Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XV (1914)
- Issue
- Heft 3 (15.1.1914)
- Date
- 1914-01-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 3 »,irrPiMWe.* Veite ». Wir Jnngjuden, die wir auf dem Standdie Ruthenen zählen nur um eine Million mehr, Es fpricht dann Herr Direktor Dr. Lange punkte der nationalen Autonomie (völkischer denn wir und geben den Regierungen so manche für die Frankfurter Ortsgruppe ^der^ Agudas Selbstverwaltung) sämtlicher Völker der Moharte Nuß zu knacken. uarchie stellen und insbesonders Gegner dersoge- Rur wir Juden, ein zweieinhalb Millionen- —.ןן0ט ,״.*::.:ו״ ^ierjulaitbe sind nicht einmal imstande, UN nannten ״historisch-politischen Individualitäten und des Dualis,nus sein sollen, zerreißen geographisch die Gcsamtmonarchie in Stücke, und schassen geographische Kuriosa, die miglaublich sind.Stätt als jüngste nationale Partei in öfterre׳ch hier allen anderen Völkern mit gutem Beispiele'voranzugehen. durch Gründung eines einheitlichen jüdischen Nationalrates scheiden wir uns in nicht weniger als etwa 10 Komites mit zwei Zentralleitungen, abgesehen von der tingarischen. kroatischen und bosnischen Landesieitnng. Als Oesterreicher hätten wir doch aus unseren Perfassungskuriosen lernen müssen, daß uiit so vielen oft zentrifugalen Apparaten har- »ionisch nicht gearbeitet werden kann. Man beschwor am 11. Kongreß Herzls Manen, was lviirde er sagen, sähe er heute diese Verworrenheit? Trotz einer einheitlichen Organisation müßten wir uns'als Oesterrcicher sagen, daß wir ans uns selbst angewiesen, niemals in diesem Staate etwas werden erreichen können. Wir müssen Mts nach Bundesgenossen umsehen. — sere nationale Anerkennung zu erlangen. Ist das nicht traurig? Woran das liegt? An unsere Uneinigkeit und Unklarheit! Wir wollen etlvas Unmögliches möglich machen. Wollen die Erringung einer Heimstätte in Palästina ntit der Landes- Politik verknüpfen. Und das geht nun einmal nicht! Jüdische Politik hierzulande kann nur insoweit mit der Palästinaarbeit verbunden werden, als durch das Erstarken einer lebensfähigen jüdischen Nation in Österreich, den aufstrebenden jüdischen Kolonien in Palästina ein starker Rückhalt geboten werden kann. Wir leben in einem;eiche, daß nicht über einen Geviertmeter Kolonialbesitz verfügt. Oesterreichs Zukunft liegt am Balkan. In der wirtschaftlichen und kulturellen Erpansion am Balkan. Unser Handel, unsere Industrie kann und wird nur dort ein Absatzgetuet finden. Und über den Balkan hinweg in Kleinasien. Durch eine starke zionistische Organisation iituß es uns österreichischen Inden ermögacht werden, mit den Juden der Balkanländer in engere Beziehung und Fühlung zu treten.!aran sind wir heute ärmer denn je. Wir ver- Unter den Balkanjnden ein starkes austrophiles scherzten uns die Freundschaft der Rutenen, sogar Element zu finden. In Handelsbeziehungen mit die der tschechischen Realisten. Als wir mit den unseren Stammesgenossen am Balkan treten Ruthenen ein Wahlkoutpromiß eingingen hätten wir uns vor Augen halten müssen, daß wir auch jederzeit für die ruthcnischen Forderungen eintreten inüssen. Hätten Schulter an Schulter für ihre Selbständigkeit kämpfen müssen, wie wir Gleick)es von ihnen hätten fordern können. Das geschah nicht! Heute sind allem Anscheine nach die Ruthenen nicht mehr gewillt, uns Bundesgenossenschast zu leisten. Öder glaubt mau etwa, Politik mit dem ״Kolo polskie" respektive dcr'tikel. infolge eines Druckfehlers hies allpolnischen Partei machen zu können?.1 gration — anznraten wäre. dissicile est satpram non scribcre. Waren wir' Die ans dem Gesagten resultierenden Nichtuns überhaupt stets bewußt, eine österreichische! linien einer jüd. Politik wären nun folgende: Partei zu sein? Und nichts anderes! Haben wir! l. Eine straffe und einheitliche Organisation dies stets dem Staate und den anderen Bewoh-! aller Inden hierzulande, die mir Durchbruch des nern dieses Reiches betont? Wie denn auch? Wie Dualismus jetzt schon sich auch über die Leitha sollten die uichtjüdischen Völker der Habsburgererstrecken müßte tim Sinne des früher von mir Monarchie wissen, was für Politik wir treiben, erwähnten Komitees.) ivenn es eigene Parteileute nicht wissen, daß wir 2. Eine Kooperation der Jnngjuden mit allen Von hier aus'wird dann eine Brücke nach Palästina geschlagen. Starke jüdische Zentren am Balkan können einer jnngen aufstrebende jüd. Geineinsämst in Palästina von größtem Nutzen sei». Sowol vom gesamtösterreichischen als spezielt vom jüdischen Standpunkte ist zu bedenken, daß Saloniki griechisch und nicht österreichisch wurde, in welcher Stadt eine jüdische Jnaugnration -- und nicht wie es in meinem ersten Areine Emi- Modernen der Völker Oesterreichs, sofern diese ans dem Standpunkt der nationalen Autonomie auch für uns Inden eintreten׳, (es war vielleicht ein taktischer Fehler, daß in die am 11. Dezember Jnngjuden stets eine staatserhaltende Partei sind, jederzeit bestrebt an dem Erhalten des Donanreiches zu arbeiten als Anhänger der großösterreichischen Idee und des nationalsöderativen Groß-Ocsterrcichs. Etwas anderes kann doch der 1010 in Wien gegründete ״Gesellschaft zur For Punkt 4 des Krakauer Programmes nicht bein-f derung des nationalen Friedens in Oesterreich halten: ״Tie ungleichmäßige Verteilung der ein-! Nova Austria" kein Jüdisch-nationaler in den zelnen Nationen in den Kronländern Oesterreichs und die daraus resultierende Vergewaltigung nationaler Minderheiten erfordern im Interesse des fiu• das Staatswol unerläßlichen Friedens die Schaffung einer vollen nationalen Autonomie der einzelnen Völker aus Grundlage 'Vorstand gewählt wurde.» :!. Anbahnung einer großzügigen Wirtschasts- und Kulturpolitik unter den Juden, namentlich in wirtschaftlich stark darniederliegenden Ländern (im ^inne des Krakauer Programnies 1. Ein starkes Betonen der österreichischen demokratischer Selbstverwaltung, ohne Rücksicht- Reichsidee in unserer jüdisch-nationalen Politik, auf die territoriale Verteilung, eine über den! Völkern stehende starke zentrale Reichsgewalt Hai die Ausgabe, diese nationale Autonomie mit den' Gesamtinteressen in Einklang zu bringen."! Diejenigen Juden, welche aus diesem Reiche | i» den nächsten 100 Jahren nicht nach Palästina! >t>erden auswandcrn können oder wollen, müssen! danach trachten, alle jene Rechte zu erlangen, die! es ihnen allein ermöglichen, als gleichberechtigte! Staatsbürger und Volk hierzulande zu lebeir.! <Es ist töricht, wenn wir Juden uns der Termiuo.ogie judcnseindlicher Rassenwirtschaftler bedienen und von Wirts- und Gastvölkern sprechen. Mil der gesamten Rassentheorie möge doch endlich in zionistischen Kreisen aufgeräumt werden. Es gibt für den modernen Kultririnenscheu keine.iiiseriore oder superiore Rasse. Es ist bezeichnend, daß wir Jnngjuden gerade in der Rgsseuwirtschaft uns inehr oder minder an die', nachtjüdischen sogenannten arischen Gelehrten; Iwltepi Die. einöNassentheorie.verteidigen, statt es .in'ih Franz Oppenheimer zu halten, der diese! Psestldotvsssenschast bekämpft und in die Rttmpel- 1 kenn in er des Mittelalters gehörig, bezeichnet. Wir : YERLOBUNQ5-RINQE BRdUTScnnucrc - - HOCHZEIT 5QESCHENKE EHE-RINQE. in hervorragender Auswahl zu besonders billigen Preisen. Berthold Bachner, k. u. k. Hoflieferant, Juwelen-, Uhren-, Goldn. Silberwarenhandlung Brünn, nur Fenünandsgasse Nr. 2. י•" Provinzaufträge finden sofortige Erledigung. Der erste Jugendtag der Agudas Jisroel. In Anwesenheit von 02 Delegierten fand in Frankfurt der erste Jugendtag der Agudas Jisroel statt. Tie Eröffnungssitzung. Donnerstag, den 25. Dezember abends um Jisoel. Der Redner erinnert an die Tage von Kattowitz, deren Wirkung sich aber darin bekundet, daß heute die Jugend sich einstelle, um sich freiwillig dem Diktate der Thora zu unterordneu. — Herr Jakob Rosenheim erinnert an die 1)11:1dert Flämmchen, die heute Abend am Lichtbauine der Makkabäer im Lokale der Jugendgruppe ausflackerten und zeigt an der eigenartigen Be schassenheit der Menora die echtjüdische Zusammensetzung der Agudas Jisroel. Herr Dr. Moses-Berlin spricht im ׳Namen des Bundes gesetzestreuer Jugendvereine in Deutschland. Er teilt unter Beifall mit, daß i» den Vorberatungen bereits ein gemeinsamer Weg zur gemeinschaftlichen Arbeit des Bundes mit der Jugendorganisation gesunden wurde. Im Namen des Fortbildungsvereines Mon keriore-Berlin teilt Herr Freilich, mit, daß alle Vedenten, die der Verein zuerst gegen den Zu sammeuschluß mit Oer A. I. gehegt, nun verschwunden sind, und der Weg zur Arbeit nunmehr frei und offen stehe. Als Delegierter des ״Bundes jüdischer Aka demiker" weist Herr cand. jnr. Schlesinger-Mar bürg ans die gemeinsamen Ideale hin und hossl. daß der Jugendtag Mittel und Wege findet, um eine Fühlungnahme beider Jnteressentengruppen zu ermöglichen. Herr Tr. Heinrich Kohn, Basel, schließt sich für den B. I. 21. in der Schweiz, den Aeußerungen der frülreren Redner an. Es folgt daraus das Referat des Herrn Heinrich Eisemann-Rom über die ׳Agudas Jis roel und Palästina. 'Nachdem sich der rauschende Beifall gelegt, überbringr Herr Wolf Jakobson die Grüße der Jugendgruppe in Hamburg und sämtlicher ge setzestreuer Jugendvereiue. Herr Jossilowski- Memel spricht in gutem Hebräisch für die Orts gruppe Memel. Herr Tr. Karl Cohn Hamburg hebt unter großem Beifall der Versammlung das Zusammengehen der Moria mit der A. I. hervor. Herr Heimann-Basel. übermittelt die Grüße der Jugendgruppen und gesetzestreuen Jngendvereine in der Schweiz. Herr slnd. pl»il. Gr,,״.Bern feiert das 'Andenken des Kommerzienrat Louis Feist. Mit einem kurzen, aber ungemein ein׳ drucksvollen Schlußwort des Herr» Martin Fein, erreichte die imposante Erössnungs-Versammlung ihr Ende. Die eigentliche 'Arbeit des Jngendtages begann Freitag, den 20. Dezember vormittags nm 0 Uhr mit der ersten Tclegiertcn-Kunferenz. Nach Wahl des Büros wurde über die er zieherischen und praktischen 'Ausgaben und die statutarischen Grundlagen einer Jugendorgani sation der Agudas-JiSroel beraten. Die Ver liandlnngen wurden mit einer hebräischen Anspache des Herrn L. Perlmutter eingeleitet. An diese schloß sich ein Referat, dem folgende!Heien zugrunde lagen: 1. Der Zusammenschluß dkr geietzeslrenen Jugend in einer starken A. I. Jugendorganisa tion in aus ideellen und sachlichen Gründe» eine dringende Gegenwartsausgabe des in der 21. I. organisierten gesetzestreuen Judentums. 2. Das aus der Mitte der gesetzestreuen Ingeud heraus lebhaft geäußerte Bestreben nach Zusammeuschluß und die in den verschiedenen Orten bewiesene praktische 2lrbeit in diesem Sinne durch Gründung von Jugendgruppen, Einbernsnng eines gesetzestreuen Jugendtages ist als verheißungsvoller Beginn einer planmäßigen Organisierung der gesetzestreuen Jugend ui betrachten. :!. Die 21. I. Jugendorganisation hat sowol st, die doch numerisch schwächer sind, als wir Jude», haben größere Aspirationen als wir. 2tuch zu einer feurigen Ansprache, begrüßte Herr Herman Frankenthal, den Jngendtag. o rga n i sator i sch p ra kt i sche .׳rieits der Jugend das isanschauung nnd jüd. Finaigeseves, sowie die .׳genwarisiragen über ׳ Jugend zu praktischen ׳ ׳ibe der A. I. Jugenderzieherisch ideelle aa 2lusgaben. Sie ׳.׳" Rüstzeug jüdische. Wissens im Geiste Kenntnis der jüdisch- Mitteln, andererseits Mitarbeitern für die 21 ז י Organisation heranbilden. Die Diskussion daue 'e von 10 Uhr bis Ubr Nachmittag an und drehte sich zunächst um die Frage, ob eine Verschmelzung oder nu׳׳ ein Kartellverhältnis mit den! Bunde gesevestreuer Jugendvereine angesirebt werden soll. Es wurde folgende Resolution angenommen: ״Der Bund gesetzestreuer Jugendvereine Deutschlands und die bereits bestehenden Jugendgruppen Deutschlands und der Schweiz vereinigen