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Jüdische Volksstimme · 1913-11-27 · Heft 47 (27.11.1913) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 47 (27.11.1913)
Date
1913-11-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4. ״Jüdische Bolksstimtne." Nr. 47rhischc Persönlichkeit die Zuhörerschaft für sich gewinnt, wusste durch seine gründliche und groß-?,iigige, dabei doch populäre Darstellung, das Publikniii von der Großartigkeit der Idee sowie non der Notwendigkeit und Möglichkeit ihrer Durchführung zu überzeugen. Sehr wichtig für die Vorbereitung der Universität erscheint dem Vortragenden die Gründüng und vollkommene Ausgestaltung einer wissenschaftlichen Bibliothek. Seiner Anregung entsprechend, wurde die Begründung eines Vereines, der der Unterstützung einer solchen Bibliothek dienen soll, in die Wege geleitet. Dr. Löwe wird sich überhaupt in nächster Zeit die Propagiernng dieser Idee in Deutschland und Oesterreich sehr angelegen sein lassen. In der Diskussion sprachen IUC. Willn Glaser (L. u. R. j. H.) und MUE. Franz Ekstcin (Barissia). Die Zusammenkunft nach dem Vortrag, bei der viel hebräisch gesprochen wurde, war von inniger Herzlichkeit getragen. Grz. NIEDERLÄNDISCHE LEBENSVERSICHERUNGS-GESELL- SCHAFT, WIEN, L, ASPERNPLATZ 1. im eigenen Palais. — Versichertes Kapital cirka 400 Millionen Reserven dilca 116 Millionen Kronen. — Billigste Tariie, Mitarbeiter werden überall gesucht. — Unser neuester Tarif mit i&tarlicb fallender garantierte Piimie. General-Agentur für Wien, I., Aspernplatz I, Leiter David Nebenzahl, Sub.Dlrektion für Prag, Ferdlnandsstr. 20. neu, Leiter Robert Gerstel Sub. Direktion für Lemberg, SzaJouena 3. Leiter Lfibl Taubes. General-Agentur für Krakau Moritz Griffel, Ringplatz Nr. 9. Generalasentur für Bielitz. Schlossgraben 9, Leiter Adolf Heitling. Hauptageniur für Brünn, Rossftzergesse 4. Letter: Samuel Reiniger. Pogrom in Sicht.. . Iugenderinnerung von Oberkantor Armin Wilkowitsch. Noch klingen mir in den Ohren jene grauslichen Töne des blutigen Hasses: ״Tod den Inden!. Schlagt sie nieder!." und bald mischte sich in jenes Gejohle das Geklirre zcrtrümmerter Fensterscheiben ... Dsin ... Dsin ... fielen sie auf das Pflaster und zersck-ellten in winzige Splitter.... ״Was gab's?" fragt ihr; nichts, oder wenigstens nichts von Bedeutung! Die Bauern strömen ans der Kirche, man batte die Auferstehung gefeiert und der Geistliche hatte wie alljährlich die Leiden Christi in lcidcnschaftlichen Worten geschildert, also machen sich die Leute ein bißchen Luft, kühlen ein wenig ihr Mütchen; oder rücken die Rekruten zum Militärdienstc ein und gönnen sich einen harmlosen Ult. Etliche jüdische Fensterscheiben — so eine Bagatelle! - Da sagt die Polizei kein Wort dagegen. - lind wenn es nun in der Gasse solch einen Lärm gab, so saßen wir, minder, mäuschenstille, wie wenn ein heftiges Gewitter niederging, die Mutter sprach gewöhnlich: ״minder, sagt ein Kapitel Thiliin. daß sich Gott unser erbarme und den Scne-Iisroel die .straft benimint, »ns Böses zuzufügen. Der strawall wird ja bald vorüber sein!" ״Gott gib's!" stimmten wir ein und begannen zu beten: ״Aschre s'mime derech .." Diesen Psalm vermochten wir alle auswendig zu sagen - und Gott, der Hüter Israels, half, bald verstummte der wilde Lärm, das ohrenbetäubende Gcbrülle erstarb nach und nach in der (Risse. Allein es gab auch viel ernstere, traurigere Zeiten für uns: in den benachbarten Iudcngcmeinden hatten bereits Metzeleien stattgefunden und täglich, ja stündlich erwartete man auch bei uns den Pogrom mit all seiner Scheußlichkeit und es gilt, sich nach Möglichkeit zur Gegenwehr zu rüsten. Wer ängstlich und weichherzig sei, - lautet nun die Parole — der gehe nach .Hanse und mache nicht die Herzen anderer seinem gleich verzagt! So war es gegen Ende der titler Jahre des verflossenen Jahrhunderts, als der Haß der russischeu Tschinowniks mit erneuter Macht einsetzte und in allen Teilen Rußlands wurde die christliche Bevölkerung gegen die Juden aufgestachelt und zum Pogrom sörnilich getrieben. Jeder Tag brachte neue Hiobspost und den noch unbehclligten Juden wurde es klar: den Feinden soll der Sieg nicht billig zu stehen kommen!.Also versammelte man sich im großen Beth-Hamidrasch - dahin wurde das ״Hauptquartier" ververlegt und beriet, was zu beginnen sei?" Vor allem wurde beschlossen für jede Nacht einige junge, energische Balcbattim zu bestimmen, die die Nachtpatrouille bilden sollen — dieser Beschloß wurde sofort ausgcführt — und dann wurde weiter beraten. Was hierbei ausgeklügelt wurde, blieb für die breiten Massen ״sckrät"! Wohl war cs noch früh im Herbst, allein' der Schnee häufte sich bereits haushoch und und nur mit hohen, wasserdichten Schaftstiefeln vermochte man trockenen Fußes sich durchzuringen.... Die Patrouille war warm gekleidet, gut beschuht und Gott weiß, mit welchen Wehrmitteln ausgerüstet? und ging vor der Gasse auf und nieder, nach dem Feinde spähend. Es wurde hierbei weder Thiliin gesagt, noch ״Chazos" gemacht, sondern — tolle Streiche ausgeführt: ein aus Brettern gezimmertes Anstandskabinctt, das auf vier Holzbcinen auf irgendeinem Hofe stand, ivnrdc ans seinen Grundfesten gehoben und vor des ״Dozorce" (stultnsvorstehcrs) Fenster — mitten am Marktplätze — postiert; ein vor einem «chuster hängendes Schild wurde von seinem Ursprungsort entfernt und über des Rabbiners Tür angebracht. — Eines Nachts klopfte es an Reb Iossel Sofers Fenster. ״Schomer Jisroel! Was gibt's?" schreit schlaftrunken der Geweckte. ״Schreckt Euch nicht. Reb Iossel, und steht auf Ihr habt das große Gewinst gemacht!" tönt's ihm entgegen. Der Schriftkundige schlüpft in seine Schlores (Pantoffeln), reißt seine Tür auf und läuft halbnackt durch die Gasse wie besessen! Bald stellt ihn die Patrouille: ״Wohin lauft Ihr. Reb Iossel?" - Gott über die Welt!" rä sonnicrt der Angeredete, just vor a Weil hat man mir mewasscr gewcn (verkündet), as ich hob gemacht das große Gewinst!" — ״Maseltow!" klang es un Chorus und einer fragte den Reb Iossel: Was habt Ihr für ein Los?" — ״A Los? A Los? ..... Was muß ich denn epcs a Los dazu haben?" gab er verwirrt zurück. Die Patrouille lachte und einer rief dem Sofer zu: ״Verrichtet das Notwendigste — und geht schlafcn! Wer kein Los hat, der kann auch das große , Gewinst nicht machen!...." I Unsere Iudengemeinde blieb vom Pogrom . verschont und lange noch wurde über den Haupt- , trcsfer des Reb Iossel Sofer gelacht.... Diskonto-äesellschaft bei der Nordösterreichischen Bank< Kr Industrie, Handel und Landwirtschaft, reg istrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung In Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt sich für alle einschlägigen Bankgeschälte, hauptsächlich euch für den ע Eskompt offener Buchforderungen unter den aUergünetigstcn Bedingungen. üundfcfuu!. Libung des zionistischen Aktionskomitees. Tos vom 11. Zionijienkongreß in Wien neugcwühlte große Aktionskomiicc der zionistischen Crga־ nisation hielt vom :23. bi■:• ■2f>. November d. I. seine! erste Sigung in den Räumen des Zionistischen;zentralbnreanS in Berlin ab. An der Sitzung nahmen neben einer Anzahl von Gästen nahezu sämtliche 30 Mitglicder des Aktionskomitees, die aus verschiedenen Städten Deutschlands, ferner aus Eesicrreich, Rußland, Belgien, Holland. England, der Türkei und Palästina zu den Beratungen gekommen ivarcn. Es wurden die Richtlinien der zionistischen Palästinaarbeit für die nächste Zukunft festgesetzt und unter anderem die Einsetzung einer Kominission zum Studium des Planes einer jüdischen Universität in Jerusalem bcschloflcn. 3111 Anschluß an die Sitzung des Aktionskomitees fanden auch Sitzungen des Direktoriums und des Aufsichtsratcs der Indischen Kolouialbank statt, sowie des Direktoriums und der Generalversammlung des Iüdischeu Nationalfonds und des Direktoriums und der Gencralversammlung des Jüdischen .Kulturfonds ״Kedem". Verband der jüdischen Kolonien Palästinas. In letzter Zeit haben sich die jüdischen Ackerbaulolonicn in Judäa zu einem Verbände zusammcngcschlossen. Die Zentrale des Perbandes wird in :3ischon Ic-Zion sein. Der Pcrband soll die judäischcn .Kolonien nach außen, namentlich den Behörden gegenüber, vertreten. Bisher haben die einzelnen Kolonien verschiedene städtische .Körperschaften mit der Wahrnehmung ihrer Interessen bei den Behörden betraut, sind aber zu der lleberzeuguiig gelangt, daß die ländlichen Angelegen- Heiken nur von einem ländlichen Bcrbandc wirksam vertreten werden können. In den Kreisen der Kolonisten setzt man große Hoffnungen in die Tätigkeit des neuen Verbandes. Jahresversammlung der jüdischen Farmer in Amerika. Vom 1V. bis 10. November tagte in Ncwyork im Gebäude der Educational Alliance die fünfte Jahres- Versammlung des Verbandes jüdischer Farmer in Amcrila. Die Konferenz war aus allen Teilen der Vereinigten Staaten zahlreich beschickt. Der Bcrbandsvorstaud und die einzelnen Delegierten erstatteten ausführliche Berichte über die ivirtschaftliche Lage der jüdischen Farmer. Einen breiten Raum nahm in den Vcrhaudhingen die Frage der Schaffung kooperativer Krcditgcnosscnschastcn ein. Es wurde über die Tätigkeit des Einkaufsburcaus, der Fcucrvcrsichcrungsgesellschaft und anderer Einrichtungen des Verbandes berichtet und das Problem der landwirtschaftlichen Ausbildung und der religiösen Erziehung der Jugend in längerer Aussprache erörtert. Auch verschiedene fachwissenschaftlichc Vorträge wurden gehalten und cs wurde den Delegierten Gelegcnhcit geboten, landwirtschaftliche Musterbetriebe in der Nähe Ncwhorks gemeinsam zu besichtigen. Der Pcrband gibt unter dem Titel ״The Jcwish Farmer" 1i1u־ in englischer und ״jiddischer" Sprache erscheinende Monatsschrift heraus, die bereits im sechsten Jahrgänge erscheint. Ter englische Gencralpostmeistrr als Jude. Der englische Gcncralpostmcistcr Herbert Samuel hat in der letzten Zeit Eanada und Amerika bereist. Trotzdem er diese Reise hauptsächlich Studicnzwecken gewidmet hat, fand er doch Zeit, sein Interesse für die jüdischen Angelegenheiten der von ihm bereisten Länder zu betätigen. Besonders in Eanada nahm er an verschiedenen, ausschließlich jüdischen Veranstaltungen pcrsönlichen Anteil, und in Toronto hat er selbst die neue Anstalt der Gesellschaft der jüdischen arbeitenden Mädchen von Toronto persönlich feierlich eröffnet. Generalpoirmcistcr Samuel hielt bei diesem Anlasse die Festrede, in welcher er darauf hinwics, daß die schönste der jüdischen Tugenden die Arbeit und die Achtung vor der Frau sei. Die Juden würden nur ihrer alten Traditiou treu bleiben, wenn sie dafür sorgen, daß diese beiden Vorzüge auch in Zukunft jüdische Tilgenden bleiben. Professor Dr. August Wünsche. Der berühmte Thcolog und Orientalist Profesior Dr. August Wünsche ist in Dresden im Alter von 7!"> Jahren gestorben. Prof. Wünsche galt als einer der hervorragendsten Kenner des jüdischen Schrifttums und seine Werke aus dieüm Gebiete werden in theologischen Kreisen hoch geschätzt. Er war der Herausgeber der zwölfbändigcn ״Biblioteca rabbinica" und hat mehrere Partien des Talmud ins Deutsche übersetzt. Er gehörte zu jenen christlichen Orientalisten, die das Ritualmordmärchcn auf das entschiedenste bekämpften. In dem Prozcsic Rohling-Bloch war er einer der vom k. k. Landcsgcricht bestellten Sachverständigen und sein Gutachten ist ein glänzendes Zeugnis seiner Wisicnschast und seines Mcinungsmutcs. Dem Herausgeber dieses- Blattes hat der Verewigte durch Jahrzehnte eine aufrichtige Freundschaft bewahrt und sein Heimgang bedeutet einen Verlust für die jüdische Wissenschaft. Männer von der Eharaktcrgrötzc, Wahrheitsliebe und wissenschaftlichen Gründlichkeit eines Dr. Ang. Wünsckc, weiß die Zeitgeschichte nicht viele auszuzählcn. Innerhalb der Freunde der hebräischen und jüdischen Literatur wird der Name des Verewigten stets in hohen Ehren gehalten werden. Eine Einladung der serbischen!llegierung an dir Juden. Ta die Gebiete, die Serbien in den letzten Balkankriegen neu erworben hat, teilweise sehr dünn bevölkert sind, hat die serbische!llegierung die jüdische Gemeinde in Belgrad benachrichtigt, daß sie eine Ansiedlung von Juden in dem betreffenden Landstrich gern sehen würde und geneigt wäre, jüdischen 'Ansiedlern Vergünstigungen aller Art zu gewähren. Juden in der italienischen Kammer. Da nunmehr auch die Titchwahlcn zur italienischen Kammer schon beendet sind, steht die Zusämmcnsetznng des neuen Parlaments endgültig fest. Aus den Wahlen sind dreizehn jüdische Abgeordnete hcrvorgegangen, von denen neun bereits im ersten Wahlgange gewählt wurden. Es befinden sich darunter der gewesene Minister- Präsident Luigi Luzzatti und andere hervorragende Staatsmänner wie Romaniu Iacur und Barzilai. Mit den vierzehn jüdischen Senatoren zählen also die gesctzgcbcndcn Körperschaften Italienssiebcnundzwanzig 1 jüdische Mitglieder. Jüdische Vanhandwerker in Palästina gesucht. In einer Zuschrift, die die hiesige Zeitung ...Hachcruth" veröffentlicht, wird darauf hingewicscn, daß in den größeren jüdischen Kolonien jüdische Maurer >u1d

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