Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XIV (1913)
- Issue
- Heft 42 (15.10.1913)
- Date
- 1913-10-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 ״Jüdische Bolksstimme." Nr. 42. Hundfdiau. Das Hebräische als Amtssprache. Tripolis. Die italienische Regierung hat den Entschluß gefaßt, die hebräische Sprache als Amtssprache für die Juden anzucrkrnucn. Alle ׳Aktenstücke müssen jetzt in hebräischer Sprache abgefatzt sein. Ausschlicßug -er Juden aus der russischen Armee. Petersburg. Die P. T. A. meldet, daß die Mitglieder der Nationalpartei der Duma ein Projekt wegen Ausschließung der Juden vom Militärdienst unterbreiten werden. Die Juden sollen an Stelle des Dienstes eine hohe Militärsteucr entrichten. Die Eingabe der Nationalpartei wird damit motiviert, daß die Juden aus die russischen Soldaten demoralisierend einwirfei!. Echt russisch! Ancrkcuuuug des hebräischen Gymnasiums in Jaffa. Die Universitäten in Wien, Berlin und Paeis, sowie sämtliche Universitäten der Schweiz anerkennen die Matura am genannten Gymnasium und werden Abiturienten desselben als ordcntliche Hörer ausgenommen. Tie jüdischen Feiertage und die Sperrstunde. Budapest. Infolge eines Gesuches mehrerer Kaufleute gestaltete der Magistrat auf Grund des Gesetzes über die geschäftliche Sperrstunde, das; Kaufleute, die ausschließlich jüdische Nitualartikcl und hebräische Bücher verkaufen, fünfzehn Tage vor dem ersten israelitischen Neujahrstage und fünfzehn Tage nach diesem Feste ihre Geschäfte an Wochentagen bis 0 Uhr abends offenhalteil dürfen. Diese Begünstigung erstreckt sich nicht auf jene Mauflcutc, die außer den obigen Artikeln noch andere Gegenstände verkaufen. Josef Schildkraut, der Sohn des bekannten Schauspielers Rudolf Schildkraut, ist von Mar Reinhardt auf fünf Jahre für das Deutsche Theater verpflichtet worden. Der junge Schildkraut ist erst siebzehn Jahre alt. Eine Lcichcnvcrwcchslung. Jin Libaucr Krankcnhause waren vor einigen Tagen zwei ziemlich glcichaltriae Frauen verstorben, die in der Leichenhalle aufgebahrt wurden. Eine von diesen war evangelisch-lnthcrischer, die andere mosaischer Konfession. Aus die Benachrichtigung des Krankenhauses von dem Tode seiner Frau erschien der jüdische Ehemann, holte die Leiche seiner Frau ab und ließ sie auf dem jüdischen Friedhöfe nach jüdischem Ritus beerdigen. Bald darauf erschienen auch die Min־ der der anderen verstorbenen Frau im Kranken- Pause, um die Leiche ihrer Mutter abzuholcn. Sie wollten die Leiche bereits in Empfang nehmetzV als ein unbekannter Ring an der Hand der Toten sie stutzig machte, und nun erkannten sie zu ihrem Schrecken, daß die Leiche gar nicht die ihrer Mutter, sondern einer Frau jüdischer Abstammung war. Weitere Nachforschungen ergaben, daß der jüdische Ehclnann, der am Tage zuvor die Leiche seiner Frau abgeholt hatte, sich, trotzdem er in :;׳,jähriger Ehe mit seiner Frau zusammengclcbt hatte — versehen und statt seincr Frau die gleichzeitig verstorbene Christin nach Hause genommen und beerdigt hatte. Am 22. September fand auf dem jüdischen Friedhose die Erhumicrung der dort versehenilick׳ beerdigte» evangelischen Frau in Gegenwart der Polizei und des Obcrrabbincrs statt, woraus das Ncrsehen des Ehemannes durch Austausch der Leichcn wieder gut gemacht werden konnte. Die Zwangstaufe in Galizien. Krakau. Eine Zeitlang hörte man von den klösterlichen Zwangstaufen nichts mehr, was darauf schließen ließ, daß die frommen Seelenjager es vorzogen, im Stillen zu arbeiten. Nun börr man wieder von einer empörenden Bindertaufe, die in der von der bekannten Fürstin Aginska unterhaltenen Findelanstalt vor sich ging. Fünf -Linder, drei Knaben und zwei Mädchcn, die in der Anstalt erzogen worden sind, wurden vorige Woche, nachdcin sie das 14. Lebeusjahr erreicht haben, unter großen Feierlichleiten der Taufe zugeführt. Wie man hört, bcfindet sich noch eine ansehnliche Anzahl jüdischer!,linder in der Anstalt. Sie werden ihr von den Wiener Findclanstaltcn zugesührt und der galizische Landesausschuß trägt die Kosten der Erziehung. Tic Frage der Gründung einer eigenen jüdischen Anstalt für obdachlose Kinder in Galizien ist nun durch diese Vorkommnisse wieder in ein akutes Stadium gerückt. Der Landcsausschuß hat sich bereit erklärt, den Beitrag, den er jetzt an die Aginsiufchc Anstalt zahlt, auch einer jüdischen Anstalt zu entrichten. Leider liegen die Verhältnisse bei uns zurzeit noch nicht so. daß die Ausführung dieses Planes in absehbarer Zeit zu erwarten wäre. Ein jüdisches Kunstwerk im ״Weißen Hause". Präsident Wilson hat, wie aus Newyork berichtet wird, dieser Tage ein interessantes Kunstwerk erworben. Es ist das ein Bild, das einen Juden darstellt, wie er aus seinem Heimatsortc, in welchem er, seine Eltern und schon seine llreitern geboren wurden, vertrieben wird. Mit dem Wanderstabc in der Hand zieht er in die große weite Welt, ins Ungewisse. In der einen Hand den Wandcrstab, auf dem anderen Arm ein kaum dem Täuglingsalter entwachsenes Kind, und — die Thora. Sein Gesicht verrät Elend, Not und Schrecken. Dieses Kunstwerk stammt von dem Bildhauer Butensky, eines aus dem Minsker Gouvernement in Rußland vor zwölf Jahren nach Newyork ausgewandcrtcn Juden. Das Bild wurde ursprünglich für den reichen Finanzier I. Goldberg angefertigt, und hat solchen Beifall gefunden, daß der Künstler seitdem auch für die Sammlung des Jakob H. Schiff und für die Privatsammlung der Gattin des gegenwärtigen Präsidenten der Vereinigten Staaten Mrs. Wilson, die selbst eine anerkannte Malerin ist, anfertigen mußte. Nun hat auch die Direktion der Kunstsammlungen des Weißen Hauses ein Eremplar dieses berühmten Kunstwerkes vom Künstler anfcrtigen lassen und erworben. Burensky hat vor ungefähr vier Jahren aus Bestellung des Bankiers Jakob H. Schiff eine andcre, gleichfalls berühmt gewordene Arbeit angefertigt, welche die bekannte Prophezeiung Jesaias, daß der Wolf mit dem Schäflcin in Fricden zusammenleben werde, darstellt. Dieses Kunstwerk wurde seither von Jakob H. Schiff dem Newyorker Metropolitan kunsthiftorischcn Museum zum Geschenke Mnacht. Eine Statistik der jüdischen Soldaten in Amerika. Die Ncwhorker ״Hcbrew Sheltcring and Immigrant Aid Society" hat soeben einen Aufruf erlassen, in welchem sämtliche Juden, die in Amerika in Militärdienst zu Lande oder zur Sec stehen, aufgcfordert werden, sich zu melden, um eine genaue Statistik über die Juden im amerikanischen Heere zu erlangen. Diese Aktion ist dadurch hervorgerufen worden, daß in den Newyorker Blättern in jüngster Zeit eine Diskussion darüber geführt wurde, ob die cingcwandcrten Juden ihrem neuen Vatcrlande auch wirklich eine opferwillige Liebe cntgcgenbringen. Ein hoher Militär hat nun in dieser Diskussion die Behauptung aufgestellt, daß die Juden in viel größerer Anzahl im amerikanischen Heere vertreten sind, als es ihrem Verhältnis zur allgemeinen Bevölkerung entsprechen würde. Verbot zionistischer Kongrcßbildcr. Die meisten Kinobesitzer in den von Juden bewohnten russischen Städten haben Films vom letzten Zionistcnkongreß erworben. Der Minsker Gouverneur hat nun die Verordnung herausgcgeben, daß in dem ganzen Minsker Gouvernement die Vorführung dieser Bilder als die Vorgänge in einer in Rußland verbotenen Organisation darstellend sofort eingestellt werden mögen. Dieses Verbot hat nun auch in den übrigen Teilen Rußlands Nachahmung gefunden. Mit der gleichen Strenge wird auch gegen jeden Nersuch, in Versammlungen oder bei sonstiger Gelcgenhcit über den letzten Zionistenkongreß zu berichten, vorgcgangen. Abschaffung des ״Roten Zettels". Warschau. Hiesige jüdische Blätter veröffcntlichcn die Nachricht, daß der für alle ausländischeu jüdischen Reisenden in Palästina bestehende besondere rote Paßzettel durch eine Verfügung des türkischen Ministeriums des Innern abgeschasst worden sei. — Die Einrichtung des sogenannten roten Zettels ist ein Uebcrblcibsel der hamidischen Aera. Als nämlich im Jahre 1882 unter den verfolgten russischen Juden eine Bewegung zu massenhafter Auswanderung nach Palästina und Syrien cinsetztc, traf Sultan Abdul Hamid, der eine Uebcrflutung des Landes mit mittellosen Emigranten befürchtete, die Verfügung, daß allen ausländischen Juden bei der Landung in Jaffa ihr Reisepaß abgenommen und ein roter Legitimationsschein eingehändigt werden sollte. Dieser Schein enthält u. a. den Vermerk, daß der Inhaber nur zu einem dreimonatigcn Aufenthalt im Lande berechtigt sei. Praktisch war dieser ״rote Zettel" der AÜsdeh-, nung des jüdischen Kolonisationswerkes in Palästina kaum hinderlich, gleichwohl enipfanden weite jüdische Kreise die gegen die jüdischen Neisenden als solche gerichtete Maßregel als eine, demütigende Ausnahmebestimmung. Nach der Warschauer Blättermeldung ist -nun die verletzende Einrichtung, die dem Geiste der neuen türkischen Verfassung durchaus widerspricht, endlich aufgehoben worden. Wie der ״N. I. K." hierzu von informierter zionistischer Seite mitgeteilt wird, ist es seit laugcm bekannt, daß eine Aktion auf Abschaffung dieses roten Zettels eingeleitct worden ist, deren Aussichten in der Tat sehr günstig stehen. Aus begreiflichen Gründen haben aber bisher die Initiatoren von Veröffentlichungen in dieser Sache abgesehen und es ist bedauerlich, daß in einer so wichtigen Sache voreilig derartige Nachrichten verbreitet werden. Begründung des österreichischen Bundes ״Blau- Weiß" für jüdisches Jugendwandern. Die großen Erfolge, welche der jüdische Wanderbund ״Blau-Weiß" in Wien trotz der knappen Zeit seines Bestandes erzielt hat, die Tatsache, daß er heute schon mehr als zweihundcrt Wanderer und Wanderinnen zählt und die unverkennbaren Sympathien, deren er sich in der Ocffentlichkcit erfreut, haben den Bundcsvorstand veranlaßt, att die Gründung einer Reichsorganisation zu schreiten. Die Statuten des Neichsbundes sind vom k. k. Ministerium des Innern bereits genehmigt. Ein am 2. September d. I. abgcl)altencr westösterreichischer Jugendtag, der von -18 Organisationen aus 24 Städten beschickt war, gab den vertretenen Korporationeu den strikten Auftrag, unverzüglich an die Gründung von Ortsgruppen zu schreiten. Der Wiener Wanderbund hielt am 4. d. eine außerordentliche Generalversammlung ab, in der seine Umwandlung vollzogen und die Vorstandsmit- «lieber JUDr. Ernst Skutetzky. MNC. Otto Gersuny, jur. Jakob Landau und cand. chem. Nudolfine Waltuch als Delegierte zum ersten, in wenigen Wochen stattfindenden Bundestag gewählt wurden. Die Neichsorganisation gibt gemeinfam mit dem Berliner Bruderbund eine Monatsschrift ״Blau-Weiß-Blättcr" heraus, die in vorzüglicher Weise redigiert ist und der Wandcrbcwegung die Wege ebnet. Eine Schwierigkeit muß hier betont werden. Die Beschaffung der notwendigen Materialien, wie Zelte, Laternen, Apotheken, Kochapparatc, sowie der Ausrüstung von ärmeren Wanderern mit wetterfester Ge- Wandung. Rucksack, Wettcrkragen usw., haben zur Voraussetzung ergiebige Geldquellen, die sich der Wanderbund bisher nicht erschließen konnte. Beiträge sind an die Adresse des Kassiers MUDr. Alfred Czapek, 1. Bezirk, Graben 18, zu richten. Auch in Br ü n n wird an die Gründung einer Organisation geschritten werden. Interessenten wollen ihre Adresse der Redaktion dieses Blattes mittcilcn. Das grösste Buch der Welt. Das größte Buch der Welt ist sicherlich ein Album, das einer jüdischen Sekte in Newyork gehört, die sich ״Söhne vom Hause Jakobs" neuncn. Ter ungeheure Band besteht aus 4000 Seiten und enthält 10.000 Photographien der bedcutendstcn Juden und der .',00.000 bedeutendsken jüdischen Firmen der Welt. Das Albuin wiegt ungefähr 10 Kilogramin und ist nach Art der japanischen Bücher gebunden. Disksste-ueseHschaft bei der NerdSsterreichischen Bank^ fir Industrie, Handel und Landwirtschaft, realstrierte Genossenschaft mit beschränkter Haftung In Brünn, Ferdinandsgasse Nr. 33 Telephon 1340. Empfiehlt sich für alle einschlägigen Bankgeschälte, hauptsächlich auch rar den ע Eskompt offener Buchforderungen | unter den allergfinstigsten Bedingungen.