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Jüdische Volksstimme · 1914-01-01 · Heft 1 (1.1.1914) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XV (1914)
Issue
Heft 1 (1.1.1914)
Date
1914-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Skr. 1 ״Irdische «Wte *. denn man kann doch beim bestem Willen das fast Grunwald. Gaster, Struck usw. gefunden» nie ekelerregende Geschimpfe der Heren Dr. Benno aber nur ein Wort über die Jugenderziehung. Straucher und Prof. Dr. Leon Kellner nicht als Auch für diesen Parteitag war ursprünglich an solche bezeichnen. In Galizien hat man sich sepadie Jugenderziehung gar nicht gedacht. Nur auf riert und wartet-worauf? Auf das ausdrückliches Verlangen eines zionistischen Vervollkommene Debakle? I eines aus Wien, wurde dieses Referat mitaufge- Es ist infolgedeffen notwendig: 1. die Einnommen, wobei dieser Verein aufgefordert berufung eines politischen Parteitages für die Gesanitmonarchie. 2. Die strikteste Erklärung ob das Krakauer wurde den Referenten selbst zu entsenden. Ge nannte Vereinigung befaßt sich schon seit mehr als 2 Jahren ausschließlich mit der Jugendpflege. Programm noch bindend ist, oder nicht; a) wenn! Ob dieser Verein seine Sache gut oder schlecht ge ja, dann halte man sich daran und führe es in j macht hat, kann ich als Mitglied nicht angeben, allen Punkten durch, sorge dafür, daß es wenig-! Jedenfalls ist er der einzige, der überhaupt sich stens die Parteigenoffen kennen, b) wenn nicht.! der Jugend zuwendet. Uebrigens war vor einigen dann schreite man an eine Revision des Wochen in der ״Jüdischen Zeitung" über seine Programmes. 3. Ausarbeitung eines genauen Planes für Jugenderziehung in körperlicher, kultureller und politischer Richtung namentlich der Studentenschaft und Mittelschüler, wobei man sich von allen Einseitigkeiten emanzipieren muß. 4. Die totale Absage von der ״Goluththeorie" und Durchführung einer sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Realpolitik hierzulande. YERLOBUNQ5-RINQE BRdUT5CHnUCK - - H0CHZEITSQE5CHENKE EHE-RINQE. In hervorragender Auswahl zu besonders billigen Preisen. Berthold Bachner, k. u. k. Hoflieferant, Jnwtlen-, Uhren-, Goldn. Süberw&renhandlung Brünn, nur Ferdinandsgasse Nr. 2. W* Provinzauftläge finden sofortige Erledigung. Sprechfaal Sehr geehrter Herr Redakteur! In der vorletzten Nummer Ihres geschätzten Blattes war darüber das Bedauern ausgedrückt, daß am westösterreichischen Zionistentage das Referat über Jugendpflege von ganz jungen Leuten gehalten wurde. Ich habe mit Bestimmtheit gerechnet, daß von maßgebender Stelle eine Erwiderung an die Redaktion zukommen würde. Diese ist ausgeblieben. Nun sei mir gestattet, hierüber der Oeffentlichkeit einige Mitteilungen zu machen. So weit meine Erinnerung zurückreicht, hat sich das westösterrcichische Z. Ä. mit Jugendcrziehung überhaupt nicht befaßt. Seit mehr als 3 Jahren lese ich ständig die ״Jüdische Zeitung" das Organ der westösterr. Zionisten. Dort habe ich fast wöchentlich von der Niederträchtigkeit ges geschinadten Austerlitz, von der Lächerlichkeit der Freisinnigen, in letzter Zeit auch einige Komplimente für Nordau, Wolffsohn, Oppenheimer, Arbeit ein Urteil gefällt, aus dem man wohl auf große Zufriedenheit der Vorgesetzten Behörden schließen kann. Auf dem letzten i.-ö. Distriktstage geschah ein Malheur. Die Delegierten dieses Vereines erhoben große Anklage gegen das Distriktskomite und protestierten zugleich dagegen, daß Hr. Blumenseid in öffentlichen Reden hervorragende Zionisten mit Kot bewirft. Nun trat eine seltsame Wendung ein.Die Herren, die man einige Wochen vorher in der ,^Jüdischen Zeitung" mit einer Waggonladung von Anerkennung aufwartete, wurden plötzlich eine ״gemeine Bande". Im Saale wurde eine Erklärung abgegeben, daß dieser Verein den Wanderbund gar nicht gegrün-! det hätte und obwohl der Vorstand des Wanderbundes diese Erklärung für falsch hinstellte und die Tatsache der Gründung durch diesen Verein feststellte, weigerte sich die ״Jüdische Zeitung" diese Feststellung abzudrucken. Der Zionistentag stand ganz unter dem Eindrucke des Distriktstages. Herr Blumenfeld konnte es dem Vereine nicht verzeihen, daß sich seine Delegierten gewagt hatten, ihn an ״Knigge" zu erinnern und die Herren Parteiführer mußten es diesen Leuten heimzahlen, daß sie es gewagt hatten am letzten Distriktstage ״Ja und Amen" zu verweigern und herribile Diktu! sogar unzufrieden zu sein. Von diesem Gesichtspunkte aus wird so manchem der Parteitag etwas begreiflicher erscheinen. Jedenfalls wird man wißen, warum ein vom Z.-K. nominierter Redner vom Z-K-Obmanne und vom General-Sekretär in einer im Parteileben noch nie dagewesenen Weise abgeschlachtet und desavuiert wurde. Aron Schwertfinger. schienen dem Greis physisch wehe zu tun. ״Sie haben mir nicht zu danken," sagte er abwehrend. ״Ueber den Preis für ihre Kostbarfeiten verfügen Sie allein, und wenn ihr Schützliitg dereinst sein Ziel erreicht und ein frommer, erleuchteter Lehrer in Israel sein wird — —" ״Daun wird er und die Gemeinde Sie dafür segnen!" rief Mine mit hervorquellenden Tränen. Joel Reinach hatte sich wie erschöpft in den Sessel zurückgelchnt. mit einer freundlichen Handbewegung verabschiedete er die Ergriffene. Im Nebenzimmer wartete Berta. Mine, von ihren Gefühlen überwältigt, umarmte sie und küßte sie auf die weiße Marmorstirn. ״Ihr Vater ist ein Engel!" rief sie aus, ״Gott erhalte Sie ihm!" Wer sie über die Straße fliegen sah, der hätte ein Unglück vermutet; von dem Glück, das ihre Schritte beflügelte hatte niemand eine Ahnung, selbst der schöne Henoch nicht.' Und als sie es ihm nun verkündete, als er die großen glühenden Augen tränenfeucht erst zum Himmel hob und dann auf das freudetrunkene Mädchen richtete, da war jede Rücksicht ehrerbietiger Zurückhaltung vergessen; er bedeckte ihre Hand mit heißen Küpen und als sie sie zurückzog, lehnte er das Lockenhaupt an ihre Schulter und nannte sie seinen guten Engel, seine geliebte Wohltätcrin, die er ewig — ewig — Es war der seligste Augenblick, den Mine, je erlebt hatte; nur noch ein seligerer war ihr Vorbehalten. M M M Uordruckerei Plissicranslalt 2. Gegen verdorbenen Magen, Darmträgheit und Gicht. ״Sternhofer Bitterwasser1* Mild, doch zuverläBlich. Sternhof.Post Sokolnitz bei ftrünn. Mit klopfendem Herzen teilte Henoch seinen Plan dem alten Meister mit. Dieser schüttelte erst den Kopf, dann nickte er mit wehmütigem Lächeln. Das Schütteln galt der Vergangenheit, das Nicken der Zukunft, und als Jecheskel Flesch über den Abtrünnigen zu fluchen begann, antwartete der alte Raaf: ״Laß gut sein, er hat Recht. Hakol b'itau", das verdeutsch man in: ״Alles hat seine Zeit," aber es heißt auch: ״Jeder hat seine Zeit." Henoch wollte bei Herrn Reinach persöulich seinen Dank abstatten; der alte Herr em- Pfing ihn nicht, er entschuldigte sich mit Un- Wohlsein. Das Geld war an der Kaffe angewiesen worden. Bis zum Herbst arbeitete der Jüngling Tag und Nacht, seine Kenntniffe in klafftschen Sprachen zu ergänzen. — Die Maturitätsprüfung bestand der junge Autodidakt mit glänzendem Erfolge. Dann kam die Abschiedsstunde. Mine hatte auf Befehl des Vaters ein Arbocanfcs (Brustlatz mit Gebetfäden) genäht: in die vier Ecktäschchen versteckte der alte Raaf vier goldene Dukaten. Aber die Brieftaschc, in welche mit Goldperlen ״Souvenir" gestickt war, zeigte sie ihrem Vater nicht. Der Alte und sein Kind begleiteten Henoch bis zum Postwagen, und als er mit dem blasenden Postillon über den ״Königsplatz" fuhr und Henoch mit dein Schnupftuch noch zum Fenster hinauswinkte, sagte der alte Raaf dem geliebten Jünger mit lauter Stimme Jeworechecho (Gott segne dich!) nach. Mine sagte mit aber nur im Herzen. (Fortsetzung folgt.) Aorresponäenzen. Gewitsch. Herr Rabbiner Dr. David Keß» l e r, scheidet einer Berufung als 2. Prediger und Religions-Profeffor nach Czernowitz Folge leistend, aus unserer Mitte. So sehr wir alle hierorts den Abgang dieses hochgeehrten Mannes und seiner werten Familie bedauern, ebenso sehr gönnen wir ihm vom Herzen, daß ihm, wohlverdienter Weise das Glück beschieden, sein trauriges Los zu verbeffern. Vor 10 Jahren als Rabbiner hieher berufen, kam er seiner Verpflichtung getreulich und gewiffenhaft in jeder Hinsicht nach. Freilich lagen damals noch ganz andere Verhältnisse vor, als heute, es standen an der Spitze der Gemeinde Männer, die mit Hingebung und Begeisterung für das Judentum und hiemit für den Bestand der Gemeinde bedacht waren, die auch das Judentum nach Außen und Innen zu vertreten verstanden. Gewitsch stand als Mustergemeinde Mährens da. Der Gottesdienst war in jeder Hinsicht würdevoll, die Gemeindeinstitutionen wurden musterhaft geleitet, der Religions-Unterricht von Erfolg gekrönt. Aber Zeit und Verhältniffe änderten sich gewaltig. Gewitsch ist heute dem Verfalle nahe — für diesen friedliebenden vielfach gebildeten und gewissenhaften Mann ist vorläufig lein Feld mehr, darum geht er dorthin, wo er seine Wirksamkeit nutzbringend verwerten kann. Bei dieser Gelegenheit vermag ich nur nochmals nteine Stimme ermahnend und warnend zu allen jenen Faktoren zu erheben, die berufen sind rechtzeitig noch Hilfe zu leisten und unterstützend einzugreifen. Der Leser erinnert sich zurück an die Artikeln ״Abhilfe gegen den Verfall der Judengemeinden Mährens", in dem gesch. Blatte. (Hummistrümpfe für XramnfaderfLÜe in allen Qualitäten und zu konkurrenzlosen Preisen nur im 8UMMI6ESCBÄFT JOS. FI*U sen., Brilon, Kräne S—5. — Hsäbartan postwendend. Neutitscheia. Sonntag, den 21. d., fand in unserer Stadt, die voin hiesigen Frauenvereine veranstaltete Makkabäerfeier statt, über deren Verlauf wir nur schönes berichten können. Das reichhaltige Programm war so vielseitig, daß es selbst bei verwöhnteren Zuhörern Beifall gefunden hätte-. Wir können nicht umhin die erfreuliche Tatsache zu konstatieren, daß wir diesmal, mit ganz geringer Ausnahme, die gesamte jüdische Bewohnerschaft unserer Stadt und auch viele Gäste aus der näheren Umgebung, bei dieser schönen Feier versammelt gefunden haben. Sie alle und wir mit ihnen fanden an dem Feste solchen Gefallen, daß wir dem rührigen Komiite und den braven Mitwirkenden nichts anderes zurufen wollen, als: ״Trachtet danach in Bälde wiederunt eine jüdische Veranstaltung in Neutitschein zustande zu bringen. Qu—. . Baden. Der Eröffnungsvortrag des neugegründeten jüd. Literatur-Vereines ״Maimonides", den Sr. Ehrwürden Rabbiner Reich hielt, nahm in jeder Hinsicht einen glänzenden Verlauf. Alle Kreise der hies. jüd. Bevölkerung und zahlreiche Damen aus der Gesellschaft waren erschienen, erfreulicherweise auch Gäste aus Vöslau. Besonders genannt seien Kultuspräsident Moriz Leiiner an der Spitze des in jeder Hinsicht die Vereinsintereffen fördernden Kultusvorstandes, ferner Oberstabsarzt Dr. Fischer, Dr. Alfred Berger, Prof. David Kohn, Frau Rabbiner Reich Dr. Kraus und Gemahlin, Dr. Julius Eisler und Frau David Daniel. Mit gespannter Aufmerksamkeit und reichlichem Beifall folgte alles den glänzenden Ausführungen Rabbiner Reichs, der mit historischer Beweisführung darlegte, wie Israel nach seiner herrlichen religiösen Entwicklung trotz seines staatlichen Niederganges alle alten Völker glänzend überdauert hat, und wie es dadurch zum Wunder der Geschichte geworden. Redner wies auf die ungeheueren geistigen Leistungen der Juden in der jüngsten Zeit hin, die sich in jedem einzelnen Fache des Wissens und der modernen Forschung kundgeben, so daß Israel nach wie vor, heute ebenso wie in seiner klassischen Epoche der Religionsentwicklung, seinen erstklaffigen Rang auf dem Gebiete menschlicher Kultur und Geistestätigkeit in Ehren ausfüllt. Die Statistik des Fortschrittes der Menschheit, die Statistik der großen jüd. Gemeinwesen, die

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