Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 47 (27.11.1913)
- Date
- 1913-11-27
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47 ״JLttsche v»tt,ßi»«e.^ Sette S. Kap. 14. 34.) Und wieviele solcher Kleinodien besonders warm jüdisch. Er selbst nennt sich ״sowürde man nicht im jüdischen Hause entdecken, zialer Jude", und dieses Band, das nur aus wollte man nur ernstlich danach suchen! Ta ist Trotz entstanden ist, ist nicht so stark, um tiefere zunächst die altbewährte Faunlientreuc, die Impulse zu empfangen und jüdisches Leben aus- Sittsamkeit, die Anspruchslosigkeit, die Gastzustrahlen. Wir müyen gestehen, daß die gar zu freundschaft, die hier stets heimisch waren. O! häufige Betonung des Deutschtums uns wenig Vas sind auch Kleinodien von unschätzbaren,, unbezahlbaren, Werte, un, deren unersetzlichen Berlust wir wahrhaft trauern inüßten! Aber getrost, noch gibt es eine treue Hüterin dieser Kleinodien des jüdischen Hauses, das ist Fra u. angebracht schien. Ist es wirklich notwendig, daß wir hundert Jahre ״ach der Emanzipation noch bei jeder Gelegenheit betonen müssen, daß wir gute deutsche Bürger sind? Es will uns beinahe!scheinen, daß gerade diese zu häufige Betonung Ihr räunlt unser Wochenabschnitt mehr an das Ghetto als an das freie Tentschtum t>ic das ihr gebührende Recht dadurch ein, daß sein erstes Wort ״Jschoh" lautet. Jschoh, das Lehnwort von Jsch Mann ist der Inbegriff der vollen Gleichberechtigung, des Weibes auf erziehlichem, religiösem und geistigem Gebiete. ' Bon der Frau in Israel hoffen wir es iiicht nur, sondern wünschen und erwarten es zuverlässig, daß sie es sein wird, die wie ehedem als Priesterin der Familie die ״Schäden" des Hauses wieder heilet, und das Leid unseres Stamnies wieder lindern wird, durch die Zauberkraft ihres Wesens auf die Jugend: unser kostbarstes Gut, das ihr anvertraut ist ... Soweit die freie Wiedergabe dieser Homilie Tr. Schmicdls s. A. Zerbrochen sind die Bundestafeln, im Grabe schlummert der begeisternde Prediger. Perstummt sein beredter Mund, degen lehrreiche Worte gleichsam heimatlos umherschwe-j tige bcn, ihres Sammlers harrend. Und wenn er auch ״ach eigenem Geständnis in den letzten Iah-! ren nichts mehr konzipierte: sein Nachlaß dürfte! doch manches Interessante ״ach dieser Richtung hin bieten, durch dessen Publikation die Berufe-! neu hierzu sich weitgehenden Tank sichern wür den. — erinnert. Ein jüdischer Berbandstag kann seinen Zweck nur erfüllen, wenn er das Judentum kräftiger betont. Wir kommen zusammen, um uns mit Stolz und Würde zur jüdischen Gemeinschaft zu bekennen. Daß wir dabei unsere Pflichteu gegen das Vaterland erfüllen und alles Schöne und Gute in Teutschland freudige״ Herzcns fördern, das brauchen wir nicht durch Worte zu verkünden, das beweisen wir täglich durch unserc Handlungen. Wir halten den Berbandstag für eine sehr schöne Einrichtung. Aber wir meineu, es würde ihm zu», Vorteil gereichen, wenn er immer mehr den Weg der Tiefe und nicht der Parade gehen würde. Ter jüdische Geist ist es, der sich hier deutlicher zeigen muß. Will der Perbandstag das ganze Judentum Teutschlands repräsentieren, daun mnß das Jüdische eine kräf- )tote bekommen. Der Berbandstag der dentschen Juden in Hamburg. Das ״JSr. Wochenblatt" schreibt: Ter dtesumlige Berbandstag ist wie immer harmonisch verlaufen, und er bot lnanchc Anregung. Festlich, gar zu festlich gestimmt war die Versalnmlung. Es schien uns, als wenn die jüdische Gemeinde Hamburg sich zu sehr in Festlichkeiten überbot. Mau wird die Veranstaltung eher ein Fest als eine politisch-kulturelle Kundgebung nennen dürfen, man braucht nicht den Maßstab eines Parlaments an diese Versämmlungen anzulege». und wird doch etwas mehr Grundlichkeit von einer Veranstaltung, die die Pertreter der deutschen Jndenheit versammelt, erwarten dürfen. Tie Reden mögen gewiß sehr schön gewesen sein, aber wir vermissen hier den jüdischen Geist, die jüdische Warme. Die Rede des Herrn Reichstagsabgeordneten Dr. Haas ist wohl eine Politische, aber keine jüdische Rede. Das scheint auch gar nicht in seiner Absicht gelegen zu haben. Herr Tr. Haas empfindet nicht L0 hielten sie sich lang und stumm umschluugen. Indessen war Frau Jochebedcheil aus der Küche heraufgeschlichen, zu hören, ob bei der gefürchteten Verhandlung kein tlnglück geschehen sei. Sie lauschte an der Tür, dann wischte sie mit de», Zipfel der Schürze sich die Hand ab und drückte leise auf die messingene Klinke. Ta sah sie die Gruppe der Glücklichen und betrachtete sie unter Tränen lachend. ״Zn Massel (Glück) und zn Broche (Segen)!" rief sie halblaut. ״Mutter!" rief Bärmann. ״Mutter!" rief Emilchen. Und sie umarmte die kleine alte Frau. ״Nun endlich! endlich!" rief diese, ״hast du's endlich herausgebracht, daß du sie gern hast uiid dergleichen Sachen alle mehr! wie er. Obwescholem, gesagt haben würde." Bei dieser Erinnerung blickten die beiden Glücklick>en gen Himmel und lächelten: es war ihnen, als sahen sie Onkel Markus mit de», Läckzeln u», den breiten Mund, der ihnen seinen Segen gäbe — und ״dergleichen Tinge alle mehr!" Tie Verhandlung mit den, Bevollmächtigten des Erben führte rasch zun, Ziele. Bärmann kaufte das Geschäft und führte seine Braut Hein, Jochebcdchen und Jeanette, die jetzt Madame Rothschild hieß, waren die ״Unterführerinnen" Letztere hatte eine ganze Silbergaruitur als Ein Wurf und einen halben Wagen voll Melsunger Butterkuchen für die Hochzeit mitgebracht. Ter gebildete Roßhändler wollte einen prächtigen YERLOBUNQ5-RINQE BRAUT5CHMUCK - - HOCHZEIT 5QE5CHENKE EHE-RINQE. in hervorragender Auswahl zu besonders billigen Preisen. Berthold Bachner, k. u. k. Hoflieferant, Juwelen-, Uhren-, Goldn. Sllberwarenhandlnng Brünn, nur Ferdinandsgasse Nr. 2. <V* Provinzauflräge finden sofortige Erledigung. Prager Brief. Sehr geehrter Herr Redciktsttr' Ihr Setzer haßt mich: durch eine geringtägige Textänderung wußte er mir eine Ansicht u unterschieben, die eine Reihe achtbarer Mäu- ״er verletzen mußte; eine Ansicht, die i ch mir nie gebildet hatte. Sie niüssen inir daher schon verstatten, daß ich mit einem A b s a tz ein Mißverstäudnis zu beheben suche, welches Ihr Setzer durch zwei Buchstaben verschuldet hat. Ich vermerkte in meinen, letzten Brief die Generalversammlung des Volksvereines ״Zion" und schrieb das Verdienst am Aufschwung des Vereines dem Obmann zn. Im Anschluß daran meinte ich ganz allgemein, es sei bedauer Mecklenburger für das ״Spinnrädchen" zu», Präsent machen, aber Bärmann nahm dies nicht an- Tas Geschäft blühte durch seinen Fleiß, ja der Titel eines Loterieassessors ward dem wür digen Nachfolger des.Herr״ Markus bald darauf verliehen und Schien,ilchen hieß nun: Frau Assessor!״. Als der alte Mewes starb, verkauften sie das ״Spinurädchen", das bescheidene Paar wanderte lieber zu Fuß in die ״Au", wo ihr Söhnchen in der ״Affenallee" Kastanien sammelte. Sie hatten es ״ach dem unvergeßlichen Wohltäter Markus genannt, und es war nach dem alten Satz, daß zwei Verneinungen eine Bejahung bilde», ein schönes, blondlockiges Knäbchen geworden. Tie -Frau Assessor!״ hat nicht nur Jochebedcheu, die trotz der TtandeSerhöhung ihres Sohnes die Küche nie verließ, sonder» auch ihre» treuen Gatten überlebt. Tas Geschäft übergab sie fremden Händen, da ihr Sohn entschiedene Neigung zu klassischen Studien zeigte. Markus Bäriuann, der als Student sich ״Mar" nannte, ist ein tüchtiger Gelehrter geworden. Er war der erste, der als Jude an eine deutsche Universität als Professor berufen wurde. Seine Mutter hat diese Ehre nicht erlebt. Sie starb wenige Wochen, bevor dieser die ganze Gemeinde mit stolzen, Triumph er füllende Ruf erfolgte. ״Schleiuilchen bleibt doch Schlemilchen!' würde der alte Lewy gesagt haben, wenn er nicht schon längst gestorben wäre! lich, daß die Arbeit in den Bürgervereinen gar zu sehr von der Tüchtigkeit eines Mannes abhänge: der schlimme Setzer machte mir aus ״den Bürgervereinei״ ".׳in dem Bürgerverein". Enthielt die zitierte Bemerkung, wie ich offen gestehe, ohnehin nicht gerade ein Kompliment, so wird sie, speziell für den Prager Verein form״- liert, geradezu zur Beleidigung und das war keineswegs meine Absicht. Ta ich übrigens gerade bei persönlichen Bemerkungen halte: Sie haben vielleicht gesehen, daß der Bericht der ״Jüdischen Zeitung" über den böhmischen Tistriktstag wörtlich dem Prager Brief entnommen war. Es zeugt nicht eben von journalistischem Anstand, zu zitieren, ohne die Ouelle anzugeben, aus der man schöpft. Tie Tätigkeit der Redaktion beschränkte sich darauf, einige Sätze wcgzulassen. Und merkwürdig was ich an der Tagung lobenswert fand, schien auch ihr rech, und für den Nachdruck reif; wo ich aber eine kritisierende Anmerkung gegenüber dem TistriktSkomitee oder — horrible dictu — gegenüber Herrn Tr. Margulies zu finden mich erkühnte, dort arbeitete der Herr Zensor der ״I. I.". So ward aus den, etwas struppigen Menschen in der ״Bolksstimine" ein frisierter Jüngling, der artig seine Verbeugung macht. Diese Methode, »,eine ich, ist einem zionistls ch e n Blatt nicht angemessen, dessen oberster Grundsatz die Wahrhaftigkeit sein sollte. Es ist wohl auch ei» Versehen, daß in allen Biättern das Stimmenverhältnis bei ver Wahl des T.-.N. 2<» zn 11) weggelassen wurde. Tie Versammlungen jagen einander. Sonntag den ■J3. gab es gleich zwei, die ein pflichten riger Berichterstatter zu besuchen hatte: und beide waren des Besuches wert. Vormittags war vom .Verband der tschechischen fortschrittUchen Juden" eine Versammlung im großen Saale der Produktenbörse arrangiert: man hatte sich einen ausgezeichneten 'Redner, den bekannten Führer der Realisten, Reichsratsabgeordneten Prof. Tr. Masarnk, verschrieben. Seine Ausführungen, die insbesondere die Gutachten der Kiewer Sachverständigen TikorSki und Pranaitis vom wissenschaftlichen Standpunkte aus als unhaltbar kritisierte», fanden stürinischen Beifall. Er zog eine Parallele zum Polnaer Prozeß und wies nach, daß es sich bei dem Ritual- 1״ordn,Archen nicht um einen im Volke w u r z e l n d e n Aberglauben, sondern um eine von klerikalen Priestern systematisch durchgeführte Volksverhetzung handle. Von weiterem Interesse dürfte auch folgende Stelle sei», die ich wörtlich, aus dem Tschechischen übersetzt, zitiere: ״Ich erinnere mich, wie ich als kleiner htnabc von meiner Mutter hörte, daß die Juden Kinderblut brauchen, und meine Mutter verbot mir, mit jüdischen Kindern zu verkehren, in ein jüdisches Haus zu gehen und ich erinnere mich, wie ich in weitem Bogen um die jüdischen Häuser herunigegangc״ bin, und bis zu meinem zehnten Jahre mit jüdischen Kindern nicht verkehrt habe. So bin ich erzogen worden. Aber ich ,veiß auch, daß die Mutter es vom Geistlichen hatte, der auch in Predigten diesen Aberglauben verkündigt hat und sie berief sich auf den Kaplan, den ich sehr lieb hatte. Ich weiß also, daß es iiicht ein Volksaberglauben ist, souderu die Klerikalen sind es, welche den Gewinn vavou haben. Deshalb sage ich auch, im Polnaer Fall, daß nicht das Volk schuld ist. Es war der Bischof Brhnych, der da aufgetreten ist und ein Teil der Presse. Im Polnaer Fall konnte ich als Laie Nachweisen, daß es nicht wahr ist, daß die Leiche ganz blutleer war, waS physiologisch unmöglich ist. Tie Aerzte haben erklärt, daß noch anderthalb Liter Blut in der Leiche gefundeu wurden. Was müßte das für ein Ritualn.örder sein, der alles Blut haben will und anderthalb Liter in der Leiche läßt! (Heiterkeit.) Auch daS Tat״», des Mordes ist in diesem Falle wichtig. Ter Mord ist am 2!». März geschehen, also nach dem oamaligen Kalender schon nach den jüdische» Osterfeiertage״. Und trotzdem der Glaube, daß mau das Blut zu den Feiertagen brauchte, die schon vorbei waren! (Heiterkeit.)" Tie übrigen Redner standen nicht auf der Höhe - Abends hatte der Volksverein einen liebe» Betauuteu, Herrn Tr. .Heinrich Löwe aus Berliu, zu Gaste. Er besprach die Universitätsfrage, die seit dem elften Zionistenkongreß in Diskussion stetst. Löwe, der schon durch seine sympa-