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Jüdische Volksstimme · 1913-11-13 · Heft 45 (13.11.1913) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 45 (13.11.1913)
Date
1913-11-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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y W'' ׳W;■*«־^ L«־'־f־W ׳?! Nr. 45 «JLttsche W,1r»fti««e.- «rite S. schaftlichen Standpunkt. In den zu Krakau erscheinenden Jahrbüchern Ozar Hasafrath erschienen Scholim zum Traktat Kiduschim. Als Groß- Wien entstand, wurde die Amtswirksamkeit des Verstorbenen in den großen Leopoldstädter Tempel verlegt. Dr. Schmied! erfreute sich nicht nur als Redner, sondern auch als Mensch allseits einer besonderen Beliebtheit. Er war ein isch jehudi im wahrsten Sinne des Wortes. Tccher zaddik liwrocho! Sonntag vormittag fand vom Leopoldstädtcr israelitischen Tempel in der Tempelgasse aus bas Leichenbegängnis des Rabbiners und popu-!ärsten Kanzelrcdners Doktor Schmiedl statt. Unter den Trauergästen waren zu sehen: in Vertretung der israelitischen Kultusgemeinde Präsident Dr. Alfred Stern mit den beiden Vizepräsidenten Dr Gustav Kohn und Hofrat Dr. Nappaport, allen Mitgliedern des Kultus- Vorstandes; dann der Obmann der ״Chewra Kadischa" Salo Cohn mit seinöm Stellvertreter Dr. Marlust Spitzer, sämtliche Rabbiner der Kultusgemcinde mit dem Rabbinatskollegium, der erste Sekretär Kais. Rat Dr. Theodor Lieben, Sekretär Dr. Emil Adler und Sekretärstell- Vertreter Emil Engel, die Amtsleiter Julius Braun und Wilhelm Freistadt, dann sämtliche Bcthausvorstände und die Obmänner der israelitischcn Tempelvereine Wiens mit Abordnungen, die israelitischen Neligionslehrer der Mittcl-, Bürger- und Volksschulen, ferner Reichsratsabgcordneter Ministerialrat Dr. Kuranda, Hofrat Dr. Schlag, Hofrat Professor Dr. Pollitzcr, der Vizedirektor der Universitätsbibliothek Regierungsrat Dr. Frankfurter, Schulrat Prof. D. Tschiaßny, de Rektor der israelitisch-theologischen Lehranstalt Dr. Schwarz mit dem Lehrkörper, der Direktor des israelitischen Blinden; instituts auf der Hohen Warte Kais. Rat Heller, Religionslehrcr der Kultusgemeinde, der Rabbincr der türkisch-israelitischen Gemeinde Chacham Papo mit dem Präses dieser Gemeinde Licco Adutt, dem Vorstandsmitglied Farchy, Oberkantoren Bauer und Fuchs, weiter Bezirksvorsteherftcllvcrtrcter Ernst Klebinder, die Gemcindcräte Ignaz Fischer und Neustadt!, Schriftsicllcr Tr. Josef S. Bloch, Dr. M. Löwy, Kais. Rat Waizner, König!. Rat Dr. Albert Mittler, Oberbibliothckar der Universitätsbibliothek Dr. Holzmann. Kommerzialrat Schwarz, der Leiter der israelitischen Wohltätigkeitsanstalten in Wien Bezirksschulrat Josef Fuchs, Finanzier v. Löbl, kaiserlicher Rat Jacques Mayer mit einer Abordnung der israelitischen Kultusgemcinde in Proßnitz, in der der Verblichene ehemals als Seelsorger gewirkt hat, eine Abordnung des Kaiserin Elisabeth-Pflegerinneninstilllts und zahlreicher anderer Woh'ltätigkeitsvereine. Die Gesänge brachte Oberkantor Morgenstern, den die gesamten Chöre der beiden großen Tempel begleiteten, zum Vortrag, worauf Oberrabbiner Dr. Güdcmann auf die schwarzumflorte Kanzel trat und die Gedenkrede hielt, in der er die Verdienste des Verblichenen in warmen Worten hervorhob. In der Zeremonienhallc aus dem Zentralfricdhof sprachen dann noch Rabbiner Dr. Mar Grunwald, als unmittelbarer Nachfolger Schmiedls. ferner noch die Gemeinderabbiner Tr. Rosenmann, Dr. Bach und Tr. Feuchtwang. Für die Gemeinde nahm der Präsident Dr. Alfred Stern Abschied von dem Tolen. Für die israelitisch-theologische Lehranstalt ividmete Rektor Dr. Schwarz Abschiedsworte, und für die Chcwra Kadischa der Präsident Salo Chon. Dann wurde der Sarg zur lebten Ruhesiätte getragen und dort beigesebt. (loidruckerei * « Plisskranstalt « « _FAWTfl, Posigasse r. Das jüdische Lied. Gewidmet dem Jüd. Gesangverein in Czernowitz anläßlich seines am 26. Oktober 1. I. zugunsten ariucr^cküler des Jüd. Oberrealgymnasiums in Storozyneh absolvierten Konzertes. Von Robb. M. D. Groß in Storozyneh. Ein alter, wie gar mancher seiner Leidensgenossen fast in Vergessenheit geratener hebräischer Dichter, Berachia Ben Natronai Hanakdan, ein armer Thoraabschrciber aus Südfrankreich (11i:10— 1erzählt folgende Fabel: Der Rabe betrachtete die buntgefärbten Federn anderer Vögel und schämte sichseines schwarzen Gesieders, er fühlte sich den anderen gegenüber zurückgesetzt. Er kam auf die Idee, unauffällig von jedem Vogel eine Feder zu entlehnen. Er verbarg sich, legte sein Gefieder gänzlich ab und schmückte sich mit den fremden Federn. Ganz erstaunt blickten dann die anderen Vögel auf den Naben, den sie an seiner Gestalt erkannten; sie beneideten ihn ob seines Gefieders, das noch bunter war, als das ihrige. Rasch riß ein jeder Vogel sein Eigentum, seine Feder aus, sich daranf berufend, es ist meine Feder! Der arme Rabe blieb kahl und nackt. Auch wir Juden hatten u. haben weltberühmte Dichter: .Heine, Börne, Auerbach usw., unsterbliche Musiker: Mendelssohn, Meyerbeer, Halevy usw., gefeierte Schaukünstler: Tonnenthal. Ra- Hel, Sarah Bernhardt usw. Aber auch diese Raben fanden ihr eigenes Gefieder, das jüdische Lied zu eintönig, zu schwarz und suchten mit den Federn anderer Völker sich zu schmücken. Im Laufe der Feit bestätigt sich die Fortsetzung der erwähnten Fabel bekanntlich buchstäblich. Doch, was speziell das jüdische Lied betrifft, so kann davon gesagt werden, was ein Talmudlehrer, Rabbi Ismail, von den jüdischen Jungfrauen sagt: ״Die Töchter Israels sind im Grunde genommen sämtlich hübsch, nur die Armut und die Unterdrückung hat ihre Schönheit beeinträchtigt" (Nedarim 66 a). Auch das jüdische Lied lebte und blühte, ist lebensfähig, allein die langen Jahrhunderte des Exils, der Unterdrückung haben es schwarz gefärbt; es muß wiederbelebt werden. Das Wesen, den eigentlichen Zweck des Liedes, der Musik: die heilige Emphase, den Aufschwung in die höheren und höchsten Regionen einer edlen idealen Begeisterung, die Empor- Hebung des Gemütes, das Hinaufleiten des Irdischen zum Gottmenschentum erkannten unsere Vorfahren bereits in den ältesten Zeiten. Ter Prophet Elisa antwortet den Königen Jaschafat und Achab, als er von ihnen aufgefordert wird, den Ausgang einer Schlacht vorauszusagen: ״So bringet mir einen Sänger (oder Spielmann). Und da der Sänger sang (oder der Svielmann spielte) kam der Geist Gottes auf ihn" (Könige 2, 3, 15). Der Talmud folgert daraus: Himmlische Majestät, göttliche Begeisterung herrscht nur dort, wo freudige Stimmung vorhanden ist (Sabbath 36 b. Pesachim 117 a). Der große Maimonides fügt hinzu: Die Propheten vermochten nicht zu jeder beliebigen Zeit zu prophezeien; sie mußten ihre Gedanken sammeln, eine freudige Stimmung erzeugen, darum besaßen die Prophetenjünger stets verschiedene Spielinstrumente und in der Musik suchten sie die Kraft zur Prophetie (Hilchoth Jesode Hathora 7, :'>). Der Talmud zählte unter den Dingen, die geeignet seien, das menschliche Gemüt zu heben und auszudehnen, den Gesang auf (Berachoth 57 a). Es würde zu weit führeil. alle Stellen aus ben Psalmen und den Propheten, die auf Sang und Spiel Bezug haben, hier anzusühren. Der gottbegeisterte gekrönte Sänger David bediente sich bei der Dichtung und Komposition seiner unübertrefflichen Psalmen verschiedener Mw׳kinstrumente, die meisten zu Beginn des betrefsenden Psalms angeführt werden. Manche dieser Instrumente lassen sich heute nicht mehr genau bestimmen und übersetzen, so z. B. Mechilanth, Scheminis, Gitis, Alomaus, Schauschanim, Schauschanim Eduth, Michtam, Jonas Elcm. Ajeles-Haschachar. Machlas, Jedusun, Malos. Seine Liebe zur Musik ging so weit, daß, wie berichtet wird, eine Harfe, die derartig konstruiert war, daß der Wind sie automatisch zum Spielen bringen konnte, stets über seinem Bette hing: um Mitternacht blies ein Nordwind in sie sic spielte und David ergötzte sich daran (Bernchoth 36, Sy'ihedron 16 a). Während die Kirche Spielinstrumcnte, so die Orgel (bekannt i,n Talmud unter dein Nanlen Magrepha oder Gurgana — Organon, Erachin 107) erst unter Karl dem Großen zum öffentlichen Gottesdienst zuließ — in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts sprachen sich der schottische Zisterzienser Calred und gewichtige Stimmen in Frankreich gegen den kirchlichen Gebrauch von Spielinstrumenten aus; die Karthäuser verwarfen sie bei ihrem Gottesdienste und selbst auf dem Konzilium zu Trient im 16. Jahrhundert war eine starke Opposition gegen die Orgel und nur dem Einflüsse des damaligen Kaisers Ferdinand dem Ersten war es zu verdanken, daß die Orgel der Kirche erhalten blieb - während die Reformier׳ ten (nicht die Lutheraner) anfangs gegen die Orgel eiferten und die griechisch-orientalische Kirche sie bis auf den heutigen Tag nicht zuläßt, erkannten unsere Alten den mächtigen Einfluß der Musik auf das Gemüt bereits im grauen Altertum. Schon der Pentateuch enthält an vielen Stellen die Vorschrift, an Freuden- und Festtagen beim öffentlichen Gottesdienst und bei besonderen Anlässen Musik (meistens Trompeten- und Posaunenschall) ertönen zu lassen. So recht charakteristisch ist es auch, daß die Befreiung des Sklaven, seine Erhebung vom untergeordneten, unselbständigen Individuum zum freien, unabhängigen Menschen im Jubeljahre durch den Schofar, durch die erhebende, veredelnde Musik zu verkiinden war (Levit. 25. 0). Wenn wir aber auch die späteren Bücher der heiligen Schrift und die im Talmud geschilderten Details des gesanglichen Teiles des Gottesdienstes im Tempel näher betrachten, müssen wir staunen über die Präzision, Ordnung und Harmonie, die dabei herrschte, und über die ausgezeichneten Fachkenntnisse, die damals allgemein verbreitet waren. Nur einige Beispiele! Ter Hauptbestandteil tvar der mündliche Gesang, der unter Leitung eines wohlgeschulten Chordirigenten absolviert wurde. Instrumente gehörten nur zur Begleitung des Gesanges. Ter Chor mußte außer den Spielern aus mindestens 12 Mitgliedern bestehen. Es gab aber Zeiten und Fälle, so z. B. zur Regierungszeit Salomos, wo selbst -1000 Musiker mitwirkten (Chron. l. 23, 5). Die Zahl der Instrumente wird sehr genau angegeben. Das Material, aus dem die Jnstrumente hergestellt waren, ihre einzelnen Bestandteile sind bis inS letzte Detail vorgeschrieben. Ein jedes Chormitglied mußte fünf Jahre vor seiner Aufnahme im Gesang und Spiel gründlich nnterwicsen werden. Es ist bezeichnend für die damals herrschende besondere Liebe zur Musik, daß selbst zu scheinbar profanen Handlungen im Tempel, so z. B. zum Wecken der Priester und Leviten Zither- und Zimbeltöne verwendet wurden. Eines Chorleiters namens Hugram Ben Levi, der ein bewährter Dirigent und begabter Komponist gewesen sein soll, wird besondere Erwähnung getan. Es wird ihn: nacherzählt, daß bei seinen musikalischen Darbietungen sämtliche Priester vor Entzücken zu Boden fielen (Sche kalim 11 n), nur wird ihm als Makel angerechnet, daß er eine ausgezeichnete Komposition kannte, die er niemanden lehren wollte, wofür er jedoch seine Gründe hatte (Joma 3!-!a>. Es unterliegt keinem Zweifel, daß schon die ältesten Lieder, so das Siegeslied Moses, das Lied Mirjams, das Lied der Deborah, das Lied Davids, das Lied Chanaujas, Mischaels und Asarjas anläßlich ihrer Errettung aus dem Feuerofen, das Lied der Judith nicht bloß Re״ח <'׳׳ ■ sondern regelrechte musikalische Kompositionen mit eigenen Tonzeichen waren. Dies e״l׳e>0 ganz klar aus folgenden Stellen. Bei Moses heißt es: ״Meine Macht und mein Saitenspiel ist Gott"; bei Mirjam: ״Mirjam, die Schwei!er Aharons. nahm die Pauke in die Hand, da gingen ihr alle Weiber nach mit Pauken undTänzen" (Erod. 15, 2, 201; bei Judith: ״Sie ging tanzend vor den Weibern und alle Männer Jsraels folgten ihnen jubelnd mit Gesang und Spiel" (Buch Judith 15, 17). Schon weil auch der Gövendienst mancher Heidenvölker von Spiel und Tanz begleitet war (vergl. Raschi Gen. 1, 20) und es strengstens verboten war, diesen nachzuahmen, ist mit Bestimtheit anzunehmen, daß zumindest die lithurgischen Gesänge spezifisch jüdische waren. Daß der größte Teil dieser ganz gewiß vorhanden gewesenen Tonzeichen uns im Laufe der Zeit abhanden gekommen ist. ist sehr zu bedauern. Doch scheinen manche von ihnen, obwohl ihr Ursprung in einer jeden Z'״e׳ fei ausschließenden Weise sich nicht mehr fe׳> stellen läßt, erhalten geblieben zu sein. Die Wichtigkeit ihrer Erhaltung wurde auch aner kannt und hervorgehoben. So lautet eine Anordnung: Verrücke nicht die von den Alten eingesetzten Grenzen. Jede Melodie soll, wie von Angebinn hergebracht, so auch vorgetragen werden, denn sie stammen noch von Moses her iSefer Chassidim. $ 302, Verfasser lebte im 13. Jahrhundert). (Schluß folgt.) Chrislliche Zeugnisse gegen die Blutbeschuldlguna der Juden. Kr. 250־ zu beziehen durch die Adm. d. Blattes

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