Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1913)
- Date
- 1913-10-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42. ״Jüdische Bolksstimme". Seite 5. Suffragetten im Tempel. Während des Gottesdienstes in der Weftcndsynagoge, London, verursachte eine Anzahl jüdischer Suffragcttcn einen Zwischenfall. Tic riefen laut: ״Möge Gott Herbert Samuel und Rufus Isaaks vergeben, dag sic cs zulassen, daß Frauen gequält werden." Der Gottesdienst wurde einige Zeit unterbrochen. Panik im Nagyvarader Tempel. Am 10. d. ist während des Gottesdienstes ein Funke auf den Hut einer Dame gefallen. Der Ruf ״Feuer!" erschallte und eine Panik erfaßte die Gemcinde, die, etwa 2000 Köpfe zählend, das Gotteshaus voll beseht hatte. Viele drängten zu den Ausgängen, wobei mehrere Fälle von Unwohlsein cintratcn. Tie Fcucrlvehr löschte den geringfügigen Brand, worauf der Gottesdienst nach halbstündiger Unterbrechung fortgesetzt wurde. Pestcr koschere Esrogim. Budapest. Das hiesige orth. Oberrabbinat di. Reich war Heuer nicht in der Lage, einen einzigen verläßlichen Esrogimhändler, den auf streng koscheren Esrog Reflektierenden zu einpfchlen. Das Oberrabbinat ließ daher diesbezügliche Anfragen unbeantwortet. Ein Gebet von historischer Bedeutung. Anläßlich des Beilis-Ritualmordprozesses in Kiew, Rußland, verfaßten die russischen Rabbiner ein hebräisches Gebet, welches am vergangenen Rosch-Haschouoh und Jom Kippur in den meisten Gotteshäusern in Rußland inbrünstig verrichtet wurde. Laubhüttensest. Schmuck gebaut steht unsre Hütte, Tretet fröhlich ein! Hei, wie strahlen licht die Kerzen, funkelt hell der Wein. Waldesdüfte fluten nieder Boir dem grünen Dach Und sie füllen traulich würzig Unser Festgemach. Schaut, was luget freundlich Helle Durchs Geäst herein? Blond und Sterne wollen Gäste Beim Laubhüttenfeste sein. Einst zogen wir durch die Wüste, Wir hatten nicht Haus noch Land Und wohnten in leichten Hütten Doch sicher in Gottes Hand. Run bauen wir alljährlich Die Hütte neben das Haus Und ziehen aus sicherer Mauer Vertrauend in Hütten hinaus. Wiener Nachrichten. Einweihung des ueucrbauten Heimes zur Ausspcisung armer israel. Schulkinder in Wien. .kürzlich fand in Ottakring. Wurlihergasse Rr. 11, die feierliche Einweihung des unter dem Präsidium Direktor Benno Kahane, Obmann, Benedikt Schmidek, Obmannstellvertreter, Ottomar Katz, Schriftführer, S. Fischer, Kassier, erbauten neuen Heimes dieses Vereines statt. Ter nach jeder Richtung hin gelungene Prachtbau, welcher mit den modernsten technischen Neuerungen ausgestattet ist, repräsentiert sich prächtig. Die Feier, welche unter der Leitung des Festkomitee-Obmannes Siegfried Stein, 17. B., Obmannstellvertreter M. Goldenberg, der Herrcn: Jakob Kohn, S. Fischer, Dr. Hermann Moder». Samuel Neumann, Moritz Auspitz und des Amtsleiters des 16. Bezirkes, Herrn Sigismund Rochmis stand, leitete Herr 1. Oberkantor M. B. Kaufmann mit einer Weihhymne ein. welche er in Begleitung des durch das Leopoldstädter Chores verstärkten Ottakringer Chores unter der bewährten Leitung des Dirigenten I. Porth weihevoll und mächtig zum Vortrag brachte, woraus Herr 1. Oberkantor Kaufmann einen Psalm, welcher ihm Gelegenheit bot, seine prachwoll schönen Stimmittel und sein musikalisches Versläudnis zur vollen Geltung zu bringen, sang. In einer feierlichen Ansprache begrüßte Herr Obmann Kahane die zahlreich erschienenen Festgäste, worauf ein Prolog von einem Mädchen des Hortes hübsch vorgetragen wurde. Prediger Tr. I. M. Bach hielt eine zu Herzen gehende, alle Zuhörer hinreißende Rede, worauf Vizepräsident der Kultusgcmeinde k. k. Hofrat Dr. Rappaport namens des Vorstandes der Kultusgemeinde dem Vereine den Tank für den geiungenen Bau und die weitere Förderung in warmen Worten versprach. Namens des k. k. Landesschulrates sprach Inspektor Prof. Trautzl und hob in seiner Rede die Wichtigkeit des Bestehens solcher Vereine rühmend hervor, durch welche das Elend vieler Schulkinder gemindert wird. Vom 16. Bezirke selbst haben als Repräsentanz der Judenfchaft des 16. und 17. Bezirkes der Obmann der Bezirkskommission -Herr Dr. Jakob Deutsch, der Obmann des Bethausvorstandes für den 16. Bezirk k. u. k. Hof- und Kammerphotograph 0. Weitzmann und der Obmann des Festkomitees Herr Siegfried Stein. 17. Bezirk, in vorzüglicher Weise über das Wesen des Vereines gesprochen, appellierte insbesondere an die Mildtätigkeit aller und lud gleichzeitig zur Besichtigung des neuen Heimes ein. Nach den Reden stimmte der Chor das mächtige Halleluja an und mit der Absingung der Volkshymne schloß die würdige Feier. Auf die von den zahlreich erschienenen Festgästen dargebrachte Kaiserhuldigung wurde ein von! Schriftführer Ottomar Katz verfaßtes Huldigungstelegramm an die Stufen des Throues Sr. Majestät abgesandt. M. S. .Kaiser Franz Josef-Jubiläums-Synagoge. Vor kurzem wurde die Kaiser Franz Josef- Jubiläums-Syuagoge in Wien-Volkert (2. Bez., Fugbachgasse) vollendet und in feierlichster Weise dem Gebruache übergeben. Es muß hervorgehoben werden, daß diese neue große Synagoge in konservativ-jüdischem Sinne eingerichtet ist und somit eine Pflegestätte unverfälschten Judentums bilden wird. Diese neue Synagoge mit den angegliederten wahrhaft jüdischen Institutionen (Bibelschule) können wir Juden Mährens mit Stolz auf die Initiative unseres wackeren Landsmannes. Herrn Adolf Schramek, zurückführen. Dieser hatte es als seine Lebensaufgabe angesehen, daß große Werk zu vollenden und der ererbten Paterreligion ein mächtiges Bollwerk in dem Wiener Stadtteil ״Volkert" zu errichten. Mit bewunderungswürdiger Zähigkeit und mit der Wucht frommer Begeisterung hat Schramek Stein um Stein zu dem großen Werke herbeigeschasft und im großen wie im kleinen liebevoll für sein Gedeihen gesorgt. Dadurch soll das Verdienst seiner eifrigen, hingebungsvollen Mitarbeiter nicht geschmälert werden, welche, wie insbesondere Herr Simon Bandler, ihr Bestes geleistet haben. Als der Bau des Hauses von den Werkleuten durchgeführt wurde, versäumte es der vielbeschäftigte Mann trotz seines Alters nicht. Tag für Tag das Gerüst zu besteigen und sich von dem Fortschritte der Arbeit zu überzeugen. Nun ist der Tempel vollendet; Gott hat es dem braven Schramek vergönnt, im Angesichte der großen Oesfentlichkeit, in Anwesenheit eines Vertreters unseres Kaisers die heilige Stätte einzuweilzen und die Erfüllung des fahrelang genährten Wunsches mit Muße zu genießen. Doch so mühevoll und vielseitig auch die Leistungen unseres Landsmannes Schramek waren, ehe er dieses Ziel erreichte, so konnten sie dem Drange nach hochherziger Betätigung seiner echt jüdischen Frömmigkeit nienials genügen. Adolf Schramek ist ein unermüdlicher Wohltäter sowohl einzelnen Armen gegenüber, als auch gegen alle charitatischen Institute und Vereine. Ehre, wem Ehre gebührt! Adolf Schramek ist eine Zierde des Judentuins im allgemeinen Und der mährischen Juden im besonderen. Schenke ihm Gott die Gnade, noch viele Jahre an diesen! Bethause zu wirken und der Mitwelt ein leuchtendes Beispiel opferfreudiger Gesinnungstreue zu geben. Wollte Gott, daß es viele solcher Männer gäbe. mmisfpümpfe kür Xrampfsderküöe in allen IZusIitLten und zu konkurrenzlosen Preisen nur im GUMMIGESCHÄFT JOS. FIALA sen., Brünn, Krüna 3—5. — MaBkarten postwendend. Korrespondenzen. Brünn. Herr M. U. Dr. Alfred Grünspann, gew. Sekundararzt am k. k. Wilhelminenkinderspital in Wien, ehenu Vol.-Assistent der Prof. Finkelsteinschen Säuglingsklinik in Berlin und der Prof. Neumannschen Kinderpoliklinik in Berlin hat sich nach längerer Tätigkeit an den genannten Anstalten speziell auf dem Gebiete der Säuglingserkrankungen und Säuglingshygiene, als Kinderarzt in Brünn, Karl Kandier- Gaffe Nr. 8, niedergelassen und ordiniert täglich von halb 6 bis -1 Uhr nachmittags, an Sonn- und Feiertagen von 10 bis 11 Uhr vormittags. Tobrzisch. In seiner Festprcdigt vom 11. d. nahm unser Herr Rabbiner Tr. Eiscnberg Veranlassung, die Rituainwrdlüge von der Kanzel herab zu verurteilen und die traurigen Folgen derselben für das ethische Empfinden unserer Zeitgenossen in drastischer Weise zu beleuchte». Nach einer kurzen, packenden Einleitung, die die verheerenden Wirkungen dieser unwürdigen Beschuldigung schilderte, konstatierte der Vortragende, daß solche Anklagen zu dem Zwecke erdichtet wurde», um die Lpfer derselben desto besser quälen zu können, um den Verfolgungen einen Tchcin der Berechtigungen zu verleihen und um auch die Leidenschaft weiterer Kreise zu entfesseln. Es erscheint unglaublich, daß selbst das sinnreiche Kol-Nidre-Gebet, das schöne Llenugebct und andere religiöse Bräuche den Anklagestoff bildeten, um die schrecklichsten Marterqualen zu verhängen, endlose Untersuchungen einzuleitcn und die grausamsten Vertreibungcn zu veranlassen. Sind jedoch sämtliche Beschuldignngen des Mittelalters vor dem Geist der Neuzeit verschwunden, so blieb unserer Generation jene Anklage zurück, welche zeitweise in jene» Ländern auftaucht, wo weder Bildung »och Vernunft herrschen. Es is! die Verleumdung, lvelche vor zirka anderthalb Jahrtausenden die heidnischen Völker gegen die Bekenner der ersten Tochterreligion des Judentums erhoben, um ihnen den Garaus zu machen. Es ist die Anklage, welche ein Fahrtauseno später diese Tochter gegen ihre Mutter, gegen das Judentum schleuderte, um es zu Weruichten. Sie tötet das moralische Empfinde» derjecrigen, die sie in Umlauf setzen, tütet das ethische Betmrßtsein der Völker, denen sie zugctragen ivird und tötet die zahllosen üpfer derselben, verwandelt ihre Freunde in Feinde, Gönner in Gegner und Mitmenscheu tu grundlose Rächer. Wie R. Meir, dem übelwollende Nachbarn unaufhörlich Kränkungen zugefügt hatten, über Rat seiner gelehrten Frau Beruria. Gott anricf, daß die Bosheit verschwinden möge, damit keine Frevler mehr möglich wären, so müssen alle Freunde der Wahrheit aller Religionen und Nationen ihre Stimme gegen solche Auswüchse erheben, gegen eine neuerliche Verwilderung cinschreiten und ein nochmaliges Todesopfer verhüten. — Diese find die leitenden Sätze einer erhebenden Predigt, welche eine Kundgebung gegen die Blutlüge bedeutete und vom Auditorium mit vollsiem Beifall ausgenommen wurde. Trohobycz. Vorige Woche wurde in der hiesigen Synagoge ein Einbruchsdiebstahl versucht. Die Einbrecher, welche den eisernen Kasten, wo die Thoragerüte aufbewahrt sind, zu erbrechen versuchten, wurden von dein Synagogendiener überrascht, der wegen der Slichothtage dieselbe schon uni Uhr früh öffnen mußte. Tie Diebe flüchteten und hinterließen in der Eile ihre Werkzeuge, die dann zu ihrer Ausforschung wesentlich beitrugen. Es gelang daraufhin, sie zu verhaften. Bvryslaw. Hier wurde der 20jährige Eisik Landesinann und seine Frau, als sie vom Geschäfte heimkehrten, von zwei unbekannten Strol chen ohne jedwede Ursache überfallen und durch Messerstiche schwer verletzt. Tie Strolche entkamen. Preßburg. Sonntag den ."». Oktober l. I. wurde auf dem alten Preßburger jüdischen Gottesackter ein stilvolles und schönes Grabdenkmal für den in! Vorjahre im 80. Lebensjahre verstorbenen Obmann des Wiener Bethanses und Beth-Hamidrasch ״Talmud Thora" i»! zweiten Bezirke feierlich enthüllt. Der Feier wohnten außer der Witwe. Frau Buchwald mit ihren Töchtern und Schwiegersöhnen, die Vorstands- Mitglieder Herr Leopold Hirsch als Obmann, die Herren Gabriel Fischer und Rntzig und zahlreiche Preßburger bei. 2e. Ehrw. Herr Rabbiner H. Schenk pries in formvollendeter Gedenk rede das eminent humanitäre und verdienstvolle Wirken Simon Bnchwalds, dessen Andenken fortleben und allzeit ein gesegnetes bleiben wird. Die hebräische Inschrift hat Prof. Antscherl dem verewigten Freunde gewidmet.