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Jüdische Volksstimme · 1913-11-05 · Heft 44 (5.11.1913) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 44 (5.11.1913)
Date
1913-11-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Rr. 44 Attische »olttstimme." Sette 3. ןויי^יוייי '% I nitzer Rabbiner über das Ritualmordmärchen sagte, steht, weil von Zwittau oder Zittau vollständig unabhängig, fest und an dieser wahren Tatsache ist nichts zu deuteln und zu rütteln. Bei dieser Gelegenhiet gestatte ich mir noch solgcnde Bemerkung: Herr Dr. Markus Epstein, emcr. Advokat in Brünn, hatte vor einigen Wochen die Freundlichkeit, das hebräische Gedicht, welches ich von Sr. Eminenz erhielt, nicht nur metrisch zu übersetzen, sondern auch darüber eine gelehrte Abhandlung in zwei Blättern, darunter im ״Israel. Wochenblatt" in Zürich, zu schreiben. Für diese gediegene Arbeit erhielt Tr. Markus Epstein vom Professor der Llmützer lheologischeu Fakultät, Herrn Tr. Melichar Mlczoch, ein äußerst schmeichelhaftes Anerkennungsschreiben, worin er der Ansicht des geschätzten Uebersctzers der Psalmen und des hohen Liedes bcipflichtct und ihm seinen Tank für seinen schönen Artikel über das hebräische Gedicht des Kardinals in tvarmcn Worten ausdrückt. Pros. Tr. Mlczoch erwähnt auch in seinem Schreibet an Dr. Epstein der jüdischen Gelehrten, mit denen er in den siebzigcr Jahren in Proßnitz befreundet war, so u. a. mit Brecher, Tr. Schmied! usw. Interessant ist, daß Tr Epstein Herrn Prof. Dr. Mlczoch persönlich nicht kennt. Das hebräische Gedicht des Herrn Kardinals hat sie znsammcngcführt. aus allen Teilen Rußlands und Russisch-Polens, weit gesteckt wurden. Wenn wir berücksichtigen, daß sich aus Galizien, Amerika, ja selbst aus Paris Anan der Finanzierung dieses von Ihnen mit löblichem Meldungen von Gruppen zukamen, die nach den 6'wr propagierten Unternehmens zum weitaus grüßten von der A. I. M.. O. ausgestellten Prinzipien Teile Rabbiner und Religionslehrcr bereit erklärte», 'ür den Bodenkauf und die Uebersiedluug sich zu also Männer, die von ihrem kärglichen Gehalt nur recht Christliche Zeugnisse gegen die Blutbeschuldigung der Juden. Kr. 2 50 zu beziehen durch die Adra. d. Blattes Allgemeine Jüd. Kolonisation?- Organisation. (Gcncralversammluug und Jahresbericht.) Die diesjährige Generalversammlung der A. I. M. O. fand am 1-1. Oktober zu Berlin im Bureau der Organisation unter der Leitung des stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn A. F. Marcus statt. Dem Berichte des Vorsitzenden des Gcschnftsführenden Ausschusses, Tr. Alfred :>cvssig, entnehmen wir nachstehende Angaben: Von besonderer Bedeutung für das Propagandawerk der A. I. ,\i. O. war die Gründüng eines eigenen Publikationsorgans ״Der Orient". Trotz ihres kurzen Bestandes hat diese Zeitschrift, die gegenwärtig das einzige der jüdi schen Orient-Kolonisation gewidmete Organ in deutscher Sprache ist, dem Kolonisationswerke bereits neue Freunde gewonnen. Infolge des Balkankrieges war die A. I. K. O. im Berichtsjahre an der Entfaltung einer intensiveren Propaganda gehindert. Erst als die politische und wirtschaftliche Situation sich zu klären begann, demnach int Sommer 1i>1:;, war es möglich, die im Vorjahre eröffneten Bemü- Hungen wenigstens an gewissen Punkten zum Abschlüsse zu bringen. In Wien wurden im Vorjahre, dank der Unterstützung des dort entstandenen vordere!- tenden Komitees für ein neues, von der A. I. K. O. geplantes Finanzinstitut, größere Beträge gezeichnet. Eine Reihe von Umständen ließ eS nun ratsam erscheinen, die Gründung des neuen Finanzittstitutes in der Weise durchzuführen, daß die für dasselbe gezeichneten Beträge zunächst in Aktien des Finanzinstitutes der A. I. K. O., der ״Orient Colonising Co., Ltd." angelegt werden, mit der Maßgabe, daß die O. C. C. mit der Gründung des neuen Institutes betraut wird. Im Juni 101:1 gelangten nun die gezeichueten Beträge zur Einziehung und wurden der O. C. C. unter bestimmten Bedingungen zur Verfügung gestellt. Mit vollem Erfolge konnte im Sommer 101Z auch die Organisierung von Bodenerwerbs- Gesellschaften in Rußland wieder aufgenominen werden. Nachdem bereits im Mai 1!> 1 :i zwischen der B. E. G. ״Kadimah" in Moskau und der O. C. C. ein definitiver, notarieller Vertrag abgeschlagen war. begab sich der Generalsekretär der 2(. I. K. O. im Juni nach Warschau, unt daselbst eine Gruppe von Familien, die sich an die A. I. K. O. gewendet hatten, zu organisicren. Tic Bestrebungen der A. I. K. O. fanden hier die eifrigste Unterstützung nicht nur in den auswanderungsbedürftigen Kreisen, sondern auch seitens der jüdischen Tagespresse. Wie zeitgemäß und den Bedürfnissen entsprechend die Kolonisationstätigkeit der A. I. K. O. aus diesein Gebiete ist, beweist der Umstand, daß noch int Verlauf der Gründung der neuen Bodenerwerbsgenossenschaft, Warschau, der A. I. K. O. organisieren bereit sind. Da es zurzeit unmöglich war, alle diese Anmeldungen zw berücksichtigen, 0 beschränkte sich die A. I. K. O. darauf, zunächst einige besonders geeignete Gruppen in Russisch- Polen zu einer B. E. G. unter der Bezeichnung ״Jischub" zu vereinigen. Das Finanzinstitut der A. I. K. O. ״The Orient Colonising Co. Ltd." hat durch Gewährung eines Darlehens von 118.000 Franken die Gründung einer neuen Kolonie, ״Kiriath Mosche", durch eine Kolonistengruppe aus Bialystok und der Umgegend ermöglicht. Gegenwärtig betreibt die O. C. C. den Ankauf eines Terrains auf der Tinaihalbinsel. Ter betreffende Landstrich würde für 10 Kolonien Raunt bieten. Der A. I. K. O. ist im Berichtsjahre ein Betrag von 20.000 Mark als Legat von weiland Herrn Mar K r a i 11 in Charlottenburg hinterlassen worden. Herr Markus Przedborski in Lenczlica (RussischPolen) hat sich bereit erklärt, nach dem Platte der A. I: K. O. eine Palästina- Kolonisationsstiftung in der Höhe von 80.000 Franken zu errichten und die Verwaltung dersel ben der O. C. C. zu übergeben. Aus dem Berichte ds Schatzmeisters ergab sich, daß die Einnahmen und Ausgaben der A. I. K. O. im Berichtsjahre fast dieselben wa ren, wie im Vorjahre, was durch die Unterbre chung der Propaganda infolge des Balkankrieges zu erkläre» ist. Nach Anhörung des Berichtes der Revisoren, Herren Georg Lachmann und Handelsrichter Bernhard Lilienfeld, erteilte die Persammlung der Leitung der A. I. K. O. Techarge. Aus dem Berichte des Schatzmeisters ergab stand in unveränderter Zusat^mensetzung her vor. Hierauf wählte der Vorstand aus seiner Mitte Herrn Geh. Justizrat Berthold Tintendorfer ins Präsidium. Nach Erledigung der statutenmäßigen Ge schäfte der Generalversammlung entspann sich eine sthr lebhafte Diskussion über die derzeitigen Aussichten der stidifchen Kolonisation im Orient. Von den Anwesenden beteiligten sich an dieser Diskussion hauptsächlich Herr Siegfried Brüntt. Professor Tr. S. Äolischer, Dr. Isidor Ginsberg. Tr. Alfred Nosstg. Herr Alois A. F Marcus? Geh. Justizrat B. Timendorfer. In der diesjährigen Generalversammlung des Finanzinstitutes der A. I. K. O., ״The rient Colonising Co. Ltd.", welche unter dem Vorsitze des Kommerzienrates Gerson Simon stattfand, wurde der bisherige Aufsichtsrat tut verändert neugewählt. Sobald die mit den Wie ner Aktionären vereinbarten Bedingungen er füllt sein werden, wird als Vertreter der Wie ner Aktionäre der Großindustrielle H. Tr. Bruno Pollack Edler v. Parttau, in den Aufsichtsrat der O. C. C. eintreten. Auch in diesem Jahre, wie im Vorjahr wurde der Reingewinn in der Höhe von 2"/ Prozent des Aktienkapitals auf neue Rechnung vorgetragen, jedoch unter Abzug von :!000 Mk die als erstmalige Dotierung dem Reservefonds zugewiesen wurden. spärliche Mittel zur Verfügung stellen könne», während unsere Finanzinänner in den Hintergrund getreten sind, so müßte mo» ci priori mit einem kleinen Fonds rechneu und zunächst jenes Feld pslegcn, das Voraussichtlich nach jeder Hinsicht einen Ertrag abzuwersen verspricht, und das iväre die Fugcndlektüre. Mit der Herausgabe sowohl wissenschastlicher als auch populärer Volksschriften für Envachsene fanden sich stets Herausgeber und Verleger, nur an geeigneten Werken für die Fugend, insbesondere für Volks- und Bürgerschüler i.Minber im Alter von Ht l Fahren! iit großer Mangel. Märchen, vesonders schöne, packende Erzählungen, wie solche von Franz Hosfmann erschie- »en sind und die von den Kinder stets mit Vergnügen gelesen iverden. sind, vom jüdischen Geiste durchweht, überhaupt nicht zu finden. Fch selbst habe eine Lammlung zur Gründung einer Bibliothek für jüdische Volks- und Bürgerschüler eingeleitet, deren Ergebnis vorläufig mehrere Hundert Krone» ist, und nun stellt sich heraus, daß es an richtigen Büchern mangelt. So erging es mehreren Kollegen. Tiesem Mangel abzuhelfcn, iväre ine dankcnsiverte Ausgabe. Vielleicht gelänge es dem YERLOBUNQ5-RINQE BR/lUT5CHMUCK - - HOCHZEIT 6QE5QHENKE EHE-RINQE .. in hervorragender Auswahl zu besonders billigen Preisen. Berthold Bachner, k. u. k. Hoflieferant, Juwelen-, Uhren-, Goldn. Siiberwarenhandlurg Brünn, nur Ferdinandsgasse Nr. 2. *■T“ Provinzaufträge finden sofortige Erledigung. zu gründenden Verlag, den rechten Mann zu finden, der cs versteht, Erzählungen a la jene von Franz Hoffmann, natürlich von jüdischem Geiste durchweht, zu verfassen. Käufer hierfür fände» sich dann sicherlich, denn es scheint sich auf diesem Gebiete eine Renaissance vorzubereiten. Mit dem Allsdrnck vorzüglicher Hochachtung Rabbiner Dr. F. M. Gedankensplitter. aus Moses -Heß' ״Rom und Jerusalem". «Preis 3 K 00 h. Zu beziehen durch den Füdischen und Kunstverlag, Brünn.« Buch- Jüdische Verlagsgesellschast. Sehr geehrter Herr Redakteur! Ucber das Tätigkeilsprogramm eines zu gründenden Verlages, der sich die Herausgabe von Werken jüdischen Fnhalts zur Aufgabe machen soll, wurden von mehreren Seiten treffende Anregungen gegebeil und es ist über jeden Zivcifel erhaben, daß alle jene, die in Ihrem gesch. Blatte hierzu ihre Ansicht geäußert haben, von den besten Fntentioncn beseelt sind. Allein mir ivill cs scheinen, daß hierbei die Grenzen viel zu Das nationale Wesen des Fudcntuins schließt die Humanität und Zivilisation nicht nur nicht aus. sondern hat sie zur notwendige» Konsequenz: in unserer Zeit ist man aber nur zu geneigt, die schönen Blumen der Kulturgeschichte zu sammeln, um sich damit anszuschmücken, statt sie in dem Boden, ans dem sie wachsen, s» pilegcn. * * * Tie nationalen Humanitätöbestrcbnngen sind ebenso unfruchtbar, ivie die antihunianen nationalen Tendenzen der mittelalterlichen Reaktion. Welche europäische Macht ivürde heule noch dagegen opponieren, daß die Fnden, in einem Kongreß vereinigt, die LoSkaufung ihres Vaterlandes berieten und beschlössen? Ernst Labaranne. Als die Frist der mittelalterlichen Welt abgelaufen war, ließ sich wieder die das jüngste Gericht verkündende Stimme verneknien. Keine Wasserflut, ivie na«h Adam, keine Völkerflnt, ivie nach Ehrislns, so», der» eine Fdeenflut stieg, nach Spinoza, verhängnisvoll aus dem Zeitenschoße empor, alles vernichtend, was ihr hemmend in den Weg trat. Mit der französischen Revolution begann die dritte und lebte Entpuppung der Menschheit, ivelcher Prozeß noch nicht vorüber ist » * * Ter Ehassidismus bildet innerhalb des lebendigen jüdischen Geistes den Uebergnng ans dem Mittelalter- «liehen Fudentum zu einem regenerierten, ivclches erst in der Entstehung begriffen ist: die Folgen des Ekaisidisnins sind unberechenbar, wenn sich die nationale Beivegung seiner beniächtigt. Die Rabbiner, welche früher den Ehassidismus verkevcrt haben, fangen an einznsehe», daß heute für die jüdische Volksmasse des Cittus nur noch die Alternative übrig bleibt, entiveder infolge einer von außen eindringenden modernen Kultur mit de» Reformisten vom Fudentum abzufallen, oder diesem Abfälle durch eine :liegcneration znvorzukommen, von ivelcher der Ehassidismus freilich nlir ein Vorläufer ist. Unsere Stnmmesgenojsen, die ans Emanzipationsrückjlchten sich und anderen gern einredcn möchten, daß die modernen Faden gar kein nationales Gefühl mehr besitzen, .wisse» wahrhaftig nicht, ivo ihnen der Kopf steht. Uordruckerei * « « Pli$$icran$talf י FANTA, Po$tga$$e r.

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