Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 46 (20.11.1913)
- Date
- 1913-11-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 46 «JMsHe N^Pftimme." Sette S. hatte nach in den allerletzten Tagen unter dem betrübenden Eindrücke des Kiewer-Prozesses die feste Absicht, wider die infame Blutbeschuldigung beweiskräftig zu Felde zu ziehen und sein vernichtendeS Material durch Diktat niederschreiben zu lassen, doch das Gebreste des Alters und die dazugetretene Krankheit hinderten ihn an der Ausführung dieses letzten Vorhabens. Tie freudige Genugtuung an dem Ausgange dieses schmählichen Attentates wider Religion und VolkStum zu erleben, war dem greisen Seelen- Hirten leider nicht mehr beschieden; sein segensreiches Wirken hienieden bleibt mit seinen! leuchtenden Rainen innig verknüpft und sichert ihm im Herzen seines Volkstums ein verehrungsvolles Gedenken für immerwährende Zeit. Er ruhe in Frieden! Secher Zadik liwrocho! A. L. YERLOBUNQS-RINQE BRAUT SCHMUCK - - HOCHZEIT5QE5CHENKE EHE-RINUE. in hervorragender Auswahl zu besonders billigen Preisen. Berthold Bachner, k. u. k. Hoflieferant, Juwiln-, Uhren-, Goldu. Silberwarenhandlung BrUnn, nur Ferdinandsgasse Nr. 2. י■“ Provinzauf läge finden sofortige Erledigung. Wo bleibt die Agudas Jisroel in Mähren? Ter Aufruf, der im vergangenen Sommer in diesen! Blatte erschien, um die Gesetzestreuen in Mähren zu einem Bunde zu vereinen, hat leider zu keinen! Ziele geführt. Damals blickte so inancher Treugesinnte hoffnungsfreudig in die Zukunft, eS dachte so inancher stille Beobachter אדר שומר׳ אתא בקר das; es bei uns endlich tage. Ter Weckruf erscholl, aber keine Ermunterung erfolgte, auf die wir so sehnsüchtig harrten Roch ist es finster, tiefer Schlaf herrscht allenthalben und wer weiß, wie lange diese dumpfe unheimliche Stille noch anhalten wird! Mit trauriger Resignation muß leider die Tatsache konstatiert tverden, daß der Plan so viel als gescheitert zu betrachten ist, doch wäre es nicht uninteressant, die Gründe zu besprechen Auf private Auffoderungen und Anfragen kainen Gegenfragen, wie מי ופד ההולכים? Bedauerlicherweise konnte man nicht antworten בזקניני daß dieser oder jener ehrwürdige Herr uns vorangehe, denn kühl bis ans Herz verhielt man sich in jenen Preisen der Sache gegenüber. Zugeknöpft, fast abweisend stand der Stand, denen die Erhaltung unserer heiligen Thora obliegt, von ferne; vielleicht wurde es auch als Aninaßung betrachtet, daß jemand sich unterfängt. AntifemilenhäuptlingS mithalten? Ist denn eine Organisation ohne Feldherrn und Führer denkbar? Ter gute Wille einiger braver Jehudim vermag nichts, wenn nicht Männer, mit Gelehrsamkeit, Geistesgaben und Jiroh auSgestattet, sich an die Spitze stellen. Tazu inüßte aber noch einige Opferfreudigkeit von seiten gutsituierter Bale Batim sich gesellen, wenn ein solch großes Werk geliiigen soll. Solange dieser Fall nicht eintritt, ist es eine Utopie, und besser ist es, daß nichts begonneu. wird, als eine Fehlgeburt zu schaffen. Es wurde die Frage aufgeworfen: ״Was soll die Aguda für Mähren?" Für wen sollen Pflanzstätten zur Thora gegründet werden? Viel zu tveit hat der 11111 חלול שדת sich gegriffen, 1111! dem Einhalt tun zu können! Also, alles umsonst und zwecklos. Und doch ist dem nicht so, wie es den Anschein hat. Mir sind mehrere Familien- Väter bekannt, die, von Liebe zur Thora erfüllt, gern ihre Binder dazu heranziehen möchten. Sie möchten ihre Kinder nach Ungarn schicken, sie Thora lernen lassen, doch fehlen ihnen dazu die Mittel. Und wenn es ihnen schon gelingt, ein Kind mit Anspannung aller Kräfte in der Fremde zu unterstützen, für ein zweites und drittes reichen seine Kräfte schon gewiß nicht hin Oder, es will einer sein Kind ein Handwerk unter Beobachtung des שבח erlernen lassen! Wie setzt er es durch? Ta können nur vereinte Kräfte tätig eingreifen. Bei gutem Willen wäre es nicht allzu schwer, dieses Ziel zu erreichen. Es gibt sehr viele Inden in Mähren, die durch die Macht der Perhältnisse gezwungen, selbst nicht den Sabbath halten, dennoch zur Hebung des Judentums ein Opfer bringen würden, so sie Anregung von irgendeiner Seite erhielten. TieS. wäre der Wirknngskreis einer Aguda in Mähren. Wenn eine solche Vereinigung geschaffen würde, die nicht auf einem starren separatist. Standpunkte steht, sondern jeden, ob streng religiös oder minder, ob Zionist oder Misrachist als Bruder und Mitkämpfer begrüßt. Wenn jeder, der den Gedanken der Aguda anerkennt und den ehrlichen Willen hat. Thora lernen und Sabbatheiligung wenigstens bei anderen zu ermöglichen und zu fördern, unser Bundesbruder sein kann, dann wäre ein großes Werk getan. Von diesen Prinzipien geleitet, kann auch in Mähren etwas geleistet werden, wenn sich auch dies nicht mit dem Programm der Aguda für andere Länder deckt. Die löbliche Redaktion dieses Blattes dürste gewiß einer weiteren Diskussion über diese Angelegenheit Raum gewähren, was der Zweck dieser Zeilen sein möge. Jsch Jehudi. ״Nichts, nichts!" schrie Emilchen auf. ״Rehmen Sie alles, was mir der Onkel gegeben hat!" Bärmann starrte sie an bei diesen Worten, der Amerikaner maß ihn mit einem überlegeneu Blick. ״Was reden Sie da?" rief Bärmann erbleichend, ״was haben Sie von Ihrem Onkel empfangen? Sprechen Sie! Um Gottes willen, antworten Sie!" Aber Emilchen antwortete nicht. Sie hatte den Kopf in beide Arme auf dem Tische versteckt, chaotisch wirbelten die Gedanken in ihrem Hirn. Was sie jahrelang mit einem stillen Gelübde vor Augen verborgen hatte, sollte sie jetzt dem einen preisgeben, vor dem die zarteste Empfindling ihres Herzens es verschwiegen hatte, preisgeben in Gegenwart des andern, vor dessen Roheit ihre eigenen Gefühle ihr unaussprechlich, unbegreiflich erschienen? Bärmann harrte noch mit zitternd erhobenen Händen, James weidete sich an ihrer Verlegenheit. ״Lassen Sie's gut sein," sagte er mit arroganter Großmntsmiene. ״Sie sehen, wie verwirrt das Fräulein ist. Ich will keine Haussnchung halten!" ״Aber Sie sollen es!" schrie Bärinann außer sich und die Adern an seiner bleichen Stirn schwollen dunkelblau an. ״Wenn Sie die Verwirrung eines entrüsteten Herzens nach Ihrem gemeinen Sinn mißdeuten, so sollen Sie wenigstens beschämt vor ihrer Armut stehen! Hier M M H» Uordruckerei Plissieranstalt fahta, Postaasse r. « tk « sehen Sie!" und damit hatte er die messingenen Ringe der Kommode erfaßt und so gewaltig gerüttelt, daß das Schloß krachend aussprang, ״hier sehen Sie die Reichtümer, die sie gesammelt und um die man ^ie betrogen hat!" ״Halten Sie ein," ries James, ״mit welchem Recht mischen Sie sich in die Angelegenheit der Miß Katz?" ״Mit welchem Recht?" antwortete Bärmann, leidenschaftlich erglühend. ״Weil ich dieses Mädchen kenne und verehre, dieses arme Mädchen, die einen Reichtum im Herzen trägt. Weil ich schwieg, als Sie Ihren edlen Oheim und mich beleidigten, glauben ^ie, daß ich auch nngestraft die beleidigen ließe, die ich. wenn Sie nie zurückgekehrt wären und das Erbe Ihres Onkels mir den Mut gegeben hätte, die ich zu meiner-" Das Work erstarrte aus seine» Lippen. Er sah nicht, daß Emilchen sich plötzlich erhoben hatte und die großen Augen auf ihn hestete, er sah nur sein eigenes, inneres Ich plötzlich aus sich heraustreten und erschrak davor. Mit einer .Heftigkeit, unter der sich seine Verwirrung verbarg, griff er in die Kommode und warf den ärmlichen Kram von verblaßten Bändern und wertlosen Spitzen heraus. ״Ta nehmen Sie! Nehmen Sie!" schrie er, Fräulein Emilchen braucht von Ihnen nichts mehr! Jagen Sie sie aus dem Hause Ihres Wohltäters. Fräulein Katz bedarf keines andern Schutzes als " (Schluß folgt.) Glück und Ende. Daruvar, 1-1. November 11)1:1. Milan Obradovic, der berüchtigte Antisemirenhäuptling Kroatiens, ist dieser Tage wegen des Verbrechens der Brandlegung dem Bezirksgerichte Grubisnopolje eingeliefert worden. Obradovic hat seit Jahren sein Unwesen in Kroatien getrieben und war einer der Gefahrlichsten dieser Sorte, weil er seine Hetzbroschüren unter das ungebildete Volk verbreitete. Tie ganze antisemitische Schundliteratur mit ihren unverschämtesten Lügen über Juden und Indentum, die vor kurzem vor dem Kiewer Ge richtshofe ihre Auferstehung gefeiert und hier durch ihre Immunität erlangt hat. hat in Obradovic. der sich stolz den Titel ״antisemita" beilegte, ihren kroatischen Uebersetzer und Per breiter gefunden. Er war Redakteur und Herausgeber des antisemitischen ״Putnik" und seiner Beilagen, und da er ein armer Hungerleider war. mögen ihm wohl unsere ehrenwerten Gesinnungsfreunde der Wiener Ehristlichsozialen mit ihrem heiligen Gelde unter die Arme gegriffen und zu neuer Verhetzungsarbeit ermuntert haben. Anfangs vornehm ignoriert, sind seine später immer blutrünstigeren Hetzartikel insbesondere von zionistischer Seite der Staatsanwaltschaft zur Kenntnis gebracht worden. Es blieb aber beim Alten. Tie Behörde blieb stumm und taub den Anklagen gegenüber und wurde angeblich a la Graf Pückler unseligen Andenkens deklariert. Endlich aber hat sich die Staatsbehörde dennoch so weit aufgerafft, ihm die Kolportage zu verbieten und ihm Agram zu verweisen, worauf er sich nach Belovar, seiner Heimatstadt zurückzog, um von dort aus sein Handwerk zu betreiben. Doch das Geschäft ging immerzn schlechter und Obradovic sah sich genötigt, einigermaßen die Segel zu streichen und zu seinem ursprünglichen Berufe zurückzu kehren. Tie Regierung verlieh ihm auch in wohlgeneig ter Anerkennung seiner Verdienste eine Lehrerstelle an der Dorfschule in Mala Peratvoica sicherlich der geeignetste Ort für Antisemiten nach Muster der galizischen Landesbehörden. Obradovic verhielt sich auch hier, zu seiner Ehre sei es gesagt, was die Judenhetze anbelangt. ziemlich ruhig - gab es doch hier keine Juden, also auch keine Judenkinder, außerdem hatte auch der Herr Torsschullehrer noch was anderes zu tun. Obradovic war nämlich im Nebenamte Fenerversicherungsagent und das sicherte ihm cin schönes Rebeneinkommen. Dem Herrn Lehrer konnte man ja nicht ״nein" sagen, außerdem drohte er den Bauern, daß ihnen die Häuser ab brennen werden, wenn sie nicht bei seiner Ge sellschast versichern. Eine Bäuerin hatte nun infolge Geldmangels ihre verfallene Hütte nicht versichern lassen und dieser ließ nun. wie ״Hvrvatske Novosti" von 12. November berichtet, ihr Hab und Gut in der Nacht vom 1. auf den 2. November in Feuer anfgehen. Tie Bauern wollten ihn lynchen, er ltatte sich aber vor ihrer Wut versteckt. Am kommenden Tage erstatteten sie nun gegen Obradovic die Anzeige, worauf er durch Gendarmen dem Bezirksgerichte Grubisnopolje wegen des Delikts der Brandstiftung eingeliefert wurde, wo er sicherlich seiner längst verdienten Strafe zugeführt werden wird. Obradovic ist nun dort, wo er schon längst hätte sein sollen. War er doch auch früher nichts anderes als ein Brandstifter! Er hat Brand gelegt und Feuer geschürt gegen ehrenwerte und fleißige Bürger des Satates. Möge sein Schicksal auch seine Kollegen vom Antisemitismus bald erreichen. Tr. F-r. Diskonto-uesellschaft bei der ׳-׳Nordflsterrelchischen Bank' Kr Industrie, Handel und Landwirtschaft, regtetvierte Genossenschaft alt bescbrlakter Haftung in BrQnnr Ferdinandsgasse Nr. 33 ' Telephon 13401 Empfiehlt sich für alle einschlägigen Baakgeschüfte. hauptsächlich auch für den ע Eskompt offener Buehfordsningsn unter den aller günstigsten Bedingungen.