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Jüdische Volksstimme · 1913-10-30 · Heft 43 (30.10.1913) · page 10

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 43 (30.10.1913)
Date
1913-10-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. ״Jüdische Bolksstimme." Nr. 43. dcr Moral, indem er das Gesetz als dem Menschen immanent betrachtet. ״Man soll Galt lieben, nicht deshalb, um Lohn zu cmpsangcn und ins Paradies zu gelangen!ähnlich ״Sprücbc der Välcr", Stoifer 1, sondern aus purer Liebe zu Gon. Wer sich aber mit Gon selbst nicht begnügt, die Tboco nicht an und für sich pflegt und nach Genüssen schiel!, der gleicht einem Menschen, der sich in einem Flussc befindet und schreit, das; er gerne Wasser trinken möchte." (ך;**א) Tie Endäinoniiicn geben davon aus, die strafe und Bclohnnng als die Triebfeder» der Moral hinzustellen, iväkrcnd der Rabbi gleich Kant die Hclcrouomic der Moral von der?!uloiioinic abgclöst wisse» will. Hat doch der Rabbi aus den Talmud und andere jüdische Werte sich gestützt, die den Eudämonismus verpöne», obwobl es ibm gelungen in, dieser Auscbauung eine schärfere Prägung zu verleihen und sic mit seinem Geiste zn beleben. Wir seben ibn bier auf seiner ganzen Höbc. wenn rr das elbische Prinzip in Rücksicbl ziebl.!Schluß folatr! lisch aktuell! Braucherl die Juden «M-Christenblut?? Nach Religion, Geschichte und christlichen Zeug: nissen beantwortet von Prof. Tr. Adolf Kurrei« Preis 60 Heller. Zu beziehen durch die Administration d. Blattes Literatur. Brauche» dir Juden Christrnblut? Tie Broschüre dieses Titels, ivelchc aus der Feder des rühmlichst bclannten Gelehrten und Rabbiners Pros. Dr. .Kuriciu, Teplitz siammt und ibrc Entstehung einem der Bcilisaiiüre äbnlichen Ereignis dantt, das sich vor einigen Fabren abspielte und noch beute in aller Erinnerung iit. ivird wieder in den Bordcrgrund des Jmcrcsscs gerügt. Ter gediegene Inhalt und die lvissenschastlichcn Belege diese: kleinen Ärbeit veranlaß!!׳!! uns, die Broschüre aus dem Lager zn ballen und geben tvir nnseren geebricn Lesern Mitteilung, das; dieselbe zum Preise von »0 /,׳ von uns bezogen ivcrdcn kann. Tie Redaktion. Julius Braun, Leitsadcn zur Ncbrrsctiung hcbriiischer Lcbrtcxte, .•öm 1—3!bcrausgcgcben im Äuflrage des PoriiandeS der israel. .Knlttisgcmeindc Wien), k. k. Tchnlbücherverlag, Wien. I. Heft «Bolksschnlcn) 3(J -. Hcil!»naben- und Mädchcnbürgcrschulcn» ölt 3. Heft!.Knnbenbürgerschnlen > 89 h. Ein gutes Tchnlbuch, zumal für den so arg darniederliegenden Unterricht im Hebräischen, zn schreiben, iit!ein leickies Unternehmen. Rur wer all die Tansenden Hemmnisse ans eigener praktischer Betätigung kennt, ans die gerade dieser Teil des ״Rcligionsunterrichies stößt, kann sich mit einiger Aussicht aus Erfolg daran!vagen. Braun bieie! in seiner Arbeit natürlich nicht viel Neues, da ja seine Anlchnung an den osfizielleit L.brplan ihm soivohl hinsichtlich des UmsangeS als auch die Schonung der Lcbrerindividualilül hinsichtlich mancher sachlicher Bemertungcn Schranken auserlegte. Was das Buch aber bietet, verrät den geüb-!eu Schulmann, der ganz genau weiß, wie tvcit er inil seinen Ansorderungen ans jeder einzelnen Altersstufe zu geben ha! und der de» altbewährten Grundsatz der Pädagogik beherzigt: ״von mulia, scd ninltum". Methodisch iverivoll und erfreulich in die Tatsache, das; der Schüler von der reiiimechanischeil Einlcrnling der Uebersetzu1!g gleich vom Ansangc scrngcbalien ivird und auch ani dieser Stufe, ivie es übrigens auch »agscrling in seiner Thoraansgabe tat, mit de» notwendigen Botabeln und den prinlilivsien grammatischen Formen vertrant gemacht ivird. Wenn der Lehrer in den Intenlionen des Herausgebers diesen ״Anmerkungen" die gebührend-׳ Beachtung schenlt, dann, allerdings nur dann ist eine Beeinträchtigung des Lerneifers durch die Beifügung der Ucbersetzung nicht zil besürchlen. weil das Interesse des Schülers, durch die Freude am selbständigen Erarbeiten und Erfassen gefördert, ihn vom gedankenlosen Ablcsen fernbält. Ich glaube, alles zusammensasscnd, sagen zu dürsen. das! das Buch i» der Hand eines guten, gewissenhaste» Lehrers einen ausgezeichneten Lehrbchels bildet. Und das ist wohl eines Schulbuches höchstes Lob. Prof. C. L. Alwin Römer: Ein bißchen Glück — ein bißchen Schuld.... Bcrlag Eduard Macrler, Leipzig. Sonnige Geschichten nennt sie der Autor. Und tvirilich sonnige Menschen ziehen lächelnd in Zufricdcnhcit und Lebcnsglück an uns vorbei. Die reizendslcn Mädchen finden bei den charaktervollsten Männern stille Häuslichkeit. Römer, der bekannte Erzähler, weiß durch seinen einfachen und kräftigen Stil, durch seine schinuckc Sprache auch dem harmlosesten Stoff eine schöne Form zu verleihen. Sein Blick, der das Leben zu betrachten versteht, gclvinnt jeder Lage etwas Bedeutsaines ab. Gcschichtlein, wie ״Frcdi schafft Geld" und ״Wenn der Ofen raucht" sind Proben aus dem Leben und wirken auf uns, wie ctiva der Wald auf den überreizten Städter. Alwin Römer: Schloß Huttcnbrrg. Verlag Mayer- Müller, Leipzig. Ein Icbensarutes Mädchen, ein schneidiger Leutnam und ein hartnäckiger, aber herzensguter Oüeim und die Geschichte findet ihren Stoff. Keine großen Berivickluiigcn, und doch ist die Lektüre nicht langiocilig. Friedrich Schulze: Tort unten in der Mühle. Verlag Otto Hillmann, Leipzig. Ta-s Baucrnlebcn mit allen seinen Vorzügen und Lastern tritt uns vor Augen. Tic über alles gehende Anbünglichteit nn den Eirund und Boden, die Habgier, die vor nichts znrückschreckt und sogar des schnöden Geldes halber eine» Todschlag begeht, sind häufig vortommcnde Eharaklcrzüge des wohlhabenden Landmannes. Tie Gestalt des Müllers, der von Gewissensbissen geplagt, sich und den Seinen da-:׳ Leben verbittert, die schivache, hingebungsvolle Gestalt seiner Frau, die aber dennoch im entscheidenden Augenblicke selbst nicht vor der brutalen Gelvall zurückivcicht, sind lebenswahr gezeichne!. Sympathisch berühren uns der Eharaktcr des Otto Brinkmann und seiner Braut Anna, die allen Onertreibcreien zum Trotz einander die Liebe bcwahren. Angenehin berührt uns im Gegensatz zu den vielen gekünstelten literarischen Produkten der letzten Jahre die natürliche Frische und die nngczwungcnc Form der Etzählnng. Mein armes Volk. Von incd. eand. Egon K a r p c l i S. Mein armes Volk, man hat dich angeklagt, Tas; du mit fremdem Blut befleckt dich hast. Gen dich sich jeder zu erheben lvagt. Weil du dem Feinde ringsumher zur Last. Mein armes Volt, d i ch hat man so entehrt? Warst du s nicht, das zuerst den blut'gcn Mord Als eine Sünd' im Tckalog gelehrt??,'un rhu׳' das Heiligste vergessen — fort? Bis! du'-:- nicht, das durch deinen Rcinhcitskult J>!r höchsten Ethik dich erhebst empor??,uii zeilu inan dich der sckivcrstcn, schwärzstcn Schuld Und dieser Anklag' leiht man noch ein Ohr? Wo in ,in Volk, das Segenssprüche spricht, Tas Hände wäscht, eb' es sein Brot genießt. Und ob dies einen sitzt man zu Gericht, Tas; es ,;um Feite fremdes Blut vergießt, Tas; es aus diesem seine Mazza bäckt!... »lingl nicht ivie Hohn besagte Zcr'monie? Schläisi du, mein Volk? —?Ran hat dich nun gcivcckt! O streb zum Land der Väter lvic noch nie! Allgemeine jüdische Kolonisations- Organisation. In München fand aus Einladung eines »reifes namhafter?.Mitglieder der dortigen israelitischen .»ullusgemeinde, dem 11. 21. die Herren Justizrat Ofner, :klabbinee Tr. Werner, kg!, bayr. Hofmöbclfabrikant L. Ballin, Julius Basch, Justizrat E. Beer, Kommcrzicnrai S. Treu. Tr. M. L. Ettinghausen, Ing. F. Feuchltvangcr, Jnsiizrat Frankenburger, .Kommerziellrat S. Fränkcl,?ienlicr 2l. Landauer, Landr. M.?iußbanm, Jn'iizrat L. Siegel, angchörtcn, am 18. Oktober in der ״Miincbcn-Loge" des U. O. B. B. eine Versammlung stau, die dem bninanitären Werke der Zl. I. K. O. gewidmet war. Als Referenten waren die Vertreter der Leitung der 2t. I. M. O-, Großindustrieller Georg Lachmann und Tr.?llsred?,ossig aus Berlin, cingetroffcn. Herr Jusiizrat Ofner, der die Versammlung leitele, hob in seiner Begrüßungsansprache die Tragweite des von der 2l. I. K. L. bereits verheißungsvoll unternommcncn Kolonisationswerkes hervor. Die Bedcutung der 2l. I. K. O. läge vornehmlich darin, daß sic, entgegen den bisherigen vereinzelten und zumeist nach pbilantropischen Gesichtspunkten unternommenen Kolonisationsvcrsuchcn, ein planvolles, auf wirtsch. Grundläge und kaufm. Prinzipien beruhendes, großzügiges?lnsicdlungswcrk schaffen wolle, das — unter Ausschluß nationaler, politischer oder anderer Parteitcndenzcn — den notleidenden Juden!Rußlands, Galiziens und Rumäniens im Orient auf eigener Scholle dauernde Daseinsbcdingungcn sichern soll. Herr Georg Lachmann-Bcrlin legte in seinem Referat überzeugend dar,!varum die 2l. I. K. O. gerade den Orient — insbesondere Palästina, Syrien und die Sinaihalbinsel — zum Felde ihrer Tätigkeit ausersehen muhte. Wirtschaftliche Momente, wie die?kähe des Orients an die Ursprungsländer der jüdischen Emigration, die Fruchtbarkeit und Llufnahmefähigkeit dieser Gebiete, anderseits aber die religiöse Pietät der jüdischeu Auswandcrungsmasscn für das Heilige Land wareu hier maßgebend. Tr.?llsred?kossig-Bcrlin bcrichtcte über die umfassenden?lrbeitcn, durch die die 2l. I. K. O. die Orient-Kolonisation itzich rationellen Prinzipien vorbereitet habe. Eine ihrer wichtigsten Tätigkeitcn bestand in der Organisierung behördlich legalisierter Bodcncrwerbs-Gciiosienschaftcn aus den jüd. Ausivandererkrciscu in :Rußland.?lnderseits sorgt die 2l. I. K. O. durch ihr Finanzinsiitut ״The Orient Colonising Eo." für?Igrarkredit. In besonders tvarm empfundenen und zu Herzen gehenden Worten appellierte dann Herr Rabbiner Dr. Werner an die Erschienenen. Er wies eindringlich daraus hin, daß seit den furchtbaren Ereignissen in Spa- I׳.i:n im Jahre 119:2 keine annähernd so harte Judennot geherrscht habe, ivie gegenwärtig im Osten. ״Sie wissen nicht am 2!bend, was am Morgen sein tvird." Mit diesem Spruche tcnnzeichnetc er die beklagenswerte Lage der östlichen Juden. Den Bestrebungen der 2l. I. K. O. iomitie deshalb eine exzeptionelle Bedeutung zu, weil sie ein großzügiges Abhilfswcrk darstellcn, das den hilfsbedürftigen?Rassen die elementarsten Lebensbrdingungcii verschafft, nämlich ein Stück Land, das ihnen durch ihrer Hände?lrbcit ihr täglich Brot vcrbürgt. Tie begeisternden Worte, die auch der Vorsitzende Herr Jnstizrat Ofner in beredter Weise unterstützte, hatten denn auch den Erfolg, daß viele?lnwesendc sich als Mitglieder der 2l. I. K. O. eintrugcn, sowie ihrem .Kolonisationsfonds namhafte Summen zuwandten und?lktien der ״Orient Colonising Co." zeichneten. In der Diskussion begrüßte?!.-?l. Tr.?t. Wassermann im Natuen des bayrischen ״Vereines für Statistik der Juden" Tr.?,ossig als Schöpfer der jüdischen Statistik und wies daraus hin, wie die theoretische, statistische Erfassung der heutigen Verhältnisse der Judcnheit zur Orienttolonisation als einzigem praktischen, wirklich rationetlen?lbhilsclvcrk führe. 2lm 19. Oktober fand in?lugsburg eine ähnliche Veranstaltung statt, die ebenfalls von den führenden Persönlichkeiten der dortigen israelitischen .Kultusgemcindc, Justizrat Bauer, :Rabbiner Tr. Grünfcld, Kommcrzicnrat H. Landauer,?l.-2l. Dr. Epstein u. a. einberufen lvordcn war und dem Werke der 2l. I. .K. O. auch dort viele Förderer zuführte. Hochzeiten. Paffende Brautgebetbücher in feinster Ausführung. Tallessim in Seide und Wolle, sowie alle für ein jüdisches Haus notwendigen Ritualien empfiehlt Jüdischer Buchu. Kunstverlag, Vrünn, Adlergaffe Nr. 9. Vermischtes. Tic Abraham owinu-Tynagoge. In H c b r o n. in der Stadt, in der bekanntlich die ״Doppelhöhle", die Grabstätte nnscrer Erzvater, sich befindet, eristiert eine nralte sehr kleine Synagoge, die ״Abraham owinu- Synagoge" genannt wird. lieber den Ursprung dieses?tamens enthält das soeben erschienene Palästina-Jahrbuch ״Luach Erez Jisral" von M. Luncz eine interessante Legende, welche sich dort seit undenklichen Zeiten von Generation auf Generation bis auf den heutigen Tag erhalten hat. Die Erzählung lautet wie folgt: Bor Jahrhunderten zählte einmal die jüdische Gemeinde zu Hebron blos 10 männliche Seelen. Ta traf es sich, das; einer von dem knappen Minjan zwischen Roschhaschono und Jomkippur krankheitshalber nach Jerusalem fahren musste. Er versprach vor Jomkippur zurückzukehren, allein infolge Verschlimmerung seines Leidens war es ihm unmöglich, sein Versprcchcn cinzulösen. Am Rüsttage gewahrten die Leute in Hebron mit Entsetzen, das; sic, in Ab-

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