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Jüdische Volksstimme · 1913-10-15 · Heft 42 (15.10.1913) · page 17

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XIV (1913)
Issue
Heft 42 (15.10.1913)
Date
1913-10-15
Page
– (sequence 17)
Language
German
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fc 42 X1V-/1! ^-Beilage zur,Wiener Jüv. Voltsstimme ° - - In der Laubhüte. '•Jn M. Oppenheims nleidjnamiflcm Bilde. ״T11 ioliit dich freue» 0» deinem Feste!.. Tie höchhe Wonne birgt das ,Vit. ,viir das wir bauen Hütten: Wie Vögelchen in ihrem Rest, sie weilen froh inmitten: :liechiS sibt das;nur Mütterlein. Beim Vater sind die Binder, Tas nute :Viahl schineckt ihnen fein. Tem blaste auch nicht minder. Lieb Biiblein denlr: ״Was ist heut tos? Sonst speisen wir im Zimmer. Ta sitz ich auf des Paters Schoß. Bekomm ivas Gutes iiiiiiicr'k" Ten Säugling sieht man. herzig, klein. Empor die Händchen strecken. Ihm leuchten bunt und hell und fein Tie Früchte aus den Ecken. Tie Fesltagsinppe. dampfend, bringt Tie holde, junge Muhme. Toch vor dem Essen laut erklingt. Ein Lied zu Gottes Ruhme. Zwei fremde .iinabcn geh'n vorbei lind leh'n die schmucke Hütte, Tie wären gerne auch dabei In dieser Runde Milte. ״Jedweden Gast heut fromm bedenkt!" Ter Vater spricht: ״Las;! teilen!" Und beide ÜUcincn reich beschenkt. Voll Lun nach Hause eilen. — 20 vlüht noch immer wahres Glück In unsrer .Hütte drinnen. Wir lenlen, alle, weit zurück Tes Herzens sroinineS Sinne». Ta Israel viel Jahre lang In schivacheu Zelten ivohnte. Ihm ivar vor Feinden niemals bang, Ta Golk inmitten thronte. Voll Lust drum jetzt noch tveilen wir In Hütten, lalibgcschinnckct Und danken unsrem Gott dafür. Tag er uns stets beglücket. Wir frcn'n unö heut und rufen laut: ״Allvater in den Höhen, Laß jeden, der Dir fromm vertraut, Rur Heil und Glück stets sehen!" ״Bewahre, Herr, uns allezeit — Gewähre unsre Bitte — Vor I-cindcshand, vor Herzeleid, Zur Burg sei uns die Hütte!" Moritz A n t s ch e r l, Wien. Ein russischer Rohling. Ter als sachverständiger befragte ka tbvlisch e Mag. theol. P r a n a 11 i s sprach sich mit Berufung auf seine Bekanntschaft mit allen Quellen der jüdischen Neligionslehre (V?) dabin aus, das; bei den Juden das sogenannte ,.Blutdogina" existiere. Pranaitis best eist si h auf eine Lchrist des Mönches Neopliyl, eines zum Christentum übergetretenen jüdischen Rabbiners, der ausführte, die Juden brauchen Christenblut, das sie dem ungesäuerten Brot beimischen nslv. (Neue Freie Presse Nr. 17(3-17, L. 12.) Be: diesein russischen Rohling wird wahrscheinlich ein Renegat vom Aaliber eines B r i in a n u 3 ausgefüttert, denn Pranaitis ist zweifellos ein solcher Aeniier des jüdischen Schrifttums, wie es der böhmische Rohling war. — Nun ist es eine historisch begründete Tatsache, das; es zumeist Renegaten waren, die, um sich als strenggläubige Christen legitimieren zu können, ihren früheren Glaubens- und Stanimesgenossen recht derbe Hiebe versetzen und sich als die unversöhnlichsten Judenhasser gebärdeten. Tessenungeachtet ‘.;nn es nicht geleugnet werden, daß es zuweilen unter diesen Neophagen auch Leute gab, die gewissen- Haft genug waren, mit es einzugestehen, das; der ״Ritualmord" nichts anderes als eur mittelallerliches Märchen, eine freche Lüge, sei. stur Belräftiguug dieser Bel>aupti1׳,g!,löge hier eine Ltelle aus einer im Jahre 160א in ה v 1 ז t c r '-'iuflnge in Brünn erschieneneil Lchrisr .,stur Geschichte der Bluweschuldiguuz gegeii d e Juden im Mittelalter und in der Neuzeit (117!- 1662)' reproduziert werden: ״Int Jahre 1682 wurde in Tisza Eslar das alte-, oder richtiger mittelalterliche alberne Märcheu vom Gebrauche des Cbristeublutes aufs neue aufgetischt, gegen die Juden gehetzt, obgleich Päpste uns Fürsten selbst in den finsteren Jahrhmkderten des grausamen Mittelalters die hier erwähnten Blutanklagen mit Gntrüstuug entschieden zurückgewieseii haben. Leibst Luther, der doch den Juden nicht sehr gewogen war. schrieb über die Blutanklage: ״Wir gehen mit Lugen den Tiugen umti, geben ihnen Lchuld, sie müssen Christenblnt haben, und was des Narrenwerks mehr ist." Wülfer hatte trotz seiner judeiifeilidlichen Gesinnung nicht umhin können, es einzngestehen. daß die Juden so lange und. so grausam um nicht s von den Christen verfolgt worden sind, daß die Rnfchnldigting vom Blntgebranch gegen sie eine boshafte Erfindung sei, und das Zeug- »is getaufter Juden gegen Jude» wenig Glaubeu verdiente." Wagenieil verfaßte eine eigene Lchrist, in welcher er die tlnwahrheit der Blutbeschuldiguiig klar und beutlich nachgewiesen. ״Es möchte noch hingehen." schrieb er, ״wenn es bei dem bloßen Geschwätze bliebe; aber daß wegen dieser ver m a I e 0 e i t c u ll n w a li r i, e i t die Juden geplagt, gepeinigt rmd ihrer viele Tausende hingerichtet worden, hätte auch Steine zum Mitleid bewegen und schreien iiiachen sollen ' usw. ״Es kann jedoch nicht geleugnet werden, daß es auch unserer erleuchteteir Zeit au gelehrten christlichenTheologen nicht mangelt, die das unwürdige, dem Fortschritte des neunzehnten Jahrhunderts holinsprechende Treiben der Autisemiteu auf das eutschiedeuste verpöiieu. Ter gelehrte und ftrengkonfervative christliche Theolog Prof. Tr. Franz Telitzsch hat in jüngster Zeit erst zu wiederholten Malen die Blutanklage als ein ״Phantasiegebilde, einen grundlosen Wahn und als eine Ausgeburt der Unwissenheit. Feindschaft und Lüge" bezeichnet. Unter anderem schrieb er: ״Bor mehr als zehn Jahren legte mein Freund Prediger Tavid Heffter einen deutschen Avmeutar zu deil Lt.rafgesetzeu im :3. B. M., Aap. 20. verfaßt von dem mit ihm befreundeten Prof. Basilius Lewisohn in Jerusalem, zu beliebiger Benutzung in meine Hände. Im Jahrgang 1670 meiner Zeitschrift ״Laat und Hoffnung" habe ich aus der umfangreichen Handschrift ein Ltück unter der Aufschrift: ״Tie gegen die Juden erhobene Beschuldigung, daß sie Ehriftcuvlut gebrauchen" veröffentlicht. Ter Aufsatz schließt mit den Worten: ״In der Osternacht 1603 lag ich betend an dem Grabe Ehristi, die eine Hand auf die heiligste Stätte legend, die andere gegen den Himmel erhebend und sprach im Herzen folgendes: Leit der Zerstörung des ersten Tempels durch die Babylonier ist kein Menschenopfer mehr in Israel gebracht worden, obgleich noch hie und da Götzendienst zunr Borschein kam. Leit der Zerstörung des zweiten Tempels durch Tirus. nicht lange nach der Erscheiniliig unseres Herrn Jesu Christi, als seit der Entstehung des Christentums, ist weder Mengenopser noch Götzendienst bei allen Löhnen Israels auf dem ganzen Erdenrunde gefunden worden. Nirgends hat das jüdische Bolk, noch die 1600jährige Neiigionsgeschichte desselben Beranlassung zu der abscheulichen Blutbeschuldigung gegeben, der Jude töte Ehristcnkinder und verwende ihr Blut zu irgendeiner Zeremonie, welcher Art sie auch sei. Erkläre ich, als ehemaliger Rabbiner, von einer alten rabbinischen Fainilie abstammend, daß es im Bereiche der ganzen jüdischen Theologie nicht ein einziges Buch gibt, weder ein gedrucktes, noch ein ungedrucktes, in welchem auch nur mit einem Worte einer solchen barbarischen Handlung erwähnt wird ausgenommen etwa die Verteidigungen), daß es auch weder eine geheime, noch öffentliche Tradition unter de» Juden gebe, durch welche sich jenes Verbrechen hätte fortpflanzen können. Endlich beschwöre ich Lewit, möglicher als direkter Nachkomme Mosis,!edenfalls aber zu seinem Llamme gehörend, folgendes: Es gibt keine, große, auch keine kleine Gemeinde in ganz Israel, keine jüdische Zekre und keine jüdische Familix aus der ganzen Erde, in welchem das Blut eines Menschen zu irgendeiner Zeremonie verwendet wird, sei er Jude, fei er Ehrist, sei er Türke oder sonst ein Mensch auf Erden, «v wahr mir Gott bcistehcn möge in der stunde meines Todes und mich selig werden lasse in seinem eingeborene» Lohne Jesu Christi, meinem Erlöser! Tiefer Apostat, der. obwohl er selber früher Rabbiner war und einer alten rabbiin'chen Familie eutstaunine, den Glauben der Bäter abtrünnig geivordeu, war g e w i ß k e i ,1 Judenfreund, dessenungeachtet besaß er doch so viel Charakter und menschliches Gefühl, um die gejährliche ״Blntlüge" entschieden zu verdammen und die Berbreiker derielveii zu verurteilen. W i c 11, 12. Oktober 1013. Tr. Fr. Der Chassidismus. Van Wilhelm Menkes, Stanislan. 'Vogelperspektive., >0. Fortsetzung., Ter Ehashdisnins verpönt die groben Leiden- ׳chatten, die den Menschen sinnlich machen, wahrend er die edlere» Letdenschapen nicht betänipst. sie nicht ganz ansgegeben wissen!vill, sie vielmehr als Gegenkräfte zu dein nur Geist,gen zn venntzen veavsichtigt. Tie Leidenschaften nver sollen in uns adäquate Gefühle, n׳ie Freude, Hoffiinng!,,־»>. auslösen, damit wir die i,!adäquate», wie Furcht u. a. vesiegen können. Ans diese Weise wird der Optimismus im spinozislisckien Sinne herrschen können, und die Schiverinnt gänzlich verbannt iverden. Ter Ehassidistniis tritt auch fast immer für die Freudeänßerungen ein und je mehr Freude eine Lache in uns anslösi. umso gottgefälliger und moralischer iü sie. ״Tie Iraner hl das Zeichen eines niedrigen Aber selbsiversiändlich ivird ein Unterschied ztviickien der tierischen lind rein geistigen irrende sein. Tie ersiere hl vergänglich, wandelbar, während die Gottessrenöe das Höchste am Menschen ist. Aber das Voriviegende ivird im Ehassidismus und besonders veiin Rabbi ivie bei Spinoza ״amor des intellectualis" sein. Ttese ״Liebe zu Gotr" ivird alles in Harmonie bringen und die Gegensätze ansgleichen. ״Ter Hauptgrund des Vergnügens und der Freude itamiiil von der Betrachtung der Größe Gottes." ((תו ־ד, אור ״Wie der Geruch in den menschlichen Körper eindringt und ihn labt, oblvohl der Geruch nichts Konkretcs hat und für das Auge »»sichtbar ist, so verhält es sich auch init der Freude aii Gott, welche Freude einer uns verborgenen Welt entstaiiliiit. die aber das Herz erfreut und es mehr als alle Gewürze und Parsüins zu erquicken vermag." (,־HT! לקוט־) Infolgedessen wird der Rabbi ans den ertreme» Optimismus eingeschworen sei» und alles, was von der Gottheit stammt, als gut betrachten. Er sieht gleich Leibnitz in der Weltordnung und ganzen Schöpfung eine Bestätigung der unendlichen Größe Gottes und >vas er schasst, ist in vollstem Tinne des Wortes vollkommen. Er verdrängt also mit aller Macht die Schweruiut. die Traurigkeit und findet Gefallen an der Freude. ״Wenn sogar Leiden über den Menschen koiililic», soll er nicht nach dem Augenmerk urteile», daß diese Leiden wirklich schlecht seien, sondern daß vielmehr ihre Wurzel gut ist. da von der Gottheit nur das absolut Gute hervorgehen könne." (.-!-;7s לקו^י) Aber trotzdem werde» wir uns. da wir wohl missen, daß die chassidische» Lhsieine aus der ״schwanken Leiter der Gefühle" sich bewege», aus Reaktionen gefaßt machen müssen. Wir iverden daher ans den Optimismus den Pessimlsmlls. aus die Freude die Schiverinnt folge» sehen, wenn dies auch nur!ehr selten vorkommt und nur als Ausnahme gelten kann. Aber geradezu das Alpha und Cnicga und. was als große Tugend betrachtet und mit Nachdruck hervorgehoben wird, ist: die Begeisterung.

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