Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1913-11-20 · Heft 46 (20.11.1913) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 46 (20.11.1913)
Date
1913-11-20
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2621806-2621846-2621892--2514-2623621
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 46. ״Jüdische Bolksstiurme" Seite 5 ich wieder denken, als ich sah, daß die treffliche Gram matik, die hier vorlicgt, zum sechsten Male aufgelegt worden ist. Ihr Verfasser -ist Direktor der Bildungsanstalt für jüdische Lehrer zu Hannover, also ein Pädagoge: er hat sein pädagogisches Talent bei Abfassung dieser Schrift reichlich bewiesen! Diese Grammatik hat vor allen anderen mir bekannten einen Vorzug, der nicht hoch genug angeschlagen ivcrden kann: sie ist — wie ihr Name besagt — kurzgcfaßt. Dies ist für pädagogische Zwecke sehr wichtig; denn der Schüler wird nicht durch die Fülle des Materials erdrückt; mag sein, daß dieser Unterricht vieles wcglasscn mutz, genug, daß er auf schmalem Raume das Wesentliche gibt. Besonders für die knappe Stundenzahl, die bei uns dem hebräischen Unterricht zugcmcsscn ist, ist eine solche Zusamcnsassung überaus wertvoll. Ten Stoff dieser 20 Seilen kann jeder Religionslehrcr in zwei Jahren mit seine» Schülern spielend bewältigen, und wenn dann heute noch Religionslehrcr kommen und sagen, es sei uninöglich, den Schülern des Gymnasiums in acht (!!) Jahren die Kenntnis der hebräischen Grammatik beizubringe», so gibt cs hierüber nur ein Urteil: daß sie keine pädagogische Eignung haben! Tie Schuld fällt auf sic zurück und nicht auf die zur Ausrede so belieblen ״Umstände". Das wollen wir uns bei Gelegenheit dieser schönen kurzgesaßten Grammatik nicht verhehlen. Die vom Dorfe. Von Heinz Tauer. Richard Mühlmanns Verlag (Max Grosse), Halle a. S. Brosch. :5 Mark, geb. 4 Mk. 50 Pf. Wie ein Zauberer versetzt uns Tauer in diesem einfach aber sprachlich schön geschriebenen Buche in ein kleines, dem Treiben der großen Welt entrücktes Törflein und läßt uns die sorgenschweren und doch heiteren Tage ״der vom Dorfe" mitleben. Es sind seine Ingcnderinnerungen, die er mit einer solchen Liebe, mit einer solchen Wahrhcitstrcue wicdergibt. daß wir formlich mit den kleinen, biederen Torsleutcn selbst Gespräche anzuknüpfcn lvünschtcn, um sie zu fragen, wo sie sich diese wunderbare Lebensfrische, diese ruhige Znfriedcnhcit erobert hätten. Heitere Bilder harmloser Feste ziehen an uns vorbei; dann wieder die sorgenvolle Erziehung der Kinder, die Amtshandlungen des Pfarrers, die Sonntagsbcsuchc und Spaziergänge, Ausflüge, Gcbnrtstagsfestc, Konfirmationen. All das ist durchweht von einer, dem Großstädter unbekannte» Einfachheit und Schlichtheit, alles atmet hier einen behaglichen Frieden, eine heilsame Ruhe. Einige Stunden erfrischender Lektüre. Franz Werfel: ״Wir Sind"." Kurt Wolfs-Verlag, Leipzig. Preis geh. :4 Mk., geb. 4. Mk. 50 Pf. ..Warum bin ich nicht durch die Welt gespannt, Allsühlend gleichcrzeit in Tier und Bäumen ... Das große, ewige Sehnen, das allumfassend ein süßes Jncinandcrzcrfließen bedeutet, die Liebe, das unendliche Amorc, der selige Schwung; seine Erfüllung kann es nicht finden, cs scheitert an der Form, an der Wirklichkeit. Doch liegt sein Zweck schon in sich selbst und gerade das Sehnen ist erst die Vollendung und das Gcgengeivickt zur Feindschaft und Gebundenheit, zur Welt. Erst wenn Zeit und Raum stürzen und das Weltmahnen unseren Geist aufnimmt, erst dann haben wir den Zweck des Daseins erfüllt, erst dann: ״Geuß unverzehrbar dich durch All: ״Wir sind!!" So klingt cs immer und immer wieder durch die ,!eilen und kein Bild ist dem Dichter gut genug, diese Botschaft zu vermitteln. Kind und Greis, König und Bettler, Hure, Droschkengaul und Hund, Bäume und Sterne; alle ״sind", alle sind ein Teil und alles ist ihnen ein Teil des Seins. Tic feste Sprache, die nur als Ausfluß tief einpfundencn Fühlens sich verstehen läßt, und der klassische Vers reißt uns mit sich. ״Wir sind," das vielleicht den Höhepunkt des bisherigen Schaffens, des jungen Prager Dichters bildet, bricht eine neue Bahn als Verbindnng zwischen der naturalistischen und realistischen Richtung der modernen Lyrik. Wiener Nacüricüten. ' Misrachi-Kurse. Ein altes hebräisches Sprichwort meint: ״Tie Beforstung Galiläas, das bekanntlich Karstboden hat. ist leichter als die Erziehung eines Kindes selbst in Judäa." Um wieviel schwieriger muß die nationaljüdische Erziehung derjenigen Kinder sein, die des heimailichen Bodens entbehre»; in fremder Umgebung tvurzelnd, empfangen sie von Kindesbeinen an Eindrücke, die sic für eine Erziehung in unserem Geiste nicht nur nicht vorbcrciten, sondern meistens untauglich machen. Die sogenannte interkonfessionelle Schule ist gerade bei uns in Oesterreich, streng konfessionell. Die Bücher sind im christlichkonfeffionellen Geiste abgefaßt, die Lehrer suchen ihn zu verbreiten. Theorie und Praxis tüten die jüdischen Keime unserer Kinder. Die vom Katholizismus beherrschte Schulatmosphäre wirft ihre dunkle» Schatten bereits auf die Jugend, die, der Schule entwachsen, ins Leben getreten ist. Ta muß der Hebel angesctzt werden! Begeisterung für unser Judentum und dessen Lehren soll in den Herzen der künftigen jüd. Bürger geweckt und zum tätigen Jdealismus entwickelt werden. Was in der Welt aber kann uns früher zu den Quellen unserer Literatur führen als unsere Sprache? Wer kann lebendiger, cindrncksvoller sprechen als die Sprache des Jesaia? Wer anmutsvoller als das Sckir-Haschirem, ergreifender als Jirmijahu? Ter Verein ״Misrachi" in Wien erivirbr sich ein großes Verdienst, daß er darangeht, die Errichtung von Hcbräisch-Kursen zu fördern. Rur Taten beweisen. Rur Arbeit überzeugt. Ter ״Misrachi" in Wien ist eine neue Schöpfung, doch es scheint, daß er zum Erfolge führen wird. — Wien. Akademie im ״Beth Haam «Jüdisches Volksheim«. Im Rahmen einer künstlerisch gelungenen Akadcmie unter dem Arrangement des Herrn Max Schwager fand die festliche Eröffnung der diesjährigen Leseabende im Belh-Haam im lO. Bezirke, vor einem überaus zahlreichen und distinguierten Herren- und Tamcnauditorium am 8. Rovember d. I. statt. Rach der Begrüßung des Präsidenten Tr. Martin Förster exek 1ticrte mit gewohntem künstlerischem Gelingen der Qrgelvirtuose M. Menzcr den Eingang der Gäste ans ״Tannhäuser", worauf Frau Stephanie Schnitzer mit bezwingender und tiefempfundener Weise mehrere Gedichte ans Grunwalds ״Beruria" deklamierte. die verständnisinnig akklamiert ivurden. Rauschenden Beifall fanden die trefflichen Liedervortrüge des Frl. Irma Löwen, wie die künstlerisch eminente Violinprodnkiion des Herrn Hugo Gottesmann, der Tivoraks Humoreske und Wieniawskis Tudziarz vorzüglich zu Gehör brachte. Ter große Applaus veranlaßte den jungen Künstler, die Weisen des Kol Nidre zu spielen, zum vollen Danke der begeisterten Zuhörerschaft. Schuberts Militärmärsche fanden i» Frau Regine Schtvager und Herrn M. Menzer ihre ausgezeichneten Interpreten am Klavier, und wurden durch stürmischen Beifall ausgezeichnet. Mit unbestritten künstlerischem Gelingen spielte Herr Hugo Gottesmann Händels Largo, mit Frau Schivager am Klavier und Herrn Menzer am Harmoninin. Tann kam der Kunstgesang zur vollen Geltung durch Qberkanlor Kaufmann, der seine Lieder, 11. a. das Haschkiwenn, geradezu hinreißend sang, und Stürme vollverdienlen Beifalls entfesselte. Eine ivahre Augenweide boten die vier Geschwister Karl, Käthe, Edith und Kurt Schivager in ihrem exakt ausgeführten Tanzpotponrri «'Musik von Heinrich Heiniann« unter Leitung des Tanzmeiirers Rudolf Heimann und wurden die kleinen Tanzkünstler mit ihrem Meister stürmisch bejubelt. Zum Schlüsse bot Prof. Nascher mit seinem humoristischen Vortrag eine Fülle seines unerschöpflichen Humors, und entfesselte mit seinem geistreichen Apercucs und der Art seincs Vortrages gewohntermaßen den rauschendsien Applaus. Mit einem warmen Appell des Tr. Förster, diese humanitäre Institution zu fördern und mit Herzlichem Tanke, gerichtet an den Arrangeur Max Scknvager und an die Mitivirkenden, schloß der anregende und ivohlgelungene Abend. L. F. Kunllsckau. Bürgermeister Tr. S. Weisielberger. Ezrrnowiv. Unsere Stadl hat wieder einen jiidischeu Bürgermeister. Tiesmal sogar einen jüdischnationalen, denn der zum Nachfolger des resignierten bisherigen Bürgermeister Baron Fürth gewählte bishcrige erste Bizebürgermeistcr Tr. Salo Weißelbcrger gehört als Landlagsabgeordneter dem jüdischen Klub an, der auf dem Programme des Tr. Straucher basiert. Es ist noch in aller Erinnerung, daß gerade Tr. Weißelberger von der jiidischnationalen Partei vor zwei Jahren dazu auserkoren mar, bei den Landtagswahlen dem Prof. Kellner entgegcnzulreten; nach dreimaligem Wahlgangc eroberte damals Tr. Weißelberger das Majoritätsmandat der Juden und Prof. Kellner das Minoritätsvotnm der Tentschen. Ter neue Bürgermeister ist 40 Jahre alt, Großgrundbesitzer, zeitlich pensionier-!er Landesgerichtsrat, Ritter des Franz Josef-Qrdens und was das Wichtigste ist, ein wegen seines integre» Eharatters von allen Parteien hochgeachteter Mann, dessen Wahl unserer Judenschafl znr Ehre gereicht. Eine abessynisch-jüdische Synagoge. Funk 11. Wagnalls Company, die Herausgeber der die Geschichte der Königin von Saba, ihrer Reise an ״Jewish Enryelopedia". haben die llebersetznng eines abejsynischen Manuskripts veröffentlicht, das für Jude!« ein ausnehmendes Interesse haben dürfte. Tas Qr! ginal befindet sich im Besitze des Regus Menelik von Abcssynien, der seine Abstammung bekanntlich von König Salomo abieilet. Es ii! ein Fragment ans der äthiopischen Chronik 111(111)(:״ dem König" und enibali den Hof des .Königs Salomo, der Geburi ihres Sol« »es und des Besuches, den dieser später in Jerniale»! 111111111. Es schreibt, wie die Gesetzestafeln von den Ge fährlen des jungen äthiopischen Prinzen gestohlen und an einem geheimen Plage aufbeivabr! ivurden. ivo ne sich jetzt noch befinden sollen. Tas Manuskript non seinerzeit in den Besitz des Britiil) Museums «zelangi. wurde indessen 1872 dem Regus zurückgegeben. Eine zeitgemäße Olesevrsvorlage für Rabbiner. Tatbestand l. Ein Rabbiner in Berlin hat auf der Kanzel zu ״fromm" gepredigt. Ta einzelne Voriiands Mitglieder sich verletzt fülilie», wird der beireriende Rabbiner in öffentlicher Sitzung gebrandniarkt. e>! mußte das Versprchen abgeben: ״Ich will's nicht iviede! Hin". Tatbestand 2. Ein :)!abbiner in Dessau bai an׳ der .Kanzel gegen die ״Mischehe" gepredigt. Ta ein Vornandsniitglied sich betroffen fühlte, ivird der beir. :)(abbiner in «nichtöffentlicher׳ Sitzung vor dem Forn a des Vorstandes zur :Xede gestellt. Er muß das Ver sprechen abgeben: ״Ich will's nicht wieder tun." $ 1. Tie Behandlung ״religiöier Fragen" auf der Kanzel ist in Zukunft verboten. S 2. Jede Predigt 1nnß »lindeiiens acht Tage 00׳ her im Manuskripte dein Vor,lande eingereicku wei den. Dieser läßt dieselbe durch den Geineindesekreiai. prüfe», und der Rabbiner hat die Predigt in der von« Genieindesetrelär revidierten Form ivörllich zu Halle«!. S Während der Predigt ii! das Mannikr«!׳« ö, ,!> Synagogeiidiener zu »berlafsen. ivelcher den Worilan! zu verfolgen und jede Abiveichung sofort an den Rand zu bemerken bat. S t. Predigten über literarische Erzeugnisse >011. u in erner Linie die Werke jüdischer Bühnen bernckiirb 1 ige 11. «Herrenfeld-Thealer. > ü 5. Historische Erzählungen ans der Bibel du« fen mit den Forschungen der modernen Raiurwissei. nlmit nicht im Widerspruche neben. ii. In ihrem Inhalte hat die Predig! an! 00׳ Richinngen aller Zuhörer :Xückiichl zu nehmen. S 7. Zitate ans unzeitgemäßen alten Schrillen sind zu vermeiden. Ü 8. Zuwiderhandlungen werden nsto.;>i11 טiHiןd>0 i011׳Dcs£omcre11.’,. Tic;ionistische ytuiDesfoiuereii; nir Die südslawischen i׳änDcr Der österreichisch-!))!!(»!׳) scheu Monarchie soll sür Ende '.>!00011 Der nach Esseg eiiibcrufcn werden. Tie Lastesordiinnst ivird demnächst bekanntstesteben werden. Rabbinrrwiihleii. In Balatonfüred wurde Herr Rabbiner Es! « Go!d)«ein ans Tunaszerdahel», ein Enkel des be!nb>n len Rabbi Inda Qsznd. znm Rabbiner geivählt. ״ I׳i,iörsze11!»1arlon wurde Herr '.!)!'. Winkler ans ׳.'«> geivesener Schüler der Preßburger Jeschiiva. znin ׳Xni. bitter geivählt. - In der orthodoren Gemeinde «1 Arad wurde R. K. Heinrich Soier, ein Soli» des Bn dapesier Tayans. geivählt. Ter junge Rabbiner «n als tüchtiger Hebräer und glänzender ungarischer Red!«-׳« bekannt und ivird ihm eine schöne Laufbahn voran:- gesagt. Tie russischen «Indenten in Baßer». Rus München wird berichtet, das; der Uh toricht-öininisker an sämtlichen Universitätoi Banern-ö ein;>ivfular erstellen lief״׳ in welchem die Rninalnne russischer «tndenten in die U11 i oertitöt ansteordnet wird. Josef Hanu§, Brünn Rudolfsgasse Nr. 25. sämtliche Damen-Mode waren, kander, Spitzen, S iden Stoffe, Posamenterie, und Zugehör für Damenschncide und Schneiderinnen. Spezial-Geschäft in Strumpfu. Wirk- Waren. Alleinverkauf von gestrickten Anzügen. Strümpfe, Socken, Handschuhe, Sportartikel. Berthold Herrmann MM BrQnn, Herrengasse Nr 8—10. 8N

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.