assimilierungskünste keinen solchen Beifall und Glauben an ihre Aufrichtigfeit finden, wie das offene frei Bekenntnis zu dem. was man von Geburt und Natur ist und das man nur verkrüppeln und entstellen, aber nie umgestalten, geschweige denn ausrotten kann. Bernhard Horowih. Gegen verdorbenen Magen, Darmträgheit und Gicht. ״Sternhofer Bitterwasser‘ Mild, doch zuverläßlich. Sternhof,Post Sokolnitz bei Brünn. Sanunelstelle wird mithin ihre Tätigkeit am 1. Februar eröffnen. Die nötigen Vorarbeiten besorgt der von der Landeskonferenz zum Landes.- kommifsär für den Nationalfond gewählte Dr. Gerfon Zipper, dem eine Kommission, bestehend aus den Herren David'Schönfeld, Jakob Salo Philipp, Dr. Sal. Buchstab. Jakob Bodek, Jsak Melzcr und Dr. Heinrich Rosmarin zur Seite steht. Zu Revisoren wurden die Herren Dr. Georg Halpern und Salomon Duker berufen. Wir dürfen uns inbezug auf den Nationalfond in Ga- . lizien von der ungewöhnlichen Energie des Hrn. Dr. Zipper, die er in so großartiger Weise bei der von ihm durchgeführten Sanimlung für das jüd. Gyrnnasium in Jerusalem bekundet hat, das allerbeste versprechen. Allenfalls ist ein hartes Stück Arbeit zu bewältigen, um die Sammeltätigkeit in verschiedenen Orten Galiziens sowohl mit Bezug auf ihre Organisation als auch auf , ihren Ertrag zu heben, in vielen Orten hingegen . erst ins Leben zu rufen. In den nächsten Tagen schon wird die Anstellung der Beainten erfolgen, die sämtliche Agenden des Bureaus führen werden. — Von nun ab werden die Nationalj Kommissäre in den einzelnen Ortschaften die ge- ן sammelten Beträge an die ״Credit-Union" in! Lemberg überweisen, die Ausweise der Spenden j tverden allwöchentlich in de r Freitag-Nummer! des jüd. Tagblattcs erfolgen. Jwri. Bericht aus Lemberg.! > Der hics. Hauptbahnhof beherbergte am 14. d., während einer Stunde einen interessanten Gast, und ist cs nur einem Zufalle zu Verdanken, daß die öffentliche Meinung Lembergs, wen«' auch nachträglich davon Notiz nehmen konnte. —; Menvel Beilis hat nach Erfüllung der notwen-, digstcn Formalitäten im Schatten der Nacht mit seiner Frau und l> Kindern der Rabcnheimat den \ Rücken gekehrt und befindet sich auf der Reije! nach Erez Israel, wo er an die Schrecknisse der letzten 3 Jahre vergessen und ein neues Leben beginnen will. — Unsere Freunde in Podwoloj czyska verständigten in letzter Minute auf telegraphischem Wege die Redaktion des ״Jüdischen Tagblattes" in Lemberg, von Beilis Durchreise, 1 so das; sich blos der Redakteur dieses Blattes, Hr. Frostig, ferner der Präsident der zion. Organisation, Herr ׳Adolf Stand, und Herr Dr. Zipper ans den Bahnhof Podzamcze begaben, von wo sie gcincisam mit Beilis und dessen Familie auf den Hauptbahnhof fuhren. Unter den Mitreisenden, wie auch unter den am Perron Versam- Hielten war die Kunde bald verbreitet und so kamen Unzählige, um Beilis ein herzliches Scholein A lechem zu bieten. Die Zeit bis zur Abfahrt des Zuges verbrachten unsere Führer in Gesellschaff von Beilis und dessen Gattin bei einem Tee in der Bahnhofrcstauration und erfuhren im Gespräche eine Reihe von interessanten Details aus der Leidenszeit dieses schwergeprüften Maus nes. Aus jedem seiner Worte spricht inniger Dank an die göttliche Vorsehung, Beilis glaubt an ein Wuiider, das ihn den Kerkermauern entrissen hat. Tiefgerührt ist er,von der warmen Teilnahme, die ihm seine Glaubens- und Volksgenossen in allen Erdteilen entgegengebracht haben. Unsere Freunde begleiteten Beilis, von dessen Person sie einen sehr günstigen Eindruck empfangen haben, zum Coupe und nahmen von ihm herzlichen Abschied. — Das ״Jüdische Tagblatt" vom 10. d., brachte ein interessantes In-; terviv des Redakteurs mit Mendel Beilis. > Dos positivste Ergebnis der jüngst stattgesundenrn zion. Landeskonferenz ist die Schaffung einer galizischen Sammelstclle des jüd. Nationalsondcs mit dem Sitze in Lemberg. Die galizischen Mitglieder des zion. Actionskomites, Adolf Stand und Dr. Hausmann vertraten bei den jedesmaligen Sitzungen dieser Körperschaft entschieden den Standpunkt, daß sich die Wcrbv- und Sammeltätigkeit für den jüd. Nationalfonds vom grünen Tische der Wiener Zentrale nicht mit e׳- Energie und Unmittelbarkeit leiten laste, wie dies von einer Landes-Sammclstellc, der die genauere Kenntnis der lokalen Vcrhältniste zustatten kommt, geschehen könnte. Nach langwierigen Verhandlungen, die zwischen Dr. Zipper im Namen des galiz. Zentralamtes einerseits und dem Hauptbureau in Cöln anderseits geführt wurden, kam schließlich eine Einigung zustände, zu der a!:ch die Sammelstellc Wien, die nunmehr ihre Agenden auf das übrige Oesteoreich beschränken wird, ihr Placct gab. Die gal. Diskonto-Jasellschaft bei der Nordösterreichischen Bank ׳ Rf Industrie, Handel ano Landwirtscnafi. ,,<>!» rierte Genossenschaft mit beschränkter lunutg in Brünn, Ferdlnandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt sich Jür alle einschlägigen Bank' geschäfte, hauptsächlich auch für den j Eskompt offener Buchforderungen unter den aller günstigsten Bedingungen. Aus der Poale-Zion-Bewegung. Das Zcntralorgan der ״Poale-Zion feiert seinen 10-jährigen Bestand. 10 Jahre für eine jüdische Zeitung in Galizien ist wirklich ein großes Ereignis. In diesen 10 Jahren hat der ״Jüdische Arbeiter" aus eine besonders segensreiche Wirkung hinzuweisen. Es ist das erste Organ, das in die galizisch — und auch allgemein — jüdische Presse einen ernsten europäischen Ton gebracht hat. Obwol Parteiorgan, hat doch der ״Jüdische Arbeiter" sich nie gegen Andersgesinnte verschlossen und jede ehrliche Ueberzeugung toleriert. Der ״Jüdische Arbeiter" hat immer aufalle Lebensfragen des jüdischen Volkes reagiert und ist besonders durch seine vornehme Polemik, die so sehr von der galizischen Art absticht, aufgefallen. Die Jubiläumsnummer des ״Jüdischen Arbeiter" bringt uns ein Stück Parteigeschichte der ״Poale Zion" und ist für jeden ״Jüdisch"-Lesenden besonders interessant. Leider kann dasselbe nicht von der neuen deutschen Monatschrift der ״Poale Zion" ״״Neuer Weg"", behauptet werden. Blut- und Jnhaltsarmut sind die Kinderschwächen dieser Zeitschrift. Von den ״Poale Zion" könnte man wirklich etwas besteres verlangen als diese erste Nummer. A. D. ß'ttera^ur. Eine großartige Musikneuhcit auf dem Gebiete der jüd. kantoralen Kunst ist soeben in der Verlags-Buchhandlung M. Landau, Ezernowitz» Preis 12 K, erschienen, die geeignet ist, eine biA her vorhandene, fühlbare Lücke auszufüllen. Auf allen Gebieten geistigen Lebens, gibt es ״Führer", die denen helfen, die sich in einem bestimmten Wissenszweige heranbilden wollen. Mir die synagogale Musiklitcratur wurde bisher stiefmütterlich behandelt. Dem ist nunmehr durch ein unschätzbares Kulturwerk des beftbekannten Czernowitzer Oberkantors Simon Schcchter, abgeholfcn. Sein soeben fertiggestelltes Werk ״Nussoch hatfiloh", von dem jetzt der erste Teil enthaltend die Gebete sämtlicher Samstage des Jahres, erschienen ist, (die übrigen 3 Teile umfassend samtlichc übrigen Gebete des ganzen Jahres für

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