Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 4 (22.1.1914)
- Date
- 1914-01-22
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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''״c״!'.״־- *-i-'t .K-’±*~yV- »' *׳:7.* י, .- ׳-״ v -י■ ״Jüdische VolkSstimme." Nr. 4. - erfahren und cs trat geschlossen wie ein Mann.' 40 Lehrer, der Stolz des Hilfsvereines, Dawid Jcllin, die edle Zierde Israels sind keine Verhetzten. Sie sind keine russischen Nihilisten, die als ״Slavcn Feinde des Deutschtums sind." Der Hilfsvcrcin möge seiner Verleumdungen eingcdenkt bleiben. Er hat die Polizei in das Beth- Haßcfcr geführt. Er hat die besten Menschen Palästinas des Hochverrates denunziert. Die öffentliche Meinung soll hierüber urteilen. Die Zionisten wallten nicht das Deutsche ausschalten, nein, ne wollten das Hebräische sichern. Für die Mitclschule verlangten sie nur eine hebräische Unterrichtssprache. Heute gibt es zwei Gymnasicn, die Tachkcmonischule mit hebräischer Unterrichtssprachc. Diese Schulen haben sich glänzend bewährt. In Berlin studieren die Absolventen des Jaffaer Gymnasiums. Das Hebräische kann heute unmöglich aus der Mittelschule wegbleibcn. Für die Technik forderten die Zionisten 6—0 Stunden für Hebräisch und 30—39 Stunden bewilligten sic für Deutsch. Die Bedingungen wurden vom Hilfsvcreinc abgclchnt.... Ein komplizicrtcs, mathematisches Eremplum kann auf doppclte Art gelöst werden. Man kann cs auslöschcn. Auch das ist eine Lösung. Man kann cs aber auch ausrcchnen. Das jüdische Eremplum kann auch doppelt gelöst werden, durch Auslöschcn des Semitismus, durch die Assimilation und durch Kräftigung des Scmitismus durch den Zionismus. Im Oktober vorigen Jahres haben die Gymnasiasten ihr Reifezeugnis erhalten. Jetzt hat Palästina sein Reifezeugnis bekommen. Es hat sich seine Schulen selbst eröffnet. Palästina hat bis heute nur genommen. Jetzt hat cs gcgeben. Palästina hat 13.000 Mark für seine Schule gespendet. Wir gratulieren uns. Palästina lebt. Aron Schwertfinger. Znaimer Brief. ״Die Znaimer haben den Vorsteher, den sic ■ verdienen'." So liest sich gelegentlich der Kultus- Vorsteher von Znaim, Herr Wotzilka, vernehmen. Dieser Ausspruch ist wohl zutreffender als es sich der Herr Vorsteher gedacht hat. Kultusvorstcher Wotzilka wurde vor 6 Iahreu auf dcutschlibcralcm Programm, als einziger Jude. sozusagen als Vertreter der Iudcnschaft in den Gcmeinderat der Stadt Znaim gewählt. — Seine Tätigkeit im Gcmcinderat bestand darin, dast er zu Unrechter Zeit schwieg und zur rechten Zeit nichts tat. Als im Vorjahre die Landtags- Wahlen vor der Tür standen, hat sich der gesamte Gcmcinderat für die Wahl des antisemitischen Reichsratsabgeordnctcn Teufel ausgesprochen, also auch der sog. liberale Gcmeindcausschuß. Ohne gegen diesen Beschlust seiner politischen Gesinnungßgenosscn zu protestieren oder konsequcntcr Weise sein Mandat niedcrzulegen. verblieb der Herr Kultusvorstcher weiter im Gemeinderat. Infolgedessen erhielt auch der Herr Rudolf erstenmal beklemmend schien, war es, weis ihr gepresstes Here sich nach frischer Luft sehnte, sic öffnete das Fenster und bot ihm den Stuhl am Fcnstertritt vor ihrem Arbeitstische an. Der Duft der Hyazinthen strömte herein. Und nun berichtete sie ihn, alles, was seit dem in der Gemcindc vorgegangcn, welch' neuer Geist sie bescelc, wie seinen idealen Plänen vorgearbeitet sei. zumal durch den edlen Joel Reinach, wie das prächtige Gotteshaus auf ihn warte, der es zu beleben und zu beseelen bestinimt sei. Sie nannte ihm die Namen der jüngeren Geineindevorstände, in denen er eine Stühe finden würde: so umsichtig war alles vorausbedacht, so sorglich legte sie ihin alles ans Herz, dast er gerührt ihre Hand ergriff — und sie hielt sic ruhig, wie eine Mutter die Hand ihres Sohnes. Aber je ruhiger sie ihm enthüllte, wie all' ihr Dichten und Trachten nur auf seinen Erfolg gerichtet war, um so inniger fühlte er sich dem edlen Mädchen verpflichtet. Der erste Eindruck war vergessen, der goldene Kern leuchtete so rein, dast ein Gefühl dankbarster Freundschaft sein ganzes Herz durchschwärmtc. ״Ist nicht alles, was ich bin und werde, Ihr Werk, geliebte Freundin?" begann er eben mit erregter Stinime. Da schlug an sein Ohr der in der Stadt so selten gehörte Klang von Nosseshufen, die an das Pflaster schlugen, er beugte das Haupt unwillkürlich zum Fenster hinaus, eine Märchenfee mit wallendem blauem Schleier flog Wotzilka bei den in, August vorigen Jahres statt-! gefundenen Äultusgemcindcwahwn des 1. Wahlkörpcrs die geringste Stimmcnzahl. Trotzdem nah״, er, als die übrigen Mitglieder der Kultusrcprösentanz ihn gegen nlles Erwarten wiederum zun, Vorsteher wählten, diese Stelle mit Vcrgnügen an, obwohl die geringe Stimmenanzahl ihn von seiner Missliebigkeit überzeugen hätee können und obwohl er vor seiner Wahl Wahrheiten zu hören bekam, die einen Mann von Charakter auf jede repräsentative Stellung verzichten ließe. Doch es koinmt noch besser. In einer öffeiitlichen Gcmeinderatssitzung des letzten Dezembers erklärte der Nadauantisemit und Abgeordneter Teufel, dast die liberale Majorität vcs Gemeinderatcs sich mit dem politischen Programm der deutschradikalen Minorität identifiziere, ja dast sie insbesondere auch den antisemitischen Standpunkt anerkenne und billige. Der Vertreter der Judenschaft im Gemeinderat und Kultusvorstcher schwieg dazu und -behielt sein Mandat weiter, und wie die liberalen Mitglieder des Gemeinderatcs ihre Wähler verrieten, so verrät der Kultusvorsteher die gesamte Judenschaft. Es ist klar, daß ein anderer Jude an seiner Stelle etwas n,ehr Rückeninark in sich verspürt hätte. Charakterisierend für unseren Vorsteher ist seine Aeustcrung anläßlich der im Vorjahre hier abgehaltenen Bczalel-Äusstellung gegenüber den, Vertreter des jüdischen Verlages, als dieser ihm die allseits bekannten Palästinabilder zum Kaufe anbot: ״Was fällt Ihnen denn ein? Ich soll jüdische Bilder in mei- ״er Wohnung aufhängcn, wo doch auch Arier zu mir komme״'." — Und was tat endlich der Herr Kultusvorsteher in der berüchtigten Jnterpellationsangclcgenheit des berüchtigten Teufel, als noch dazu der Rcichsratsabgeordnete Hofrat Dr. Kuranda alle beteiligten Kultusgemeinden in einem Aufruf zu energischem Protest aufforderte. Er tat das was man von ihm erwarteteer schwieg in der Kultusgemeinde und in der Stadtratsstube. Seine Tätigkeit als Vorsteher besteht in Eigenmächtigkeiten, die er sich dann in einer höchst selten einbcrufenen Sitzung votieren läßt. Mit welcher Gewissenhaftigkeit er dabei vorgeht, bewies in letzter Zeit die Zusammensetzung der Steucrkommission für die Kultussteucr. Die von, Vorsteher willkürlich genannten Personen wurden in die Kommission berufen, die von jeder Objektivität oder richtigen Verständnis für diese gewissenaftc Sache weit entfernt war. Durch die unrichtige und parteiliche Entscheidung dieser StcucrkornMission entstand eine Empörung unter den, Großteil der steucrzahlenden Judenschaft, welche deutlich und mit Recht ihre Mißbilligung einer solchen Kahalwirtschaft aussprachen, und ailch ihre Unzufriedenheit mit dem ganz neu gewählten 2. Wahlkörpcr bezeugten; denn dieser hat sein gegebenes Versprechen, die von, egoistischen Standpunkt gewisser früherer Kreise diktierten Statuten der Kultusgemcinde abzuändern, nicht ,ehalten. Dieses Statut hat nämlich die Sonder-!!chlcit einer Abgrenzung oes Sten'Zatzes nach auf Weißen, Renner vorbei und warf einen Blick einen Gruß n,it der Hand zu dem bekannten Fenster hinauf. ״Wer ist —" stammelte Henoch. ״Berta Reinach", antwortete ruhig seine Freundin. Und nun erzählte sie ihm von der schönen Jungfrau, die glücklich das achtzehnte Jahr überschritten habe, seit dem sie in frischer Luft sich tun,mle und reite, von der zarten Weiblichkeit, mit der sie den Vater tröste und pflege, und pries den Allgütigen, der dem edlen.Greis dies letzte, seltene Kind in seiner Gnade erhalte! ״Sic ,״üssen vor allem Herrn Reinach aufsuchen, und das heute noch, lieBer Freund," schloß sie und nötigte ihn fast, Abschied zu nehmen. Träu- ״,erisch versprach er ihr, es zu tun, und sie begleitete ihn mit stillen, Händedruck. Als sie ins Zimmer zurückkehrte, fiel unwillwürlich ihr Blick in den Spiegel, der zwischen den beiden Fenstern hing. Sie nickte mehrmals mit dem Kopfe, als wollte sie das Bild begrüßen und beurteilen, wie er cs getan; dann hob sie die Tfille (Gebetbuch) auf, die ihr entfallen war, drückte nach altem Ritus einen Kuß auf das beleidigte Buch und sagte still ihr ״Hallal" weiter. Bei den Worten: ״Seele, kehrte nun zu deiner Ruhe ein, denn der Hrr hat dich erlöst," drückte sie das Buch an die Brust; dann betete sie ruhig bis zu Ende. (Fortsetzung folgt.) oben, so daß eine Erhöhung des Budget meist auf den Mittelstand und auf die Aermeren ausgeht. Und sieht man sich die n,aßgebenden Kreise, durch deren Hochdruck die Wiederwahl des Borste- Hers erfolgte, näher an, wahrlich sie verdienen, einen solchen Vorsteher, wie sie ihn haben. Im Jahre 1912 wurde hier eine ״deutsche Wirtschaftspartei" begründet, deren geistige Führer natürlich Juden waren, drei Juden, die wenigstens dadurch eine politische Rolle in Znaim spielen wollten. Diese Wirtschaftspartei wollte unter dieser Flagge eines Kampfes gegen die Deutschradikalen Schrittmacherdienste für ge? wisse Personen machen, die mit Hilfe der Juden in die Gemcinderatsstube und in den Landtag gelangen wollten. Daß von Seiten der Antisemitcn gegen diese Judenpartei heftig Stellung genommen wurde, daß Judeilhaß und Judenboykott allenthalben gepredigt ward, war die sonnenklare Folge einer Vogelstraußpolitik. Welches klägliche Ende diese Wirtschaftspartei nahm, zeigte sich bei der ersten öffentlichen Betätigung. Anläßlich der Landtagswahlen erlitt diese Partei eine so empfindliche Schlappe, daß sie ״abgewirtschastet" hatte, ja daß ihr geistiger Führer erklärte, es sei der letzte Versuch gewesen, die Juden eine politische Rolle spielen zu lassen, natürlich meinte er als deutsche Juden. Daß diese Herren aber dann noch den Spieß umdrehcn und in ihrer unglaublichen Indolenz die Unverfrorenheit haben, zu behaupten, eine Simchos-Thora-Unter- Haltung oder ein Vortrag über ein jüdisches Thema errege den Antisemitismus oder stärke ihn, das ist die herrlichste Ausrede dieser Herren für ihre politische Unfähigkeit und für die Verschlechterung des gesellschaftlichen und Wirtschaftlichen Lebens in Znaim durch die Gründung ihres tadellosen Wirtschaftsvereines. Durch dieses klägliche Versagen ihrer Politik erleichterten sie den Deutschradikalen die Eroberung des letzten, nicht ganz arischen Vereines des ״deutschen Bürgervcreines", u. zw. so, daß die Antisemiten beim ersten Ansturm sämtliche Ausschutzmandate in ihre Hände bekamen und den Verein in einen Verein ״Deutsches Haus" verwandelten. Die charokterfesten Juden zogen ihre Konsequenzen und traten sofort aus einem solchen Vereine aus. Wer cs gibt noch Juden in Znaim, u. zw. sind es gerade die sogenannten besseren Stände, welche die Charakterlosigkeit besitzen, einer Vereinigung, in dessen Ausschuß ein Teufel und Konsorten ihrer: Radauantisemitismus betätigen, noch weiter anzugehören und ihr Geld für antisemitische Zwecke herzugeben. Ja, es fanden sich Juden, die behaupten, so lange sie nicht in: wahrsten Sinne herausgeworfen werden, würden sie es sich nicht nehmen lassen, die oeutsche Sache wenigstens mit ihrem Gelds zu unterstützen. Durch ein derartiges Verhalten jedoch werden die Antisemiten Znaims in ihrer Meinung, daß die Juden kriechende Subjekte sind, die sagen, es regne, wenn man ihnen ins Gesicht spuckt, und die die Fußtritte der Deutschcn für Liebkosungen halten, wahrlich nur bestärkt. Und solche Juden, die verdienen den Vorsicher, den sie haben. Herr Vorsteher, Sie hatten Recht! Zun: Glück gibt es aber noch aufrechte Juden m Znaim, die einem solchen Vorsteher und seinen jüdischen Genossen zur rechten Zeit ihren Dank abstatten und sie in die gebührenden Schranken zurückweisen werden. VEKL.OBUHCL-R1HCE T®® BR/IUT5CHMUCK A * HOCHZEIT 5QE5CHENKE EHE-RINQE *•••••••* in hervorragender Auswahl zu besonders billigen Preisen. Berthold Bachner, k. u. k. Hoflieferant, Juwel .־n-, Uhren-, Goldu. Silberwarenhandlung Brünn, nur Ferdinandsgasse Nr. 2. ■W* Provinzaufträge finden sofortige Erledigung. GGVOOS0DOSOOGGGSD Die P. T. Empfänger unserer Zeitung, die mit der Bezahlung des Abonuementsbetrages im Rückstände sind, werden um gefl. umgehende Bezahlung ersucht, da wir in anderem Falle die Rückstände mittels Postauftrages beheben müßten. Die Admin. GOOOGGOGOSGGGGOGG