Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 43 (30.10.1913)
- Date
- 1913-10-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. ״Jüdische BolkSstimme." Nr. 43-. Genehmigen Eure Eminenz die Versicherung mciner chrfruchtSvollstcn Ergebenheit Rothschild m. p. Das Breve Annezrnz' d. Vierten. Vom 5. Juli 1247. ״An die Erzbischöfe und Bischöfe in Deutschland. Wir haben die jämmerliche Klage der Juden Deutschlands vernommen, daß einzelne geistliche und weltliche Fürsten und andere Adelige und Machthaber in Euren Städten und Diözesen, um ungerechtcrwcisc ihre Güter zu plündern und sich anzucigncn, gottlose Anschläge gegen sic ersinnen und mannigfache und verschiedene Anlässe erdichten, ohne vernünstig zu bedenken, datz gewisscrmaßcn aus ihrem Archive die Zeugnisse des christlichcn Glaubens hervorgingcn. Trotzdem die Heilige Schrift unter anderen Gcsetzcsvorschriftcn sagt: Du sollst nicht töten, und den Juden verbietet, am Passahfeste etwas Gestorbenes zu berühren, erheben ihre Gcgner die falsche Beschuldigung, datz sie eben am Passahfesi das Herz eines gemordeten Kindes unter sich verteilen, indem sic glauben machen, datz das Gesetz cs selbst vorschreibe, tvährcnd cs doch offenbar dem Gesetze zuwider ist. Und wenn irgcndivo ein Leichnam gefunden wird, legt man böstvillig ihnen den Mord zur Last. Durch solche und andere zahlreiche Erdichtungen wütet man gegen sic, und ohne Anklage, ohne Geständnis, ohne Uebcrführung, entgegen den ihnen vom Apostolischen Stuhl gnädig gewährten Privilegien, beraubt man sie wider Gott und Gerechtigkeit aller ihrer Habe, bedrückt sie mit Hunger, Gefängnis und so vielen Martern und Qualen, untertvirft sic den verschiedenartigsten Strafen, verurteilt möglichst viele zu dem schimpflichsten Tode, so daß die Juden unter der Herrschaft obgeiianntcr Fürsten, Machthaber und Adeligen vielleicht ein noch schrecklicheres Los haben als ihre Väter unter Pharao in Aegypten, und gezwungen werden, elend die Orte zu verlaßen, wo sic und ihre Vorfahren seit Menschengedenken gctvohnt haben. In ihrer Furcht vor vvulger Vernichtung haben sic bcschlosicn, an die Vorsehung d> Apostolischen Stuhles sich zu wenden. Da wir nicht »vollen, datz die genannten Juden mit Unrecht verfolgt »vcrdcn, deren Bekehrung der Herr crbarinungsvoll er- »vartct, da nach dem Zeugnisse des Propheten die lieber- . rcstc derselben »vcrdcn selig »vcrdcn, verfügen »vir, datz Jyr Euch ihnen gnädig und gütig zeiget, deshalb jedesmal, ivcnn Ihr findet, datz von de»! genannten Prälaten, Adeligen und Machthabern in betreff des Er- »vähntc» gegen die Juden leichtfertig ctlvas untcrnommen »vird, de» gcsctzmätzigen Zustand lvicdcr hcrgcstellt, nicht duldet, datz dieselben fernerhin »vegcn die »er und ähnlicher Anklagen von irgendjemand mit lln recht belästigt »vcrdcn »1»»d diejenigen, »vclche sic auf diese Weise belästigen, durch kirchliche Strafe, ohne Ber»1sung zuzulaflcn, i» Sckirankcn haltet. Gegeben zu Lyon ain 5. Juli im fünften (Pontisikats-)Jahre." g&fc YERLOBUNQ5-RINQE TT BRflUTSCtinUCK - - HOCHZEIT5QE5CHENKE EHE-RINQE in banrorragender Auswahl zu besondere billigen Preisen. Berthold Bachner, k. u. k. 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Es folgte Herr Dr. Gustav Witzeit meine, als auch Ihre Stimme nicht hinreicht, um koivsky, der die Vorgeschichte des Prozesses und den'dieser hätzlichen Lüge, lvic ich cs gerne möchte, ein Ende Charakter der Anklage darlegte u»»d ausries: ״Wenn zu bereiten." jeder Einzel»»e von uns die Schmach seines Volkes ein- ,findet und das Gelübde ablcgt, »licht zu ruhen und z»» rasten, bis der Geist der Solidarität alle J»»dcn erfüllt, dann »vird auch dieser furchtbare Prozeß für uns zum Guten gclvcscn sein." — Herr Dr. Heinrich Locwc führte aus, die leitenden Kreise Rußlands seien gclvohnt, die Flammen der Rache für ihr ungeheures Unrecht in jüdischem Blute zr» ersticken. ״Man »vird Bcilis »norden, »vic man so viele Tausende Juden gemordet hat, »vir aber heben unsere Hände hoch, sie sind rein von diesen, Blute." — Herr Hermann Struck »vics auf das ausführliche Gutachten des Kardinals Ganganclli, des spätere!» Papstes Cleincns d. Vierzehnten hin, der die Ritualinordanklage auf das Nachdrücklichste verurteilt hat. Es gäbe nur ei»,cn Weg, die russischen Jude» zu retten, nämlich, sic aus de», eisernen Schmelzofcn Rußlands hinaus in die Freiheit ihres eigenen Landes, Palästina, zu führen. — Herr Dr. Schmarja Levin, Mitglied des Engeren Aktionskomitees der zionistischcn Organisation und gelvcscncr Abgeordneter der ersten russischen Duma, führte aus: ״Dieser Prozeß ist nur ein Ring in der Kette der Verfolgungen, denen die russischen Juden ausgcsctzt sind. Furchtbarer noch als alle Verfolgungen ist der Ausschluß von den höheren Schulen und damit von der Kultur und der freien Mcnschcnlvürdc. Die Möglichkeit solcher Behandlung beruht auf der Lage des jüdischen Volkes. Ein Volk, das keine Vertretung hat, ist der Willkür der Un,gcbung prcisgcgcbcn. Wir müssen uns für eine Vertretung vorbereiten und da gibt cs ein Mittel: ״Bereiten »vir unscre Jugend vor, zeigen »vir ihr, daß »vir die Vcrant- »vortung für jede» einzelnen Juden übernehmen, der jetzt lebt, solvic für die ganze lange Vergangenheit des Judentums. Wir übernehmen die Vcrantlvortung für die Vergangenheit — aber auch die Vcrantlvortung für die Zukunft »vcrdcn »vir keinem Fremden überlassen." Der letzte Redner, Herr Dr. Alfred Klee, setzte auscinander: ״Wenn die Juden der ganzen Welt sich als eine geschlossene Einheit fühlte», die un, ihre Volkschre ringt dann wäre cs tausendmal besser um 11ns bestellt. Aber »vir erlebe», cs, daß man in jüdischen Gemeinden Deutschlands die Frage ernstlich auftvirft, ob man den ausländischen Juden die Gleichberechtigung in der Synagogcngcmeindc geben soll. Wir lösen die Judenfragc nur durch Liebe zu unseren Brüdern. Sehen »vir, datz in Liebe und Treue an der Wicdcrerivcckung des großen Gedankens der Einheit gearbeitet »verde, Ivo nur immer sich die Bande lockern. Ein Gott, ein Volk!" Am Schlüsse der Versammlung schlug der Vorsitzende, Herr Direktor Lichtcnstcin, ״achstchendc Resolution vor, die einstimmig angenommen »vurdc: ״Die vom Reichsvercin deutscher Juden cinberu fenc jüdische Volksversammlung erhebt aus Anlatz des Kiclvcr Bcilisprozcsscs feierlich Protest gegen die un gchcucrlichc Beschuldigung, datz cs Juden gäbe, die zu Rcligionszwcckcn Mcnfchcnblut vcrlvcndcte». Sic brand markt cs als einen Schandfleck unserer Zeit, datz man cs »vagen kann, eine» solchen wahnwitzige» Verdacht zu erheben gegen ein Volt, das drei Jahrtausende inenschhcitlichcr Hochkultur durchlebt und die Mensch heit Nächstenliebe und Humanität gelehrt hat. In, Na men der Solidarität der gesittete» Menschheit fordert die Versammlung die ganze Kulturivelt auf, gen,einsam mit dem jüdischen Volke den Kampf gegen die finstere Barbarei zu führen und ihm zll helfen, die geschändete Menschcnlvürdc und verletzte Volkschre zu verteidigen und zu schützen." Sechs jüdische Pretestversammlungen in Berlin gegen den Kirwer Ritualmerdprezrß. Der Reichsvercin deutscher Juden hatte für den 20. Oktober zivci Protestvcrsamnilungcn in dem Saale des Ticrgartcnhofcs und in die Sophicnsälc cinbcrufcn Beide Säle »varc» lange vor der angcsetztcn Zeit über füllt, so daß i», letzten Moment noch »vcitcrc vier Vcr fammlungcn in eine», zweiten Saal der Sophicnsälc in dem Motivhaus, der Brauerei Königstadt und dem Restaurant Hütte in der Bachstraßc abgchalte» wurde» die alle von zusammen über l>000 Personen besucht »varcn. In den Versammlungen sprachen insgesamt zlvölf Redner, die alle gespannte Aufmerksamkeit und lauten Widerhall bei den Zuhörern fanden. Es »var eine mächtige Demonstration der Judcnschast Berlins die ihre Solidarität mit den, Gcsamtjudcntun, i» fcicr »ichcr Weise bekundete. In der Hauptvcrsanimlung in, Ticrgaricnhos sprach zuerst Herr Dr. Franz Oppenheimer: ״Unser Protest »vird i» Rußland keinen Eindruck machen, denn die leitenden Kreise dort haben jedes Verantwortungs gefühl verloren. Aber vielleicht können »vir das Ge »visscn Europas erschüttern, wenn »vir daraus hintvei- Kardinal Fiirstrrzbischef Tr. Bauer von Olmnt! gegen die Ritnalinerdliigc. Aus Protznitz (Mähren) »vird uns berichtet: Bei dem am 20. d. erfolgten Einzüge seiner Eminenz des Dr. Bauer »vurde derselbe von einer Deputation der isracl. Kultusgeincindc mit de», Knltusvorstchcr Herrn Kais. Rat Mayer an der Spitze, feierlichst begrüßt. Hier bei hielt unser Gg. Herr Rabbiner Dr. Goldschinidt an den Kardinal folgende Ansprache: ״Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Elvi g,n! Die Eigenschaften Gottes find Liebe und Wahr beit. Wir richten an Eure Eminenz die ergebene Bitte datz Sie der Wahrheit und der Liebe auch in unsere Stadt zu ihre», Rechte verhelfen, indem Sie Ihre mäch tigc Stimme dagegen erhebe», datz die schändlichste alle Lügen, die uns dessen beschuldigt, daß »vir nach dem Leben unseres Nächsten trachte», um dessen Blut für Glaubcnszwcckc zu verbrauchen, zumindest in, Kreise der hiesigen Geistlichkeit, gegen uns künftighin nicht mehr erhoben »verde. Sollte Eurer Eminenz dies gcli» ge», dann »vcrdcn »vir die Stunde segnen, die sic in un scre Mitte geführt hat." Der Kardinal crlvidcrte: ״Ich danke Ihnen für scn, daß Europa für die russischen Geschehnisse mit die die freundliche Begrüßung und mutz bedauern, datz der Die Jglauer ״Deutsche Wacht" von» 1l. d. veröffentlicht folgenden Artikel über den Kietver Ritualmordprozetz- ״Der Kiclvcr Ritualmordprozctz ist in, vollen Gange. Mit einer unsäglich ividcrlvärtigen, die Nichtigkcit des Ritualmordes dadurch eher erhärtenden als abschlvächcndcn Weise schlägt die.Alliance Jsraclitc Entrüstungs- und Scntimcntalakkorde zu einer Zeit an, Ivo ein Urteil bezichungsiveisc ein Schuldspruch noch gar nicht gefällt erscheint. Das muß sogar dem liberalstcn Christen auffallen, selbst lvcnn er an gar nichts anderes denkt, als an die alten Wahrsprüche vom ״Verteidigcn, ohne angcklagt zu sein" und ״Haltet den Dieb". Selbstverständlich ist die ganze Juden- und der größte Teil der liberalen Presse durch und durch bcstochen und das bezahlte Winseln um einen verbrecherischen Schurken — »veil er eben ein auscrwählter Hebräcr — geht schon Leuten an die Nerven, denen man eher einen Philoscmitismus als das Gegenteil zuschreibei» darf. Wir kommen selbstverständlich ans diesen Nitualprozctz noch zurück, interessiert er uns ja doch schon »vegcn der Hilsnerafsäre. Ebenso selbstverständlich warten »vir deshalb erst das Ende des Verfahrens ab. Das erfordert zumindest die Moral; freilich nicht die Tarnopolcr." Aus dieser Notiz spricht die ganze Erbärmlichkeit der antiscinitischcn Zcitungskulis, ihre ganze Niedrigkeit. Darum brachten »vir das Geschreibsel. Die Selbstüberhebung, dieser hofmcistcrnde Ton eines Blättchens, das im ganzen »vohlgczähltc 50 Abonncntcn zählt, ist ja gclvitz gelungen und ebenso putzig ist cs, »vic der kleine Prctzkölcr sich dehnt und — erklärt, noch auf den ״Ritualprozetz" zurückzukommen, ganz so, als ob man nur noch auf das Urteil der ״Deutsche» Wacht" ivartcn lvürdc, um dann die Akten über die Juden zu schlietzcn. Ein ganzes Kapitel der Ironie bildet »veitcrs die Bemerkung über Moral zum Schlüsse einer solchen Pcrsidie — ״Deutsche Wacht" — ״Moral". Die Kehrseite der Medaille ist aber umso trauriger und abscheulicher. Auch in Oesterreich, unter den Deutschnationale», die die Kultur in Erbpacht haben, findet sich noch ein Blatt und sei cs nur die ״Deutsche Wacht", die jene Exzesse des Zarismus, jene Vergelvaltigung des Rechtes, jene schändlichen Beschuldigungen aus den, finstersten Mittelalter, verklausuliert gutheitzt, die Not- »vchr gegen diese Verleumdung begeifert. Wenn jene Herren nur so ״lvinscln" »lüssen, »vic der ״verbrecherische Schurke", ״sich verteidigen müssen, ohne nngcklagt zu sein", »vir »vären mehr Gentlemans, »»oral»- scher »vie sie, die ״auscrlvähltcn" Sprossen des Volkes der Dichter und Denker: die Herren der ״Deutschen Wacht". m. x. ״Sloväcke Noviny“. Xav Ung.-Hradischer klerikale Blatt ״Slovacke novinh" brachte am 22. Oktober nachstehenden wörtlich übersetzten Artikel: Bemerkungen zu dem Bcilisprozcssc in Kiew. Sensationelles Geständnis eines jüd. Rabbiners. Der Rabbiner in Karlsbad, Tr. I. Ziegler, schrieb nachstehendes sensationelles Geständnis in die ״Allg. Zeitung des Judentums": ״Ich hoffe, das; der Kiewer Prokurator nicht das ganze Judentum wegen RitualmordeS anklagen wird, sondern nur eine geheime jüdische Sekte, von deren Existenz auch bei u n s gemunkelt wird; es ist die Pflicht des Staates, diese Sekte ausfindig zu machen und auszurotten." Dr. Ziegler gesteht daher direkt zu, das; unter den Juden von dem Bestände einer kanibalischen Sekte gesprochen wird; vielleicht weis; Dr. Ziegler mehr von dieser »Lektc, als er geschrieben hat. Behaupten mm 700 Rabbiner, r»as; ein Ritualmord nicht existiert, und behauptet ein Rabbiner, das; der Ritualmord ״ja" existiert, dann glauben wir dem einen Rabbiner, der den Mut hat, der Welt die Wahrheit einzngestehen. Jene 700 Rabbiner sind in ihrer Seele davon nicht überzeugt, das; ein Ritualmord nicht existiert. ES wäre im Interesse des Judentums, der Welt die reine Wahrheit zu sagen: ״Ja! ES gibt eine kanibalische Sekte, aber wir Juden ideutifizicren uns nicht mit derselben, und wir ersuchen die Regierung um Ausrottung dieser Sekte!" Diese Handlung möchte dem Judentum nur Ehre bei dem Christentum verschaffen. Aber die Juden handeln im Gegenteil; sie identisiz i e r c n s i ch m i t d c n M ö r de r n, und wehe