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Jüdische Volksstimme · 1913-12-11 · Heft 49 (11.12.1913) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 49 (11.12.1913)
Date
1913-12-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 49. ,Lwifche Bol-kSstimme". Sette 5 Zur Schlachtmethodr. Petersburg. Der antisemitische Tnniaabgcordnete Schitschkow bringt einen Antrag wegen Abschaffung der jüdischen Schlachtmethode ein. Wie Rußland Antisemiten belohnt. Ter Priester Pranaitis, der bekanntlich eine schändliche Expertenrolle im Beilis-Prozeffe spielte, wird demnächst zum Bischof von Kowna ernannt werden. Das Erscheinen des ״Fraind" eingestellt. Warschau. Das jüdische Tageblatt ״Ter Fraind" ist wegen eines Artikels im BeilisProzeß von der Be- Hörde eingestellt und der Redakteur unter Anklage gestellt worden. Nun erscheint dasselbe Blatte unter dem Titel ,.Das Leben" wieder. Aus einem toten ״Fraind" wird in Rußland das ״Leben". Ein Studentenstreik wegen der hebräischen Sprache. Die Studenten der holländischen Rcformkirche in Ncw-Brunswick haben dieser Tage beschlossen, in den Streik zu treten, weil ihrer Forderung, die hebräische Sprache als obligaten Gegenstand vom Lehrplane zu sireichen, nicht Folge gegeben wurde. In ihrem Memorandum an.das Rektorat erklären die Theologen, daß die hebräische Sprache für sic zu schwer sei und mehr Zeit in Anspruch nehme, als alle , übrigen Lehegegensiände. Das Rektorat des Seminars erklärte demgegenüber, daß die Kenntnis der hebräischen Sprache für jeden Theologen, welcher Konfession immer er auch sei, unerläßlich ist. Ein christlicher Theologe sei gar nicht in der Lage, seine eigene Religion richtig zu erfaffen, ivcnn er nicht fähig ist, das hebräische Schrifttum, welches die Grundlage für die christliche Religion bildet, richtig zu erfaffen. Tie Unkenntnis der hebräischen Sprache hat schon viele christliche Theologen schwere Ungerechtigkeiten gegen die jüdische Religion begehen lassen.^ Aus diesem Grund bcharrt das Rektorat der genannten Anstalt aus der Beibehaltung des Unterrichtcs der hebräischen Sprache und ihrer Literatur. Josef Hanu§, Brünn Rudolfsgassa Nr. 25. ämtliche Damen-Modewaren, E ander, Spitzen, 8!den- Stoffe. Posamenteiie, und ZugehOr für Damenschneide rinnen. Der vierte Parteitag der westösterreichischen Zionisten. Tonntag den 7. und Montag den 8. d. fand der westöstcrreichische Parteitag in Prag statt. Seitdem Galizien und die Bukowina sich voir der gesaiiltösterreichischen Organisation losgesagt, bietet die westösterreichische Organisation kein besonders erfreuliches Bild. Wir können dem Zentralkomitee den Porwurf nicht ersparen, das; die Vorbereitung für den Parteitag vieles zu wünschen übrigließ. So wurde die Tagesordnung des Parteitages nur auserwählten Blättern zugeschickt. Weder in der Presse, noch in den Vereinen wurden die Punkte einer Beratung oder Diskussion unterzogen. Die Wahlen für den Telegiertentag wurden im letzten Moment in vielen Städten nicht von den Mitgliedern der Organisation, sondern von dem Ausschusse vorgenommen. Selbstverständlich kann es dann nicht wundernehinen, wenn der Parteitag äußerst schwach beschickt ward. Auch die Prager Lokalorganisation hat entgegen dem bisherigen Brauche, alles entsprechend vorzuberciten, versagt. Pom Zentralkomitee wurde der Tätigkeitsbericht ohne Äassabericht in letzter Minute in der jüdischen Zeitung veröffentlicht. (5* ist unbedingt notwendig, daß man endlich einmal zu den Beratungen der österreichischeu Organisation objektiv Stellung nimmt. Die Tagesordnung des Parteitages lautete: 1. Eröffnungsansprache; 2. Bericht des Zentralkomitees; ״Der elfte Zionistenkongreß", Referent Tr. Emil Margulies (Leitmeritz); l. ״Palästina und Rationalsonds", Referent Dr. Emil Stein (Wien); 5. ״Die geistige und körperliche Erziehung unserer Jugend", Referent Dr. Ernst Skutehky (Wien); 0. Neuwahlen; 7. Budget. Auch in puncto der Festsetzung der Tagesordnung wurde keinesfalls mit dem notwendiggen Ernste vorgegangen und hatte die Erstattung einzelner Referate, wie Jugenderziehung derartige unliebsame Szenen hervorgerufcn, daß es direkt ein Bild der Zerfahrenheit bot. Es gab viele Delegierte, die in Bezug auf politische Tätigkeit des Aktionskomitees nicht blinde Anhänger desselben sind. Der vom Zentralkoinitee festgesetzte Punkt: ״Ter elfte Zionistenkongreß". Referent Tr. Emil Margulies, gelangte über- Haupt nicht zur Erledigung. Tie Parteigenossen schienen es satt zu haben, das Referat des Tr. Margulies zu hären. Ter Punkt ״Jugenderziehung" bot ein klägliches Bild. Tie vom Zentralkomitee nominierten Referenten erstatteten ihre Referate nebst Anträgen, fanden jedoch bei einem Teile der De-!gierten keinen Anklang. Es ist selbswerständlich nicht Pflicht des Parteitages, mit den Ausführungen des Referenten übereinzustimmen, aber traurig ist es und direkt unparlamentarisch, wenn die vom Zentralkomitee nominierten Referenten von dem Obmanne des Zentralkomitees und vom Generalsekretär in einer im Parteileben noch nicht dagewesenen Weise abgeschlächtet und desavouiert wurden. Sekretär Kurt Blumenfeld trat gegen die Referenten in einer Form auf, als ob es sich nicht unr Gesinnungsgenossen und treue Mitarbeiter der Bewegung handle, sondern um die ärgsten Gegner unserer Bewegung. Wir hätten von Herrn Kurt Blumenfeld etwas mehr Zurückhaltung und objektivere Behandlung erwartet. Herr Tr. Karl Pollak, der Obmanll des Zentralkomitees hätte seine Bemerkungen über die Referenten sich ersparen können. Es war Pflicht des Zentralkomitees, vor Abhaltung des Parteitages die Anschauungen und den Standpunkt der Referenten kennen zu lernen. Wichtige Punkte wie Parteipresse, Kultusgemeinden, wirtschaftliche Lage der Juden waren nicht Gegenstand der Tagesordmmg. Die Verhandlungen standen im allgemeineu alles weniger als auf der Höhe. Bei Punkt Jugenderziehung sprachen nur ganz junge Leute und glauben wir doch, daß bei einem derartig wichtigen Punkt, die jungen Herren ein klein tvenig Bescheidenheit und Zurück- Haltung an den Tag legen sollten. Es wurde am zweiten Verhandlungstage direkt vor leereil Bänken verhandelt. Das ausgezeichnete Referat ״Palästinaarbeit und Nationalfond" wurde vor 18 Delegierten vorgetragen. Tie Nachmittagsverhandlung (2. Tag) währte 20 Minuten. Tie Anschauung, als ob es in Oesterreich nur Anhänger der gegcnwärtigeir Richtung gäbe, kam auf diesem Parteitag eklatant zum Ausdrucke. Ein Teil der Delegierten gehört zur sogenannten politischen Richtung. Es ist zu Hofsen, daß die gegenwärtige Leitung bei Einberlifling eines neuen Parteitages aus den ge- »lachten Fehlern und Unterlassungssünden die nötigen Lehren ziehen wird. Der Parteitag der österreichischen Zionisten inuß unbedingt zu wichtigen Fragen, wie Kultusgemeinde und Wirtschastliche Lage der Juden, Stellung nehmen. Aus technischen Gründen erscheint der Bericht in der nächsten Nummer. Nrünner Nachrichten Bereinigung der östlichen jüdische» Hochschülrr in Brünn. Samstag bou 18. Dezember findet im große» Vortragssaale des Künstlerhauscs ein Vortrag des Hrn. L. Ehasanowitz aus Wien statt. Thema: Ter Lebenskampf des jüdischen Volkes. Beginn präzise 8 Uhr abends. Kartenvorverkauf in Knauthes Buchhandlung, Rennergaffe 0. Jüdische Toqubeehalle. Auf Einladung der Topnbeehalle hält Sonntag den 1t. d. M., um 5 Uhr nachmittags, im Saale des Mährischen Gewerbevereines Herr Schulrat Prof. Josef Baß aus Wien einen Bortrag über das Thema: ״Die Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts." Pro-Brockrnsammlung des Vereines Machsite Hadas. Die P. T. Glaubensgenossen werden dringendst ersucht, der Pco-Vrockensammlung des Vereines Machjike Hadas. Adlergaffe 12, alte Kleider, Schuhe, Hüte, Wäsche zu überlaffen. Tie Kleider werden an hilssbedürftige Glaubenögcnoffen verteilt. Bekleidung armer jüdischer Schulkinder der Bibelschule des Vereines Machsike Hadas. Der Vereinsleitur.g sind weitere Spenden zugekommen: Friedrich Fröhlich: l K. R. Deutsch, 2 Tuchrcsten. Teil Spendern sei an dieser Stelle herzlichster Dank gesagt. Weitere Spenden tverden entgegeiigenommen. R. Guttmann, Prag, diverse Kleidungsstücke. Zirkus Karl Klutdsky. Wir machen unsere Leser aus daö Inserat des Zirkus KludSky insbesondere aufmerksam. Tie künstlerischen Leistungen iichen in jeder Beziehung aus der Höhe. Wir könne» den Lesern nnscreS Blattes de» Besuch wärmjiens empfehlen. Norrekpomlenzen. Baden. Zum tiöjährigeu Regicrungsjubiläum des Kaisers veranstaltete der israelitische Fraueuverei» in Baden am 2׳. d. einen Fcstavcnd für die Schüler und Schülerinnen unserer Religionsschule, der in Anbekracht der patriotischen Gesinnung der Kultusgemeinde als ein glänzender Akt sich manifestierte. Die Borjrchung dieses Vereines, an deren Spitze Frau Julie Lcitner schon jahrelang als Präsidentin in ausgczeichneter Wohltätigkeitsübung jtcht, bedachte schon tagszuvor die Bedürftigen der Schuljugend mit warmen Kleidern, Wäsche und Schuhen'und ivurden dabei für den Abend des gedachten RegierungSjubiläumstageS zu einer reichlichen Jause im SihungSsaale der Kultusgeiiieiiide eingcladen. Es erschienen die VorstandSdameu, Präsidentin Julie Lettner, Bizepräsidentin Rosa Schneider, Kaffierin Sophie Leitner, die Frauen Kais. Rat Tr. Raab, Rabbiner Reich, Rosa Schcy, Freiwillig, Fanni und Olga Leitner: von den Herren Se. Ehrw. Rabbiner W. Reich, Präsident Moritz Leitner, Vize- Präsident Siegmund Rausnitz mit Frau Gemahlin, Sekrctär Jnfcld und mehrere andere Frauen, di« sich an dem patriotischen Feste beteiligten. Se Ehrwürden Herr Rabbiner Tr. Reich crössnctc das Fest mit einer Herzlichen Ansprache an die Kinder, erinnerte an den weihevollen Tag des siöjährigen RcgierungsjubiläumS 1111־ sercs huldvollen Monarchen, schloß mit dreimaligem Hoch aus deuselbcn, >11 welches alle Anweseiiden begeistert eiustimmteit und die VoltShymne intonierten. Hieraus betrat die temperamentvolle Schülerin Martha Weiß. Nichte der Frau Freiwillig, die Estrade und deklamierte einen ״Fejtgrllß" an den Kaiser, der mit gro> ßem Beifall altsgcnommen ivnrdc. Tie Freude der Kinder beim Festmahle war eine unbeschreibliche und an ßerte sich dieselbe in uiiatifgeforderten Vorträgen von Liedern und Deklamationen, woraus viele uoi« Frau Freiwillig mit Büchern patriotischen Inhaltes beschenkt ivurden. Wir alle verließen den Saal mit dem tiinigen Wunsche, daß der Kaiser nnS noch viele, viele Zähre zu solchem solennen Feste Anlaß geben möge. Wien, Sonntag de» l l. d. um halb ■5 Uhr »achmittags findet in Wien im Seiteiistclteutempel die Tranliug des Frls. Adele Keller aus Wie« mit Herrn Rabbiner Phil. Dr. Leo Verlisch aus Ledecz statt. Den Trauuiigsakt ivird i» Vertretung des Herr» Sverrirbbiiicrs Tr. Güdemaun. der Bruder des BräutigauiS, Tr. Eh. G. Verlisch aus Amitetten, vollziehe». Ter Verein zur Ausspeiiun» armer israel. Schulkindrr für den ](>. und 17. Bezirk Wien veranstaltete am 80. Nvveinber ui» halb :! llhr uactunittags im Teiltscheu Volkstheatcr eine Wvhltätigkeiisvvritellung. Zur Äussühruug gelangte die dreiaktige Volkskvmodie ״Das Vcschiverdebuch". Tas Erträgnis dieser Vorstellung diente, ivie immer, dem besonders ivohltätigen Zweck der Ausspeisung armer, hiliigernder und frierender Schulkinder und Veaursichtignng derselben uiid Kni derborte. Tas Theater tvar überaus sehr gut besticht, es waren sämtliche Plätze vergrissen. unter den Vesucherii waren zu sehen der Präsident der israel. Kullusgciueiiide Tr. Alfred Stern, .Kultusvorstaiid Kaik. Rat Kauders. Se. Ehrivürden Tr. I. M. Vach samt » » V S » 8perial-6e8vk3ft in Arumpfu. Wirk־ DpfffinlH HprftnAflfl waren. Alleinverkauf von gestrickten Anzügen. HlvrlCI * Ivl I IIImIIII Strümpfe, Socken, Handschuhe, Sportartikel. 11 Brünn, Herrengasse Nr 8—10.

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